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Mordaunt war bald unten im Dorfe und in der düstern Hütte Neil Ronaldsons, des Ranzelmanns, wo er den Schiffbrüchigen auf derselben Kiste, die des frommen Hausierers Raubgier wachgerufen, sitzen sah. Der Ranzelmann selbst war nicht zu Hause, sondern wieder am Strande, die Beute gerecht unter die Bewohnerschaft zu verteilen – wobei es natürlich Klagen über Klagen ob ungleicher Verteilung setzte, zu deren Schlichtung die weise, wohlbedächtige Magistratsperson all ihre Umsicht aufbieten mußte.

Margery Bimbister, des Ranzelmannes würdige Ehehälfte, führte Mordaunt zu ihrem Gaste.

»Hier ist der junge Mertoun,« sagte sie ohne irgendwelche Umstände, »vielleicht nennt Ihr ihm Euren Namen, den Ihr uns so hartnäckig verschwiegt. Uebrigens hätten wir, wäre er nicht gewesen, wohl kaum etwas von Euch gehört.«

Der Fremde stand auf, schüttelte Mordaunt die Hand und sagte, daß er schon gehört habe, daß er ihm Leben und Kiste zu verdanken hätte ... »Das übrige fliegt wohl schon in der weiten Welt herum,« setzte er hinzu, »denn die Jarlshofer Leute sind, wie ich merke, flinker hinter Beute her als der Teufel beim Sturme!«

»Und wozu hat Eure Steuermannskunst Euch genützt, wenn Ihr Euer Schiff nicht vom Sumburgh-Head abhalten konntet?« sagte Margery; »daß Sumburgh-Head zu Euch gekommen wäre, habt Ihr gewiß nicht gerechnet.«

»Laß uns einen Augenblick allein, Margery,« sagte Mordaunt; »ich habe mit dem Herrn zu reden.«

»Herrn!« wiederholte Margery mit eigentümlicher Betonung; »nicht als ob der Mann nicht gut genug aussehe« – fügte sie hinzu, ihn abermals von oben bis unten musternd – »ich sehe bloß nicht viel von einem Herrn an ihm.« –

Mordaunt aber gewann, als er den Fremden jetzt musterte, eine andere Meinung – es war ein Mann von mehr als Mittelgröße und von kräftigem, stattlichem Wuchs, und an seinem kecken, sonnverbrannten schönen Gesichte meinte Mordaunt, – so wenig er auch bislang von der Welt gesehen, – den Seemann zu erkennen, der schon manchen Himmelsstrich befahren ... Mordaunt erkundigte sich nach seinem Befinden, und der Fremde sagte fröhlich und guter Dinge, ein paar Stunden ruhigen Schlafes würden ihn schon wieder herstellen; aber voll Erbitterung sprach er von der Habsucht und Neugier des Ranzelmanns und seiner Ehehälfte.

»Dieses geschwätzige Weib,« sagte er, »hat mich von früh bis spät mit Fragen gequält nach meinem Namen, nach dem Schiffsnamen, und nach was weiß ich sonst noch! Ich dächte, sie könnte zufrieden sein mit dem, was auf sie gekommen. Ich war der eigentliche Herr des gescheiterten Schiffes und habe kaum mehr behalten als meine Kleider. Gibt es denn gar keine Obrigkeit hier in diesem wüsten Lande, die einem beispränge in solcher Not?«

Mordaunt nannte Magnus Troil, den vornehmsten Grundbesitzer, auch Faud, den Bezirksrichter, als die Personen, von denen sich am ehesten Hilfe erwarten ließe – indem er seinerseits bedauerte, daß ihn seine Jugend, seinen Vater aber die Eigenschaft eines in Zurückgezogenheit lebenden Fremden verhindere, ihm zu dem gewünschten Schutz zu helfen.

»Ihr habt mehr als genug getan,« versetzte der Seemann; »hätte ich aber noch fünf von den vierzig handfesten Kerlen, die jetzt den Fischen zur Speise geworden, so sollte mich der Teufel nicht dahin bringen, da um Gerechtigkeit zu betteln, wo ich sie mir durch eigne Kraft verschaffen könnte.«

»Vierzig Mann!« wiederholte Mordaunt; »für ein Schiff von der Größe des Eurigen eine starke Bemannung!«

»Aber doch nicht so stark, wie sie hätte sein sollen! Wir führten zehn Kanonen, die Jagdstücke ungerechnet. Unser Kreuzzug auf dem großen Ozean hatte aber unsere Mannschaft geschwächt und uns mit Gütern überladen. Sechs von unsern Kanonen waren als Ballast am Bord ... Hätte ich noch Leute genug gehabt, so wäre dieses Pech nicht über mich gekommen! So aber war alles durch die Arbeit an den Pumpen erschöpft, stürzte auf die Boote und ließ mich auf dem Schiffe im Stiche; nun, ihren Lohn dafür haben sie schon, und ich brauche ihnen ihre Schlechtigkeit nicht mehr nachzutragen. – Die Boote kippten, und alle ersoffen – mich aber, mich rettete das Schicksal – durch Eure Hand!«

