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An dem eisumstarrten Riff

Jagt den Walfisch dort ein Schiff.

Dunkle Mutter, sag uns an,

Hat es guten Fang getan?«

Das Spiel schien eine ernsthafte Wendung zu nehmen, als alle, ihre Köpfe hinwendend, der Antwort Nornas horchten, die, ohne auch nur einen Augenblick zu zögern, aus ihrem verborgenen Winkel heraus folgendes erwiderte:

Stets richtet der Greis den rastlosen Sinn,

Auf Fischen und Pflügen und eitlen Gewinn,

Doch, glückt ihm auch beides in trefflicher Art,

Benetzen doch Tränen den greisigen Bart. –

Hier machte sie eine kurze Pause, während welcher Triptolemus Zeit hatte, vor sich hin zu flüstern: »Und wenn auch zehn Hexen und ebensoviel Wahrsagerinnen es beschwören wollten, so würde ich doch nimmermehr glauben, daß ein vernünftiger Mann sich oder seinen Bart in Tränen baden konnte, so lange es gut mit seinem Ackerbau geht.«

Aber die Stimme in dem Zelte nahm ihren einförmigen Ton wieder auf, und seine fernern Betrachtungen unterbrechend, fuhr sie fort:

Das Schiff, beladen voll und schwer,

Gräbt Furchen in das Inlands-Meer.

Nach Shetland weht's ein günst'ger Wind,

Er regt der Krone1 Prachtgewind',

Es hängen die Barten2 allzumal,

Auf sieben stieg der Fische Zahl,

Für Lerwick zwei, für Kirckwall zwei,

Für Westra Burgh die besten drei.

1) Eine künstliche Krone von Bändern, von den Mädchen gewunden, welche Anteil an dem Schiffe oder dessen Mannschaft nehmen, prangt gewöhnlich an dem Takelwerk der Walfischjäger und wird während der Reise sorgsam aufbewahrt

2) Die Barten oder Kinnbacken des Walfisches, die den vorzüglichen Tran liefern, werden, um sie auszuleeren, an den Masten aufgehängt

»Nun, so sei uns der Himmel gnädig,« rief Bryce Snailsfoot, »mehr als Weiberwitz hat das herausgeklügelt. Ich sprach Leute zu North Ronaldsha, die die Barke »Olav von Lerwick« zu Gesicht bekamen, an der unser werter Patron einen so großen Anteil hat, daß man sie sein Eigentum nennen könnte; die Barke hat ihnen ein Signal gegeben, und sie schwören darauf, daß sie, so gewiß wie Sterne am Himmel sind, sieben Fische am Bord haben, gerade wie es uns Norna in Reimen vorgetragen.«

»Wie, gerade sieben Fische?« fragte Cleveland, »und das hörtet Ihr zu North Ronaldsha? vielleicht habt Ihr es als große Neuigkeit ausgeplaudert, als Ihr kamt?«

»Es ist kein Wort davon über meine Lippen gekommen,« erwiderte der Hausierer: »habe ich doch, seit ich wieder in Dunroßneß bin, mit keinen drei Menschen davon gesprochen, daß der Olav seine volle Ladung habe.«

»Aber wenn auch nur einer von den dreien die Sache weiter gebracht hat, und zwei gegen eins ist zu wetten, daß das geschehen, – so hatte die alte Hexe leicht prophezeien.«

Aber Clevelands Worte, an Magnus Troil gerichtet, fanden keinen Beifall, auch bei dem Udaller nicht, dessen Vaterlandsliebe und Teilnahme an seiner unglücklichen Verwandten dazu zu groß waren. ...

»Norna, seine Verwandte,« meinte er, indem er Nachdruck auf das letzte Wort legte, »halte keine Gemeinschaft mit Bryce Snailsfoot oder dessen Bekannten; er mache freilich nicht Anspruch, erklären zu wollen, wie sie zu dieser Nachricht gekommen sei, doch habe er immer bemerkt, daß die Shetländer und überhaupt die Fremden, wenn sie nach Shetland kämen, nach wie vor beflissen seien, Dinge, deren Grund allen Eingeborenen seit Jahrhunderte in Dunkel gehüllt sei, als unwahr oder unhaltbar zu erklären.«

Cleveland verstand den Wink und verbeugte sich, aber ohne jeden Versuch, seine eigene Ungläubigkeit verteidigen zu wollen.

