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Mordaunt blickte ihr in einem ihm bis jetzt fremd gebliebenen Seelenzustande nach: die zweifelhafte neutrale Straße zwischen Liebe und Freundschaft mag jemand lange in Sicherheit wandeln, bis jählings die Aufforderung, die Oberherrschaft der einen oder der andern Macht anzuerkennen, an ihn herantritt. Da trifft es sich denn nicht selten, daß, wer sich jahrelang für einen bloßen Freund gehalten, sich jählings in einen Liebhaber umgewandelt sieht. – Daß sich eine solche Wendung von diesem Tage an in Mordaunts Gefühlen vollzog, wenn er auch ihre Natur nicht genau unterscheiden konnte, ließ sich erwarten. Er sah sich plötzlich mit argloser Offenheit von einem liebenswürdigen und reizenden Mädchen ins Vertrauen gezogen, von dem er sich noch vor kurzer Zeit verachtet und zurückgesetzt glaubte; und wenn etwas diesen an sich selbst schon so wunderbaren und erfreulichen Wandel noch berauschender machen konnte, so war es die harmlose Schlichtheit Brendas, die über alles, was sie sagte und tat, einen unwiderstehlichen Zauber verbreitete. Auch der Schauplatz, auf welchem sich die Handlung abspielte, mochte seine Wirkung geäußert haben, obgleich es seiner Hilfe eigentlich nicht bedurfte. Immerhin nimmt ein liebliches Gesicht sich im Schimmer des Mondes noch lieblicher aus, und eine süße Stimme klingt in dem Raunen und Lispeln einer Sommernacht noch süßer. Mordaunt, der unterdessen ins Haus zurückgekehrt war, befand sich demnach in der schicklichen Stimmung, mit ungewöhnlicher Geduld und Gefälligkeit einer enthusiastischen Deklamation, wie Claud Halcro, dessen Feuer für diesen Gegenstand, durch einen kurzen Gang in freier Luft – zu dem Zweck unternommen, Alkoholdunst, der sein Hirn umnebelte, verdunsten zu lassen – geweckt worden war, sie jetzt an den Mond richtete, mit aufmerksamem Ohr zu lauschen.

»Die Sonne, mein Sohn!« sprach er, »ist jedes armseligen Taglöhners Taglaterne, – da steigt sie glänzend im Osten auf, um eine ganze Welt zur Arbeit und zum Elende zu wecken, während der heitere Mond zur Freude und Liebe winkt.«

»Und zur Narrheit, sofern man ihn nicht verleumdet,« entgegnete Mordaunt, um doch etwas zu sagen.

»Mag sein,« erwiderte Halcro, »treibt er doch nicht zur melancholischen Narrheit. Die Bewohner dieser mühseligen Welt, junger Freund, sind viel zu ängstlich bemüht, ihr bißchen Verstand zusammenzuhalten. Oft bin ich ein Simpel genannt worden, und bin doch durch die Welt gekommen, als hätte ich doppelt soviel Verstand gehabt. Aber – halt, wo blieb ich denn? ja, ja, ganz recht, beim Monde, – er ist die wahre Seele der Liebe und der Poesie. Ich frage: mag es wohl je einen Verliebten gegeben haben, der nicht in einem Sonnett sein: »O, Du!« zu seinem Lobe ertönen ließ?«

»Der Mond,« nahm der Verwalter, dessen Junge nachgerade auch zu lallen anfing, das Wort, »reift das Korn, wie die alten Leute sagen, auch füllt er die Nüsse, was aber von geringerer Bedeutung ist – sparge nuces, pueri

»Bravo, bravo,« rief Magnus Troil, der jetzt sein volles Maß hatte, »der Verwalter spricht Griechisch! Bei den Gebeinen meines heiligen Namensvetters St. Magnus, er soll unsre Schaluppe voll Punsch ganz allein leeren, wenn er uns nicht gleich auf der Stelle ein Lied zum besten gibt.«

»Zuviel Wasser tut dem Müller Schaden,« antwortete Triptolemus, »mein Gehirn bedarf des Austrocknens weit eher als einer noch größeren Zufuhr geistiger Getränke.«

»So singt denn,« rief der Hauswirt in gebietender Weise, »denn hier darf niemand eine andre Sprache reden, als ehrlich Norwegisch, lustig Holländisch oder Dänisch, oder wenn es nicht anders sein kann, allenfalls breit Schottisch. Also die Schaluppe her, Erik Scambester, und fülle sie bis zum Rande, als Ersatz für den Aufschub!«

