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»O, mein lieber Lord,« flehte Amy. »Erhebt nicht die Fahne des Aufruhrs in friedlichem Staate! Es gibt keinen Freund, der Euch bessern Dienst leisten könnte, als Eure eigne Wahrheitsliebe und Gerechtigkeit, als Eure eigne Ehre! Nehmt bloß sie zu Hilfe, und Ihr seid sicher vor Neid und Bosheit! Verzichtet auf sie, und alle Verteidigung wird Euch nichts nützen. ... Wahrheit, mein edler Lord, kennt in der Malerei keine Waffen!«

»Aber Weisheit, Amy, trägt schwere Rüstung!« erwiderte Leicester. »Rechte nicht mit mir über die Mittel, die ich gebrauchen werde, meine Beichte abzulegen ... denn so muß ich sagen. ... Bei aller Vorsicht, die ich walten lassen werde, wird es mir an Gefahr nicht fehlen ... Varney, wir müssen fort! Amy, lebe wohl! ich will Dich mein nennen um einen Preis und eine Gefahr, deren einzig und allein Du wert und würdig bist! ... Du sollst bald weiter von mir hören!«

Er umschlang sie innig, wickelte sich in seinen Mantel wie vorhin und begleitete Varney aus dem Gemache. Der letztere, als er den Fuß hinaussetzte, verbeugte sich tief und blickte, als er sich aufrichtete, die Gräfin mit merkwürdigem Ausdruck an, wie wenn er sehen wollte, bis zu welchem Grade er selbst in die Versöhnung einbezogen sei, die zwischen seinem Gönner und der Gräfin eben stattgefunden hatte. Die Gräfin aber sah auf die Stelle, wo er stand, nicht als ob er dort stünde, sondern als ob statt seiner die Luft dort wäre. ...

»Sie hat mich aufs Aeußerste gebracht,« zischte er, ... »sie oder ich! Noch immer hat mich was ... obs Furcht war oder Mitleid ... bestimmt, das Aeußerste zu meiden ... jetzt ists entschieden ... sie oder ich muß fallen!«

Dieweil er so sprach, ward er zu seinem Staunen eines Jungen ansichtig, den die Schildwache zu Leicester geführt hatte, und mit dem jetzt Leicester sprach. Varney war einer von jenen Politikern, die auch die geringfügigste Ursache nicht ohne Erwägung lassen. Er fragte die Wache, was der Junge gewollt habe, und bekam zur Antwort, daß ihr der Junge ein Kästchen habe geben, das sie aber nicht habe annehmen wollen, weil es der Gräfin habe gebracht werden sollen. Seine Neugierde wurde vollauf befriedigt, denn als er jetzt zu dem Grafen trat, hörte er ihn zu dem Jungen sagen:

»Gut, Junge, das Paket wird besorgt werden.«

Darauf erreichten Leicester und Varney raschen Schrittes das Gemach des Grafen, auf demselben Wege, der sie nach dem Sankt Lowes-Turme geführt hatte.

Zwanzigstes Kapitel

Kaum angelangt in seinem Kabinett, nahm Leicester seine Schreibblätter aus der Tasche und begann, halb zu Varney gewandt, halb zu sich selbst sprechend, die folgenden Zeilen zu Papier zu bringen:

»Von den vielen Männern Englands, die eng mit mir verbunden sind, vornehmlich jenen, die in hohem Amt und hohen Würden sind, sodann den vielen andern, die, wenn sie die Blicke rückwärts lenken und der Dienste gedenken, die ich ihnen erwiesen, anderseits vorwärts auf die Gefahren, die ihnen wohl selbst winken, werden meiner Ansicht nach etwelche sein, die mich im Kampfe nicht im Stiche lassen. ... Jedenfalls sei meinerseits alles, Personen und Verhältnisse, sorgsam erwogen. Hätten gegen diese Grundregel alles Handelns mein Vater und mein Großvater nicht gefehlt, so hätten sie ihr Haupt nicht auf den Block zu legen brauchen. ... Aber, Varney, warum so traurig? Gibt Euch der neue Rang, der neue Geist der Ritterschaft nicht kräftigere Impulse, wenn ein edler Kampf begonnen werden soll? ... Oder bedeutet Dein Seufzer, daß Du es vorziehen möchtest, diesem Kampf den Rücken zu wenden? ... Dann sag es rund heraus, es steht Dir nichts im Wege, das Schloß zu verlassen, und, sofern Dir dies das Liebere ist, Dich meinen Feinden anzuschließen.«

