»Nur Geduld,« versetzte der Ackerbauer, »was in der Welt könnt Ihr oder sonst jemand zur Verteidigung des Dinges sagen, das Ihr in diesem verblendeten Lande Pflug nennt? Selbst die wilden Hochländer in Caithreß und Sutherland können mit ihrem armseligen Werkzeuge mehr ausrichten!«
»Aber was habt Ihr denn daran auszusetzen, Herr!« fragte der Udallar, »laß mich Euren Tadel hören. Er pflügt unser Land, was verlangt Ihr mehr?«
»Nur einen Stiel hat er,« antwortete Triptolemus.
»Und wer zum Teufel,« rief der Poet, indem er sich bemühte, schlau dabei auszusehen, »wird zwei Stelzen nehmen, wenn er mit einer fortkommen kann?«
»Oder sagt,« fuhr Magnus Troil fort, »wie wäre es dem armen Neil aus Lupneß, der bei einem Sturz von der Klippe von Neckbreckan einen Arm verlor, möglich, einen zweistieligen Pflug zu regieren?«
»Das Geschirr ist von rohem Seehundsfell,« sprach Triptolemus weiter.
»So spart man das verarbeitete Leder,« entgegnete Magnus Troil.
»Er wird von vier armseligen Ochsen gezogen, die nebeneinander gespannt sind, und zwei Weiber müssen hinterdrein gehen, um die Furchen mit Schaufeln vollends zu stande zu bringen.«
»Trinkt einmal drauf, Herr Yellowley,« erwiderte der Udallar, »und laßt's Euch nicht verdrießen. – Unser Vieh ist zu mutig, als daß man eins hinter das andere spannen könnte; unsere Männer sind zu wohlerzogen, als daß sie die Feldarbeit ohne ihre Weiber verrichten möchten; unser Pflug pflügt unser Land – unser Land trägt uns Gerste; wir brauen unser Bier, essen unser Brot, und heißen Fremde dazu willkommen. Auf Euer Wohlsein, Herr Yellowley!«
Dies wurde in einem Tone gesprochen, der den Streit als beendigt zu erklären schien, und sogleich flüsterte auch Halcro seinem Freunde Mordaunt ins Ohr: »Die Sache ist abgemacht, und wir können nun wieder zu unserm Thema zurückkehren. – Ach richtig! wo blieb ich denn gleich? – Tim Timblethwaite schritt durch die Menge, kühn wie ein Löwe, und ich hinterher, ein kleines Päckchen unter meinem Arm, das ich zu tragen übernommen hatte, teils um meinem Hauswirt gefällig zu sein, denn der Ladendiener war gerade nicht bei der Hand, teils aber auch, daß ich um so sicherer eingelassen würde, denn nicht jedermann hatte Zutritt, wie begreiflich.« – Aber schon wieder wurde die Erzählung durch die laute Stimme des alten Udallars abgebrochen ...
»Ich will nichts weiter davon hören, Verwalter,« rief er.
»So möchte ich doch wenigstens noch etwas über die Pferdezucht sagen,« versetzte Triptolemus in einem fast um Gnade flehenden Tone ... »Eure Pferde hier, mein werter Herr! gleichen an Größen den Katzen und an Wildheit den Tigern,«
»Was ihre Größe betrifft,« erwiderte Magnus, »so kann man um so leichter auf und ab kommen –« (wie Triptolemus diesen Morgen selbst erfahren, dachte Mordaunt) »wem sie zu wild sind, der braucht sie ja nicht zu besteigen.«
Selbstbewußtsein verhinderte Yellowley, hierauf etwas zu erwidern. Er richtete einen kläglichen Blick auf Mordaunt, wie wenn er ihn bitten wollte, seinen Sturz von heute früh geheim zu halten; und der Udaller, seinen Vorteil gewahrend, ob ihm gleich die Ursache desselben nicht bekannt war, setzte ihm zu wie ein Mann, der sein ganzes Leben hindurch nicht gewohnt gewesen, Widerstand zu begegnen oder gar zu dulden.«
»Beim Blute St. Magnus des Märtyrers,« rief er aus, »Ihr seid ein schlauer Gesell, Herr Verwalter! Da kommt Ihr zu uns her aus einem fremden Lande, kennt weder unsere Gesetze, unsere Sitten, noch unsere Sprache, und doch wollt Ihr das Land regieren und uns alle zu Euren Sklaven machen.«
»Zu meinen Schülern nur, werter Herr!« sagte Yellowley, »und das allein zu Eurem eigenen Vorteil,«
