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»Seine Ware?« fragte Cleveland, genauer hinblickend; »beim Himmel! meine Kleider sind's, die ich in jener Kiste in Jarlshof zurückließ, als mein Schiff dort verloren ging. – Heda, Bryce Snailsfoot, Du Schelm und Dieb, was soll das heißen? Hast Du durch wohlfeilen Kauf und teuren Verkauf nicht schon genug von mir verdient, daß Du noch Hand an meine Kiste und meine Kleidungsstücke legtest?«

Bryce Snailsfoot, der sich nach einer Unterredung mit dem Kapitän eben nicht sehr gesehnt hatte, war jetzt durch die Lebhaftigkeit des Angriffs genötigt, seine Aufmerksamkeit auf ihn zu richten. Schnell und leise hieß er den kleinen Burschen, der ihn, wie wir bereits erwähnten, zu begleiten pflegte, auf das Rathaus eilen und dort melden, daß es bei seinem Verkaufsstande Lärm zu geben drohe, und daß er deshalb um ein paar Mann Hilfe bäte.

Kaum war der Junge weg, so wandte sich Bryce Snailsfoot zu seinem alten Bekannten ...

»Gott sei Dank,« rief er aus, »unser würdiger Kapitän Cleveland, um den wir alle in so großer Sorge waren, ist wieder da zu unserer Herzensfreude. Wie habe ich mich doch um Euch geängstigt,« – (hier wischte sich Bryce die Augen) – »und wie freue ich mich, Euch jetzt Euren bekümmerten Freunden wiedergegeben zu sehen.«

»Meine bekümmerten Freunden, Du Schurke!« rief Cleveland; »im Nu will ich Dir Ursache zu ernsterem Kummer geben, als Du je meinetwegen empfunden haben dürftest – wenn Du mir nicht auf der Stelle gestehst, wie und wo Du diese meine Kleider gestohlen hast.«

»Gestohlen?« wiederholte Bryce, zum Himmel aufblickend: »nun, Gott helf uns! der arme Herr hat bei jenem furchtbaren Sturm seinen Verstand verloren.«

»Unverschämter Wicht,« rief Cleveland, seinen Stock aufhebend, »meinst Du mich mit Deiner Frechheit zu übertölpeln? Noch einmal also, willst Du heile Knochen unter Deiner Haut behalten, so bekenne augenblicklich, wie und wo Du meine Sachen gestohlen?«

Bryce Snailsfoot rief aufs neue: »Gestohlen? Nun, Gott steh uns bei!« richtete aber zugleich, besorgt, der Kapitän mochte seine Drohung ohne Verzug in Ausführung bringen, einen ängstlichen Blick auf die Stadt, in der Erwartung, den erbetenen Sukkurs heranrücken zu sehen.

»Ich will eine augenblickliche Antwort,« fuhr der Kapitän mit gehobener Waffe fort, »oder ich prügle Dich tot und werfe Deinen ganzen Trödelkram aufs Feld.«

Inzwischen hielt John Bunce, der die Sache nur als einen Spaß und keinen schlechten ansah, Cleveland am Arme fest, weniger jedoch in der Absicht, ihn an der Ausführung seiner Drohung zu verhindern, als um eine unterhaltsame Sache möglichst zu verlängern.

»Ei, so hört doch den ehrlichen Mann an, Kamerad!« sagte er; »hat er doch eine so schelmische Fratze, als je eine auf den Schultern eines Schurken saß; er versteht's sich durch Schwatzen die Zeit zu verschaffen, die er braucht, den Läufer um ein paar Zoll zu begaunern. Bedenkt doch, daß Ihr beide ein und dasselbe Gewerbe treibt, er mißt die Ballen mit der Elle, Ihr mit dem Schwerte, und daher will ich ihn nicht in Stücke gehauen wissen, bis ihm freies Spiel geworden.«

»Du bist ein Narr!« entgegnete Cleveland, bemüht, sich von seinem Freunde loszumachen. – »Beim Himmel, ich will ihm zu Leibe.«

»Haltet ihn fest,« rief der Hausierer, »bester Herr, um Gottes willen, haltet ja fest!«

»Nun, so sprich etwas zu Deiner Verteidigung,« entgegnete Bunce; »aber kein großes Gerede! sonst, beim Henker! laß ich ihn auf Dich los.«

»Er behauptet, ich habe die Sachen gestohlen,« erwiderte Bryce, der nun einsah, daß er um die Antwort auf die Anschuldigung nicht herumkam... »Sagt selbst: wie hätte ich die Ware stehlen können, da ich sie doch durch ehrlichen Kauf an mich brachte?«

»Kauf? Kauf? Du diebischer Landstreicher!« rief Cleveland; »von wem hast Du meine Kleider kaufen können? wer konnte frech genug sein, sie zu verkaufen?«

»Die würdige Frau Swertha, Haushälterin auf Jarlshof, die Euren Nachlaß verwaltete und um Euch sehr bekümmert war,« entgegnete der Hausierer.

