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Laß schallen sie fleißig

Auf Fels und auf Meer,

Doch einen, den weiß ich,

Der hört sie nicht mehr.

O, gäb's eine Insel.

Ob wüst und verheert,

Wo Weibergewinsel

Den Mann nicht betört! –

Zu stark war die Lockung

Für sterblichen Sinn;

Den Anker der Hoffnung,

Dort senk ich ihn hin.

»Ich sehe, Du bist bewegt, mein junger Freund,« sprach Halcro, als er sein Lied geendet, »ja, ja, so ging es fast allen, die es hörten. Worte und Musik, beide sind von mir, und ohne viel von dem Geist zu sprechen, liegt doch darin eine gewisse Einfachheit, eine Wahrheit, die den Weg zu dem Herzen finden müssen. Selbst Dein Vater vermag ihnen nicht zu widerstehen, und der hat doch ein Herz, so gepanzert gegen Poesie, daß selbst Apollo nur vergeblich einen Pfeil dagegen abdrückte. Aber er hat gewiß in seiner Jugend viel Unglück mit den Weibern gehabt, denn das geht deutlich aus dem Groll hervor, den er gegen sie hegt. – Keinen gibt's unter uns, den nicht einmal eine ähnliche Wunde geschmerzt hätte. – Aber, komm jetzt, guter Junge! Schon versammeln sie sich in der Halle, Männer und Weiber, – ob sie gleich Plagen für uns sind, kämen wir doch schlecht ohne sie zurecht: aber da tönt die verwünschte Glocke schon wieder. Wir müssen gehen – tut nichts – heute gegen Abend wird sich schon irgendwo ein ruhiger Winkel finden, wo ich Dir dann alles übrige erzählen werde.«

Dreizehntes Kapitel

Die reichbesetzte Tafel im Herrenhause, die Unzahl von Gästen, die sich in der Halle gütlich taten, ,die weit größere Zahl von minder angesehenen Freunden, Bekannten und Dienern aller Art, die draußen bewirtet wurden, wie auch die Menge von ärmeren, weniger beachteten Besuchern, die von allen Ortschaften auf zwanzig Meilen in der Runde herbeigeströmt waren, um sich von dem alten Udaller bewirten zu lassen – dies alles setzte Triptolemus Yellowley in Erstaunen und weckte in ihm Zweifel, ob es auch geraten sei, dem gastfreien Spender aller dieser Herrlichkeiten eine gänzliche Umwandlung der Sitten und Gebräuche seines Landes in Vorschlag zu bringen.

Freilich war er klug genug, sich zu sagen, daß ihm all die anwesenden Gäste, den freigebigen Wirt nicht ausgenommen, dessen übertriebene Gastfreundschaft, nach Yellowleys Ansicht, für praktischen Sinn nicht sonderlich sprach, »das Wasser nicht reichen« konnten. Aber jeder Amphitryon übt, so lange man bei ihm speist, eine gewisse Herrschaft über die Gemüter seiner Gäste, und lassen Speise und Trank nichts zu wünschen, so muß man zu seinem Verdrusse, wenn nicht seiner Demütigung wahrnehmen, daß weder Gelehrtheit noch Kunst, ja nicht einmal äußerer Rang solchem Spender gegenüber die gewohnte und auch natürliche Herrschaft geltend machen können – wenigstens nicht früher, als bis der Kaffee serviert worden ist, Triptolemus fühlte das recht wohl; nichtsdestoweniger ließ es ihm keine Ruhe, die großen Worte, die er seiner Schwester und seinem Reisegefährten gegenüber gebraucht hatte, wenigstens einigermaßen zu ihrem Rechte zu verhelfen, hatte er sie doch immer schon verstohlen von der Seite angeguckt, um zu ermitteln, ob er nicht in ihrer Achtung schon dadurch, daß er seine verheißene Strafpredigt über die auf Shetland noch vorhandene Rückständigkeit in allen Dingen noch immer nicht hielte, gesunken wäre.

Aber Baby-Barbara hatte viel zu viel zu rechnen und zu überschlagen, was bei solchem Mahle, wie sie es wahrscheinlich noch nie gesehen, vergeudet würde, und viel zu viel sich zu verwundern über die Gleichgültigkeit des Wirtes gegen die beispiellosen Verstöße, die seine Gäste sich gegen alle Regeln der Höflichkeit zu Schulden kommen ließen, indem sie bald Wein über Wein, bald allerhand neue Schüsseln, die sehr gut für den Abendtisch hätten bleiben können, verlangten, zudem mit der größten Ungeniertheit, als ob schon ein halbes Dutzend andere Gäste darüber her gewesen wäre. Was die sparsame Schwester ebenfalls nicht wenig verdroß, war, daß sich kein Mensch – auch der Wirt nicht – darum kümmerte, ob die Schüsseln auch wirklich leer, die Teller auch richtig abgegessen würden – usw. – kurz, Baby-Barbara war von diesen ihrem Sinne näher liegenden Dingen, die in ihren Augen nicht bloß aller häuslichen, sondern auch aller gesellschaftlichen Sitte Hohn sprachen, so alteriert, daß sie sich nicht darum scherte, ob ihr Bruder die Aufgabe, die er sich gestellt hatte, in ihrer ganzen Größe, und jetzt oder später, durchführen werde oder nicht.

