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»Gott! Sir Richard! muß denn das geschehen?«

»Freilich, Anton, sonst bekommst Du im Leben kein Freigut,« erwiderte sein unbeugsamer Gefährte.

»Ich habe immer vorhergesehen, daß es noch darauf hinauslaufen würde,« sagte Foster. »Aber wie denn, Sir Richard, wie denn? nicht um die ganze Welt zu gewinnen. Möchte ich Hand an sie legen.«

»Ich kann Dich nicht tadeln,« sagte Varney, »ich würde es selber nur mit Widerstreben vollziehen – es fehlt uns jetzt Alasko und sein Mannah bitter, ja, und der Hund Lambourne obendrein.«

»Ja, wo bleibt Lambourne nur?«

»Frage nicht weiter,« sagte Varney, »Du wirst ihn eines Tages schon noch sehen, wenn Dein Glaube zutrifft. Aber zu unsrer wichtigen Angelegenheit. Ich will Dich lehren, wie man einen Vogel fängt – die Falltür von Dir da oben – der feine Mechanismus von Dir da – der sieht doch von außen ganz fest und ungefährlich aus, wenn auch unter ihm die Stützen weggenommen find, was?«

»Gewiß,« sagte Foster, »solange niemand drauftritt.«

»Aber wenn die Dame darüber weg zu entfliehen versuchte,« versetzte Varney, »so würde Ihr Gewicht die Falle zum Einstürzen bringen?«

»Dazu genügt schon das Gewicht einer Maus,« sagte Foster.

»Ei, dann stirbt sie bei einem Fluchtversuch, und wie könntet Ihr, ehrlicher Tony, oder ich es ändern? Laßt uns zu Bett, morgen wollen wir unsern Plan ausführen.«

Am folgenden Tage rief mit Anbruch des Abends Varney seinen, Spießgesellen zur Ausführung des Planes herbei. Der aus Kenilworth mitgebrachte Mann und Fosters alte Diener wurden mit einem erfundenen Auftrag weggeschickt, und Foster selber besuchte erst noch einmal die Gräfin in ihrem Kerker. Sie hatte sich mit so großer Sanftmut und Geduld in ihre Einsamkeit gefügt, daß sein Herz gerührt wurde und er ihr ernsthaft anempfahl, ja nicht, aus welchem Anlaß es auch sei, die Schwelle ihres Gemaches zu überschreiten, ehe Lord Leicester da sei. Amy versprach es, und Foster kehrte zu seinem hartgesottnen Kumpan zurück; er hatte sein Gewissen um die Hälfte der gefährlichen Last, die darauf lag, erleichtert.

Er ließ die Tür der Gräfin von außen unverschlossen und zog unter Varneys Aufsicht die Stützen weg, die die Falltür hielten. Dann gingen sie, unten den Erfolg ihres Beginnens abzuwarten. Aber sie warteten lange vergebens, und endlich rief Varney aus:

»In der Tat, noch nie hat ein Weib eine so günstige Gelegenheit zur Flucht unbenutzt gelassen.«

»Vielleicht ist sie entschlossen,« sagte Foster, »auf die Rückkehr ihres Mannes zu warten.«

»Gewiß, gewiß!« sagte Varney und stürzte hinaus. »Daran hatte ich nicht gedacht.«

Gleich darauf hörte Foster den Tritt eines Pferdes im Schloßhof und ein Pfeifen, ähnlich dem gewöhnlichen Signal des Grafen – einen Augenblick später öffnete sich die Tür zum Zimmer der Gräfin und im selben Augenblick wich die Falltür. Es ging ein Geräusch, als wenn ein Körper tief fällt, – ein schwaches Stöhnen – und alles war vorüber.

Zur gleichen Zeit rief Varney zum Fenster herein in einem Tone, der ein unbeschreibliches Gemisch von Grausen und Scherz war:

»Ist der Vogel gefangen – ist die Tat getan?«

»O Gott vergebe uns!« rief Anton Foster.

»Ei, Du Esel,« sagte Varney. »Deine Arbeit ist beendet und der Lohn Dir sicher; sieh in das Gewölbe – was siehst Du?«

»Nur einen Haufen von weißen Kleidern, wie eine Schneewehe,« sagte Foster; »o, Gott! sie bewegt den Arm!«

»Wirf irgendwas auf sie hinunter! Deine Goldkiste, Tonichen, die ist ja schwer.«

»Varney, Du bist der eingefleischte Satan!« versetzte Foster. »Es braucht nichts weiter – sie ist tot. O, wenn es Gerechtigkeit gibt im Himmel, Du wirst Deiner Strafe nicht entgehen! – Du hast sie zu grunde gerichtet, indem Du Dich gerade einer Regung ihrer reinen Liebe bedient hast! das heißt das Kind mit der Milch der Mutter vergiften!«

»Du bist ein fanatischer Esel,« erwiderte Varney. »Laß uns daran denken, wie wir die Sache bekannt machen – der Leichnam hat zu bleiben, wo er ist.«

Aber ihrer Verruchtheit war ein Ziel gesetzt; denn während sie sich noch berieten, stürzten Tressilian und Raleigh herein, nachdem sie von dem alten Diener eingelassen worden waren, dessen sie sich in dem Dorfe versichert hatten.

