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»Noch hundert verdammte Lügen mehr kann ich sagen,« erwiderte Lambourne, »indessen soll mirs auf ein gutes Wort für einen Freund nicht ankommen.«

»Auf Deine Gesundheit, Michel, von ganzem Herzen!« sagte der Krämer; »kannst auch für die neuen Moden gutsagen ... aber da war doch ein Schelm von Hausierer vorhin anwesend ... der die altmodischen spanischen Strümpfe weit über die neuen Gascogner Gamaschen stellte ... wo ist er denn hingekommen? Heda, Herr Wirt! Wo steckt denn der Hausierer?«

»Wo jeder andre vernünftige Mensch auch stecken sollte, der morgens bei der Kundschaft auf dem Posten sein will ... in seine Kammer hinauf ist er gegangen, hat sich eingeschlossen und macht Kasse.«

»Soll er hängen, der pedantische Filz!« rief der Krämer; »aber Lust hätte ich, ihm seine Waren abzunehmen! Diese Gauner von Hausierer fügen durch ihr Herumziehen im Lande bloß dem ansässigen Geschäftsmanne den größten Schaden zu. ... In Berkshire gibts Kerle, die ihren Mann stehen ... man trifft den Patron schon einmal auf der Landstraße ...« »Hm,« machte der Wirt lachend; »er steht schon auch seinen Mann ... wer dem an den Kragen will, muß Mark und Knochen haben und derb zupacken ...«

»So?« fragte Goldfaden.

»Jawohl, so!« entgegnete der Wirt; »bei Hahn und Elster! Er ist der Hausierer wie er sein soll, genau wie der, der dem Robin dem Roten so tüchtig aufs Leder rückte... wies in dem Verse heißt:

Da zog der Robin Hood sein Schwert,

Den Knief der Handelsmann,

Und deckte Robin Hood so gut,

Wies keiner besser kann!

»An den Galgen mit dem Hund! Mag er laufen!« rief der Krämer, »stehts so mit ihm, so wäre wenig Ehre mit ihm zu holen ... und nun sagt mir, Michel ... braver Michel ... wie trägt sich das holländische Leinen, das Ihr mir abgewonnen habt?«

»O, famos, wie Ihr ja sehen könnt, Meister Goldfaden,« erwiderte Michel, »Du sollst noch einen Trunk dafür haben ... Füll mal die Pulle, Musje Kellner!«

»Mit derlei Wetten, Michel, wirst Du noch mehr Holländisch-Leinen gewinnen,« meinte der Krämer, »denn der Brummsack Tony Foster schimpft in einem weg auf Dich und schwört, Du solltest ihm nicht wieder über die Schwelle, denn Du könntest, hols der Teufel, das Dach von einem Christenhause herunterfluchen!«

»So? Hat er sich so vernehmen lassen, dieser heuchlerische, duckmäuserische Hundsfott?« wetterte Lambourne, »na, dann soll er doch herkommen und hören, was ich ihm heut zu bestellen habe; her, unter meines Onkels Dach, soll er kommen! ... Und solch schwarzen Sanktus will ich ihm singen, daß er noch ganze vier Wochen meinen soll, der Teufel halte ihn am Schlafittchen, wenn er bloß meint, mich zu hören!«

»Schockschwerenot! Jetzt ist der Topf aber voll zum Ueberlaufen!« rief der Krämer. »Was? Tony Foster soll auf Deinen Pfiff parieren? ... Ei, ei, mein lieber Michel, pack ein, pack ein!«

»Ich sage Dir, Du schmalgesichtiger Tropf!« rief Michael Lambourne heftig, »...fünfzig Goldfüchse halte ich gegen die fünf vordersten Regale Deines Ladens, von der Hinterlichtseite angefangen, mit allem, was drin ist, daß ich Tony Foster hierher in diesen Gasthof lotse, noch ehe wir drei Runden gesoffen haben.«

»Eine Wette in solcher Höhe geh ich nicht ein,« sagte der Krämer, durch ein Angebot einigermaßen ernüchtert, das eine ziemlich genaue Kenntnis von der Beschaffenheit und Einrichtung seines Ladens verriet, ... »nein, für solche Wette danke ich; »aber fünf Füchse will ich halten gegen Deine fünf, wenn Dir das recht ist, daß Tony Foster seine vier Pfähle nicht verläßt, am wenigsten, um in eine Gaststube nach der Gebetstunde zu kommen Deinethalben oder wegen sonst jemand.«

»Einverstanden,« sagte Lambourne. »Hier, Onkel, die Wette gilt, und laßt eins von Euren jungen Blutfäßchen herschaffen ... einer von Euren Kellnerbuben soll hinüber ins Herrenhaus laufen und Meister Foster hier den Brief abgeben und ihm sagen, daß ich, sein »Bester«, Michael Lambourne, ihn auf meines Onkels Schloß bitten lasse, woselbst ich ihm Dinge von hoher Wichtigkeit zu sagen hätte.... Hinweg mit Dir, Junge, denn die Sonne ist schon unter, und der Kerl geht mit den Hühnern schlafen, um ein Talglicht zu sparen ... allons, lauf!«

Gleich darauf war der Junge verschwunden ... die Pause wurde mit Zechen und Lärm ausgefüllt ... und nicht lange, so kam er mit dem Bescheide wieder, daß Meister Foster sich einfinden werde.

