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»Ja, dem war nicht abzuhelfen,« antwortete der Poet, »ich hatte den Jungen ans Steuer gesetzt, und da der Windstoß plötzlich vom Lande kam, blieb mir nicht Zeit, das Tau zu lösen, denn ich strich die Geige. Aber was tut's? Salzwasser schadet keinem Shetländer, wenn er nur wieder herauskommt. Gottlob! das Wasser war kaum mannshoch, und da wir die Hütte fanden, ward uns Schutz und Feuer, jetzt aber sind wir weit besser daran, da wir uns Eurer Gesellschaft und Eures Proviants erfreuen. – Aber es wird spät, und wir werden gut tun, uns zur Ruhe zu begeben; in der Kammer riecht's zwar etwas nach Fischen, aber der Geruch ist gesund.«

Am andern Morgen, nach einem ruhigen gesunden Schlafe, zog jeder seines Weges; aber Magnus Troil nahm Claud Halcros Versprechen mit, ihn nach Kirkwall zu begleiten.

Zwölftes Kapitel

Jetzt müssen wir die Szene von Shetland nach Orkney verlegen, in die Ruinen eines vornehmen, wenngleich alten Gebäudes, der Grafenpalast genannt, das drei Seiten eines länglichen Vierecks bildet und noch immer das treue Bild eines vornehmen, massiven Gebäudes darstellt mit dem Charakter eines alten Feudalschlosses. Eine große Banketthalle, die mit mehreren weitläufigen Gemächern oder vorspringenden runden Türmchen in Verbindung stand, mit ungeheuren Kaminen rechts und links, legte Zeugnis ab von der altnordischen Gastfreiheit der Grafen von Orkney, Ihr Licht erhielt die stolze Halle durch ein schönes gotisches, aus Steinen geformtes Fenster; zu ihr hinauf führte eine geräumige Treppe, die sich aus steinernen Stufen in drei Absätzen zusammensetzte.

Mit übereinandergeschlagenen Armen und niedergesenkten Blicken schritt in der vom Zahne der Zeit verwüsteten, von uns eben beschriebenen Halle der Pirat Cleveland langsam auf und ab in einer Tracht, die sehr verschieden war von der, die er auf Shetland getragen; es schien eine Art Uniform zu sein, reich mit Tressen und Stickereien besetzt, ein Federhut und ein kleiner zierlich ausgelegter Degen, damals die beständigen Begleiter aller Männer von Range, verrieten, daß er nicht den gewöhnlichen Ständen angehörte. Dagegen schien sein Gesundheitszustand gelitten zu haben. Er war bleich, seine Augen hatten ihr Feuer, seine Schritte ihre Festigkeit verloren, und sein ganzes Wesen verriet Schwermut und körperliches Leid, wenn nicht eine Mischung von beidem.

Während Cleveland in der alten Ruine auf und ab schritt, sprang ein junger, wohlgebauter Mann in einem Gewande, das wohl stattlich und elegant, trotz allem aber geschmacklos war, und dessen Gesicht mit den kecken Zügen den Wüstling jener Zeit verriet, die Stiege hinauf, trat in die Halle und begrüßte Cleveland, der ihm zunickte, aber den Hut noch tiefer ins Gesicht zog und sich in seinem verdrossenen Spaziergange nicht stören ließ.

Der fremde Ankömmling setzte seinen Hut wieder auf, nickte abermals, nahm aus einer kostbaren goldenen Dose eine Prise, bot auch Cleveland eine an und schob, als dieser kalt mit dem Kopfe schüttelte, die Dose wieder zu sich, schlug die Arme übereinander, und stand da, aufmerksam die Bewegungen des Mannes verfolgend, dessen Einsamkeit er gestört hatte. Endlich stand Cleveland still, wie wenn es ihn verdrösse, der Gegenstand solcher dauernden Beobachtung zu sein, und fragte kurz: »Kann man nicht eine halbe Stunde allein sein? Was, Teufel, gibt es schon wieder?«

»Schön, sehr schön, daß Ihr sprecht!« antwortete der Fremde, »weiß man nun doch, ob Ihr wirklich Clement Cleveland seid, oder bloß Clements Geist; Geister aber sollen, wie man sagt, niemals zuerst reden – und so weiß ich nun, daß Ihr es selbst leibhaftig seid. Aber was habt Ihr Euch hier für ein Domizil gewählt? Das taugt ja für Eulen zum Tagesversteck.«

»Gut, gut,« entgegnete Cleveland, »sagt ernstlich, was Ihr von mir wollt.«

»Kapitän Cleveland,« erwiderte der andere, »Ihr haltet mich hoffentlich für Euren Freund.«

