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»Wollt Ihr mir es denn für nichts anrechnen,« fragte Cleveland, »daß ich so lange schon den Schmerz ertrug, darüber, daß dieser unbärtige Vogelsteller zwischen mir und Minna Troil gestanden?« Er sprach in einem leidenschaftlichen, schmeichlerischen Tone, mit einer Freiheit in Wesen und Sprache, die zu dem gewöhnlichen Benehmen des schlichten Seemanns in auffallendem Kontrast standen, aber dem Mädchen galt keins von beiden als Entschuldigung.

»Vielleicht,« sagte sie, »gewinnt Ihr bald und fest die Überzeugung, wie wenig Ihr zu fürchten hattet – wenn Ihr anders wirklich gefürchtet habt, daß Mordaunt Mertoun oder irgend ein anderer Interesse bei Minna Troil erwecken könnte. Ich will weder Dank noch Beteuerungen; ich würde es als den besten Beweis Eurer Erkenntlichkeit ansehen, wenn Ihr Euch mit diesem Jüngling aussöhnen oder wenigstens jeden Streit mit ihm vermeiden wolltet.«

»Daß wir Freunde werden sollten, Minna, ist unmöglich,« erwiderte Cleveland, »selbst meine Liebe zu Euch, die mächtigste Leidenschaft, die je mein Herz erfüllte, kann kein solches Wunder bewirken.«

»Und weshalb nicht, bitte?« fragte Minna, »es ist ja nichts Böses zwischen Euch vorgefallen, nur habt Ihr Euch gegenseitig einen wertvollen Dienst geleistet – warum könnt Ihr also nicht Freunde sein? – ich für meine Person habe mehr als einen Grund zu diesem Wunsche.«

»Wie? und die Geringschätzung, mit der er von Brenda, von Euch selbst und von dem Hause Eures Vaters gesprochen, könntet Ihr vergessen?«

»Ich kann alles verzeihen,« erwiderte Minna; »und Ihr nicht auch? trotzdem Euch im Grunde genommen keine Beleidigung zugefügt worden?«

Cleveland blickte vor sich hin und schwieg einen Augenblick; dann sah er auf und entgegnete: »Leicht wäre es mir, Euch zu täuschen, Euch zu versprechen, was, wie mir mein Inneres sagt, ewig Unmöglichkeit bleiben wird; aber ich bin leider zu oft genötigt, andere zu betrügen, und mag solch Unrecht nicht an Euch tun. Ich kann nicht Freund mit diesem jungen Menschen sein; – eine natürliche Abneigung – ein instinktmäßiger Widerwille – ein gewisses Etwas zwischen uns und in uns macht uns einander verhaßt. Fragt ihn nur selbst – er wird Euch sagen, daß ihn die gleiche Antipathie beherrscht. Die Schuld gegen ihn hat meinen Gefühlen gegen ihn einen Zaum angelegt; aber dieser Zwang hat mich so erbittert, daß ich an dem Gebiß genagt hätte, bis mir die Lippen bluteten.«

»Ihr habt Eure sogenannte Eisenmaske,« erwiderte Minna, »solange getragen, daß Eure Züge ihre rauhen Spuren auch noch dann zeigen, wenn Ihr sie abgenommen.«

»Ihr tut mir unrecht, Minna,« antwortete Cleveland, »und zürnt auf mich, weil ich ehrlich und aufrichtig bin. Aber ehrlich und aufrichtig muß ich dennoch dabei bleiben, daß ich nie Mertouns Freund sein kann, daß es aber nur seine eigene Schuld und nicht die meine sein wird, wenn ich sein Feind werde. Ich trachte nicht danach ihm zu schaden, aber verlangt auch nicht, daß ich ihn lieben soll; und seid überzeugt, daß ein solcher Versuch von meiner Seite auch nur vergebliche Bemühung wäre; denn so wie ich mich seinem Vertrauen nähern wollte, würde ich nur seinen Argwohn und seine Abneigung wecken. Ueberlaßt uns unsern natürlichen Gefühlen, die, da sie uns ohne Zweifel so weit wie möglich voneinander entfernt halten werden, am leichtesten jeden persönlichen Zwist verhindern können. – Genügt Euch das?«

»Es muß,« erwiderte Minna, »weil Ihr mir sagt, daß es nicht anders sein kann. – Und nun sprecht, warum saht Ihr so ernst aus, als Ihr die Ankunft Eures zweiten Schiffes vernahmt? denn das zu Kirkwall ist Euer Gefährte, ich zweifle nicht daran.«

