»Habt Geduld, Herr Voigt oder Herr Udaller, oder wie man Euch sonst nennen mag,« versetzte Triptolemus; »da Ihr die Gewalt habt, so laßt's auch an Gnade nicht fehlen, sondern nehmt Rücksicht auf das unglückliche Los, das jeden armen Teufel erwartet, der sich auf diesem Euren Erdenparadiese niederläßt. Wenn er trinken will, bringt man ihm saure Molken, – Euren Schnaps, Udaller, ausgenommen, der alles Lob verdient – wenn er essen will, gibt's saure Fische, an denen sich der Satan die Zähne zerbeißen mag. – Ruft man die Leute zur Arbeit, so heißt's: heute ist St. Magnus- oder St. Ronans-Tag, oder eines Heiligen der Hölle – Tag – – Der eine ist mit dem verkehrten Fuß zuerst aus dem Bette gekommen, der andere hat eine Eule gesehen, dem dritten ist ein Kaninchen über den Weg gelaufen, oder er hat von einem gerösteten Pferde geträumt – kurz, es wird keine Hand gerührt; wenn's aber heißt: es geht zum Tanze, dann fliegen die Beine nur so!«
»Und warum sollte es auch anders sein,« fiel Claud Halero ein, »solange es Geiger gibt, ihnen aufzuspielen.«
»Ja, ja,« entgegnete Triptolemus, seinen Kopf schüttelnd, »Ihr seid gerade der Rechte, die Leute in solchem Unfug zu bestärken.«
»Aber das ist doch keine Antwort auf meine Frage,« erwiderte der Udaller, »wie, zum Teufel, kommt es, daß ich Euch hier vor Anker finde?«
»Geduld, werter Herr, Geduld,« entgegnete der bekümmerte Verwalter, »und hört, was ich zu sagen habe, denn ich denke, es wird am besten sein, Euch das Ganze zu erzählen.... Ihr sollt also wissen, daß ich glaubte, es sei mir so eine kleine Gottesgabe gesandt worden, die mich hier alles leichter ertragen ließe.«
»Wie, eine Gottesgabe? Meint Ihr ein Wrack, Herr Verwalter? « rief Magnus, »Pfui, schämt Euch, Ihr solltet doch andern ein besseres Beispiel geben!«
»Es war kein Wrack,« antwortete der Verwalter, »aber da Ihr es doch einmal wissen müßt, so hört: Als ich aus einem Kamin in einem der alten Räume zu Stourburgh einen Stein ausheben wollte, den ich brauchte, um Gerste zu stampfen, stieß ich auf ein Horn voll alter Münzen, meistens von Silber, doch auch hier und da mit einer goldenen untermischt. Ein willkommener Glücksfall! dachte ich, und so auch meine Schwester, und, froh des Ortes, wo es solche Nesteier gibt – legten wir sorgsam den Stein wieder über dies Horn des Ueberflusses, und die Schwester wie auch ich betraten den Raum nun wohl zwanzigmal, um uns zu vergewissern, daß kein anderer den Schatz höbe.«
»Eine amüsante Beschäftigung,« bemerkte Claud Halcro, »nach der eigenen Barschaft so oft zu sehen! Mir ist solch Glück noch nie beschert gewesen!«
»Aber Ihr vergeßt, lieber Claud,« fiel der Udaller ein, »daß der Verwalter das Geld nur für seinen Herrn den Lord Kämmerling überzählte. Da er so streng auf die Rechte seines Herrn beim Walfischfange und bei den Strandungsfällen hält, wird er seiner beim Auffinden solches Schatzes gewiß nicht vergessen haben.«
»Ei – ei – ei nun!« entgegnete Triptolemus, wie von einem plötzlichen Husten befallen, – »ohne Zweifel wären Mylords Rechte aufs strengste beobachtet worden, liegen sie doch in den ehrlichsten Händen! Aber hört nur, was geschah! Als ich eines Tages wiederum hinaufging, um nachzusehen, ob alles noch sicher und wohlverwahrt sei, sah ich einen garstigen, mißgestalteten Zwerg, dem nur der Pferdefuß und die Hörner fehlten, um ein vollkommener Satan zu sein, neben dem Horne kauern und den Schatz zählen. Ich bin kein Hasenfuß, Vogt, aber der Argwohn, daß Teufelsspuk im Spiele sei, wäre auch andern gekommen als mir – und so redete ich den Zwerg auf lateinisch an und beschwor ihn in nomine usw. in Worten, wie sie mir der Augenblick eingab... Nun, der Zwerg war anfangs bestürzt, wie jemand, der etwas hört, was er nicht erwartet, sammelte sich aber schnell, glotzte auf mich mit seinen grauen Augen wie eine wilde Katze, riß seinen an Größe einem Backofen ähnlichen Mund auf und zeigte mir ein mißgestaltetes Ding von Zunge – kurz, spielte sich dermaßen als Bullenbeißer auf, daß ich zurückfuhr, die Schwester zu rufen, die weder Hund noch Satan fürchtet, wenn von Geld die Rede ist. Und wirklich sprang sie auch kampfbereit auf, wie die Lindsays und Ogilvies, wenn Donald Mac Donnoch oder seinesgleichen vom Hochlande kamen, die Gefilde von Islay zu verwüsten, aber ein altes, unnützes Geschöpf, Tronda Drons Tochter genannt, vertrat meiner Schwester den Weg, und heulte und schrie wie eine ganze Generation von Hunden; als wir ihrer endlich Herr geworden und die Treppe hinauf eilten, dem Gelaß zu, wo ich den Zwerg oder Satan gesehen, waren Zwerg, Horn und Schatz – verschwunden, und der Raum so leer, als habe die Katze ihn rein geleckt.
