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»Macht Platz!« sagte Tressilian, der nicht länger seine Frechheiten mit anhören konnte, »Ihr habt Euer Trinkgeld!«

»Hm!« machte Lambourne, während er aus dem Wege trat, aber er brummte zwischen den Zähnen, Tressilians Worte wiederholend: »Macht Platz – hm! – Ihr habt Euer Trinkgeld – hm – aber es macht nichts – ein Spielverderber bin ich nicht – aber ein räudiger Hund bin ich auch nicht.«

Er sprach desto lauter, je mehr Tressilian, vor dem er im Grunde Angst hatte, sich entfernte:

»Ich bin kein räudiger Hund, das laßt Euch gesagt sein, mein Meister Tressilian. Und ich will mir die Dirne mal angucken, die Ihr da so behaglich in dem alten Geisterzimmer einquartiert habt – vielleicht fürchtet sie sich vor Gespenstern und schläft nicht gern allein. Na gut – durch diese glückliche Entdeckung habe ich Meister Tressilian mit Kopf und Kragen in der Hand, das eine steht fest – und ich will zusehen, ob ich diese Dulcinea von ihm zu sehen bekomme, das ist auch abgemacht!«

Dreizehntes Kapitel

Tressilian begab sich, im Zweifel darüber, ob er Amy Robsart recht getan oder nicht, in den äußern Schloßhof, wo er dem Schmied in den Weg lief, der, als er ihn sah, den Ruf ausstieß:

»Gott sei Dank, Herr, daß ich Euch treffe!«

Dann raunte er ihm ängstlich und behutsam die weitern Worte ins Ohr:

»Herr, Herr, die Dame von Cumnorplace ist entflohen!«

»Sie ist jetzt im Schlosse,« erwiderte Tressilian, »ich habe sie gesehen und gesprochen. ... Hat sie aus freier Wahl in meinem Zimmer Zuflucht gesucht?«

»Nein,« erwiderte Wieland, »aber es war mir nicht möglich, sie anderweit sicher unterzubringen; ich war froh, noch einen von der Hausverwaltung zu finden, der wußte, welches Euer Zimmer war. Die Dame weiß nicht, was sie will ... sie mag nichts hören von Eurer Hilfe ... sie befiehlt, daß Euer Name nicht genannt werde, und will sich in Lord Leicesters Hände begeben. ... Ich habe mir auch fest vorgenommen, wenn ich das Schreiben an Lord Leicester abgegeben habe, keinen Augenblick länger im Schlosse zu verweilen. Ich will bloß, ehe ich es abgebe, Eure Befehle hören. ... Da, hier ist es ... aber hol mich der Teufel! ... Doch nein! ... Ich muß es wahrhaftig in dem Hundeloche oben haben liegen lassen, auf dem Heuboden, wo ich schlafen soll.«

Tressilian geriet völlig aus seiner gewöhnlichen Ruhe.

»Tod und Teufel!« schrie er, »Du wirst doch nicht verloren haben, wovon mehr abhängig ist, als tausend solcher Leben wie das Deine?«

»Verloren? Ich?« antwortete Wieland rasch, »das wär ein schlimmer Spaß! ... Nein, Herr, ich habs fürsorglich verwahrt bei meinem Nachtzeug und manch andern Dingen, die ich brauche. Ich hol es auf der Stelle.«

»Tu das,« versetzte Tressilian, »sei treu und pünktlich, und es soll Dein Schade nicht sein. ... Bekäme ich aber Ursache, Dir zu mißtrauen, dann wäre ein toter Hund besser dran denn Du.«

Wieland ging, wie es den Anschein hatte, mit Zuversicht und Vertrauen hinweg, im Grunde seines Herzens aber fühlte er Furcht und Zagen. Der Brief war, das begriff er jetzt, in Verlust geraten, und wenn er Tressilian noch nicht die Wahrheit gesagt hatte, so war es nur darum nicht geschehen, weil er dessen heftigen Zorn hatte beschwichtigen wollen. ... Der Brief war verloren, konnte in schlimme Hände geraten und dann würde ganz gewiß die ganze Intrige, in die er verwickelt war, zu Tage kommen; und wie er sich dann noch verborgen halten solle, gleichviel, wie es ausginge, dazu sah Wieland keine rechte Möglichkeit mehr.

