In diesem grausen Aufruhr der Elemente bahnte sich Mordaunt kühn den Weg. Er fühlte, daß sein Leben in der schwersten Gefahr stand, daß er alle Kraft und Klugheit daran setzen müsse, es zu retten; aber er fühlte auch den stolzen Triumph, den jedes Aufgebot von Kraft, um schwere Gefahr zu überwinden, in der menschlichen Seele weckt ... »Sie sollen in Burgh Westra von mir nicht hören,« dachte er bei sich »wie von des alten albernen Ringan Ewerson Boot, das zwischen Reede und Hafendamm verloren ging.«
So schritt er mutig weiter, bauend auf dem ihm eigenen Scharfblick für alle Kennzeichen der Naturvorgänge, denn alle örtlichen Merkmale, wie Feld, Berg und Vorgebirge waren in Nebel und Dunkelheit gehüllt; aber lange Bekanntschaft mit diesen wilden Gegenden hatte ihn selbst den kleinsten Gegenstand ins Auge fassen gelehrt, der ihm unter solchen Umständen zur Richtschnur dienen konnte. Und doch drohte all seine Erfahrung und Entschlossenheit an den wilden Umständen seiner Lage zu scheitern, da er, trotz äußerster Anstrengung, nur langsam durch die ausgetretenen Bäche und doppelt tiefen Moräste, die ihn zu häufigen Umwegen zwangen, vorwärts kommen konnte. Aber er bestand den schweren Kampf mit Sturm, Regen und Ungemach, und sah, nur ein einziges Mal vom Wege abgekommen, endlich das Haus von Stourbourgh oder Hafra vor sich, mit welchem Namen man den Aufenthaltsort des Herrn Triptolemus Yellowley bezeichnete, des erwählten Abgeordneten des Kämmerlings von Orkney und Shetland, eines sehr klugen und weitsichtigen Mannes, der in das Ultima Thule der Römer einen Geist des Fortschrittes zu verpflanzen gedachte, wie er sich in dieser früheren Zeit kaum in Schottland selbst zu äußern anfing. Das Haus des würdigen Mannes war auf einige Meilen weit der einzige Zufluchtsort, den Mordaunt vor dem wütenden Sturme zu finden hoffen durfte, und als er nun im vollsten Vertrauen, hier Einlaß zu finden, auf die Tür zuschritt und diese nicht allein eingeklinkt, (was das Wetter entschuldigen konnte), sondern sogar verriegelt fand, – ein, wie Magnus Troil schon erwähnt hatte, auf den Inseln beinahe unbekannter Fall – war er nicht erstaunt (denn der Ausdruck war zu gelind), sondern verblüfft. Er klopfte, rief, schlug gegen die Tür, warf mit Steinen dagegen – alles umsonst: Die Tür blieb verschlossen. Minute auf Minute verrann, ohne daß er aufhörte, seiner Ungeduld durch Lärm Luft zu machen, und ohne daß ihm irgend eine Antwort zu teil wurde – und diese Zeit wollen wir benutzen, den Leser über Triptolemus Yellowley, und darüber, wie er zu diesem sonderbaren Namen kam, zu unterrichten.
Der Vater von Triptolemus, der alte Jasper Yellowley, war, obgleich am Fuße des Roseberry-Gipfels geboren, von einem schottischen Grafen bewogen worden – da der Ort für den pfiffigen Yorkshirer selbst zu weit nördlich lag – einen Pachthof in den Mearns zu übernehmen; aber hier bot der rüstige Pächter umsonst alle Anstrengung und wirtschaftlichen Kenntnisse auf, dem kalten Boden und feuchten Klima Erfolge abzuringen. Gelungen wäre es ihm schließlich trotz allem, wenn ihn nicht die Lage seines Pachthofes an der Grenze vom Grampian-Gebirge unaufhörlich den Einfällen der »Plaid-Leute« ausgesetzt hätte, die im Bereiche desselben wohnten, und darüber geriet Jasper Yellowley bald in Armut. Aber seine roten Wangen unb sein kräftiger Körperbau führten ihm das Herz der Jungfer Barbara Clinkscale zu: der Tochter des verstorbenen und Schwester des jetzt lebenden Mannes dieses Namens. Da das Haus Clinkscale immer schottischen Stolz gewahrt und sich durch schottische Sparsamkeit ausgezeichnet hatte, wurde dieser Ehe in der Gegend nichts weniger als Beifall gezollt. Aber Jungfer Baby besaß ein Vermögen von 2000 Mark, über das sie schalten und walten konnte, war resoluten Sinnes und seit wenigstens zwanzig Jahren (so versicherte wenigstens der Notar, der den Kontrakt aufsetzte), major [mündig] und sui juris [rechtsständig] und heiratete, allen Vor- und Nachreden zum Trotz, den wackern Freisassen aus Yorkshire. Ihr Bruder und ihre engern Verwandten kehrten sich von ihr nicht bloß verdrossen ab, sondern sagten sich fast vollständig von ihr los. Aber Haus Clinkscale hatte, wie damals jede schottische Familie, noch viele andere Verwandte – die nicht so heikel waren – Vettern im zehnten und sechzehnten Grade, die nicht nur Baby Yellowley nach wie vor als ihre Verwandte anerkannten, sondern sich auch herabließen, Bohnen und Speck mit ihrem Manne zu essen, ein Gericht, das die Schotten damals ebenso verabscheuten wie die Juden. Ja sie hätten ihre Freundschaft sogar gern durch ein Darlehen noch enger mit ihm geknüpft, hätte sich nicht seine wackere Ehehälfte, die sich, wie kaum eine Frau in den Mearns, kein X für ein U machen ließ, strikte dagegen ausgesprochen. Ebenso hatte sie die Gastfreundschaft, die der junge Deelbelicket und der alte Dougald Baresword, Laird von Bandybrawl, und andere in Anspruch zu nehmen sich erdreisteten, klugerweise nicht geweigert, sondern vielmehr dazu benutzt, Unterhandlungen mit den händelsüchtigen Leuten jenseits des Eairn anzuknüpfen, die, sobald sie inne wurden, daß Yellowleys, die sie sonst ungestraft geplündert, jetzt mit »wohlbekannten und in der Kirche und auf dem Markte begrüßten Leuten« verwandt seien, sich sofort mit einer mäßigen Abfindungssumme für Raub und Ueberfall einverstanden erklärten.