»Ich fürchte,« antwortete Cleveland, »daß die Ankunft dieses Schiffes und seiner Mannschaft meine liebsten Hoffnungen zerstören wird. Schon hatte ich die Gunst Eures Vaters gewonnen, und mit der Zeit hätte ich mich sicher darin gefestigt; nun aber langen Allured und Hawkins an, meine Aussichten auf immer zu vernichten. Ich sagte Euch, unter welchen Umständen wir uns verließen. Damals befehligte ich ein Schiff, stärker und besser als das ihre, mit einer Mannschaft, die auf meinen leisesten Wink selbst mit einem Heer von Teufeln angebunden hätte, und wären sie auch mit ihren eigenen feurigen Elementen bewaffnet gewesen; jetzt aber stehe ich allein, ein einzelner, aller Mittel beraubt, sie zu überwältigen oder im Zaum zu halten; und sie werden nun unverzüglich ihren Hang zur Zügellosigkeit dergestalt an den Tag legen, daß ihr und mein Ruin die unausbleiblichen Folgen davon sein werden.«

»Seid deswegen unbesorgt,« erwiderte Minna, »mein Vater wird nie so ungerecht sein, Euch für Beleidigungen anderer verantwortlich zu machen.«

»Aber was wird Magnus Troil zu einer Kränkung durch mich selbst sagen, schöne Minna?« fragte Cleveland.

»Mein Vater,« entgegnete Minna, »ist ein Norweger, ein Mann aus unterdrücktem Stamme; gleichviel wird es ihm sein, ob Ihr gegen die Spanier, die Tyrannen der neuen Welt, oder gegen die Engländer und Holländer fochtet, die ihre usurpierte Herrschaft ererbten. Seine eigenen Vorfahren hielten die Freiheit der See in jenen mutigen Barken aufrecht, deren Wimpel der Schrecken von Europa waren.«

»Nichtsdestoweniger fürchte ich,« antwortete Cleveland lächelnd, »daß der Abkömmling eines Seekönigs eben nicht sehr geneigt sein dürfte, den Räuber der neuern Zeit für eine passende Bekanntschaft zu halten. Ich habe Euch nicht verborgen, daß ich Ursache habe, die englischen Gesetze zu fürchten, und Magnus, obgleich er ein großer Feind von Auflagen, Taxen und dergleichen, dehnt doch diese freie Denkweise nicht auf Punkte von allgemeinem Charakter aus; – er würde bereit sein, selbst einen Strick für den unglücklichen Buccaneer zu liefern.«

»Glaubt das nicht,« sagte Minna, »er selbst leidet zuviel durch die Unterdrückung unserer stolzen Nachbarn, der Shetländer; bald, hoffe ich, wird er selbst im stande sein, zum Widerstande gegen sie aufzustehen. Die Feinde – so will ich sie nennen – sind unter sich selbst uneins, und jedes Schiff von ihrer Küste bringt Nachrichten von neuen Unruhen, – die Hochländer streiten gegen die Leute im Unterland, – Anhänger Wilhelms gegen die Jakobs, – die Whigs gegen die Tories, mit einem Worte, das Königreich von England gegen das von Shetland. Was verhindert uns, wie es auch Claud Halcro richtig genug bemerkte, die Uneinigkeit dieser Räuber zu benutzen, um die Unabhängigkeit, die man uns stahl, wiederzugewinnen?«

»Und die rabenschwarze Standarte auf dem Schlosse von Scalloway aufzupflanzen,« fuhr Cleveland, in ihre Rede einfallend fort, »und Euren Vater als Graf Magnus der Erste zu proklamieren!«

»Graf Magnus der Siebente, wenn es Euch gefällt,« erwiderte Minna, »denn schon sechs seines Stammes trugen die Grafenkrone vor ihm. – Ihr lacht über meinen Eifer – aber was könnte alledem entgegentreten?«

»Nichts,« erwiderte Cleveland, »weil es nie versucht werden wird! Mancherlei aber könnte es verhindern, was an Macht einem englischen Kriegsschiffe gliche.«

»Ihr blickt mit Verachtung auf uns,« antwortete Minna, »doch sollte Euch selbst ja bekannt sein, was einige weniger entschlossene Männer zu tun vermögen.«

»Aber sie müssen bewaffnet sein, Minna!« fügte Cleveland, »und auch bereit sein, Ihr Leben in dem ersten besten verzweiflungsvollen Abenteuer aufs Spiel zu setzen. – Denkt nicht an solche Dinge! – Dänemark ist zu einem Königreiche vom zweiten Range herabgesetzt und unfähig gemacht worden, nur eine einzige volle Ladung mit England zu wechseln; auf diesen Inseln ist die Liebe zur Unabhängigkeit durch lange Unterjochung vernichtet worden und zeigt sich nur noch in halblautem Gemurmel bei Bowle oder Flasche. – Und wären ihre Männer ebenso mutige Krieger wie ihre Vorfahren, was vermöchte die unbewaffnete Schar einiger wenigen Fischerboote gegen die britische Seemacht? – Wie gesagt, denkt nicht mehr daran, schöne Minna, – es ist ein Traum, und ich muß es so nennen, obgleich der Gedanke daran Euer Auge belebt und Euren Schritt beflügelt.«