Выбрать главу

»Du bist ein hartgesottner Schuft, Varney,« erwiderte Alasko, »gar manche tuns und reden nicht davon.«

»Und manche wieder reden davon und tuns nicht,« entgegnete Varney, »aber grolle mir deshalb nicht, ich suche keinen Zwist mit Dir ... tät ichs, so riskierte ich ja, vier Wochen lang aus Furcht vor Gift von Eiern leben zu müssen ... doch sage mir, wie ging es zu, daß Deine Kunst in diesem Falle Dich so schmählich im Stich gelassen hat?«

»Das Horoskop des Earl of Sussex verkündet,« entgegnete der Astrologe, »daß das Zeichen des aufsteigenden Wesens in Aufruhr ...«

»Verschone mich doch endlich mit Deinem Quatsch!« rief Varney grob; »meinst Du etwa mit dem Grafen zu schauspielern?«

»Ich bitte Euch um Verzeihung und schwöre Euch,« erwiderte der Greis, »daß bloß ich eine Medizin kenne, die im stande war, des Grafen Leben zu retten, und daß niemand in England lebt, der das Gegengift kennt als ich selbst ... und seine Bestandteile, einer insbesondre, sind fast nirgendswo erhältlich. ...«

»Es ging die Rede von einem Quacksalber,« bemerkte Varney nach kurzem Besinnen, »der ihn gepflegt und geheilt habe;« dann fragte er den Greis: »Seid Ihr Eurer Sache sicher, daß außer Euch niemand im Besitze dieses Gegengiftes ist?«

»Einer hat gelebt, der ehedem Diener bei mir war,« erwiderte der Doktor, »der könnte es mir mit einigen andern Geheimnissen gestohlen haben! Aber, Junker Varney, es verträgt sich nicht mit meiner Art, solchen Pfuschern Einmischung in mein Handwerk zu gestatten. ... Der spürt meinen Geheimnissen nicht mehr nach, verlaßt Euch drauf ... denn ich glaube, er ist auf feurigem Drachen gen Himmel gefahren ... Friede seiner Asche! ... Aber darf ich rechnen, in jener Einsamkeit, von der Ihr sprecht, mein Laboratorium zu finden?«

»Eine ganze Werkstatt, Mann!« rief Varney, »denn ein ehrwürdiger Abt, der vor mehr als zwanzig Jahren den flotten König Heinz dort mit manchem seiner Höflinge bewirtet hat, besaß einen vollständigen Alchimistenschuppen, der von einem seiner Nachfolger auf den andern überkommen ist. Dort sollst Du Wich niederlassen, dort sollst Du mischen und mehren und quacksalbern und doktern nach Herzenslust, bis der grüne Drache sich zu Gold gewandelt hat, oder wie die Rede bei Euch gelahrten Zunftbrüdern sonst wohl heißt.«

»Nu hast recht, Junker Varney,« sprach, der Alchimist, die Zähne aufeinander pressend, daß sie knirschten, »recht in Deiner hohen, bodenlosen Verachtung alles Rechts und aller Vernunft, denn was Du sprichst im Hohn, kann lautre Wahrheit sein, ehe wir uns zum andern Male sehen. Und ist es darum nicht klug von mir und weise, daß ich mein künftiges Leben, so lange es noch währen wird, in Ruhe meiner Wissenschaft weihe, die mich frei macht von niedriger Abhängigkeit von Günstlingen, und Günstlingen von Günstlingen, in deren Klauen ich jetzt stecke?«

»Recht so, bravo! Bravo! Mein guter Vater!« rief Varney mit seinem gewohnten sardonischen Lächeln, »aber alle Versuche, Dich dem Steine der Weisen zu nähern, lockten Mylord Leicester keine Krone aus der Tasche, und Richard Varney noch weniger. Was wir von Dir verlangen, sind irdische Dinge, sind Dienste, die wir fassen, die wir schätzen können, Mann! Mit all Deiner philosophierenden Sternhimmelkomödie locken wir keinen Hund hinterm Ofen vor.«

»Mein Sohn Varney,« erwiderte der Alchimist, »Dich umgibt Unglaube gleich einem frostigen Nebel und hat Deinen Geist derartig getrübt, daß er dem Weisen zum Stein des Anstoßes wird, und dem, der in Demut Erkenntnis sucht, eine so deutliche Lehre gibt, daß jeder sie verstehen muß. Du meinst, Kunst besitze die Macht nicht, die unvollkommnen Versuche der Natur in der Erzeugung von Metallen zu vervollkommnen, und doch vermag sie es!« ...

