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»Jetzt aber,« fuhr er fort, »ist die günstigste Gelegenheit, wenn Ihr den Wunsch hegt, Eurem Herren zu dienen, die sich nur irgend bieten kann. Tony Foster kommt her, und ich darf den Neffen bloß noch eine Flasche ausstechen lassen, so bringt ihn selbst, der Königin Befehl nicht mehr von der Bierbank weg. ... Die sitzen wohl noch eine Stunde hier fest. ... Wenn Ihr nun Euren Warenballen packtet und jetzt hinginget – was Euch der beste Vorwand wäre – so könntet Ihr am Ende Euch Gehör bei der alten Dienstmagd verschaffen; eben weil sie sich durch die Abwesenheit des Herrn sicher fühlen dürfte ... so könnte es wohl sein, daß Ihr mehr Kunde über die Dame und ihre Lage hortet, als ich oder sonst jemand Euch je zu schaffen vermöchte.«

»Wahr, sehr wahr,« erwiderte Wieland, denn er war es, »ein trefflicher Rat, aber wie mich bedünkt, nicht ohne Gefahr ... denn angenommen, Foster käme zurück?« ...

»Sehr leicht möglich, allerdings,« versetzte der Wirt.

»Oder ferner angenommen,« fuhr Wieland fort, »die Dame käme meinen Bemühungen mit Kälte entgegen?«

»Auch das ist nicht unwahrscheinlich,« erwiderte Giles Gosling. »Ich glaube, Junker Tressilian wird für seine Bemühungen um sie und ihr Wohl nicht viel Dank ernten.«

»In beiden Fällen möchte ich schön ankommen,« erwiderte Wieland, »und darum gefällt mir schließlich Euer Rat doch nicht recht.« »Na, das müßt Ihr mit Euch selbst abmachen, mein lieber Gefolgsmann,« sagte der Wirt, »mich geht die Sache ja nichts an, sondern Euren Herrn. Ihr müßt am besten wissen, was sich wagen läßt, und wie weit Ihr gehen könnt. Aber was Ihr selbst nicht wagen wollt, das könnt Ihr auch von andern nicht erwarten.«

»Still, still,« sagte Wieland, »bloß eins sagt mir noch: Begibt sich jener alte Mann nach Cumnor-Place?«

»Meiner Meinung nach, ja,« versetzte der Wirt, »der Diener hat mir gesagt, er bringe ihr Gepäck hinüber, aber auf ihn hat der Bierkrug die gleiche Wirkung geübt, wie auf Michael die Sektflasche.«

»Genug,« sagte Wieland, ein Wesen annehmend, das auf einen hohen Grad von Entschlossenheit deutete, »die Pläne, mit denen dieser Schuft sich tragt, will ich durchkreuzen ... mein Grauen ob seines Anblicks fängt an zu schwinden, und mein Grimm und Haß zu steigen. Helft mir meinen Pack aufheben, wackrer Wirt ... und Du, alter Albumasar! sieh Dich vor! ... In Deinem Horoskop herrscht ein böser Einfluß, und er flammt aus dem Sternenbilde der Ursa major, des großen Bären!«

Mit diesen Worten hob er seinen Ballen auf den Rücken, der Wirt führte ihn bis zum hintern Tor des Gasthofs, dann schlug Wieland den entlegensten Seitenweg ein nach Cumnor-Place.

Viertes Kapitel

Bestimmt durch seine Angst, den wiederholten Befehlen des Grafen, das Geheimnis von Kenilworth zu hüten, auf das pünktlichste nachzukommen, nicht minder durch die ihm anhaftenden ungeselligen, knickerigen Lebensgewohnheiten war Anthony Foster in seiner Häuslichkeit weit mehr bedacht, alles, was die Aufmerksamkeit auf sie lenken konnte, zu unterlassen, oder zu unterdrücken, als irgendetwas zu tun oder geschehen zu lassen, was die Neugierde wecken konnte.

Aus diesem Grunde hielt er sich bloß einen Diener und zwei alte Frauen. Der Diener mußte besorgen, was in den Bereich seiner persönlichen Angelegenheiten fiel, während den Frauen der Dienst bei der Gräfin oblag.

