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»Nichtsdestoweniger,« versetzte Mordaunt, »möchte ich raten, nicht zu rasch gegen die Vorurteile dieses Mannes ins Feld zu rücken; hat doch Magnus Troil von Geburt an bis zu diesem Tage keinen größern Mann als sich, und keinen über sich gesehen! hat auch nie in seinem Leben Geduld gehabt, lange Auseinandersetzungen anzuhören; daher ist es möglich, daß er Euren Reform-Ideen den Krieg erklärt, ehe Ihr Zeit gefunden habt, ihn von ihren Vorteilen zu überzeugen.«

»Wie meint Ihr das, junger Mann?« fragte Triptolemus; – »sollte es wirklich jemand hier geben, verblendet genug, seine Augen gegen die beklagenswerten Mängel des Ackerbaus, wie er hier getrieben wird, zu verschließen? . . . Kann ein Mensch,« fügte er, die Stimme verstärkend, hinzu, »oder auch nur ein Vieh ein Ding ansehen, das die Leute hier Kornmühle nennen, ohne daß einen das Korn erbarmt, das einem so elenden Werkzeuge anheimfällt? Wozu wenigstens fünfzig solcher Mühlen nötig sind, dazu genügte eine einzige schöne, stattliche Mühle, deren Klappern durch das ganze Land gehört würde, und die das Mehl zu Viertelmetzen auf einmal zum Mahlloche herausschüttete.«

»Ja, ja, Bruder,« sagte seine Schwester, »Du redest klug wie immer: Recht viel Kosten, recht viel Ehre, – das sind so Deine Worte! Aber kommt es Dir denn nie in den Sinn, Mensch, daß hier jeder seine Handvoll Mehl mahlt, ohne sich um Wind- und Wasser- und was sonst für Mühlen zu kümmern? Wie oft hast Du mit Leuten über Mahlgroschen und Mahlgedinge herumgestritten, ohne daß Du was erzieltest? – Wie sollen denn die armen Leute hier soviel Geld aufbringen, sich andere Mühlen zu bauen, als sie brauchen?«

Der Landwirt wollte seiner Schwester nochmals allerhand weise Worte über die Mängel und Schwächen der auf Shetland üblichen Mahlmethode sagen, als sein Klepper unruhig zu werden anfing... »Der Teufel muß in dem Biest stecken!« brummte Triptolemus – »das Biest« aber steckte jetzt – vielleicht weil es sich über die geringschätzige Weise verdroß, wie sein Herr sich über die Inseln äußerte – den Kopf zwischen die Beine, warf seinen Reiter in den kleinen Bach, der die von ihm geschmähte kleine Maschine trieb, entwand sich dem Mantel, worin er mit steckte, und rannte mit zornigem Gewieher, und in einem fort ausschlagend, in sein wildes Moor zurück. Mordaunt, über den Unfall herzlich lachend, half dem alten Manne auf die Füße, während ihm seine Schwester spöttisch gratulierte, daß er nur in einen seichten shetlandischen Bach, und in keinen tiefen schottischen Mühlgraben, gefallen sei. Triptolemus, den Spott keiner Antwort würdigend, rief, sobald er wieder auf den Füßen stand, sich geschüttelt und davon überzeugt hatte, daß ihn die Falten seines Mantels in dem wasserarmen Bache vor Nässe geschützt hatten: »Ich will Hengste aus Lanarckshire, Zuchtstuten aus Ayrshire kommen lassen, und nicht eine von diesen verwünschten Mißgeburten soll mir auf den Inseln bleiben, ehrlichen Leuten die Hälse zu brechen; verlaß Dich drauf, Baby, die Inseln säubere ich von diesem Plunderzeug!«

»Gescheiter wär's,« antwortete Baby, »Du wändest das Wasser aus Deinem Mantel!«

Mordaunt gab sich die größte Mühe, aus einer Herde, die in einiger Entfernung graste, ein anderes Pferd zu fangen – zum Glück fand er eins von ruhigerem Temperament als das entwichene. Aus Binsen drehte er schnell einen Strick zusammen, der dem verdutzten Triptolemus als Zügel dienen mußte – dann setzte er Triptolemus auf den langen Rücken seiner neuen, kurzbeinigen Rosinante.

Ein Gutes hatte das Abenteuer aber für Triptolemus gehabt: es hatte niederschlagend auf seinen Geist gewirkt, so daß er auf ganzen fünf Meilen kaum ein Wort sprach, trotzdem seine Schwester Barbara in allen Tonarten über den Verlust des schönen Reitzeugs jammerte, das ganze achtzehn Jahre gehalten habe und nun wohl nie wieder zu sehen sein werde – ja ihm schließlich sogar eine lange Predigt über die Sparsamkeit hielt, zu der sie ihn – um den Schaden wieder hereinzubringen – anhalten wollte.