»Wir sind zu alt, um in die Schule zu gehen,« antwortete der Shetländer. »Noch einmal laßt Euch sagen, wir wollen unser Korn säen und ernten, wie es unsere Väter getan – unser Brot essen, und unsere Türen offen halten wie sie. Fehlt's noch irgendwo in unseren Sitten, so werden wir das schon bei Zeit und Gelegenheit richtig ausgleichen. – Aber des gesegneten Täufers Feiertag wurde für fröhliche Herzen und flinke Beine geschaffen. Wer noch ein Wort von Gründen, wie Ihr es zu nennen beliebt, oder von ähnlichen Dingen spricht, soll ein Maß Seewasser verschlucken, – mein Wort drauf! – Und nun hier das gute Schiff, der muntere Seemann von Canton, noch einmal gefüllt zum Nutzen derer, die ihm treu bleiben! den andern sei es überlassen, sich nach dem Fiedelbogen der Geiger zu drehen, die uns da eben lustig aufgefordert haben. Allen Mädchen brennt's schon unter den Füßen, dafür stehe ich. – Nun, Herr Yellowley, ein freundlich Gesicht! – wie! spürt Ihr etwa die Wirkung »des munteren lustigen Seemanns,« – (und in der Tat zeigte Triptolemus etwas Unsicherheit in seinen Bewegungen, als er aufstand, um seinen Wirt zu begleiten) – »aber schadet nicht, wir wollen Euer schwaches Untergestell doch zum Tanzen bringen; – komm, komm, faß mich an, Triptolemus, – sonst trippelst Du, alter Triptolemus, ha, ha ha ha!«
Und nun segelte der mächtige, von Wind und Wetter mitgenommene Rumpf des Udallers, wie ein Kriegsschiff, das hundert Stürmen getrotzt, mit seinem Gaste im Schlepptau davon. Der größere Teil der Gesellschaft folgte ihrem Führer mit lautem Jubel; und nur einige, dem Becher sehr ergebene Trinker blieben zurück, die Wahl, die ihnen ihr Wirt gelassen, benutzend, um den muntern Seemann seiner neuen Ladung zu entledigen und die Becher fleißig zu leeren aufs Wohl des abwesenden Wirtes und auf das seines Hauses, was nebst andern freundlichen Wünschen als eine Apologie für den immer neu gefüllten Becher angesehen werden konnte.
Die übrigen erreichten bald den Tanzraum, einfach wie die Sitte der Zeit und des Landes. Gesellschafts- und Tanzsäle, außer in den Häusern der Adeligen, waren selbst in Schottland noch unbekannt; um so mehr war dies in Shetland der Fall; aber ein langes, niedriges, unregelmäßiges Gemach, dann und wann als Waren-Niederlage oder als Aufbewahrungsort für allerhand Gerät benutzt, war der ganzen Jugend von Dunroßneß als der Schauplatz jener fröhlichen Tänze bekannt, die bei Magnus Troils Festlichkeiten immer unter Freude und Jubel stattfanden.
Der erste Anblick dieses Raumes hätte eine Tanzgesellschaft der Gegenwart sicher zurückgeschreckt. Es war, wie gesagt, ein niedriger Raum, spärlich durch Lampen, Lichter, Schiffslaternen und ähnliche verschiedenartige Beleuchtungsanstalten erhellt, die nur ein dämmerndes Licht, sowohl auf den inneren freien Raum als auf die rund umher aufgehäuften Waren und Gerätschaften, Erntefrüchte, für den Wintervorrat angesammelt, oder Gegenstände warfen, die Neptun auf Kosten verunglückter Schiffe gezollt hatte, oder im Tausch gegen Fische oder andere Produkte seiner Besitzungen dem Hausherrn zugefallen waren, der, wie die meisten Eigentümer damaliger Zeit, zugleich Kaufmann und Landwirt war. Alle diese Kisten, Kasten und Ballen waren nun beiseite geschoben und aufeinander gehäuft worden, um Platz für die tanzenden Paare zu schaffen, die leicht und froh, als wäre ihnen der glänzendste Saal im Kirchspiel von St. James eingeräumt gewesen, ihre Nationaltänze mit liebenswürdigster Grazie aufführten.
Die dem Tanze zuschauende Greisengruppe mit ihren stark knochigen, durch den Kampf mit den Elementen verhärteten Gesichtern, dem rauhen Haar und Bart, den viele noch nach altnorwegischem Brauch trugen, sah ganz aus wie eine Schar ältlicher, die Spiele der Seenymphen belauschenden Tritonen. Die jungen Leute dagegen waren ungemein hübsch, schlank und wohlgebaut; die Männer mit langem, schönem Haar und von frischer roter Gesichtsfarbe, die bei dem weiblichen Teil in ein Kolorit voll unendlicher Zartheit überging. Bei ihrem guten musikalischen Gehöre begleiteten sie das Spiel eines Musikchors, dessen Klänge sich wohl anhörten, aufs genaueste, während die Alten entweder kritische Betrachtungen über die Tänzer anstellten, oder auch, von dem noch immer umherkreisenden Becher belebt, mit den Füßen den Takt traten.