»Ich lasse mir an der Vermutung genügen,« sagte Cleveland,

»Ich dächte, über Vermutungen wären wir beide hinaus.« antwortete der junge Mann; »daß ich Euer Freund bin, habe ich, dächt ich, bewiesen, hier und anderswo.«

»Nun ja, lassen wir's gelten, Du bist immer ein freundlicher Bursch gewesen, – und was nun?« »Und was nun – was nun?« wiederholte der andere, »ein kurzer Weg sich zu bedenken! Seht, Kapitän, Benson, Barlowe, Dick Fletcher und noch ein paar von uns, die Euch wohl wollen, haben Euren alten Kameraden, Kapitän Goffe, in diesen Gewässern hier zurückgehalten, um uns nach Euch umzuschauen, obgleich er und Hawkins, und der größte Teil der Mannschaft, lieber zur spanisch-amerikanischen Küste gesegelt wäre, um dort unser Handwerk wieder zu beginnen.«

»Wünschte ich doch, ihr alle wäret wieder an euer Geschäft gegangen, und hättet mich meinem Schicksal überlassen,« antwortete Cleveland.

»Das hätte geheißen, prozessiert und gehängt zu werden, Kapitän, sowie einer von jenen holländischen oder englischen Schurken, denen Ihr die Ladung abnahmt, Euch erkannt hätte, und nirgend können Seefahrer leichter zusammentreffen als auf diesen Inseln. Um Euch vor solcher Gefahr zu schützen, haben wir unsere kostbare Zeit hier verschwendet; bis die Leute argwöhnisch geworden sind, – und wenn wir weder Güter noch Geld mehr zu verschenken haben, werden sie unser Schiff anhalten wollen.«

»Nun, und warum geht Ihr denn nicht in See ohne mich?« fragte Cleveland. – »Wir haben richtig geteilt und jeder hat das Seinige empfangen, – mag nun auch jeder tun, was er will. Ich habe mein Schiff verloren, und da ich einmal Kapitän war, will ich weder unter Goffes noch irgend eines andern Befehl in See gehen, Ueberdem weißt Du, daß er sowohl wie Hawkins scheel auf mich sieht, weil ich sie anhielt, die spanische Brigg mit den armen Teufeln von Negern an Bord zu versenken.«

»Was zum Henker! ist mit Dir vorgegangen?« unterbrach ihn sein Gefährte. »Bist Du Clement Cleveland, unser alter treuherziger Clem von Cleugh? und sprichst von Furcht vor Hawkins, Goffe und zwanzig andern, wenn Du mich selbst, und Barlowe, und Dick Fletcher hast als Rückendeckung? Haben wir Dich je, wenn es auf Rat oder Tat ankam, verlassen, daß Du jetzt an unserer Treue zweifelst? Und was den Dienst unter Goffe betrifft, so ist es doch nichts Neues, wenn Glücksritter hin und wieder ihre Anführer wechseln. Laß das nur unsere Sorge sein; Kapitän sollst Du schon werden; denn der Tod lulle mich in Schlaf, wenn ich länger unter diesem Goffe diene, der ein Bluthund ist, wie je einer war – nein, nein, gehorsamer Diener! Mein Kapitän muß wenigstens den Anstrich von einem Kavalier haben. Ueberdem wart Ihr es ja, der zuerst meine Hände in das schmutzige Wasser tauchte, und aus einem herumziehenden Schauspieler auf dem Lande einen Räuber zur See machte« »Ach, armer Bunce,« entgegnete Cleveland, »Du bist mir dafür wenig Dank schuldig!« »Ei nun, wie man es nimmt,« meinte der andere, »ich meinerseits sehe kein Unrecht darin, wenn man vorm Publikum so oder so Kontributionen erhebt. Aber vergeßt doch bloß den Namen Bunce, und nennt mich Altamont, wie ich Euch oft gebeten habe. Ein Ritter vom Seeräuberhandwerk hat, denk ich, wohl eben so viel Recht, seinen Namen zu verändern als ein Schauspieler, und nie habe ich die Bühne betreten, ohne mich wenigstens Altamont zu nennen.« »Nun also, Jack Altamont, weil es denn einmal Altamont sein soll,« erwiderte Cleveland. »Ja, ja, Altamont ist das Wort,« unterbrach ihn sein Gefährte, »aber Jack Altamont? – das ist ein Samtrock mit papierner Tresse. – Laßt es Federigo sein – das paßt zu Altamont. »Nun gut denn, Federigo, mir auch recht,« erwiderte Cleveland; »welcher von Euren Namen wird wohl am besten klingen vor der letzten Rede, der Beichte, den Sterbeworten usw., wenn Du wegen Räuberei auf offener See an die Raa geknüpft wirst?«