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Das leichte Rot, das die Wange der ältern Schwester gefärbt hatte, war so schnell wieder verschwunden wie der flüchtige Gedanke, der es hervorgerufen. Ruhig und kalt stand sie im andern Augenblicke vor Mordaunt, die gewöhnlichen, artigen Redensarten, die derselbe verlegen stotterte, mit besonnener Zurückhaltung erwidernd. Brenda, die jüngere, schien, wenigstens den äußern Merkmalen nach, tiefer ergriffen. Ueber ihr Gesicht flog eine tiefere Röte, die sich auf Hals und auch den obern Teil ihres schön geformten Busens übertrug: zwar versuchte sie es nicht, die verlegenen Worte zu erwidern, die Mordaunt an sie besonders richtete; aber sie sah ihn mit Augen an, aus denen Verdruß und etwas wie wehe Erinnerung an frühere Zeiten sprachen. Mordaunt fühlte auf der Stelle, daß er der ältern Schwester gleichgültig geworden, daß es ihm aber noch möglich sei, die mildergesinnte Brenda sich freundlich gestimmt zu erhalten: und so wunderlich beschaffen ist das Menschenherz – während er bisher den beiden Mädchen mit gleicher Liebe zugetan war, schien ihm jetzt an der Gunst der ältern, eben weil sie sich von ihm wandte, mehr zu liegen als an der jüngern, die sich ihm freundlicher zeigte.

Aus diesen Gedanken wurde er durch Cleveland gerissen, der ihn mit militärischer Verve als seinen Lebensretter bewillkommte – nachdem er, wie er sagte, mit Erfüllung dieser Pflicht nur solange gewartet, wie ihm nötig erschienen, um die Begrüßung mit den beiden Töchtern des Hauses vorbeizulassen. Er trat Mordaunt mit solcher Freundschaft entgegen, daß es diesem nicht möglich war, – trotzdem er sich nicht verhehlte, daß niemand anders als der Kapitän schuld an der Verstimmung zwischen ihm und den Leuten von Burgh-Westra sei – anders als höflich zu erwidern.

Da trat das alte Männchen, dessen wir oben erwähnten, auf Mordaunt zu, nahm ihn bei der Hand, küßte ihn auf die Stirn und sagte – seinen Fragen gleich selbst die Antworten gesellend: »Wie die Zeit in Burgh-Westra dahineilt! Fragst Du so, mein Fürst der Felsen und Klippen? Nun, wie sollte sie anders vergehen als auf den leichten Flügeln, die Schönheit und Freiheit ihr leihen?«

»Und Witz und Gesang mit, mein guter Freund,« versetzte Mordaunt, halb im Ernst, halb im Schmerz, des Greises Hand herzlich schüttelnd – »wie könnten sie fehlen, wo Claudius Halcro weilt?«

»Spotte nicht, lieber Gesell,« versetzte das Männchen – »ist Dein Fuß erst einmal so schwer und müde, Dein Witz so schal wie meiner, Deine Kehle so verstimmt wie meine ...«

»Wie könnt Ihr Euch selbst nur solches Unrecht antun, guter Meister?« antwortete Mordaunt, seines alten Freundes Wunderlichkeiten zu dem Versuch einer Unterhaltung benutzend, die der Spannung dieser seltsamen Zusammenkunft ein Ende machen und Zeit zur Aufklärung schaffen sollte, ehe er eine Erklärung über das veränderte Betragen der Familie forderte. – »Sprecht nicht so,« fuhr er fort, »die Zeit, Freund, legt nur leise ihre Hand auf die Barden. Hab ich nicht öfter schon aus Eurem Munde vernommen, daß der Sänger die Unsterblichkeit seines Sanges teile?«

»Was uns jetzt mehr interessiert, lieber Halcro,« bemerkte der Kapitän lächelnd, »ist das Lied, das wir einstudieren sollen, und das Ihr uns noch einmal vorspielen müßt.«

»Das Lied können wir jetzt doch nicht mehr brauchen,« sagte Halcro; »nachdem unser Mordaunt da ist, der erste Sänger auf unseren Inseln – wär's im Chor oder Solo. Wenn Mordaunt Mertoun nicht mitsingt, rühr' ich den Bogen nicht mehr an. Wie ist denn Deine Ansicht, meine schöne Nacht? Und deine, süße Dämmerung?« setzte er hinzu, die beiden Mädchen meinend, denen er schon lange diese allegorischen Namen beigelegt hatte.