»Papperlappapp,« fiel ihm Varney ins Wort, »das ist mir alles schon so oft vorgeschwatzt worden, daß ich genug davon habe, besonders seit ich ein solcher Esel war, als Grünling im Leben zwanzig Goldfüchse an die Gewinnung des feinen chemischen Pulvers zu setzen, die aber, leider! in Qualm aufgingen. Seitdem soll mit jeder fern bleiben mit allem, was nach Chemie duftet, oder sich als Astrologie, Chiromantie oder sonstwie aufspielt. Aus mir lockt all dies Zeug keinen roten Heller mehr heraus. Drum sage ich Dir, Freund, was Du in Deiner neuen Behausung zu verrichten Dir angelegen sein läßt, wird am besten darin bestehen, einen Vorrat von jenem Sussex-Manna zu bereiten, das ich nicht entbehren und darum auch nicht verspotten will ... Du weißt ja, das Manna des heiligen Nikolaus ...«

»Ich will kein Manna mehr bereiten,« erwiderte der Greis, fest entschlossen.

»Dann sollst Du hängen,« rief der Stallmeister, »für Deine bisherigen Sünden, in welchem Falle die Menschheit auch um Dein großes Geheimnis wäre, und wohl kaum zu ihrem Schaden ... Aber sei nicht so grausam gegen sie, Vater, tue der Menschheit diese Ungerechtigkeit nicht an! sondern unterwirf Dich Deinem Schicksal und mach uns ein paar Unzen aus jenem selben Stoff, so daß es ungefähr ausreicht für ein paar Personen. Das schafft Dir Mittel, Deine Universalarznei zu bereiten, die ja doch alle Krankheit auf einmal aus der Welt schaffen soll. Aber sei lustig und guter Dinge, alter Brummsack! Hast Du mir nicht gesagt, daß eine bescheidne Portion Deines Tränkchens milde Wirkung tue, dem menschlichen Leibe in keiner Weise zu Schaden sei, sondern bloß Niedergeschlagenheit, Kopfweh, Schwindel und Unlust, sich vom Flecke zu bewegen, verursache? daß es dem Menschen zu Mute werde, wie einem Vögelchen im Käfig, das keine Lust habe, aus seinem Käfig zu fliegen, auch wenn ihm die Tür geöffnet wird?«

»Allerdings habe ich so gesagt,« erwiderte der Alchimist, »und so verhält es sich auch. Solche Wirkung wird es hervorbringen, und das Vöglein, das sich mit solch mäßiger Portion bescheidet, wird eine Zeitlang matt und müde auf seiner Stange sitzen, ohne des freien, blauen Himmels oder des frischen, grünen Waldes zu gedenken, auch wenn der Himmel beschienen würde von den Strahlen der aufgehenden Sonne und in dem Walde das schönste Konzert seiner lustigen Sänger erschallte.«

»Und solcher Zustand würde ohne Gefahr des Lebens sein?« fragte Varney, nicht frei von Unruhe.

»Ja, das heißt, sofern das richtige Maß nicht überschritten wird und jemand, der die Beschaffenheit des Manna kennt, die Symptome überwacht und im Notfälle zu Hilfe kommen kann.«

»Du sollst das Ganze regeln,« sagte Varney, »Deine Belohnung soll fürstlich sein, wenn Du die richtige Zeit hältst und das richtige Verhältnis triffst, so daß ihre Gesundheit nicht leidet ... andernfalls rechne mit schwerer Strafe!«

»Daß Ihre Gesundheit nicht leidet?« erwiderte Alasko; »also ist es ein Weib, an dem ich meine Kunst versuchen soll?«

»Nein, Du Tropf!« versetzte Varney; »habe ich Dir denn nicht gesagt, ein Vögelchen, eine zahme Meise, deren süßer Schlag selbst einen Habicht weich stimmen möchte? ... ha! Wie Dein Auge glänzt! O, ich weiß, ich weiß, Dein Bart ist keineswegs so weiß, wie Kunst ihn gefärbt hat.... Das wenigstens hast Du zu Silber wandeln können! Aber, Freund! Das ist nichts für Dich! Nichts für Dich! Das Vögelchen im Käfig gehört jemand, der sich niemand ins Gehege kommen läßt, am wenigsten solchen Vogel wie Dich und . . das merke Dir! Das Vögelchen muß gesund bleiben, das ist Hauptsache bei der ganzen Sache.... Aber die Dinge liegen nun einmal so, daß sie bei den Festen drüben in Kenilworth erscheinen soll; und es muß alles daran gesetzt werden, daß unser Vögelchen nicht dorthin fliegen kann ... es darf nicht sein ... darf unter keinen Umständen sein ...doch braucht sie davon, daß dies notwendig ist, und weshalb es notwendig ist, nichts zu erfahren; es muß vielmehr alles aufgeboten werden, daß sie von den Festlichkeiten aus freiem Willen wegbleibt, daß sie sich dem Ansinnen, den Fuß aus ihrem Hause zu setzen, von selbst widersetzt,«