Mordaunt, – der jetzt, wo er Burgh-Westra immer näher kam, sich mit den beiden Mädchen mehr befaßte als mit den Auseinandersetzungen der alten Jungfer darüber, ob Dünnbier gesünder sei als starkes Ale, und ob, wenn ihr Bruder sich bei seinem Falle den Knöchel verletzt habe, Schwarzwurzel mit Butter wirksamer sei als alle Doktoren-Tropfen der Welt, – unterbrach sie nur selten. Indessen wichen nun die traurigen Moore, über die der Weg bis jetzt geführt, einer lieblichern Szenerie: ein See, oder vielmehr ein weit ins Land hinein laufender Meeresarm, von ebenen, fruchtbaren Getreidefeldern umschlossen, wie sie Triptolemus Vellowley auf Shetland noch nicht gesehen, kam in Sicht, – und inmitten dieses kleinen, shetländischen Eden oder Goschen stand, gegen Norden und Osten durch eine Reihe von mit Heidekraut bedeckten Hügeln wohlgeschützt, das Herrenhaus von Burgh-Westra, von dem aus sich eine prächtige Aussicht auf den See und das Meer, wie auf die Inseln und fernen Berge bot. Dicke Rauchsäulen, die aus dem Schornsteine desselben, wie auch aus denen der Hütten im Dorfe aufstiegen, verrieten, daß die Zurüstungen zu dem Feste im vollsten Gange waren und sich nicht bloß auf Magnus Troils Wohnstätte, sondern auf die ganze Nachbarschaft erstreckten.

Zwölftes Kapitel

Wenn schon der Geruch, der aus den Essen zu den öden Hügeln rings um das Herrenhaus herum emporstieg, – (nach Baby-Barbaras Meinung) – die Hungrigen hätte speisen können, so hätte der in der Gegend herrschende Lärm ebenso sicher Tauben das Gehör wiedergeben können.

Scharen von Bekannten und Freunden trafen ein – die Gäule wurden freigelassen und rannten wieder nach allen Richtungen hinaus auf die Moore, auf die bekannten Weidestellen. Die in Booten von fernern Inseln herkamen, gingen in einem kleinen bequemen Hafen, der sich bis zu dem Dorfe und dem Hause hinzog, vor Anker. Da sie, um sich guten Tag zu sagen, oft stehen blieben, konnte Mordaunt jeden einzelnen auf dem Wege zum Herrenhause, das, allem Reichtum und aller Gastfreiheit seines Besitzers zum Trotz, für die vielen Gäste kaum groß genug schien, eingehend mustern.

Aus den wirren Tönen der Freude und des Willkommens, mit denen jede neue Gruppe begrüßt wurde, glaubte Mordaunt lautes Lachen aus dem Munde des Hausherrn herauszuhören; doch fragte er sich mit wachsender Beängstigung, ob ebensolch herzlicher Empfang, wie den andern Gästen, auch ihm zuteil werden würde. Bald drangen nun auch Geigenklänge zu ihnen – die Spieler probten und stimmten ihre Instrumente, unruhig dem Anfange der Festlichkeit entgegensehend – der Koch und seine Gehilfen schrieen durcheinander, eifrig in der Bereitung dessen, was die Gäste erfreuen und laben sollte.

Mittlerweile waren die drei neuen Gäste, jeder von seinen eigenen Gedanken erfüllt, vor dem Herrenhaus angekommen. Was Mordaunt beschäftigte, das wissen wir; – Baby-Barbara ging ganz in dem Kummer und Staunen auf darüber, daß wirklich der Speisen so viele bereitet worden, wie zur Sättigung der vielen Menschen nötig seien, die sie um sich her so laut lärmen hörte, – daß wirklich soviel Geld dafür bereit sei, und dafür ausgegeben werden könne, und gern dafür ausgegeben würde – und sie mußte sich Zwang antun, daß ihr beim Anblick solcher Verschwendung nicht unwohl werde; – ihr Bruder dagegen, da sie nun mitten auf dem Hofe des Herrenhauses standen, wo all das primitive Gerät umherlag, dessen der Shetländer Landmann sich damals noch bediente: der einsterzige Pflug der Twixar zum Stechen des Torfs und der Frachtschlitten, der zu allerhand Transport benutzt wurde – kurz, alles das, was Gewohnheit und Leben Shetland von Schottland scheidet – Triptolemus geriet ob des Anblicks solcher Urwüchsigkeit in Hitze, dem kühnen Krieger gleich, dessen Blut zu wallen anfängt, wenn er die Waffen und Feldzeichen des Feindes sieht, mit dem er kämpfen soll. Seines großen Vorhabens eingedenk, die Sitten auf dieser Inselflur zu verfeinern, den Landbau ihrer Bevölkerung zu meliorieren, neue Werkzeuge anstatt der alten einzuführen – kurz, – neuen Geist hierher zu tragen – fühlte Triptolemus den Hunger – die erklärliche Folge solch weiten Rittes – kaum und sah dem Mittagsmahle, trotzdem es so beschaffen sein würde, wie er es kaum im Leben genossen, – mit einem nur matten Interesse entgegen.