Durch diesen glücklichen Erfolg wurde Jasper mit dem Pantoffelregiment seiner Frau ausgesöhnt, trotzdem sich dasselbe noch sehr verschärfte, als sich fand, daß sie guter Hoffnung sei. In diesem gesegneten Zustande hatte Frau Jellowley nämlich einen merkwürdigen Traum: bei schwangeren Müttern vor der Geburt bekanntlich ein häufiges Vorkommnis. Sie träumte, daß sie glücklich von einem Pfluge entbunden worden, der von drei Joch Ochsen aus Angushire gezogen wurde; natürlich setzte sie sich flugs mit drei Gevatterinnen hin, um zu beraten, was solcher Traum wohl bedeuten möchte. Der alte Jasper wagte nach langem Zögern und unter vielem Stocken und Stottern sich dahin zu äußern, daß sich solch Traumgesicht wohl mehr auf vergangene Begebenheiten beziehe als auf vorhandene zu deuten sei – und wohl darauf zurückzuführen sein möge, daß die Nerven seiner Frau dadurch in Aufruhr geraten seien, daß sie seinem eigenen großen Pfluge mit den sechs Ochsen begegnete. Aber die drei Gevatterinnen erhoben gegen solche Auslegung solches Geschrei, daß Jasper die Finger in die Ohren stecken und aus der Stube laufen mußte.
»Da hör ihn einer« sagte eine Alte aus Nord-Schottland, »seine Ochsen sind ihm seine Götzen wie das Kalb von Bethel! Nein, nein – kein irdischer Pflug ist's, hinter dem der Knabe (denn ein Knabe wird's) hergehen wird, sondern ein geistiger Pflug, – den der Knabe einst auf der Kanzel führen wird.«
»Ihr seid des Teufels mit Euren überspannten Ideen,« sagte die alte Frau Glenprosing: »er soll sich wohl um seinen Kopf predigen, wie James Guthrie der Gottesmann? Nein, nein, davon darf keine Rede sein! er soll einen sichern Lebenspfad wandeln.« – Der Meinungszwist zwischen den beiden Sibyllen wurde mit jedem Augenblick heftiger (wobei das kreisende Zimmtwasser wie Oel auf die Flamme wirkte), als Jasper mit der Pflugreute hereinkam und auf eine Weile Stille schuf. Ich weiß nicht, ob aus Ungeduld, ein dem Anschein nach zu einem hohen, geheimnisvollen Berufe bestimmtes Wesen an das Licht der Welt zu bringen, geschah, was nun folgte – oder ob die arme Frau Yellowley sich über den Lärm entsetzt hatte, der in ihrer Gegenwart entstand: genug, es befiel sie ein plötzliches Unwohlsein, und bald ging die Rede, daß sie sich bei weitem schlechter befinde, als sich – wie die Redensart immer lautet – »den Umständen nach erwarten ließe,« Sie nahm, da sie noch ihr Bewußtsein hatte, diesen Zufall wahr, um von ihrem mitfühlenden Gatten zwei Versprechen zu erhalten, erstens: daß er den Knaben, dessen Geburt ihm dem Anschein nach so teuer zu stehen kommen sollte, einen Namen beilege, der mit ihrem Traum im Einklang stehe, und zweitens: daß er den Knaben für die geistliche Laufbahn bestimmte. Der kluge Yorkshirer, in der Meinung, daß die Frau unter so bewandten Umständen allerdings ein Recht zu Vorschriften habe, willigte in alles. Wirklich kam auch ein Knabe zur Welt; aber die Mutter war mehrere Tage lang so schwach, daß sie sich nicht darum bekümmern konnte, ob ihren Wünschen gewillfahrt worden sei oder nicht. Als sie sich zu erholen anfing, wurde ihr mitgeteilt, daß das Kind in der Taufe, die man schnell vornehmen zu müssen für geraten erachtet hatte, den Namen Triptolemus bekommen habe, da der Pfarrer, ein in den Klassikern belesener Herr, sich dahin geäußert habe, daß dieser Name die von ihr gestellte Bedingung erfülle, indem er auf Pflug und dreifaches Ochsengespann deute – aber Frau Yellowley war mit der Art, wie man ihrem Wunsche gerecht geworden, nicht so ganz zufrieden; da aber Brummen hier wenig half, ließ sie sich den heidnischen Namen gefallen und suchte die Wirkungen, die er auf Geschmack und Ansichten des Täuflings hervorbringen könnte, durch eine Erziehung aufzuheben, die ihm alle Gedanken an Pflugeisen, Pflugsterze und dergleichen mit dem sklavischen Pflugplacke in Bezug stehende Dinge fernhalten sollte.