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»Dann geh und mach auf, Baby,« sagte der Bruder, froh, daß sich ein Umstand fand, der dem Gespräch ein Ende machte.

»Gehen und aufmachen?« wiederholte Baby, böse, erschrocken und schadenfroh zu gleichen Teilen – »so? gehen und aufmachen? Ich soll wohl Räuber ins Haus lassen, damit sie uns das bißchen noch wegschleppen, was wir haben?«

»Räuber?« fragte Triptolemus, »ei, Baby, in Shetland gibt's ihrer kaum oder gerade soviel, als Weihnachten Lämmer. Ich hab's Dir doch schon oft genug gesagt, daß es hier keine Hochländer gibt, die uns in Angst setzen könnten. In Shetland herrschen Ruhe und Ehrlichkeit. O, fortunati nimium!«

»Und was soll Dir Sankt Ninian nützen, Triptolemus?« sagte die Schwester, sein Zitat für die Anrufung eines Landes-Heiligen haltend. »Es gibt hier ebenso böse Leute wie im Hochlande; erst gestern ist ein halb Dutzend verdächtiger Kerle um unser Haus geschlichen, mit allerhand seltsamem Werkzeug in den Händen, Walfischmessern, wie sie sagten, aber Hirschfängern so ähnlich, wie ein Ei dem andern. Ehrliches Volk führt doch solche Geräte nicht!«

Das Klopfen und Rufen draußen wurde immer deutlicher; die Geschwister sahen einander erschrocken und ängstlich an.

»Wenn sie von unserm Silber was gehört haben,« sagte Baby, deren rote Nase blau vor Schrecken wurde, »so sind wir verlorene Leute.«

»Und wer spricht jetzt, wo er still sein sollte?« sagte Triptolemus. »Geh ans Schiebfenster und sieh nach, wieviel es ihrer sind, während ich die alte Entenflinte lade; – aber geh wie auf Eiern.«

Baby schlich ans Fenster und meldete, es sei nur einer draußen zu sehen, ein junger Mensch, der aber lärmte und schrie, als ob er toll wäre ... Wieviel noch im Hinterhalt lägen, könne sie nicht sagen.

»Im Hinterhalt? – Dummes Zeug!« sagte Triptolemus und legte den Ladestock, den er mit zitternder Hand ergriffen hatte, weg ... »Ich stehe dafür, daß keiner weiter zu sehen und zu hören ist; wer soll's denn sein, als irgend ein armer Schelm, den der Sturm überfallen hat und der ein Obdach sucht? Mach auf, Baby, Du tust ein christliches Werk.«

»Tut er aber ein christliches Werk, so zum Fenster hereinzukommen?« sagte Baby und schrie jämmerlich auf, als Mordaunt, der ein Fenster eingeschlagen hatte, jetzt mit einem Satze in die Stube sprang, am ganzen Leibe triefend wie ein Flußgott.

Triptolemus legte die Flinte an, die er noch nicht geladen hatte, – da aber rief der Fremde: »Halt! halt! halt! – Was soll das heißen, bei einem Wetter, wie es draußen tobt, die Tür zu verriegeln und die Flinte auf Menschen anzulegen, als ob es Seehunde wären?«

»Und wer seid Ihr, Freund, und was wollt Ihr?« fragte Triptolemus, das Gewehr absetzend.

»Was ich will,« sagte Mordaunt; »alles mögliche! Essen, trinken, Feuer, ein Bett für die Nacht, und morgen einen Klepper, mich nach Jarlshof zu bringen.«

»Und Du sagst, es gebe keine Räuber oder Freibeuter auf Shetland?« fragte Baby schnippisch den Bruder ... »Hat jemals so ein Plaidmann von Lochnaben freier herausgeschrieen, was er verlange? Ohne Umstände, Freund,« fügte sie hinzu, sich an Mordaunt wendend: »zieht Euer Schild ein und geht Eurer Wege! Dieses Haus gehört dem Verwalter Seiner Herrlichkeit und ist keine Herberge, sei es für Bekannte, sei es für Freibeuter.«

Mordaunt lachte ihr ins Gesicht ... »O, gehen,« sagte er, »in solchem Wetter? Wofür haltet Ihr mich? Etwa für eine Solandsgans oder einen Kormoran, daß ich mich, weil ihr in die Hände schlagt und wie eine Besessene schreit, aus dem Hause und wieder in das Wetter hinausscheuchen lassen soll?«

»Und so wollt Ihr wirklich, junger Mann,« sagte Triptolemus im vollsten Ernste, nolens volens, d. h. ob mit, ob ohne unseren Willen, in unserem Hause bleiben?«

