Eine Lachsalve begrüßte diesen regelmäßig wiederkehrenden Scherz zwischen Udaller und Kellermeister, die ständige Vorrede und Einleitung zu einer Punsch-Bowle von ungewöhnlicher Größe, vor Jahren gestiftet von einem Kapitän der westindischen Kompagnie, der auf der Heimfahrt von China durch widrigen Wind nach Norden und in die Bucht von Lerwick verschlagen worden war, wo er, ohne es mit den Abgaben dafür allzu genau zu nehmen, einen Teil der Ladung losgeschlagen hatte. Für mancherlei Gefälligkeit, die Magnus Troil dem Kapitän erwiesen hatte, war ihm von diesem bei der Abfahrt die mächtige Bowle zum Präsent gemacht worden, unter deren Last der alte Erik Scambester zu erliegen drohte, bei deren Anblick aber allgemeiner Jubel erschallte.
Gästen, die sich in der Nähe dieses Punschmeeres befanden, wurde ihr Anteil von der gastfreien Hand des Udallars in großen Pokalen dargereicht, während die entfernteren, ihre Becher vermittels einer köstlichen silbernen Schale füllten, scherzweise die »Schaluppe« genannt, die dann und wann herumgereicht wurde und durch ihre Reisen zu manchen Spaßen Anlaß gab. Der Handel der Shetländer mit fremden und aus Westindien zurückkehrenden Schiffen hatte längst bei ihnen den allgemeinen Gebrauch des trefflichen Getränkes eingeführt, mit dem jetzt »der muntere Seemann von Canton« so reich beladen war; auch verstand kein Mann von der Inselgruppe von Thule besser die reichen Ingredienzien zu mischen als der alte Erik Scambester, bekannt auf der ganzen Inselflur unter dem Namen »der Punschmacher.«
Das edle Getränk begann seine »illuminierende« Wirkung zu äußern, so daß es nicht lange mehr dauerte, bis allerhand alte nordische Trinkgesänge angestimmt wurden, aus denen sich erkennen ließ, daß die Shetländer, wenn auch infolge mangelnder Uebung der kriegerischen Tugenden verlustig, die ihre Ahnen in so hohem Maße auszeichneten, wenigstens noch immer an jenen Freuden Walhallas regen und kräftigen Anteil nehmen konnten, die durch den übermäßigen Genuß von Met und Hausbier geweckt und durch Odin denen verheißen wurden, die mit ihm sein skandinavisches Paradies teilten.
Auch der Schüchterne fand schließlich beim Klang der Becher und Lieder Mut, und der Wortkarge wurde geschwätzig, bis zuletzt niemand mehr zuhörte, sondern alle durcheinander schwatzten. Jeder ritt sein Steckenpferd und ließ sich als fescher und schneidiger Reiter bewundern: so der kleine Barde, der sich dicht an unsern Freund Mordaunt drängte, in der offenkundigen Absicht, ihn über all seine Bekanntschaft mit den großen Geistern der Zeit zu unterrichten – so auch Triptolemus Yellowley, dessen Courage wuchs, als er die Scheu überwunden hatte, in die ihn Magnus Troils Reichtum und die Ehrerbietung, die ihm von allen Gästen bezeugt wurde, versetzten – und der es nun unternahm, mit all den Meliorationsideen, mit denen er sich unterwegs seinem Reisegefährten gegenüber gebrüstet, hervorzutreten, ohne an der verwunderten Miene des Udallars Anstoß zu nehmen.
Diese Ideen aber, wie auch die Aufnahme, die ihnen von seiten Magnus Troils zuteil wurde, müssen wir in das nächste Kapitel verweisen.
Vierzehntes Kapitel
Wir verließen die Gesellschaft bei dem Zechgelage, in wilder Ausgelassenheit. Mordaunt, der wie sein Vater den Becher mied, nahm keinen Teil an der Fröhlichkeit, die der »muntre Seemann« mitsamt der »Schaluppe« verbreitete, bildete aber in seiner Trübnis ein um so willigeres Objekt für den redseligen Halcro, der sich an ihn anklammerte, wie die der Beute sichre Nebelkrähe an das sieche Lamm. Aber wie alles in der Welt, hätte auch Halcros Bericht über seinen freundlichen Schneiderwirt in Russel-Street mit allen Anhängseln über Kleidung und Moden und den Lebensbeschreibungen von fünf seiner engern Verwandten sein Ende gefunden, wäre er nicht durch Magnus Troils überlaute Stimme kurz vorher jäh unterbrochen worden .... »Was hat denn bloß unsern alten Magnus so in Hitze gebracht? Man sollte schier meinen, als wolle er seine Stimme gegen einen Sturm aus Nordwest versuchen!« meinte Halcro bei sich, Ueberlaut schrie er freilich, der alte Udaller, als ihm die Geduld riß bei den Meliorationsplänen, die ihm der Lord-Kämmerlings-Substitut jetzt rücksichtlos aufdrängen wollte...