Eine dieser alten Frauen öffnete das Tor, als Wieland klopfte. Auf seine Frage, ob er die Waren den Damen des Hauses vorlegen dürfe, wurde ihm in schroffer Weise der Bescheid, daß er seiner Wege gehen solle. Es gelang ihm jedoch, durch einen Silberling den ersten Groll zu dämpfen, und als er der Alten dann versprach, daß sie eine neue Haube bekommen solle, wenn die Herrschaften ihm was abkauften, sagte sie:

»Vergelts Dir Gott, Mann, denn meine Haube ist schon ein Lumpen ... geh nur 'nein in 'n Garten und bring dei' Sach an, Mann ... sie spaziert 'rum im Garten.«

Mit diesen Worten schob sie den Hausierer durch das Tor, wies auf ein altes, verfallnes Gartenhaus und sagte:

»Dort drüben ist sie. Mann ... dort ... sie wird schon was kaufen, wenn Du's ihr richtig zeigst, denn sie hat was Neues immer gern.«

»Hm, sie überläßt mir zu tun, was mir recht scheint,« dachte Wieland, als er hörte, wie die Gartentür hinter ihm ins Schloß fiel. »Aber Prügel wirds doch wohl nicht gleich setzen und einen Mord wohl auch nicht um solch geringfügigen Uebergriffs willen und bei diesem Zwielicht! Also weiter! Frisch weiter! ... Will Shakespeare, sei Du mir behilflich! Ich will den Damen was vorsagen von Deinem Autolykus ... dort sehe ich sie ja. ...«

Und sich ein Herz fassend, sang er mit heller Stimme das damals bekannte Volkslied:

Leinen weiß, wie frischer Schnee,

Schleier schwarz, wie Rab und Kräh',

Handschuh voller Rosenduft,

Masken gegen frische Luft ...

»Welch unverhofften Anblick spendet uns Fortuna, Jeanette?«

»Einen Handelsmann, der seine Ware nach kurzer Elle mißt,« antwortete das Mädchen züchtig; »mich wunderts, daß ihn die alte Dorcas durch das Gartentor gelassen hat.«

»Ein glücklicher Zufall,« sagte die Gräfin; »wir führen doch ein recht trauriges Leben hier, und auf ein Weilchen kann der Mann uns wohl unterhalten.«

»Ei, meine holde Dame,« sagte Jeanette, »aber ... mein Vater ...«

»Mein Vater ist er nicht,« sagte die Gräfin, »und hoffentlich auch nicht mein Herr ... ich befehle Dir, laß den Mann zu mir!«

»Eure gräfliche Gnaden brauchen ja nur zu befehlen ...« hub das Mädchen an. Aber die Gräfin fiel ihr ins Wort:

»Oder warte, Du ängstliches Ding, ich will ihn selbst herholen, dann kannst Du ja nicht ausgezankt werden ...«

»Ach, gräfliche Gnaden, wenns damit abginge ...«

Die Gräfin aber rief dem Hausierer schon zu:

»Lieber Gesell, tritt naher ... Zeig, was Du in Deinem Packen hast ... sinds gute Waren, die Du führst, so schickte Dich wohl der Zufall her zu meiner Freude, und Dich zu Deinem Vorteil.«

»Was steht Euer gräflichen Gnaden zu Befehl?« fragte Wieland, seinen Ballen aufschnürend und die Waren mit einem Geschick auseinanderbreitend, als sei er darin ein alter Praktikus ... er verstand es auch, seine Ware anzupreisen, ihre Vorzüge hervorzuheben und angemessne Forderung dafür zu stellen.

»Was mir zu Befehl sei?« wiederholte die Gräfin. »O, seit einem halben Jahre habe ich kein Stück Zeug, keine Elle Leinwand eingekauft, nicht das geringste mehr aus eignem Willen oder nach eigner Wahl .. drum wäre es schon besser zu fragen: was hast Du feilzubieten? Einen solchen Kragen und auch ein Paar von diesen Aermeln, auch diese schwarzen Spitzen kannst Du für mich beiseite legen, die kirschrote Mantille mit den goldnen Knöpfen und Schnüren auch ...«

»Ist sie nicht etwas überladen, gnädige Frau Gräfin?« bemerkte das Mädchen.

»Ach, Du hast ja keinen Geschmack, Jeanette!« wies die Gräfin sie ab; »auch diesen Kopfputz legt für mich beiseite, lieber Mann, und diese Haarnadel mit Perlen ...«

»Aber, Frau Gräfin,« wandte das Mädchen ein, »diese Nadel ist doch gar nicht ...«

»Warte, Du böses Ding,« rief die Gräfin und drohte scherzend mit dem Finger, »zur Strafe für Deinen Vorwitz sollst Du Mantel und Nadel selbst tragen; aber paß hübsch auf, daß Dir Dein sparsamer Papa nicht die goldnen Knöpfe und die Perlen ablöst, um sie in seine Geldkassette zu tun!«

»Ach, gnädige Frau Gräfin, gehen Sie doch mit meinem Vater nicht gar so hart um!« sagte traurig das Mädchen.