»Nicht also, Mylord,« erwiderte sein Vertrauter, »Varney wird an Eurer Seite fechten oder sterben. Jedoch vergebt mir, wenn ich aus Liebe zu Euch in stärkerm Grade, als Euer edles Herz es Euch erlaubt, die unentrinnbaren Schwierigkeiten sehe, von denen Ihr umgeben seid. Ihr seid stark, Mylord, und mächtig; aber, vergönnt mir dies Wort, ohne Euch dadurch gekränkt zu fühlen, Ihr seid beides nur durch den Abglanz königlicher Gnade! So lange Ihr Elisabeths Günstling seid, so lange seid Ihr alles, bis auf das Wort, gleich einem wirklichen Souverän. Aber laßt sie die Ehren, die sie auf Euch gehäuft, von Euch nehmen, so wird der Kürbis des Propheten nicht rascher vertrocknen, als Eure Macht und Eure Größe dahinschwinden werden. ... Gedenket jener, die vor Euch einen schlimmen Ausweg fanden! ... Vergeßt nicht, daß dieser Thron nicht ist wie andre, die durch ein Komplott mächtiger Edelleute gestürzt werden konnten; die breiten Fundamente, die ihn stützen, sind die wahre, tiefe Liebe des Volkes zu seinen Herrschern, die unausrottbare Anhänglichkeit und hohe Achtung, die im Volksherzen zum angestammten Throne wohnt. Ihr könnt ihn teilen mit Elisabeth, sofern Ihr wollt; doch weder Eure noch eine andre Macht, gleichviel ob einheimisch oder fremd, wird ihn stürzen oder nur erschüttern.«

Er hielt inne und Leicester schleuderte seine Schreibblätter auf die Erde. Eine Pause trat ein, die endlich durch Varney aufgehoben wurde, der in folgender Weise fortfuhr:

»So ist es denn zu jenem Punkte gekommen, den ich immer gefürchtet habe. Ich muß entweder gleich einem undankbaren Stück Vieh den Sturz des besten und gütigsten aller Herren mit ansehen, oder ich muß reden und sagen, was ich in tiefste Vergessenheit hätte begraben oder durch einen andern Mund als meinen künden lassen mögen.«

»Was redest Du? oder was willst Du sagen?« versetzte der Graf. ... »Wir haben keine Zeit, um Worte zu vergeuden, denn der Augenblick drängt zum Handeln.«

»Was ich sagen will, ist bald gesagt, Mylord,« antwortete Varney, »gäb Gott, es wär so schnell beantwortet! ... Die einzige Ursache zum drohenden Bruche mit der Königin ist Eure Ehe mit Amy ... ists so oder nicht?«

»Du weißt, daß es so ist,« erwiderte Leicester ... »wozu also die fruchtlose Frage?«

»Verzeiht, Mylord, die Nutzanwendung folgt. Es wagt ein Mann sein Land und Leben, um einen reichen Edelstein zu wahren; doch wärs zuerst nicht klug zu prüfen, ob nicht ein Flecken daran haftet?«

»Was soll die Rede?« fragte Leicester, die Augen scharf auf seinen Parteigänger gerichtet, »von wem wagst Du zu sprechen?«

»Von wem? nun, von der Gräfin ... von Lady Amy, Mylord ... von der ich zu meinem Unglück sprechen muß und sprechen werde, sollten mir auch Eure Herrlichkeit meinen Eifer mit dem Tode lohnen.«

»Der kann Dir von meiner Hand sicher sein,« erwiderte der Graf; »doch sprich weiter, anhören will ich Dich.«

»Dann, Mylord, will ich kühn sein, will für mein Leben reden wie für das Eurige. Mir behagt das Getue und Gehabe dieser Dame mit diesem ewigen Edmund Tressilian schon lange nicht. Ihr kennt ihn, Mylord. Ihr wißt, daß er früher sich für sie interessiert hat. Ihr wißt, daß es Eurer Lordschaft nicht so leicht wurde, ihn bei ihr auszustechen. Ihr kennt den Eifer, mit welchem er die Sache dieser Dame wider mich betrieben hat, während er doch die Absicht verfolgte, Eure Lordschaft zu einem Einbekenntnis dessen, was ich Eure unglückliche Heirat nennen muß, zu treiben ... derselben Sache also, zu der Euch ohne Rücksicht auf jede persönliche Gefahr Eurer Lordschaft auch diese Dame drängt.«

Leicester lächelte gezwungen.

»Du meinst es gut, mein wackrer Sir Richard! und möchtest, dünkt mich, die eigne wie jedes andern Ehre opfern, um mich vor dem zu bewahren, was Du für einen so gräßlichen Schritt hältst. Aber laß nicht aus den Augen,« ... diese Worte sprach er mit furchtbarer Strenge, ... »daß Du von der Gräfin Leicester sprichst.«

»Das halte ich wohl im Auge,« versetzte Varney; »doch ich spreche zur Wohlfahrt des Grafen von Leicester. Meine Rede steht aber erst im Anfang. Ich muß alles Ernstes glauben, daß dieser Tressilian, seit er für die Sache der Gräfin eingetreten, mit ihr in ständiger Beziehung gewesen ist.«