»Und nun vorwärts, Kinder,« fuhr der Udaller fort, »möge Euch allen ein eben so guter Bescheid werden, wie mir; drei Walfische geben – wart' einmal, wieviel Tonnen?« –

Nichtsdestoweniger herrschte bei den Gästen noch immer offenbarer Widerwille, das Orakel zu befragen.

»Gute Nachrichten sind manchem willkommen, selbst wenn sie vom Gottseibeiuns kämen,« sagte Jungfer Yellowley zu Lady Glowrowrum, mit der sie, da ihre Ansichten in mancher Beziehung übereinstimmten, sich schon mehrfach unterhalten hatte, »aber es ist doch wohl zuviel Zauberkram dabei, als daß christlich gesinnte Frauen, wie Ihr und ich, sich darein finden sollten.«

»Es mag allerdings an Euren Worten etwas sein,« erwiderte Lady Glowrowrum; »aber wir Shetländer sind nicht ganz wie andere Leute, und wenn Norna wirklich eine Hexe ist, so ist sie doch auch unseres Vogts und Wirts nahe Verwandte, und da möchte es übel aufgenommen werden, wenn wir uns nicht auch wahrsagen ließen; mögen deshalb auch meine Nichten, wenn die Reihe an sie kommt, kein Aergernis daran nehmen. Ihr Unrecht zu bereuen, wenn anders Böses dabei ist, wird Ihnen ja, menschlicher Voraussicht nach, reichlich Zeit bleiben.«

Während manch andere unsrer Gäste von ähnlicher Ungewißheit und Furcht zurückgehalten wurden, erklärte Halcro, dem die Runzeln auf Magnus Troils Stirn nicht entgingen, jetzt in seinem eigenen Namen, und nicht als Dolmetscher für andere, die Sibylle befragen zu wollen. Er besann sich einen Augenblick – ordnete seine Reime, und sprach dann:

»Finstre Mutter, Wohl und Weh

Kündest Du von Fitful-Höh.

Manchen Reim hast Du geseh'n

Mit dem Strom der Zeit verweh'n. –

Sprich, wird man mein Lied einst singen,

Wie noch Hakons Verse klingen?

Sag, wird eine Melodie

Meines Spiels, die Phantasie

Von John Dryden wohl erringen?«

Die Stimme der Seherin erwiderte sogleich aus ihrem Heiligtume:

»Das Klapperspiel ergötzt das Kind,

Der Greis, ein zwiefach Kind, er sinnt

Auf Spielwerk auch, nur tönt die Lust

Verschieden in der beiden Brust.

Der Adler steigt zum Sonnenlicht;

Die Embergans, sie fliegt ja nicht.

Und muß deshalb zufrieden sein,

Kann sie ihr Lied den Robben weihn.

Claud Halcro biß sich in die Lippen, zuckte mit den Achseln, gewann aber schnell seine gute Laune wieder und entgegnete, mutig improvisierend, wie es ihm lange Gewohnheit leicht gemacht hatte:

»Sei ich der Embergans auch gleich,

Nur eine Höhe sei mein Reich;

Entgeh' ich dort des Schützen Pfeil,

Fall' ich der Kugel nicht zu Teil. –

Vergnügt, wenn, was ich prunklos sang,

Verschönt durch Thules Wellenrauschen,

Den Ohren, die mir freundlich lauschen,

Wie Zauberharmonie erklang.«

Als der kleine Poet mit kühnem Schritt und zufriedener Miene zurücktrat, folgte ein einstimmiger Beifall der geistreichen Weise, mit der er dem Urteilsspruch, der ihn mit einer Embergans verglichen hatte, begegnet war. Trotzdem aber fühlte kein anderer Gast den Mut, die gefürchtete Norna zu befragen.

»Ei, über euch feigherzige Narren!« rief der Udaller, »fürchtet Ihr Euch etwa auch, Kapitän Cleveland, mit einer alten Frau zu sprechen? – So befragt sie doch um etwas – fragt sie, ob das Zwölf-Kanonenschiff zu Kirkwall Euer Gefährt sei oder nicht?«

Cleveland blickte auf Minna, und da er zu bemerken glaubte, daß sie seine Antwort auf die Aufforderung ihres Vaters ängstlich erwarte, besann er sich schnell und erwiderte nach kurzem Bedenken:

»Ich habe mich nie, weder vor Männern noch vor Weibern gefürchtet. – Ihr habt die Frage gehört, Halcro, die ich nach dem Wunsche unseres Wirtes tun soll, – fragt in meinem Namen auf Eure Weise, denn ich erhebe eben so wenig Anspruch auf Dichtkunst als auf Hexerei.«