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Der tapfere Triptolemus, dem die Geduld, mit der sich der Wal das Tau um den Schweif werfen ließ, keine sonderlich große Meinung von seiner Stärke und Gefährlichkeit beigebracht, erlaubte sich die Rede, »der Wicht besitze nicht mehr Griebs und wohl auch nicht mehr Behendigkeit als eine schwarze Ackerschnecke,« und meinte auf gar kein ferneres Angriffssignal warten zu sollen, sondern schleuderte seine Mistgabel mit aller Kraft nach dem unglücklichen Tier, von dem sich die Boote noch nicht so weit entfernt hatten, als zu ihrer Sicherheit nötig war.

Magnus Troil, der nur mit dem Verwalter gescherzt, aber die Absicht hatte, den ersten Wurf einer geschickten Hand anzuvertrauen, hatte kaum Zeit zu rufen: »Rührt euch, Jungens, oder wir werden alle fortgespült!« als das Ungeheuer, von dem Wurfe des Verwalters aus seiner Untätigkeit aufgejagt, mit einem Getöse ähnlich dem Geräusch einer Dampfmaschine einen gewaltigen Wasserstrom in die Luft blies und die Wellen mit seinem Schwanze zu peitschen begann. Das Boot, worin Magnus saß, wurde von einem Regenschauer von Seewasser überschüttet, und Triptolemus, der seinen vollen Anteil davon bekam, wurde von den Folgen seiner Heldentat so in Staunen und Schrecken versetzt, daß er rücklings unter die Füße der Bootsmannschaft purzelte. Mehrere Minuten lag er unter den Füßen seiner Gefährten, bis diese endlich ihre Ruder beilegten, um das Wasser aus dem Boot zu schöpfen. Hierauf gebot er ihnen, ans Land zu steuern und den unbedachten Menschen, der die ganze Jagd in solche zweifelhafte Bedingungen gestürzt, ans Land zu setzen.

Unterdes hatten die andern Boote sich in sichere Position gebracht, und von dort, so wie vom Lande aus, wurden nun auf den ungetümen Bewohner der Tiefe Wurfpfeile, Harpunen und Speere geschleudert, Gewehre abgeschossen und alle möglichen Mittel gebraucht, seine Kräfte in fruchtloser Wut zu erschöpfen. Sobald das Tier merkte, daß es von Untiefen eingeschlossen und das um seinen Körper geschlungene Tau ihn in seinen Bewegungen hemmte, sandte es Ströme über Ströme in die Luft, die aber bereits mit Blut gemischt waren und die Wellen hochrot zu färben begannen. Unterdes verdoppelten die Leute ihre Anstrengungen, dem in seiner Todesangst furchtbaren Ungetüme die tiefste Wunde beizubringen.

Der Kampf schien seinem Ende zu nahen; wohl machte das Tier noch wütende Versuche, sich zu befreien; doch seine Kräfte schienen schon so erschöpft, daß man hoffen durfte, es in Besitz zu bringen, da es auch mit Wahrnehmung der schon bedeutend gestiegenen Flut nicht mehr werde entkommen können. Magnus Troil gab nun das Signal, dem Walfisch zu Leibe zu gehen ... »Drauf nun, ihr Jungens,« rief er, »er ist schon zahm. – Und Ihr, Herr Verwalter, schaut Euch nach dem Wintervorrat für Eure Lampen in Hafra um! – Dichter heran, Bursche!«

Aber schon waren die beiden ersten Boote seinem Willen zuvorgekommen; und Mordaunt, von dem Verlangen beseelt, Cleveland zu übertreffen, hatte mit Aufwand aller Kraft einen Speer in den Körper des Wales gebohrt. Dieser aber, gleich einer Nation, deren Quellen durch allerhand Unglück erschöpft zu sein scheinen, raffte alle ihm übrige Kraft zu einer einzigen furchtbaren Anstrengung zusammen, sandte noch einen starken, mit Blut vermischten Strom in die Luft, sprengte das dicke Tau, das seinen Körper umschlungen hielt, wie einen Faden, warf mit einem Schlage seines Schweifes Mordaunts Boot um, schoß über die von der Flut nun hochbedeckte Sandbank und gewann, mit einem ganzen Walde von Speeren und Harpunen, eine blutige Spur hinter sich ziehend, die hohe See.

»Da geht Euer Oelkrug hin, Yellowley,« rief Magnus; »Ihr müßt nun Hammeltalg brennen oder im Dunkeln zu Bett gehen.«

»Aber wo ist denn Mordaunt?« fragte Halcro mit lauter Stimme; und alsbald sah man, daß der Jüngling, von dem umschlagenden Boote betäubt, nicht wie seine Gefährten das Ufer erreicht hatte, sondern bewegungslos in den Wellen trieb.