Auch Mordaunt Mertoun hatte ganz andere Dinge im Kopfe, als Abschaffung shetländischer Rückständigkeit, Einführung neuer Pflugmethoden usw. Er saß zwischen zwei schönen Mädchen von Thule, die ohne Groll darüber, daß er erst vor kurzem noch den Töchtern des Udallars den Hof gemacht, sich königlich darüber freuten, daß er ihnen jetzt mehr Aufmerksamkeit erwies als jenen, daß er sich beim Essen als ihren Ritter aufspielte, und daß sie mit aller Wahrscheinlichkeit rechnen durften, von ihm am Abend zu Tanze geführt zu werden. Mordaunt indessen ließ, während er seinen schönen Nachbarinnen alle Aufmerksamkeit erwies, zu denen gesellschaftliche Pflichten nötigten, die ihm abspenstig gewordenen Freundinnen, wenn er es sich auch nicht merken ließ, nicht aus dem Auge, so wenig wie ihren Vater. Allein, wenn er auch in den Gesichtszügen Minnas wie Brendas manches zu lesen meinte, was ihm Anlaß zu peinlichen Betrachtungen gab, so zeigte der alte Udallar keinerlei Unterschied gegen früher, es sei denn, daß man in seiner Fröhlichkeit ein gewisses lärmendes Uebermaß hätte finden wollen. Kapitän Cleveland saß zwischen den beiden Schwestern und überbot sich in Aufmerksamkeiten gegen sie; Mordaunt seinerseits saß so, daß er alles bemerken konnte, was zwischen ihnen vorging, auch manches von dem hören konnte, was zwischen ihnen gesprochen wurde. Zumeist schien aber Cleveland sich um die ältere Schwester zu bemühen, was der jüngeren, deren Auge, und zwar sichtlich wiederholt mit einem Ausdrucke von Bedauern, wenn nicht gar wehmütiger Erinnerung an frühere, freundlichere Tage, nach der Stelle hin schweifte, wo Mordaunt saß, vielleicht nicht so recht auffiel, während es diesen mit Staunen und Verdruß erfüllte, daß gerade die ältere, ernstere Schwester, die Freundin der Einsamkeit und des Wissens, die so gern allein durch die stillen Täler wandelte, die aller lauten, seichten Fröhlichkeit so abhold war, deren Charakter, um es kurz zu fassen, im schroffen Gegensatze zu einem Manne, wie diesem kecken, rauhen, oberflächlichen Kapitän Cleveland stand, ihm trotzdem nicht allein Auge und Ohr lieh, während er neben ihr bei Tische saß, sondern dies mit einem so ungeteilten Interesse tat, daß Mordaunt, der ihr Wesen und ihre Art doch recht gut kannte, sich der Vermutung, daß der Fremde sich ihrer Gunst in hohem Maße erfreue, nicht länger verschließen konnte... Grimm und Haß gegen den Mann, der ihn aus diesem Herzen verdrängt hatte einerseits, Zorn über den Unbedacht des Mädchens anderseits, entflammten sein Herz.

Und doch waren beide Empfindungen so scharf-subjektiver Art, daß sie nicht als unbedingt gerecht bestehen konnten; denn als Nebenbuhler urteilte er zu streng über den Kapitän. War auch sein Verhalten zu ungezwungen, um nicht zu sagen ungeschliffen, so hatte dies bei so einfachen Leuten, wie den damaligen Bewohnern der Shetlandsinseln, wenig auf sich; anderseits waren die derbe Offenheit bei diesem Seemanne, sein natürlicher Scharfsinn, sein absonderlicher Humor und das blinde Vertrauen auf sich selbst, Eigenschaften, die bei dem schönen Geschlecht gemeinhin Glück machen. Weit mehr aber irrte er noch in der Ansicht, daß ein solcher Mann einem Mädchen wie Minna Troil wegen der Widersprüche, die ihrer beider Charakter aufwies, zuwider sein müßte. Bei einer größern Dosis von Weltkenntnis hätte er sich vielmehr gesagt, daß Sympathien keimen nicht bloß zwischen Personen von scharf abweichender Gesichtsfarbe und Gestalt, sondern vielleicht noch öfter zwischen Personen von abweichenden Anschauungen, anderer Geschmacksrichtung, anderer Beschäftigung, anderer Sinnesart – ja, ich meine nicht über das Ziel hinauszuschießen, wenn ich behaupte, daß zwei Dritteile der menschlichen Ehen zwischen Individuen geschlossen werden, die – a Priori zu urteilen, – durchaus nichts aufweisen können, was sie für einander geschaffen erscheinen ließe.