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»Es ist genug,« sagte Cleveland, Mordaunts Ueberraschung gewahrend, »und unnötig wäre es, mehr davon zu reden. Ich habe meine Schuld zurückgezahlt. Wir sind nun quitt.«

»Wir sind nicht quitt, Kapitän,« antwortete Mertoun, »Sie haben Ihr Leben gewagt, um das für mich zu tun, was ich für sie ohne Gefahr unternahm; außerdem«, fuhr er fort, gleichsam in der Absicht, dem Gespräch eine lustigere Wendung zu geben, »habe ich ja Ihre Jagdflinte schon bekommen.«

»Der Feigherzige nur,« antwortete Cleveland, »bringt Gefahr in Anschlag. Mir war sie eine stete Begleiterin im Leben, und oft ist sie mit mir auf schlimmerer Fahrt gewesen; – Gewehre hab ich überdies genug; und wenn Sie wollen, so können Sie sich leicht darüber belehren, wer sie am besten zu gebrauchen versteht!«

In seinem Tone lag etwas, was Murdaunt ungemein auffieclass="underline" die Vorbedeutung des Bösen, wie Hamlet sagt. Cleveland nahm sein Erstaunen wahr, trat dicht zu ihm heran und sagte, doch mit leiserer Stimme:

»Auf Deiner Hut, junger Mann! Bei uns Glücksrittern herrscht, wenn wir ein und dasselbe Wild verfolgen und einer dem andern den Wind wegnimmt, der Brauch, sechzig Schritte am Ufer hinzugehen mit einem Paar gezogener Läufe, die immer auf und dabei sind, Streit zu schlichten.«

»Ich verstehe Sie nicht, Kapitän Cleveland,« sagte Mordaunt.

»Das glaube ich gern,« antwortete der Kapitän, indem er ihm mit einem fast spöttischen Lächeln den Rücken kehrte. Mordaunt sah, wie er sich unter die übrigen Gäste mischte, und gleich darauf an Minnas Seite war, die ihm mit heißem Blick für seine mutige Tat zu danken schien, trat. »Wäre es nicht um Brendas willen,« dachte Mordaunt, »so möchte ich fast wünschen, er hätte mich in den Wellen gelassen; denn niemand scheint sich viel darum zu kümmern, ob ich lebe oder tot bin. – Zwei Gewehre sechzig Schritt am Ufer entlang, – wäre es so gemeint? Nun, er soll mich bereit finden, aber nicht an dem Tage, an dem er mein Leben mit Gefahr seines eigenen rettete.«

Während er so dastand und sann, flüsterte Scambester dem Poeten ins Ohr: »Wenn die Burschen einander kein Leid zufügen, gibt es keinen alten Glauben mehr. Mordaunt zog Cleveland aus der Flut, – nun ja! – Cleveland hat zum Dank dafür den ganzen Sonnenschein von Burgh-Westra auf sich gezogen; und denkt einmal, was das heißt, die Gunst in einem Hause zu verlieren, wo der Punschkessel nimmer kalt wird! – Nun aber, da Cleveland wiederum ein solcher Narr war, den Mordaunt aus den Wellen zu ziehen, gebt acht, ob er ihm nicht kleine Schillochs für Stockfisch verkaufen wird ... Na, schaden kann's ihm nicht!«

»Und warum,« fragte Halcro, »wünscht Ihr dem guten, jungen Manne Böses, der fünfzigmal mehr wert ist als der andere?«

»Jeder hat seine Meinung,« erwiderte Erik; »Mordaunt trinkt bloßes Wasser, wie sein Haifisch von Vater; Cleveland aber greift nach seinem Glase wie ein ordentlicher Kerl!«

»Recht geschlossen, nach Deiner Weise,« sagte Halcro, und die Unterredung abbrechend, schritt er dem Herrenhause von Burgh-Westra zu, wohin auch die sämtlichen Gäste jetzt zurückkehrten, die lebhaft diskutierten über die verschiedenen Zufälle der Walfischjagd, denn der Unmut darüber, daß das Tier dennoch ihren Angriffen entgangen, war begreiflicherweise sehr lebhaft.

»Hoffentlich,« sagte Magnus, »erfährt Kapitän Donderdrecht von Rotterdam nie etwas von dieser Geschichte, sonst würde er Donner und Blitz darauf schwören, daß wir nur Flundern zu fischen verstehen.«

Achtzehntes Kapitel

Fortuna, die auch zuweilen ein Gewissen zu haben scheint, war dem gastfreien Udallar einigen Ersatz schuldig und vergütete demnach an Burgh-Westra das Mißgeschick der verunglückten Walfischjagd, indem sie noch am Abend desselben Tages, an dem dieser Vorfall sich abspielte, niemand Geringeres als den Hausierer oder reisenden Handelsmann, wie er sich selbst zu nennen pflegte, Bryce Snailsfoot, seinen Weg dahin nehmen ließ. Mit großem Pomp langte er an, er selbst auf einem Klepper, und sein Warenpack, fast doppelt so groß als gewöhnlich, auf einem zweiten, der von einem barfüßigen und barhäuptigen Jungen geführt wurde.