Anton Foster flüchtete bei ihrem Eintritt, und da er jeden Winkel und jeden Gang in den verschlungnen Gewölben des alten Hauses kannte, entging er jeder Verfolgung. Aber Varney wurde auf dem Fleck festgenommen, und anstatt Zerknirschung über seine Untat zu bekunden, schien es ihm noch ein teuflisches Vergnügen zu bereiten, ihnen die Ueberreste der ermordeten Gräfin zu zeigen, während er sie gleichzeitig herausforderte, ihm zu beweisen, daß er an ihrem Tode schuldig sei. Der verzweifelte Schmerz Tressilians beim Anblick der zermalmten Reste eines vor kurzem noch so liebreizenden und geliebten Wesens war so tief, daß Raleigh sich gezwungen sah, ihn mit Gewalt von der Stelle zu bringen, während er selbst alles, was geschehen sollte, anordnete.

Bei einem zweiten Verhör machte Varney gar kein Geheimnis aus dem Verbrechen und seinen Beweggründen. Aus seinen weitern Aeußerungen glaubte man vermuten zu sollen, daß er Selbstmord begehen wolle, und man nahm ihm daher alles ab, was ihm zur Ausführung dieses Vorsatzes hätte dienen können. Aber er trug beständig ein sehr starkes Gift bei sich, das ihm wohl Alasko bereitet haben mochte. Dies nahm er über Nacht zu sich und am andern Morgen fand man ihn tot in seiner Zelle. Er schien keine Todesqual gelitten zu haben, denn sein Gesicht zeigte noch den Ausdruck von grinsendem Sarkasmus, den es im Leben zur Schau getragen hatte.

Was aus seinem Spießgesellen geworden war, blieb lange unbekannt. Cumnorplace wurde gleich nach dem Morde verlassen, denn in der Nähe der sogenannten Lady-Dudley-Kammer behaupteten die Diener Stöhnen und Geschrei und unnatürliche Laute zu hören. Nach einiger Zeit wurde Jeanette, als immer noch nichts von ihrem Vater verlautete, Besitzerin seines Besitztums und übertrug dies mit ihrer Hand an Wieland den Schmied, der jetzt ein Mann in fester Stellung war und im Haushalt der Königin Elisabeth einen guten Posten hatte. Aber als sie schon ein paar Jahre lang tot waren, stellte ihr ältester Sohn und Erbe Nachforschungen in der Gegend von Cumnorplace an und entdeckte einen geheimen, von einer eisernen Tür verschlossnen Gang, der hinter dem Bett der Lady-Dudley-Kammer anfing und in eine Zelle hinunterführte. Hier fand er eine eiserne Kiste voll Gold und ein menschliches Gerippe, das darüber gestreckt war. Nun war es klar, was aus Anton Foster geworden war. Er hatte sich in diese Höhle geflüchtet, aber er hatte den Schlüssel der Springfeder vergessen, und da er nicht wieder hatte entkommen können, nachdem er das Gold gerettet hatte, um das er sein Seelenheil verkauft hatte, war er jämmerlich umgekommen. Ohne Frage war das Gestöhn und Geschrei, das die Diener vernommen hatten, nicht bloß eingebildet, sondern kam von diesem Elenden, der in seiner Todesangst um Rettung und Hilfe schrie.

Die Nachricht von dem entsetzlichen Schicksal der Gräfin gebot den Festlichkeiten zu Kenilworth jähen Einhalt, Leicester zog sich vom Hofe zurück und überließ sich eine Zeitlang ganz seiner Reue. Da aber Varney in seiner letzten Erklärung darauf bedacht gewesen war, nichts dem Grafen Nachteiliges zu sagen, so wurde Leicester von allen bemitleidet. Endlich rief die Königin ihn an den Hof zurück, und er war noch einmal ausgezeichnet als Staatsmann und Günstling. Seine fernere Laufbahn ist geschichtlich bekannt. Aber in seinem Tode schien doch eine Art Vergeltung zu liegen, denn dem allgemeinen Gerücht nach starb er am Genuß eines Giftes, das ihm von einer andern Person zugedacht war.

Sir Hugh Robsart starb bald nach seiner Tochter und vermachte sein Besitztum Tressilian. Aber weder die Aussicht, auf dem Lande ein unabhängiges Leben zu führen, noch die Versprechungen höfischer Gunst rissen ihn aus seiner tiefen Schwermut heraus. Wohin er auch ging, überall glaubte er den entstellten Körper seiner jungen und einzigen Geliebten zu sehen. Endlich begleitete er seinen Freund Raleigh auf einer Expedition nach Virginien, und jung an Jahren, doch alt an Leid, ist er vorzeitig in diesem fremden Lande gestorben.