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»Solches Geschwätz von Toren schmerzt nicht,« versetzte Brenda mit Wärme, »ich werde nie meine eigene gute Meinung von einem schuldlosen Freunde dafür aufgeben, ist's doch leicht, selbst der unschuldigsten Handlung einen bösen Grund unterzuschieben.«

»Aber so höre doch,« unterbrach sie Minna,, »was unsere Freunde sagen; höre nur Lady Glowrowrum; höre nur Maddie und Klara Greatsettars.«

»Wenn ich auf Lady Glowrowrum hören sollte,« erwiderte Brenda fest, »so würde ich mir die boshafteste Zunge von ganz Shetland anhören, und Maddie und Klara Greatsettars waren doch überglücklich, Mordaunt vorgestern neben sich bei Tische zu sehen, wie Du es wohl selbst bemerkt hättest, wäre Dein Ohr nicht besser beschäftigt gewesen.«

»Dagegen waren Deine Augen um so weniger bei uns, Brenda,« erwiderte die ältere Schwester, »sondern immer nur auf den jungen Mann gerichtet, von dem jedermann, ich ausgenommen, überzeugt ist, daß er uns mit kränkender Anmaßung behandelte. Selbst wenn er unschuldig angeklagt wäre, meinte Lady Glowrowrum, sei Dein Verhalten unschicklich von Dir gewesen, da es solchem Geschwätz, wie Du zu sagen liebst nur Nahrung und Stütze gäbe.«

»Ich werde meine Blicke dorthin senden, wohin ich es für gut finde,« erwiderte Brenda mit steigender Wärme. »Lady Glowrowrum soll weder meine Gedanken, meine Worte, noch meine Blicke beherrschen. Ich halte Mordaunt für unschuldig an allem, was ihm schlimme Zungen nachgeredet haben, und wenn ich nicht mit ihm spreche und mich anders wie sonst gegen ihn verhalte, so tue ich es nur aus Gehorsam gegen meinen Vater, nicht aber darum, weil ich irgend welchen Wert auf das Gerede einer Lady Glowrowrum und ihrer Nichten, – und wenn sie deren zwanzig, statt zwei hätte, – lege – denn das ist Gerede über Dinge, die diese Leute nicht angehen und die diese Leute nicht verstehen.«

»Ach, Brenda,« sagte Minna ruhig, »Du sprichst mehr, als zur Verteidigung eines Freundes nötig wäre! – Sei auf Deiner Hut! – Auch der, welcher Nornas Lebensfrieden störte, war ein Fremder; auch sie hatte ihm ihre Liebe gegen den Willen ihrer Familie geschenkt.«

»Er war ein Fremder,« rief Brenda mit Nachdruck, »nicht bloß der Geburt, sondern auch den Sitten nach. Sie war nicht von Jugend an mit ihm erzogen, – eine Vertraulichkeit von vielen Jahren hatte ihr nicht das Offene und Edle seines Wesens gezeigt. Ein Fremder war er in der Tat, was Charakter, Temperament, Geburt, Sitten und Benehmen angeht – ein herumstreifender Abenteurer vielleicht, den der Zufall oder ein Sturm auf die Insel geworfen hatte, und der ein trugvolles Herz unter einer offnen, freien Stirn zu verbergen verstand. Die Warnung, die Du mir gibst, darf auch Dir gelten, Schwester; denn es gibt auf Burgh-Westra noch andere Fremde als den armen Mordaunt Mertoun.«

Minna schien durch diese schnelle Antwort ihrer Schwester momentan außer Fassung zu geraten, aber ihr natürlicher hoher Sinn setzte sie bald instand, ihr die folgende Antwort zu erteilen: »Wenn ich Dir, Brenda, so geringes Zutrauen schenken wollte, wie Du mir, so könnte ich erwidern, daß Cleveland mir nicht mehr sei, als mir Mordaunt war; oder als es mir der junge Swaraster oder Lawrence Erichson, oder sonst jeder gern gesehene Gast unseres Vaters noch jetzt ist. Aber ich verachte jeden Betrug und mag meine Gedanken nicht verbergen, – ich liebe Clement Cleveland.« –

»Sprich nicht so, liebe Schwester,« rief Brenda, den Ton der Bitterkeit, den dieses Gespräch anzunehmen begonnen hatte, von sich werfend; und die Arme um ihre Schwester schlingend, fuhr sie mit dem Ausdruck inniger Liebe fort: »sprich nicht so, liebe Schwester, ich beschwöre Dich! aufgeben will ich Mordaunt Mertoun, – schwören will ich, nie wieder ein Wort mit ihm zu sprechen; aber wiederhole mir nur nicht, daß Du Cleveland liebst!«