Bryce wurde, da er sich als den Ueberbringer wichtiger Neuigkeiten ankündigte, in das Speisezimmer geleitet, wo man ihm – (denn man rechnete damals noch nicht so wie heute mit dem persönlichen Ansehen) – den Platz an einem Seitentische anwies und ihm Speise und Trank reichlich vorsetzte. Ohne zuvor seinen Hunger und Durst zu stillen, berichtete er mit jener Wichtigkeit, die weite Reisen zu verleihen pflegen, daß er erst gestern von Kirckwall, der Hauptstadt der Orkney-Inseln, nach Lerwick, aber schon gestern bis hierher marschiert wäre, wenn es nicht vom Fitful-Head her stark gestürmt hätte.

»Hier hatten wir keinen Wind,« sagte Magnus.

»Ich weiß jemand, der da nicht geschlafen hat,« erwiderte der Hausierer, »und ihr Name fängt mit einem R. an, aber Gott wacht über uns alle.«

»Aber die Neuigkeiten von Orkney, Bryce, statt da viel von einer Handvoll Wind zu schwätzen!«

»Solche Neuigkeiten,« entgegnete Bryce, »sind hier nicht seit dreißig Jahren gehört worden, – nicht seit Cromwells Zeit.«

»Es ist doch nicht eine neue Revolution dort im Werk?« fragte Halcro. »Wie? Ist vielleicht König Jakob zurückgekommen, wie weiland der muntere König Karl?«

»Neuigkeiten sind's,« antwortete der Hausierer, »mehr wert als zwanzig Könige und zwanzig Königreiche obendrein; brachten uns Staatsveränderungen je was Gutes? und doch haben wir schon ein Dutzend bald große, bald kleine, erlebt.«

»Ist etwa ein Indienfahrer nordum gekommen?« fragte Magnus Troil.

»Ihr kommt dem Dinge schon näher, Herr!« sagte der Hausierer; »aber ein Indienfahrer ist es nicht, sondern ein trefflich bewaffnetes Schiff, bis unter das Deck mit Waren gefüllt, die so wohlfeil weggehen, daß ein bescheidener Mann, wie ich, seinen Kunden rund im Lande recht billige Preise stellen kann; und das werdet Ihr selbst sehen, wenn ich meinen Pack geöffnet haben werde, den ich leichter hinwegzuführen hoffe, als ich ihn hergebracht.«

»Ihr müßt gar wohlfeil eingekauft haben, Bryce, wenn Ihr billige Preise stellt,« sagte der Udaller; »aber was für ein Schiff war es denn?«

»Darüber kann ich keine genaue Auskunft geben, denn ich habe mit niemandem gesprochen als dem Kapitän, der ein verschwiegener Mann war; aber es kommt von den spanischen Besitzungen, denn es hat Seide, Atlas, Tabak und Wein an Bord; und Zucker, und mancherlei schöne Dinge von Silber und Gold, und Goldstaub obendrein.«

»Und von welcher Bauart ist's?« fragte Cleveland, der sehr aufmerksam zu werden schien.

»Ein großes Schiff ist's,« antwortete der Handelsmann, »wie ein Schoner gebaut und bemastet, segelt wie ein Delphin, sagt man, und führt zwölf Kanonen.«

»Habt Ihr den Namen des Kapitäns vernommen?« fragte Cleveland in leiserem Tone weiter, als er gewöhnlich zu sprechen pflegte.

»Ich hab ihn schlechtweg Herr Kapitän tituliert,« erwiderte Bryce, »denn es ist Gesetz bei mir, Leute, mit denen ich Geschäfte treibe, nie mit Fragen zu belästigen; freilich gibt's manchen Kapitän, mit Eurer Erlaubnis, Kapitän Cleveland, dem es nicht behagt, wenn man seinen Namen seinem Titel anhängt; aber, sobald man weiß, welchen Handel man schließt, braucht man dann den Namen des Verkäufers kennen?«

»Bryce Snailsfoot ist ein vorsichtiger Mann,« bemerkte der Udallar lachend; »er weiß, daß ein Narr mehr fragen kann, als ein kluger Mann zu beantworten Lust hat.«

»Ich habe in meinem Leben schon manchen schönen Handel gemacht,« entgegnete der Hausierer, »und weiß nicht, welchen Nutzen es bringen kann, immer gleich mit dem Namen der Leute herauszuplatzen; aber ich kann den Kapitän jenes Schiffes als einen braven und auch freundlichen Befehlshaber rühmen, und sein Schiffsvolk hält er in strammer Disziplin, läßt kaum einen Mann ans Land, ohne daß der Bootsmann dabei ist, aber das ist ein Brummbär, rauher als je einer das Verdeck betrat; das ganze Schiffsvolk hat vor ihm genau soviel Furcht, wie vor dem Kapitän selbst.«