»Ich will auf ihr Zimmer gehen,« sprach Wieland bei sich, »und ihr sagen, wie es mir mit ihrem Briefe ergangen ist; wenn sie es für gut und recht erachtet, so kann sie mir ja einen andern schreiben.«

Schleichend und spähend wie eine Katze, die einer Beute nachläuft, suchte sich Wieland durch die Höfe und Gänge seinen Weg zu dem Zimmer der Gräfin, darauf bedacht, selbst ungesehen zu bleiben und doch alles bemerkend, was sich um ihn her befand oder begab. So gelangte er durch den äußern und innern Schloßhof und durch den gewölbten Gang, der zwischen der langen Reihe von Küchen und der großen Halle hin zu der kleinen Wendeltreppe lief, auf der man zu den Gemächern im Mervynsturme kam. Froh, den mancherlei Gefahren glücklich entronnen zu sein, die ihm auf diesem Wege drohten, stieg er eben, immer zwei Stufen auf einmal nehmend, die Treppe hinauf, als er, einer halboffnen Tür gegenüber, ziemlich nahe der Treppenwand, den Schatten eines Mannes gewahrte. Vorsichtig zog er sich zurück, ging wieder auf den innern Hof hinunter und dort eine Viertelstunde etwa auf und ab, die ihm aber lang wie eine Stunde zu dauern schien ... dann begab er sich wieder in den Turm zurück, in der Hoffnung, das Feld dort nun frei zu finden. Er gelangte, ohne etwas zu gewahren, zu der verdächtigen Stelle ... dort sah er keinen Schatten ... er machte noch ein paar Schritte, ohne recht zu wissen, da die Tür noch immer offenstand, ob er weiter oder wieder zurückgehen solle ... als die Tür plötzlich weit aufgerissen wurde und Michael Lambourne auf den verblüfften Wieland zuschoß.

»Wer zum Teufel bist Du, und was hast Du in diesem Teile des Schlosses zu schaffen? Marsch hinein in diese Stube, damit wir den Fall untersuchen.«

»Ich bin kein Hund, der auf jedermanns Pfiff angekrochen kommt,« erwiderte Wieland, eine Zuversicht heuchelnd, die durch das Zittern seiner Stimme Lügen gestraft wurde.

»So? Meinst Du, den Ton anschlagen zu sollen?« schrie Lambourne, ... »heda, Lorenz Staples, hierher, hierher!«

Ein ungeschlachter Kerl von ungeschlachtem Aussehen und weit über sechs Fuß Höhe wurde in der Tür sichtbar, und Lambourne fuhr fort, zu Wieland gewandt:

»Willst Du gern hier in den Turm, so sollst Du ihn auch gründlich kennen lernen! Zwölf Fuß unterm Bett des Sees sollst Du Dein Quartier bekommen, und für gute Gesellschaft, fidele Kröten, Schlangen und dergleichen, ist Sorge getragen ... drum gib Antwort, wenn ich Dich noch einmal frage im guten, wer Du bist und was Dein Begehr hier ist?«

Der Schmied dachte bei sich: Schlägt die Kerkerpforte einmal hinter Dir zu, so bist Du ein verlorner Mann; drum meinte er, es sei klüger, klein beizugeben und er sagte: »Wer ich bin? Ein armer Teufel von Gaukler ... einer von denen, die Euer Gestrengen gestern im Weatherleygrunde getroffen haben.«

»Und welchen Gauklerstreich hast Du hier vor? Hier in dem Turme? ... Deine Bande liegt doch drüben bei Clintons.«

»Meine Schwester wollt ich mal besuchen,« erwiderte der Gaukler, »sie ist droben in Herrn Tressilians Zimmer.«

»Aha!« sagte Lambourne lachend, »das kann stimmen! Auf Ehre! für einen Fremden macht es sich der Herr Tressilian sehr bequem, das muß man sagen ... sein Zimmer versieht er mit allerhand Kram! auch mit lebendigem! ... Du, Lorenz, das setzt mal eine feine Sache mit diesem Herrn Tressilian, die manch einem recht kommen und manch einem den Beutel füllen wird mit seinen Goldstücken. ...« Dann wandte er sich wieder zu Wieland und rief: »Ich sage Dir, Bursche, Miezchen einen Wink zu geben, daß sie sich auf und davon macht, das soll Dir nicht gelingen ... die müssen wir hier in ihrem Bauer fangen. ... So, drum mach, daß Du mit Deinem Schafsgesicht weiterkommst, oder ich schmeiß Dich zum Turmfenster hinunter ... Du kannst dann sehen, wie Du unten Deine Knochen zusammenfindest.« Dann drehte er sich um zu seinem Helfer: »Lorenz, schaff mir den Kerl aus den Augen.«