»Herr Mordaunt Mertoun,« sagte Minna, »ist zu spät gekommen, um an unserem Chor bei dieser Festlichkeit noch teilzunehmen – schade, aber ändern läßt sich nichts mehr daran.«

»Wie? Was?« erwiderte Halcro hastig, »Zu spät? und ihr habt euer ganzes Leben Musik zusammen gemacht? Glaubt mir, Kinder, die alten Weisen sind die besten, und alte Freunde die zuverlässigsten. Herr Cleveland hat einen schönen Baß, keine Frage; aber über eine von den zwanzig hübschen Arien, die ihr singen könnt, und in denen sich Mordaunts Tenor so lieblich mit euren eigenen Zauberstimmen vereinigt, geht doch nichts – Meine liebliche Dämmerung ist gewiß mit mir der gleichen Meinung?«

»Vater Halcro,« sagte Brenda, deren Wangen sich, weniger vor Scham als aus Unwillen, abermals röteten – »in einem ärgern Irrtum als diesem habt Ihr Euch in Eurem ganzen Leben nicht befunden!«

»Aber was geht denn bloß vor?« sagte das alte Männchen, plötzlich innehaltend und von einem zum andern blickend. – »Was soll das heißen? Eine bewölkte Nacht und ein feuerroter Morgen? Das deutet auf schlimm Wetter! Sagt mir doch, ihr jungen Frauenzimmer, auf welcher Seite liegt die Beleidigung? Ich muß fast fürchten, bei mir selbst, wird den Alten doch gemeinhin die Schuld am Zwiste der Jungen beigemessen!«

»Euch, Vater Halcro, trifft keine Schuld,« sagte Minna, indem sie aufstand und die Schwester beim Arme nahm, »wenn sich von Schuld überhaupt sprechen läßt,«

»So muß ich fürchten, Minna,« rief Mordaunt, indem er den Ton leichten Scherzes anzuschlagen suchte, »daß der neue Gast das Aergernis ins Haus gebracht hat?«

»Wenn man kein Aergernis nimmt,« versetzte Minna mit ihrem gewohnten Ernst, »so kann auch die Rede nicht davon sein, wer es gegeben!«

»Aber, Minna,« rief Mordaunt, »kannst Du wirklich so mit mir sprechen? Und Du, Brenda, willst mich auch verurteilen, ohne mir zu ehrlicher, offener Rechtfertigung Zeit zu lassen?«

»Wir dürfen denen, die uns so zu tun befohlen,« versetzte Brenda fest, wenn auch mit gedämpfter Stimme, »den Gehorsam nicht weigern, denn sie müssen am besten wissen, was sich für uns schickt . . . Schwester, wir sind, meine ich, schon zu lange hier und werden anderswo vermißt werden. Herr Mertoun wird es uns nicht verübeln, daß wir gehen – hat solcher Tag für uns der Lasten doch gar viel!«

Die Schwestern standen auf und legten ihre Arme ineinander. Halcro suchte umsonst sie zurückzuhalten, indem er in theatralischer Pose rief:

»Nun, Tag und Nacht, das ist doch wunderseltsam!«

Dann drehte er sich zu Mordaunt herum und rief: »Auch sie sind dem Geiste der Veränderlichkeit unterworfen; und auch sie bezeugen, daß Meister Spenser recht hat, wenn er sagt:

»Bei allem, was da lebt, mehr oder minder,

Herrscht Wandel und behält das Feld.«

»Kapitän Cleveland, wißt Ihr, was diese beiden Heldinnen verdrossen haben könnte?« wandte er sich nun an diesen.

»Wer an solche Untersuchung seine Zeit setzt, wird sich ebenso verrechnen,« erwiderte Cleveland, »wie einer, der begründen wollte, warum der Wind von einem Strich zum andern umsetzt. Wäre ich an Herrn Mordaunts Stelle, so vergönnte ich den stolzen Dingern keine weitere Frage mehr.«

»Ein freundschaftlicher Rat, Kapitän,« versetzte Mordaunt, »und mir nicht weniger wert, weil er ungefragt erteilt wurde. Doch eine Frage erlaubt mir: warum seid Ihr selbst so gleichgültig gegen die Meinung Eurer Freundinnen, wie ich es sein soll?«

»Was meint Ihr? doch mich nicht?« rief der Kapitän mit unbefangener Gleichgültigkeit. »Ich habe noch kein Frauenzimmer gesehen, das wert gewesen wäre, sich seiner zu erinnern, nachdem der Anker gelichtet war; – am Lande ist's ein ander Ding, am Lande lach' ich, tanz' und lieble ich, mit zwanzig Mädchen, wenn sie wollen, möchten sie auch nur halb so hübsch sein wie die, die uns eben verlassen haben, und scher mich den Geier drum, wenn sie den Kurs ändern mit jedem Bootsmannspfiff. Schön ist's ja nicht, aber wetten möcht ich drauf, daß ich genau so schnell umsetzte wie sie!«

An dem Troste, daß das Uebel, woran man leide, nicht viel an sich habe, findet man als Patient niemals recht Trost. Mordaunt verspürte Lust, es dem Kapitän übel zu nehmen, daß er seine Verlegenheit bemerkte und seine Meinung ihm aufdringen wollte; drum versetzte er auch scharf: »daß solche Weise sich für solche schicke, denen die Kunst zu eigen sei, sich überall beliebt zu machen, gleichviel wohin der Zufall sie verschlüge, und die dreist an einem Ort verlieren könnten, weil sie sicher wären, an einem andern wieder zu gewinnen...«