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Mordaunt blickte auf die Szene allgemeiner Freude mit schmerzlichem Gedanken an die bevorzugte Stelle eines Vortänzers, die ihm früher immer zugefallen war und die jetzt dem Kapitän Cleveland gehörte. Bemüht indessen, diese Kränkung sich nicht merken zu lassen, trat er jetzt zu seinen niedlichen Nachbarinnen, die ihn bei Tische so gern gesehen hatten, in der Absicht, eine von ihnen zum Tanz aufzufordern; aber die strenge alte Tante, die schon erwähnte Lady Glowrowrum, war durchaus nicht geneigt, die bei Tische geführte Unterhaltung weiter spinnen zu lassen, sondern erklärte Mordaunt, nachdem sie ihm für seine Artigkeit gedankt, daß ihre beiden Nichten, die mißvergnügt und schweigend neben ihr saßen, schon für den ganzen Abend versagt seien; was er aber bald als Ausflucht erkannte, denn die beiden Schwestern nahmen gleich darauf an dem Tanze teil mit den ersten besten Tänzern, die sie dazu aufforderten. Erbittert über diese offenbare Feindschaft, und nicht willens, sich einer zweiten solchen Kränkung auszusetzen, zog sich Mordaunt vom Tanze zurück, mischte sich unter die Zuschauer am untern Ende und versuchte dort, den Beobachtungen anderer entzogen, das Gefühl seiner Kränkung mit aller Philosophie seines Alters, nämlich gar keiner, – zu bekämpfen.

Fünfzehntes Kapitel

Der Jüngling, sagt Moralist Johnson, kümmert sich nicht um das Steckenpferd des Knaben, der Mann nicht um die Geliebte des Jünglings; und Mordaunt, da er sich von dem fröhlichen Tanze ausgeschlossen sah, mag manchem Leser lächerlich erscheinen, und dennoch würde sich derselbe in einer ähnlichen Stimmung befinden, wenn er sich in einem geselligen Kreise, freilich anderer Art, plötzlich von dem gewöhnlichen Platze, den er in demselben behauptete, verdrängt sähe. Es fehlte indes auch nicht an Unterhaltung für solche Gäste, die entweder dem Vergnügen des Tanzes abhold oder so unglücklich gewesen waren, keine Tänzerin nach ihrem Gefallen zu finden. Halcro, jetzt vollkommen in seinem Elemente, hatte ein Auditorium um sich versammelt, dem er seine Dichtungen, mit dem ganzen Enthusiasmus des alten ruhmgekrönten, von ihm vergötterten Dryden vordeklamierte, und von dem er dagegen all jene Lobsprüche entgegennahm, die dem Rezitator eigener Gedichte wenigstens so lange, als seine Ohren sich noch im Bereich der Kritik befinden, gespendet zu werden pflegen.

Halb zuhörend, halb in seine eigenen Betrachtungen versunken, stand Mordaunt Mertoun nahe der Zimmertür und in der äußersten Reihe des kleinen Kreises, der sich um den alten Halcro gebildet hatte, während dieser – nach einer dumpfen, wilden, einförmigen Weise, die nur zuweilen durch die Bemühung des Sängers, gewissen Stellen eine größere Anziehungskraft oder Nachdruck zu geben, Veränderung erlitt – die folgende Nachahmung eines nordischen Kriegsgesanges vortrug:

Blutrot sieht man die Sonne aufgeh'n,

Bang, drückend ist des Windes Weh'n;

Von Klippen steigt der Aar empor,

Der Wolf kommt aus der Kluft hervor;

Es späht der Hund aus dem Versteck,

Der Rabe lauscht auf seinem Fleck;

Man hört nur Kreischen, Krächzen, Stöhnen,

Und jedes sagt in wilden Tönen:

Ei, bald zum Totenmahl es geht!

Des blonden Harold Flagge weht!

Die Mähne fliegt im Winde wild,

Es glänzt der Helm, es blitzt der Schild,

Und mancher Arm die Streitaxt schwingt,

Die durch den Wald von Lanzen dringt.

Der Rosse Wiehern, Waffenklang

Tönt durch die dichten Reih'n entlang;

Führer rufen, Cymbeln klingen,

Laut hört man den Barden singen:

Kommt, Ihr Tapfern, Mann bei Mann;

Norweger! kommt zum Kampf heran!

Denkt nicht an Schlummer, nicht ans Mahl,

Erwäget Vorteil nicht, noch Zahl;

Muntre Schnitter, kommt, zu mäh'n

Die Halm' im Tal und auf den Höh'n;

Dicht oder dünn, hart oder weich,

Fall' alles unter Eurem Streich.

Vorwärts mit der breiten Schneide,

Bringt der Ernte blut'ge Beute!

