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Jasper, der weise Yorkshirer, lachte sich aber ins Fäustchen, denn er meinte, der kleine Trip werde wohl kaum zu jenen »Aepfeln gehören, die weit vom Stamme fielen,« vielmehr eher nach ihm, als dem wackeren Freisassen, arten, als in das zwar edle, aber scharfe Blut des Hauses Clinkscale schlagen, und nahm mit heimlicher Freude wahr, daß das bekannteste Wiegenlied nach der Melodie des Liedes: »Der Landmann hat viel Freude«, gesungen wurde, und daß die ersten Worte, die das Kind lallte, die Namen seiner drei Ochsen waren; ja daß der Knabe Hausbier gern trank und schottisches ausspuckte, – und daß, wenn kein anderes Mittel, ihn zur Ruhe zu bringen, mehr anschlagen wollte, ein Zaum, mit dem man ihm vor dem Ohre klingelte, die gewünschte Wirkung nie versagte. Auf diese Anzeichen hin verschwor er sich hoch und heilig, sein Junge würde ein echter Yorkshirer werden, und der Mutter, wie ihrer Clinkscaler Sippschaft, ein derbes Schnippchen schlagen.

Ein Jahr nach des Trips Geburt gab Frau Yellowley einer Tochter das Leben, die nach ihr Barbara getauft wurde, und schon in frühester Kindheit durch die spitzige Nase und dünnen Lippen erkennen ließ, daß sie eine echte Clinkscale werden würde, auch in der späteren Kindheit diese Erwartung durch die Gier noch rechtfertigte, mit der sie nach allem, besonders aber ihres Brüderchens Spielsachen, griff, wie auch durch die Neigung, bei der geringsten oder auch gar keiner Veranlassung zu beißen, zu kneifen oder zu kratzen. – Der junge Triptolemus bekam vom Pfarrer soviel Unterricht, wie dieser geben konnte, und wurde, als Zeit und Stunde kam, nach Saint-Andrews zur Vollendung seiner Studien gesandt. Wohl zog er dorthin, nahm aber wehmütige Erinnerungen mit an Vaters Pflug, Vaters Eierkuchen und Vaters Hausbier, wofür ihm das Dünnbier des »College,« wie schon dessen Spottname »Dünnpfiff« andeutete, nur schwachen Ersatz bot. Indessen machte er Fortschritte in der Wissenschaft, wobei sich aber eine bestimmte Vorliebe bei ihm für diejenigen alten Schriftsteller, die sich den Ackerbau zur Domäne ihrer Kunst erkoren, nicht verkennen ließ. So war die »Bucolica« des Virgil sein Lieblingsbuch, und dessen »Georgica« wußte er sogar auswendig – aber die »Aeneide« konnte er nicht ausstehen und haßte besonders die berühmte Zeile, die einen Angriff der Reiterei malt, weil er das darin vorkommende Wort »putrem« [Quadrupedumque putrem sonitu quatit ungula campum] so auslegte, daß die Reiterei in ihrer grimmen Hitze über ein frisch gedüngtes und gepflügtes Feld hinweggaloppiert sei. Unter den Helden und Philosophen des Altertums war der römische Zensor Cato sein ausgesprochener Liebling, doch nicht wegen seiner Sittenstrenge, sondern wegen seiner Abhandlung » de re rustica.« So hatte er auch immer die Cicero-Worte im Munde: jam neminem antepones Catoni. Von Palladius und Terentius Varro hielt er wohl was, aber Calumella kam nie aus seiner Tasche. Ebenso interessierten ihn auch in den Kalendern der Gegenwart nicht die eitlen Prophezeihungen politischer Ereignisse, sondern bloß die Nachrichten über praktischen Bodenbau, über diejenigen Düngemethoden, die eine gute Ernte erwarten ließen, über die beste Zeit zum Säen und über die Wetteraussichten für die einzelnen Monate, wie z. B. daß es, wenn es dem Himmel gefällt, im Januar schneien werde, und daß der Verfasser seinen Ruf verpfänden wolle, daß es im Juli viel Sonnenschein geben werde.

Obgleich der Rektor von St.-Leonard mit dem ruhigen, fleißigen Triptolemus zufrieden war und ihn seines viersilbigen Namens mit der lateinischen Endung nicht eben für unwürdig hielt, mochte ihm seine allzu große Vorliebe für die Ackerbauschriftsteller durchaus nicht gefallen, schmeckte sie ihm doch, wie er sagte, gar zu sehr nach Erde, wenn nicht nach etwas noch Aergerem. Aber Triptolemus Yellowley beharrte eigensinnig bei seiner Richtung, so daß ihm beispielsweise die Schlacht von Pharsalia nicht deswegen merkwürdig war, weil sie über die Freiheit der Welt entschied, sondern weil ihm die reiche Ernte vorschwebte, die die emathischen Gefilde im nächsten Jahre zufolge des starken Blutdungs gegeben haben müßten. Nie war er dahin zu bringen, von vaterländischer Dichtkunst auch nur eine einzige Zeile zu lesen, ausgenommen den alten Tusser, dessen »hundert Regeln« über gute Landwirtschaft er auswendig wußte, sowie Piers, des Pflügners »Vision«, die er, durch den Titel angezogen, begierig von einem Hausierer kaufte, aber schon nach den ersten zwei Seiten als eine freche, sich unangemessenen Namens bedienende Schmähschrift ins Feuer warf. Aus der ganzen Gottesgelahrtheit interessierten ihn bloß die Bibelworte, daß der Mensch sein Brot im Schweiße des Angesichtes zu essen verdammt sei – und dieses Bibelwort bestimmte ihn auch zu dem Entschlusse, streng danach zu handeln, fleißige Arbeit mit seinen Händen zu tun und auf geistige Grübelei zu verzichten. So kam es denn mit der Zeit, daß seine Fortschritte in der Gelehrsamkeit, und die Art, wie er die erworbenen Kenntnisse verwerten zu wollen schien, den ehrgeizigen Hoffnungen der Mutter nicht eben schmeichelten. Freilich erhob er keinen Widerspruch gegen die Zumutung, Geistlicher zu werden; nur stellte er Gewährung freien Wortes zur Bedingung und daß er sechs Tage in der Woche das Feld bauen dürfe, mithin bloß jeden siebenten zu predigen brauche, wie daß er nach der Predigt mit irgend einem fetten Vogt oder Laird zu Mittag essen, nach dem Tische eine Pfeife rauchen, einen Krug Bier trinken und dann sich insgeheim über das unerschöpfliche Thema: »Quid faciat laetas segetes,« verbreiten dürfe.

Hierzu gehörte aber, abgesehen von dem Besitz einer Pfarre, die keiner erlangen konnte, der sich nicht in die Lehren der bischöflichen Kirche und andere Greulichkeiten der Zeit fügte, Geld und andere Förderung, und ob, wenn sich Trips brave Mutter – wenn er die Förderung fand – wirklich entschlossen hätte, sich von dem Gelde zu trennen, oder ob ihr schließlich Geld doch wichtiger gewesen wäre als aller Presbyterianismus, bleibt wohl für alle Zeiten fraglich insofern, als es dem Schicksal gefiel, ihren Eifer nicht auf eine so harte Probe zu stellen. Sie starb nämlich, ehe ihr Sohn seine Studien vollendet hatte: ein Verlust, der ihren Gatten tiefer betrübte, als man erwarten konnte.