Aber bevor das Schiffchen den Ackerbauer erreichen konnte, der es unterwegs und in kurzen Wendungen auf sich los lavieren sah, (denn auch Scambester steuerte bereits nicht mehr in gerader Richtung), machte dieser den verzweiflungsvollen Versuch, ein Yorkshirer Erntelied zu singen oder vielmehr zu krähen, das sein Vater hin und wieder, wenn er ein wenig angetrunken war, anzustimmen pflegte; die klägliche Miene des Sängers und die Mißtöne seiner Stimme bildeten zu der Fröhlichkeit der Worte und der Melodie einen so großartigen Kontrast, daß der ehrliche Triptolemus seinen Zuhörern fast den gleichen Spaß gewährte, wie ein lustiger Kopf, wenn er an irgend einem Jubeltage im Sonntagskleide seines Großvaters erscheinen wollte. Dieser Scherz beschloß den Abend, denn selbst der rüstige Magnus, der viel vertragen konnte, unterlag der Macht des Schlummergottes. Die Gäste Zogen sich zurück, so gut sie konnten, jeder in die für ihn bestimmte Schlafstelle, und nach kurzer Zeit ruhte das Herrenhaus von Burgh-Westra, noch vor wenigen Augenblicken der Schauplatz lärmenden Jubels, in tiefster Stille.

Siebzehntes Kapitel

Gewöhnlich mangelt dem Morgen nach einer Festlichkeit, wie wir sie soeben beschrieben haben, etwas von der Würze, die den Jubel des verwichenen Abschieds erhöhte. In den sogenannten feinen Zirkeln werden diese langsam hinschleichenden Momente von den Gästen gemeinhin auf ihren Zimmern verlebt. Daß auf Burgh-Westra keine solche Verkehrspause stattfand; daß vielmehr schon drei Stunden, nachdem man auseinandergegangen war, die Mädchen mit ihren etwas bleichern Wangen, der ältere Teil der weiblichen Gesellschaft aber gähnend und sich die Augen reibend, aufgefordert wurden, sich wieder in den Kreis der Manner zu mischen, die sämtlich etwas wie einen Brummschädel sich geholt hatten, wird man uns wohl ohne besondere Versicherung glauben.

Erik Scambester hatte alles getan, was nur ein Mann tun konnte, die Langeweile des Morgenmahls zu verscheuchen. Die Tafel seufzte fast unter der Last des nach shetländischer Weise zubereiteten Rauchfleisches, – zu dem sich Pasteten und allerhand Gebackenes, desgleichen Fische, auf jede erdenkliche Art zugerichtet, gesellten; ja selbst an ausländischen Delikatessen, wie Tee, Kaffee, Schokolade fehlte es nicht; denn durch ihre Lage waren die Inseln, wie wir bereits anderswo erwähnten, frühzeitig mit allerhand fremden Luxusartikeln bekannt geworden, von denen man damals kaum in Schottland etwas wußte. Auch an allerhand geistigen Getränken herrschte kein Mangeclass="underline" Da war der starke irländische Usquebaugh, der echte Nautz, veritabler Schiedam, Aquavit von Chaitneß und Goldwasser von Danzig; Rum von ehrwürdigem Alter, nebst Herzstärkungen von den westindischen Inseln, des selbstgebrauten Ale, der deutschen Mumme und des Braunbiers gar nicht zu erwähnen.

Daß aber der Anblick all dieser guten Dinge den Appetit der ermüdeten Gäste reizte und ihren Geist auffrischte, wird kaum als Wunder gelten.

Die jungen Männer begannen sogleich ihre Gefährtinnen vom vorigen Abend aufzusuchen und die leichte Unterhaltung wieder aufzunehmen, bei welcher die Nacht so schnell geschwunden war; während Magnus von seinen rüstigen alten norwegischen Verwandten unterstützt, den ältern und ernstern Teil der Gäste durch Wort und Beispiel aufforderte, mit all den guten Dingen, die vor ihnen die Tafel füllten, gehörig aufzuräumen und selbst mit dem besten Beispiel voranging. Aber trotz allem blieb bis zum Mittagessen noch eine große Zeitspanne, denn selbst das längste Frühstück kann doch nicht gut länger als eine Stunde währen, und es war zu befürchten, daß Claud Halcro bemüht sein möchte, die Leere des Vormittags mit einem poetischen Vortrage auszufüllen. Der Zufall befreite jedoch die Gäste von Burgh-Westra von dieser drohenden Gefahr, indem er ihnen einen Stoff zu ihrer Unterhaltung sandte, völlig für ihren Geschmack und ihre Sitten geeignet. Mit Eilschritten nämlich und funkelnden Augen schien jetzt Erik Scambester, mit einer Harpune in der Hand, und verkündete der Gesellschaft, daß ein Walfisch am Ufer sei. Allgemeiner Jubel erschallte, und im Nu waren die mutigen Söhne von Thule auf den Beinen, dem Ungeheuer, das ihnen die See zu so gelegner Zeit Zur Unterhaltung gesandt hatte, »den Wind abzufangen.«