»Gewonnen! Gewonnen!« rief Lambourne und griff nach dem Gelde.

»Erst wenn er da ist, bitte,« sagte der Krämer.

»Ei, der Teufel! Er steht ja schon auf der Schwelle!« versetzte Michael ... »was sagte er, Jungen?«

»Mit Verlaub, Euer Gnaden,« antwortete der Bote, »er guckte aus dem Fenster, mit einem Schießprügel in der Hand, und als ich Euern Auftrag ausrichtete, was ich mit Furcht und Bange getan, da rief er mit einem Gesicht, so sauer wie Essig, Ihr mochtet hinfahren, wo Satan haust.«

»Oder in die Hölle, nicht wahr?« meinte Lambourne, »dorthin wünscht er alle, die nicht zur Brüderschaft gehören.«

»Ganz recht, so sagte er auch, doch brauchte er eine Redensart, die um einiges poetischer war.« »Ein gescheiter Kerl, der Junge!« sagte Michael; »sollst einen Tropfen haben, um Deine poetische Ader zu begießen ... Und was hat Foster sonst gesagt?«

»Zurückgerufen hat er mich,« antwortete der Junge, »und hat mir aufgetragen, zu bestellen, Ihr solltet doch zu ihm kommen, wenn Ihr was zu bestellen hättet.«

»Und was sonst noch?« fragte Lambourne.

»Er hat den Brief gelesen, und da schien es, als besänne er sich, und dann fragte er, ob Euer Gnaden beim Schoppen säßen ... und ich sagte, Euer Gnaden sprächen ein bißchen Spanisch, wie einer, der auf den Kanarischen Inseln geboren sei.«

»Weiter, Du Diminutivum von einem Bierkrug! ... Ergehst Dich ja in kühnen Vermutungen ... was hat er noch gesagt?«

»Hm, er brummte, wenn er nicht käme, dann möchten am Ende Euer Gnaden ausposaunen, was besser einbehalten würde, und so griff er nach seiner alten Filzkappe und warf den verschlissenen blauen Mantel um, und, wie ich schon sagte, er wird im Handumdrehen hier sein.«

»Es steckt Wahrheit in dem, was er sagt,« erwiderte Lambourne, wie wenn er zu sich selbst spräche, »mein Hirn hat mir wiederum die alten Hundsstreiche gespielt ... aber Couragio! ... Mag er kommen! ... Ich habe mich nicht so lange in der Welt herumgetrieben, um vor Tony Foster ins Mauseloch zu kriechen, gleichviel, ob ich nüchtern bin oder besoffen. ... Bring mir eine Flasche kaltes Wasser, um meinen Sekt zu taufen!«

Während Lambourne, den Fosters Nähe zur Besinnung gebracht zu haben schien, sich zu seinem Empfange rüstete, schlich Giles Gosling nach der Kammer, in die sich der Hausierer zurückgezogen hatte. Er traf ihn, wie er mit großen Schritten den engen Raum durchmaß.

»Ihr habt Euch ja so plötzlich zurückgezogen von unsrer Gesellschaft?« fragte der Wirt seinen Gast.

»Es war Zeit, da der Teufel sich bei Euch einfand,« versetzte der Hausierer.

»Höflich ist es nicht von Euch, meinen Neffen mit solchem Namen zu belegen,« meinte Gosling, »noch schickt es sich für mich, in diese Tonart einzustimmen, und doch mag Michel in gewissem Grade als Satanskumpan gelten dürfen.«

»Pah! Ich rede nicht von Eurem Trunkenbold von Neffen,« entgegnete der Hausierer, »sondern von dem andern ... ihn meine ich ... aber wohin wollen sie und woher kommen sie?«,

»Sapperlot! das sind, viel Fragen auf einmal, von denen ich keine beantworten kann,« versetzte der Wirt, »aber, Herr, Ihr habt mir von dem wackern Herrn Tressilian ein Andenken überbracht ... es ist ein gar schöner Stein ...«

Er nahm den Ring aus der Tasche und betrachtete ihn; dann setzte er, ihn in seine Börse schiebend, hinzu: daß es ein Gueridon sei, und viel zu wertvoll für allen Dienst, den er dem Herrn vielleicht geleistet habe oder leisten könne. Er stände, sagte er, im Gasthofsberufe, und es stände ihm übel an, allzu neugierig hinter andrer Leute Geheimnissen her zu sein; er hätte schon gesagt, daß er nichts hätte hören können, daß aber die Dame noch immer in Cumnor-Place, in der größten Verborgenheit, lebe und allen, die sie einmal gesehen, in Sinnen vertieft und unzufrieden mit ihrer Lage vorkomme.