»Wollen?« wiederholte Mordaunt; »welches Recht hab ich, hier etwas zu wollen? Hört Ihr nicht den Donner? Hört Ihr nicht den Regen? Seht Ihr nicht den Blitz? Und wißt Ihr nicht, daß dies auf viele Meilen in der Runde das einzige Haus ist? Hört einmal, guter Herr, und Ihr, gute Frau, das mag wohl schottischer Spaß sein, aber ich versichere Euch, in shetländischen Ohren klingt er sehr übel. Das Feuer habt Ihr auch ausgehen lassen, und meine Zähne klappern vor Kälte im Munde. Aber das will ich bald in Ordnung bringen.«

Mit diesen Worten ergriff er die Feuerzange, scharrte die glühende Asche auf dem Herde zusammen, brachte den Torf, der, wie die sparsame Hauswirtin gerechnet hatte, noch mehrere Stunden Glut halten sollte, erblickte in einem Winkel den Vorrat von Treibholz, den Baby unzenweis zu verbrauchen gedachte, schleppte ein paar Blöcke heran und warf sie in den Herd, der über eine so ungewohnte Zubuße so lustig wurde, daß er dicke Rauchwolken, wie man sie seit vielen Tagen in Hafra nicht gesehen, zum Schornstein heraussspie.

Während der ungebetene Gast sich benahm, als ob er zu Hause sei, trieb Baby den Bruder in einem fort, ihn zum Hause hinauszujagen. Aber Triptolemus fühlte hierzu weder Mut noch Neigung; zumal die muskelhaften Glieder Mordaunts, die in dem Matrosen-Anzuge doppelte Stärke verrieten, keinen günstigen Ausgang eines etwaigen Kampfes zu versprechen schienen. – Mordaunts dunkles, blitzendes Auge, sein schön geformter Kopf, seine muntern Gesichtszüge, sein dichtgelocktes dunkles Haar, seine kühnen, freien Blicke bildeten einen auffallenden Gegensatz zu dem Wirte, in dessen Nähe er sich so selbständigerweise begeben. Triptolemus war ein kurzer, plumper, watschelbeiniger Schüler der Ceres, mit aufgestülpter, an der Spitze von Kupfer gefärbter Nase, die auf gelegentlichen Verkehr mit Gott Bacchus hinzuweisen schien; sonst ein ehrlicher, gutmütiger Wicht, der von seinem Gast rasch die Meinung gewann, daß ihn keinerlei schlimme Absicht herführe. Die Schwester hätte noch soviel hetzen können, so wäre es ihm doch schwerlich eingefallen, einem Jünglinge von so einnehmendem Aeußern ein so vernünftiges, durch die Not so tiefbegründetes Verlangen nicht zu erfüllen – und so überlegte er nur, wie er sich am besten, statt als rauher Schirmherr seiner Burg gegen unbefugten Zuspruch, als gastfreien Wirt aufspielen könne – als Baby, vor Staunen über Mordaunts unerhörten Freimut im Tun und Reden ganz außer sich, wieder zum Worte griff ...

»Wahrhaftig, Bursche,« sagte sie zu Mordaunt, »blöde bist Du nicht, ein solches Feuer anzuzünden, und noch dazu vom besten Holze; Dir ist wohl Torf nicht einmal gut genug?«

»Euch hat's ja doch nicht viel gekostet,« erwiderte Mordaunt munter – »und was Euch das Wasser umsonst bringt, solltet Ihr dem Feuer nicht vorenthalten – die stattlichen Eichenklötze haben hienieden den letzten Dienst getan zu Lande und Wasser, denn sie konnten unter den braven Leuten, mit denen das Boot bemannt war, nicht mehr zusammenhalten.«

»Das mag wohl sein,« erwiderte Baby, etwas milder gestimmt, »es muß ja auf dem Meere schrecklich gehaust haben. Setzt Euch und wärmt Euch, da das Holz nun doch einmal brennt.«

»Ja, ja,« sagte Triptolemus, »solch helles Feuer zu sehen, wärmt einem Herz und Leib. Seit ich von Culdacres fort bin, hab ich keins wieder gesehen von solcher Art.«

»Und sollst es auch so bald nicht wiedersehen,« sagte Baby, »es müßte denn sein, daß das Haus in Brand geriete oder eine Kohlengrube entdeckt werde.«

»Und warum sollte keine Kohlengrube entdeckt werden?« rief der Verwalter triumphierend. »Warum in Shetland nicht, so gut wie in Fife, da der Kümmerling jetzt einen umsichtigen, besonnenen Mann meines Wissens an Ort und Stelle hat, die nötigen Nachforschungen anzustellen? Beides sind ja doch Fischerplätze!«

»Ich muß Dir nun sagen, Triptolemus,« antwortete seine Schwester, die freilich triftige Gründe hatte, vor brüderlichen Spekulationen auf der Hut zu sein, »daß, wenn Du dem Lord gar so viele schöne Aussichten eröffnest, unseres Bleibens hier wahrscheinlich nicht lange sein wird. Versprechen bedingt halten, mein Lieber.«