»Ihr kommt von Norden? Von Westindien?«

»Ja wohl, das Schiff war »die gute Hoffnung«, von Bristol, ein Kaper, hatte auf dem spanischen Meere Glück sowohl im Handel als bei bei der Kaperei, aber mit dem Schiffe ist auch das Glück futsch! – Mein Name ist Clement Cleveland; ich war Kapitän und, wie schon gesagt, Miteigentümer des Schiffes, bin aus Bristol gebürtig, wo mein Vater auf dem Zollhause eine bekannte Figur war – der alte Wem Cleveland von College-Green.«

Mordaunt, obgleich er aus diesen Auskünften die gewünschte Befriedigung nicht fand, meinte doch zu weiterer Frage kein Recht zu haben – aus dem Benehmen des Fremden sprachen Trotz und Rauheit, wozu ihn freilich die Umstände berechtigten, war er doch von seiten der Inselbewohner stark geschädigt worden; Mordaunt aber hatte ihm das Leben gerettet – und doch schien der Fremde seine Vorwürfe auch gegen ihn zu richten; ungewiß, ob er besser täte, sich zu entfernen, statt ihn wiederholt seines guten Willens zu versichern, saß er schweigend Cleveland gegenüber, der seine Gedanken zu erraten schien, denn er fügte augenblicklich in einem entschuldigenden Tone hinzu: »Ich bin ein schlichter Mann, Mertoun, – denn wie ich höre, ist das Euer Name, – und zugrunde gerichtet obendrein, und so etwas gibt den Menschen eben kein besseres Wesen. Aber Ihr habt freundlich an mir gehandelt, und so will ich Euch, ehe ich gehe, meine Jagdflinte schenken; sie schießt einem Hochländer auf achtzig Schritte hundert Schrotkörner durch die Mütze, und auf hundertundfünfzig Yards hab ich 'mal einen Stier damit niedergeknallt, denn sie läßt sich auch mit Kugeln laden. Ich hab der Flinten noch mehr; drum nehmt diese als Andenken von mir.«

»Das hieße ja, mich am Strandgute bereichern,« meinte Mordaunt lachend.

»Keineswegs!« sagte Cleveland, einen Kasten öffnend, worin mehrere Flinten und Pistolen lagen; »Ihr seht, ich habe meine Gewehrschatulle gerettet, wie meine Kleider; und das habe ich der großen alten Frau in der dunklen Takelage zu danken. Unter uns gesagt,« fügte er mit gedämpfter Stimme, und nachdem er sich vorsichtig umgesehen, hinzu, »dies wiegt alles auf, was ich verloren habe; denn wenn ich in Gegenwart dieser Landgauner von Ruin rede, so ist das nicht buchstäblich zu nehmen. Nein, hier ist noch etwas, womit man mehr tun kann, als Seevögel schießen.« Hierbei zog er einen groben Schrotbeutel hervor, auf dem mit großen Buchstaben die Worte »grobes Schrot« standen, und zeigte Mordaunt, daß er mit spanischen Pistolen und Portugalesen (wie man damals die großen Portugiesischen Goldstücke nannte) bis an den Rand gefüllt war ... »Nein, nein,« fügte er mit schlauem Lächeln hinzu; »ich habe noch Ballast genug, mein Schiff wieder in See zu bringen. Und nun, wollt Ihr das Gewehr nehmen?«

»Da Ihr es mir geben wollt,« erwiderte Mordaunt lachend, »von Herzen gern. Ich wollt Euch gerade in meines Vaters Namen« – fügte er hinzu, die Börse vorweisend, »fragen, ob Ihr von solchem Ballast, wie Ihr sagt, etwas brauchen könnt.«

»Ich danke Euch, aber Ihr seht, ich bin versorgt damit – nehmt meine alte Gefährtin mit dem Wunsche, daß sie Euch so gut diene, wie mir; aber eine so gute Reise, wie ich, werdet Ihr wohl nie mit ihr machen! Ihr könnt doch schießen?«

»Einigermaßen,« sagte Mordaunt, die Flinte – ein schönes spanisches Rohr, mit Gold ausgelegt, von kleinem Kaliber und ungewöhnlicher Länge – mit Bewunderung betrachtend.

»Schrot,« sagte der Kapitän, »hält keine Flinte besser zusammen, und mit der Kugel könnt Ihr einen Seehund im Meere auf zweihundert Yards von der starren Küste aus schießen. Aber ich wiederhole es, die Dienste, die sie mir geleistet, wird sie Euch schwerlich je leisten.«