»Bäume, Herr Kämmerlingsknecht,« rief er: »kein Wort mag ich davon hören... wir fragen den Teufel danach und wenn kein einziger auf der Insel wächst, hoch genug, daß ein Narr daran baumeln könnte. Wir wollen bloß Bäume haben, wie sie in unseren Häfen wachsen – Raaen aus Zweigen und Tauwerk als Blätter,«
»Aber die Austrocknung des Braebaster-Sees, von der ich sprach, Magnus Troil,« versetzte der beharrliche Verwalter, »und die meiner Ansicht nach von äußerster Wichtigkeit ist? ... Es gäbe zwei Wege, sie zu bewirken: die Ableitung des Wassers ins Linklater-Tal oder durch Stauung des Scalmester-Baches . . .«
»Ich wüßte noch einen dritten Weg, Herr Yellowley,« fiel ihm Magnus Troil ins Wort.
»Ich nicht, beim besten Willen nicht,« entgegnete Triptolemus mit einer Harmlosigkeit, wie sie kein Spaßvogel sich besser bei jemand wünschen kann, den er abtrumpfen will; »weil doch der Braebaster-Hill gegen Süden, die Anhöhe gegen Norden aber, deren Namen ich nicht behalten kann –«
»Nichts von Hügeln und Höhen, Herr Yellowley,« unterbrach ihn Magnus Troil, »einen dritten Weg noch gibt es, den See abzuleiten, und kein anderer soll, so lange ich lebe, versucht werden. Der Lord Kämmerer und ich, sagt Ihr, wären die gemeinschaftlicher Besitzer davon – mag sein! – Seht, jeder von uns braucht nur eine gleiche Quantität Branntwein, Zitronensaft und Zucker in den See zu tun, – ein Paar Schiffsladungen reichten hin dazu – und wenn wir dann alle muntern Udallars rund herum zu Gaste bitten, so wird, ich stehe Euch dafür, in vierundzwanzig Stunden trockner Grund und von dem Braebaster keine Spur mehr zu sehen sein.«
Ein lautes Beifallsgelächter antwortete auf diesen für Zeit und Ort so gut gewählten Scherz und brachte Triptolemus zum Schweigen. Eine lustige Gesundheit ward ausgebracht, ein munteres Lied angestimmt – das »Schiff« lud wieder aus – die »Schaluppe« machte ihre Runde, – das Duett zwischen Magnus Troil und Triptolemus, das durch seine überwiegende Lautheit die Aufmerksamkeit der Gesellschaft während eines Augenblickes ausschließlich beschäftigt hatte, ging in dem allgemeinen Gesprächschaos unter, und der, Poet Halcro suchte sich der Ohren seines jungen Freundes Mordaunt wieder zu bemächtigen.
»Wo blieb ich denn?« fragte er in einem Tone, der seinem ermüdeten Zuhörer deutlicher verkündetem, als Worte es zu tun vermocht hätten, wieviel von seiner Geschichte noch zu erzählen übrig sei ... »Ach ja, ich weiß schon – wir standen gerade vor der Tür des Kaffeehauses der hitzigen Köpfe – damals hielt es ein gewisser – – – Aber die Schwerenot!« rief er ärgerlich, »hier kann man kein vernünftiges Wort mehr sprechen, – hol' der Henker den Kerl aus Schottland! Er liegt sich schon wieder mit Magnus Troil in den Haaren.«
So war es in der Tat ... Fragen und Antworten, Bemerkungen und Erwiderungen wurden so lebhaft gegen einander ausgetauscht, daß der Disput einem Musketenfeuer nicht unähnlich war.
»Ei, so nehmt doch Vernunft an, Herr!« rief der Udallar, »und wenn Vernunft nicht zulangt, so wollen wir Euch mit Reimen dienen – Heda, kleiner Freund Halcro!«
Der kleine Sänger, mitten in dem zweiten Anfang seiner Erzählung gestört, fuhr bei dem Rufe auf, schnitt ein schlaues Gesicht, schlug mit der Hand auf den Tisch und markierte seine Bereitwilligkeit, seinem Wirte, wie es einem wohlgezogenen Gaste geziemt, den Rücken zu decken. Triptolemus erschrak ob dieser Verstärkung seines Gegners, hielt wie ein vorsichtiger General mit dem Angriff inne, den er auf Shetlands Rückständigkeit unternommen, und schwieg, bis er durch die beleidigende Frage des alten Udallars gereizt wurde: »Wo sind denn nun Eure Gründe, Herr Yellowley, womit Ihr mich vor einem Augenblick noch taub zu machen bemüht wart?«