Hier hielt Triptolemus in seiner seltsamen Erzählung inne, während die übrigen sich einander voll Erstaunen anblickten, und der Udaller murmelte: »Allem Anschein nach ist das entweder der Satan selbst, oder Nicolas Strumpher gewesen, und wenn er es wirklich war, so hat er mehr von einem Kobold, als ich glaubte. Habt Ihr denn nicht gesehen, wie der Zwerg verschwand?«
»Nein,« erwiderte Triptolemus, scheu um sich blickend, »weder ich noch Baby, die doch mehr Herr ihrer Sinne war, denn sie hatte ja die fürchterliche Erscheinung nicht gesehen – haben irgend eine Spur von ihm entdecken können. Nur Tronda behauptete steif und fest, sie habe ihn auf einem Drachen durch die Luft fliegen sehen. Da aber der Drache ein fabelhaftes Tier ist, muß ich glauben, daß ihre Aussage nur auf Gesichtstäuschung beruhe.«
»Aber erkundigen dürfen wir uns wohl,« fragte Brenda, begierig, so viel wie möglich von dem Zwerg ihrer Muhme zu erfahren, »wie das alles auf Herrn Yellowley dergestalt einwirkte, daß wir ihn hier zu dieser unpassenden Stunde treffen?«
»Passend war sie sehr, Jungfer Brenda, denn, sie brachte uns in Eure angenehme Gesellschaft.« meinte Claud Halcro, dessen Quecksilbergehirn der Fassungskraft des Verwalters weit voraus eilte und der schon vor Ungeduld, so lange schweigen zu müssen, verging: »Die Wahrheit zu sagen, so führte mich der Zufall in das Haus unseres Freundes Yellowley, gerade als der Unfall sich dort zugetragen, und da habe ich ihm nun geraten, unserer Freundin auf Fitful-Head einen Besuch zu machen. Und so seht Ihr uns hier, wenn auch nicht zu Lande, denn Herr Jellowley mag von unseren Kleppern nichts mehr wissen.«
»Teufel sind's und keine Klepper,« unterbrach ihn Triptolemus, und murmelte vor sich hin: »wie jedes lebende Wesen, das ich hier in Shetland gefunden.«
Halcro aber fuhr fort: »Wenn auch, wie gesagt, nicht zu Lande, so doch in einem kleinen Boote, und Herr Triptolemus selbst wird Euch erzählen, wie echt seemännisch ich ihn in den kleinen, nur eine Viertelmeile von Nornas Wohnung gelegenen Hafen brachte.«
»Wollte der Himmel, Ihr hättet mich so wohlbehalten wieder zurückgeführt.« rief der Verwalter.
»Ja, ja,« entgegnete der Minnesänger, »ich bin, wie der ruhmgekrönte John Dryden sagt:
Ein kühner Seemann, bei des Meeres Wut,
Wenn himmelan die Riesenwellen steigen;
Doch steur' ich leicht, wenn ruhig nur die Flut,
Dem Sand zu nur um meine Kunst zu zeigen.«
»Ich aber zeigte keine Klugheit, als ich mich Eurer Führung anvertraute,« unterbrach ihn Triptolemus, »und auch Ihr legtet keine an den Tag, als Ihr das Boot am Schlunde des Seearms, wie Ihr es nennt, umkipptet, obgleich der arme Junge da, der schon mehr als halb ertrunken war, Euch aufmerksam machte, daß zuviel Segel aufgezogen wären; aber Ihr hattet das Segeltau an die Bank festgebunden, damit Ihr Eure Hände frei hattet, Eure Geige zu streichen.«
»Nie!« rief der Udallar, »das Segeltau festgebunden an die Bank? Eine ganz unseemännische Weise ist's, Claud Halcro!«
»Und der Erfolg war,« fuhr der Landbebauer fort, »daß der nächste Windstoß, – und die Pflegen hier zu Lande nicht lange auf sich warten zu lassen, – uns in die See tauchte. Herr Halcro bekümmerte sich um nichts als um die Rettung seiner Geige. Der arme Junge da schwamm wie ein Pudel, und ich kämpfte hart um mein Leben, so gut ich konnte, mit Hilfe eines Ruders; und – nun, da wurden wir – auf einen Mund groben Schiffszwiebacks angewiesen, der mehr nach Terpentin als sonst was schmeckte.«