Wir haben des seltsamen, unmenschlichen Vorurteils schon Erwähnung getan, das die Shetländer abhielt, Menschen, die sich in Gefahr des Ertrinkens befanden, Beistand zu leisten. Drei Männer waren jedoch über diesen Aberglauben erhaben: Claud Halcro, der sich sogleich von einer niedrigen Klippe hinab in die Wellen stürzte, ohne – wie er späterhin versicherte – daran zu denken, daß er des Schwimmens unkundig sei, und der sich, als ihm dies einfiel, sogleich bemühte, die Klippe wiederzugewinnen, von der er herabgesprungen war, und herzlich froh war, nach einem einzigen Tauchversuch wieder auf trockenem Lande zu sein; – Magnus Troil, aus dessen redlichem Gemüt, als er die Gefahr des Jünglings bemerkte, aller Groll im Nu wich und der sich ebenfalls ins Wasser stürzen wollte, aber von Erich Scambester zurückgehalten wurde...

»Halt, Herr! – halt!« rief der treue Diener, »da hat ihn Kapitän Cleveland beim Kragen; laßt die beiden Fremden sich nur einander helfen, und wartet ruhig das Ende ab! Das Licht dieses Landes soll nicht in Gefahr kommen, für seinesgleichen zu verlöschen. Halt, Herr! sage ich, die See ist keine Punschbowle, aus der man einen Menschen, wie ein Stück geröstetes Brot, mit einem Löffel herausfischen kann.«

Diese Warnung wäre aber bei Magnus vergeblich gewesen, hätte er nicht bemerkt, daß Cleveland tatsächlich aus dem Boote gesprungen war und Mordaunt schon über Wasser hielt. Aber sowie die Gefahr vorüber war, erstarb auch des ehrlichen Udallars Trieb, Hilfe zu leisten; und sich der wirklichen oder vermeintlichen Ursache seiner Kälte gegen Mordaunt wieder erinnernd, machte er sich von seinem Kellermeister los, wandte sich unmutig von dem Ufer und schalt Erik einen alten Narren, daß er glauben könne, es läge ihm was daran, ob der junge Bursche niedersinke oder nicht.

Trotz dieser scheinbaren Gleichgültigkeit aber konnte Magnus doch nicht umhin, einen Blick über die Köpfe des Kreises zu werfen, der sich um Mordaunt, als er ans Ufer gebracht wurde, bildete, emsig bemüht, ihn wieder ins Leben zu rufen; und nicht eher vermochte er den Schein völliger Sorglosigkeit anzunehmen, als bis der Jüngling sich langsam wieder aufrichtete. Nun erst, nachdem er noch diejenigen, die dem Jüngling ein Glas Branntwein gereicht, ausgescholten hatte, schritt er mürrisch von dannen, als sei ihm das Schicksal desselben völlig gleichgültig.

Die Weiber, die wie immer bemüht waren, ihren Empfindungen Luft zu machen, aber auch diejenigen ihrer Genossinnen zu kontrollieren, sahen recht gut, daß Minna Troil bleich war wie der Tod und hörten recht gut, daß Brenda lautes Schreckensgeschrei ausstieß; aber wenn auch mancherlei Winke und Anspielungen fielen, daß alte Freunde nicht so leicht vergessen werden könnten, so herrschte doch allgemein die Meinung unter ihnen, daß weniger als solche Beweise von Teilnahme nicht zu erwarten gewesen seien angesichts der Lebensgefahr, in der sich der Gespiele ihrer Jugend befunden.

Aber auch ihre Teilnahme ließ nach, als sich Mordaunt zu erholen begann und sein Bewußtsein völlig wiedergewonnen hatte, so daß er, als er die Augen aufschlug, bloß Claud Halcro und ein paar andere Mitglieder der Gesellschaft um sich sah. Zehn Schritte von ihm stand Cleveland, Haar und Kleider durchnäßt, mit einem so seltsamen Ausdruck im Gesichte, daß Mordaunts Aufmerksamkeit auf der Stelle rege wurde. Sein Mund verzog sich zu einem unterdrückten Lächeln, und in seinen Augen lag ein stolzer Blick, der zugleich Freude über die Befreiung von einer drückenden Last und ein Gemisch von gesättigtem Haß zu verkünden schien. Claud Halcro unterließ nicht, Mordaunt zu sagen, daß er Cleveland sein Leben verdanke; worauf der Jüngling, alle andern Gefühle erstickend, aufsprang, auf seinen Retter zueilte und als Beweis seiner wärmsten Erkenntlichkeit die Hand ihm entgegenstreckte. Aber erstaunt blieb er stehen, als Cleveland, ein paar Schritte zurücktretend, die Arme übereinanderschlug und ihm seine Hand weigerte. Auch Mordaunt trat jetzt zurück und sah voll Verwunderung auf dieses unziemliche Benehmen und auf die fast beleidigenden Blicke, mit denen der Seemann, der bisher eher eine freimütige Herzlichkeit oder doch wenigstens ein offenes Wesen gezeigt hatte, jetzt, nachdem er ihm einen so wichtigen Dienst leistete, seinen Dank abweisen zu wollen schien.