»Und warum sollte ich,« fragte Minna, sich sanft der Umarmung ihrer Schwester entwindend, »ein Gefühl nicht aussprechen, auf welches ich stolz bin? Die Kühnheit und die Kraft seines Charakters, – dem das Gebieten angeboren und die Furcht unbekannt ist, – diese Eigenschaften, welche Dich für mein Glück zittern machen, sind mir gerade die Bürgen desselben. Erinnere Dich, Brenda, daß, wenn Dein Fuß das sanfte, ruhige Ufer der Sommersee liebte, der meinige am liebsten an den Abgründen wandelte, wenn die Wellen sich in ihrer Wut empörten.«

»Das ist eben, was mich beben macht,« versetzte Brenda: »eben dieser Hang zum Abenteuerlichen ist es, der Dich jetzt an einen weit fürchterlichern Abgrund führt, als je einer von den brandenden Wogen bespült war. Dieser Mann – runzle die Stirn nicht, – ich will nichts Böses von ihm sagen, aber hältst Du ihn nicht in Deiner eigenen unparteiischen Meinung für stolz und übermütig: des Gebietens gewohnt, wie Du sagst, aber aus eben diesem Grunde auch dort befehlend, wo er kein Recht dazu hat, und anordnend, wo ihm das Befolgen weit besser anstehen würde? sich in Gefahren stürzend, mehr seiner selbst, als um anderer willen? Und magst Du daran denken, mit einem so unsteten und stürmischen Geiste verbunden zu sein, dessen Leben bisher nur dem Tode und den Gefahren geweiht war, und der, selbst wenn er neben Dir weilt, die Ungeduld nicht verbergen kann, sich aufs neue hineinzustürzen? Ein Liebhaber sollte, so denke ich, seine Geliebte mehr als sein eigenes Leben lieben; der Deine aber, liebe Minna, liebt sie weniger als die Freude, andern den Tod zu geben.«

»Das ist es eben, warum ich ihn so liebe,« rief Minna lebhaft, »ich bin eine Tochter der alten norwegischen Heldinnen, die ihre Liebhaber mit einem Lächeln in die Schlacht entließen und sie mit ihren eigenen Händen erschlugen, wenn sie entehrt zurückkehrten. Mein Geliebter muß die Armseligkeiten verachten, durch die das jetzige entartete Geschlecht sich auszuzeichnen bestrebt, oder sie wenigstens nur zum Scherz oder in Ermangelung anderer edlerer Gefahr treiben. Walfischjagd und das Ausnahmen von Vogelnestern genügt mir nicht, mein Geliebter muß ein Seekönig oder etwas sein, was die neuere Zeit, diesem erhabenen Charakter ähnlich, darzubieten hat.«

»Ach, liebe Schwester,« unterbrach sie Brenda, »jetzt muß ich in allem Ernste an Zauberei glauben. Erinnere Dich des spanischen Geschichtenbuchs, das Du mir vor langer Zeit wegnahmst, weil ich meinte, daß Deine Bewunderung der Vorzeit Skandinaviens mit dem überspannten Wesen des Helden jenes Buchs wetteifere. – Ach, Minna! die Glut auf Deinem Gesichte verrät, daß Dein Gewissen spricht und Dich an das Buch erinnert, das ich meine. – Ist es denn weiser, eine Windmühle für einen Riesen zu halten, als den Häuptling eines armseligen Kaperschiffs für einen Helden oder für einen Seekönig?«

Minna errötete in der Tat vor Verdruß über diese Bemerkung, deren Wahrheit sie vielleicht einigermaßen fühlen mochte.

»Du hast ein Recht, mich zu beleidigen,« sprach sie, »denn Du bist Mitwisserin meines Geheimnisses.«

Brendas sanftes Herz konnte dieser Unfreundlichkeit gegenüber nicht stand halten; sie beschwor die Schwester, ihr zu verzeihen, und Minnas natürliche Gutmütigkeit vermochte dem Flehen ihrer Schwester nicht zu widerstehen.

»Wir sind unglücklich,« sprach sie, die Tränen ihrer Schwester trocknend, »daß wir nicht mit den gleichen Augen sehen können, – wir wollen unsere Lage nicht durch gegenseitige Kränkungen verschlimmern. – Du weißt mein Geheimnis – vielleicht wird es bald nicht mehr ein solches sein – denn meinem Vater soll das Vertrauen werden, das er zu fordern berechtigt ist, sobald nur gewisse Umstände mir erlauben, es ihm zu offenbaren. Ich wiederhole Dir, Du hast mein Geheimnis, und es ist mehr als Vermutung, wenn ich glaube, dagegen das Deine zu besitzen, wenn Du mir es auch nicht gestehen willst.«

»Wie könnte ich, Minna,« entgegnete Brenda, »Gefühle für irgend jemand eingestehen, wie die, auf die Du anspielst, noch bevor dieser Jemand auch nur ein Wort gesprochen, das ein solches Bekenntnis rechtfertigen könnte?«