Vorwärts, Fußvolk, – Reitersmann!

Auf, Norweger! – Mutig dran!

Die Ihr gewählet Kampf und Schlacht,

Euch Odins Tochter treu bewacht,

Hört, was sie Euch prophezeit:

Sieg und Reichtum, Herrlichkeit

Und Walhallas rauschend Heil

Wird Euch Tapfern dann zu Teil;

Der Tafel und des Kampfes Freuden

Wird Euch die Ewigkeit bereiten:

Zum Angriff, Fußvolk, Reiterei;

Kämpft wie Norweger, sterbet frei!

»Die armen, unglücklichen, verblendeten Heiden,« sagte Triptolemus mit tiefem Seufzer, »da sprechen sie von ihren ewig gefüllten Metkrügen, und ich zweifle, ob sie auch nur ein Stückchen Landes bearbeiten könnten!«

»Um so gescheitere Gesellen sind's gewesen, Nachbar Yellowley,« erwiderte der Poet, »wenn sie Bier ohne Gerste zu brauen verstanden.«

»Gerste! hilf Himmel!« rief der Ackerbauer, »wer hörte je von Gerste hierzulande? Vierzeiliges armseliges Zeug ist alles, was sie haben, und ein Wunder ist's, daß sie je eine Aehre davon sahen. Da pflügt ihr das Land mit einem winzigen Dinge, das ihr einen Pflug nennt, – ebensogut könntet ihr es mit den Zähnen eines Kammes aufwühlen; ja, wenn man so einen echt schottischen Pflug sieht, mit einem Kerl wie Simson zwischen den Stielen, der ein Gewicht darauf legt, stark genug, einen Berg niederzudrücken, und mit zwei stattlichen Ochsen und eben so vielen breitbrüstigen Pferden bespannt, wer so etwas gesehen, kann von andern Dingen schwatzen, als von diesen alten Geschichten von Krieg und Blutvergießen, dessen die Welt schon zuviel gesehen hat.«

»Ketzerei ist es,« rief der kleine Poet, sich aufblähend, als ob die Verteidigung der ganzen Inselflur auf seinen Schultern ruhe, »sein Vaterland nennen zu hören, wenn man nicht zu seiner Verteidigung bereit ist. Es gab eine Zeit, wo wir, wenn wir auch nicht gutes Bier und guten Aquavit zu brauen verstanden, doch gar wohl wußten, wo wir sie für uns bereits fertig fanden. Aber jetzt sind die Abkömmlinge von Seekönigen, Kämpen und Berserkern nicht mehr imstande, ihre Schwerter zu gebrauchen, gerade als ob es lauter Weiber waren.«

»Gesprochen wie ein Engel! Du edelster aller Poeten!« rief Cleveland, der sich während einer kleiner Tanzpause dem kleinen Kreise genähert hatte, der dieses Gespräch führte, – »Die alten Kämpen, von denen Ihr uns gestern abend erzähltet, waren kräftige Gesellen, Freunde der See, und Feinde von allem, was darauf schiffte – Männer, deren Taten Stoff für die Harfe boten . . Ihre Schiffe mögen plump gewesen sein, aber wenn es wahr ist, daß sie damit bis nach der Levante segelten, so haben sicher seit Menschengedenken bessere Burschen wohl nie ihre Segel aufgezogen.«

»Ja, ja,« versetzte Halcro, »in jenen Tagen konnte niemand sein Leben und sein Eigentum sein nennen, war sein Wohnsitz nicht wenigstens zwanzig Meilen von der blauen See entfernt. Wurden doch in allen Kirchen Europas öffentliche Gebete gehalten für die Befreiung vom Joch der Normannen. Und nun soll nicht einmal unsere Gerste ohne schottischen Beistand wachsen« – (bei diesen Worten warf er einen sarkastischen Blick auf den Verwalter) – »ich wollte, ich sähe die Zeit kommen, wo wir wieder unsere Waffen wider die Welt kehren können.«

»Fürwahr, gesprochen wie ein Held,« sagte Cleveland.

»Ja, ja,« fuhr der kleine Barde fort, »ich wollte, unsere Barken, einst die Meerdrachen der Welt, glitten noch einmal mit der rabenschwarzen Flagge über die Fluten, die Verdecke von glänzenden Waffen starrend, statt mit Stockfischen bedeckt, – mit unsern furchtlosen Händen dasjenige erringend, was der geizige Boden verweigert – jeden alten Groll, jede neue Beleidigung vergeltend – ernten, wo wir nicht gesäet, einsammeln, wo wir nimmer gepflanzt – froh und lachend durchs Leben ziehend, selbst dann noch lächelnd, wenn wir von hinnen gerufen werden.«