»Und die sich, zum Trost für ihren Kummer, die Taschen füllen wollte,« fiel ihm der Kapitän ins Wort; »wie konnte sie Dinge zu verkaufen wagen, die ihr zur Aufbewahrung übergeben worden?

»Ei, sie hat gemeint, zu Eurem Besten so zu handeln, die gute Frau!« sagte der Hausierer, bemüht, den Streit hinzuziehen, bis sein Sukkurs heranrückte; »und wenn Ihr Vernunft annehmen wollt, bin ich gern bereit, mich mit Euch über die Kiste und den Inhalt zu verständigen.«

»Nun, so sprich!« rief Cleveland, »aber ohne alle Umschweife; zeigst Du mir nur einigermaßen guten Willen, ehrlich zu sein, so sollst Du von meinen Schlägen verschont bleiben.«

»Nun, so seht, weiter Herr Kapitän!« begann der Hausierer – und murmelte dann vor sich hin: »Hol' der Henker Petersons lahmes Bein! sie werden mit dem unnützen Kerl nicht fortkommen können. – Seht! – das Land ist in großer Bestürzung. Ihr wurdet vermißt, ein Mann, den groß und klein liebte! – keine Spur war von Euch zu wittern – Ihr wart verloren – tot – verschwunden.«

»Du sollst mich wieder lebendig gefunden haben, zu Deinem Unheil, Du Schurke,« fiel ihm Cleveland ins Wort.

»Nun, so gebt doch Geduld! Ihr laßt einen ja nicht zu Worte kommen,« entgegnete der Hausierer, »von einer Klippe, wie man vermutet, ins Meer gestürzt – er, war ja immer ein Wagehals! – Manches Geschäft habe ich mit ihm gemacht in Fellen und Federn, die er bei mir gegen Pulver, Schrot und dergleichen tauschte, – nun ist er dahin – verschwunden wie das letzte Wölkchen aus der Tabakspfeife eines alten Weibes.«

»Aber was hat das alles mit den Kleidern des Kapitäns, zu schaffen, Freundchen!« unterbrach ihn Bunce; »ich werde Euch wohl selbst noch ein paar Püffe versetzen mögen, um Euch in das rechte Fahrwasser zu bringen?«

»Nun, nun! – Geduld, Geduld!« fuhr Bryce fort, mit der Hand abwehrend; »Ihr sollt alles schon früh genug erfahren. Nun, wie gesagt, zwei Menschen waren verschwunden, und überdem Jungfer Minnas Kränklichkeit ....«

»Bringe ihren Namen nicht mit in Dein Geschwätz, Bursche!« rief Cleveland in einem Tone, zwar leiser, aber tiefer zusammengepreßt, als er ihn bisher angeschlagen ... »wenn Du nicht Deine Ohren einbüßen willst.«

»Hä, hä, hä!« grinste der Hausierer, »das könnte schlimm für mich werden; aber ich sehe. Ihr habt Lust, zu scherzen. Nun, wenn ich nichts von Burgh-Westra sagen soll, so wollen wir uns vom Jarlshofer Alten erzählen, von Mordaunts Vater, dem Herrn Mertoun, von dem kein Mensch geglaubt, daß er den Fuß von seinem Sumburgh-Head setzen werde – nun, auch der ist weg, – weg, wie der Bursche, von dem ich vorhin sprach ... Und nun sah man Magnus Troil, den ehrsamen Vogt, Pferde, und Claud Halcro, den schlechtesten Steuermann auf ganz Shetland, ein Boot nehmen ... und auch der Lord-Kämmerlings-Substitut hat sich in Bewegung gesetzt, der doch sonst immer nur von Deichen, Gräben und ähnlichem dummen Zeuge schwatzt ... und so kann man mit Recht sagen, die eine Hälfte der Einwohner von Shetland ist futsch, und die andere unterwegs, nach ihr zu suchen... Schreckliche Zeit das! Schreckliche Zeit!«

Cleveland hatte seinen Grimm bezwungen und den vielen Worten des Hausierers zwar mit Ungeduld, aber nicht ohne Hoffnung, etwas über sich selbst zu erfahren, zugehört; sein Gefährte aber fing jetzt an, seine Ruhe zu verlieren ... »Nun aber die Kleider, die Kleider!« rief er aus, sein Rohr dabei schwingend, daß die Spitze desselben das Ohr des Hausierers streifte, der darüber bis in das Mark seiner Knochen erbebte und fortwährend rief: »Nick, Geduld – Geduld – so hört doch, werter Herr! – ja, ja, die Kleider? – ja seht, – da fand ich die gute alte Frau in großer Angst um ihren alten Herrn und ihren jungen Herrn; um den würdigen Kapitän Cleveland; um das Schicksal der Leute von Burgh-Westra und um den Vogt selbst und den Verwalter und um Claud Halcro und um noch mancherlei anderes. Nun, da haben wir uns zusammengesetzt und unsere Herzen ausgeschüttet und haben Ronaldson, den Gemeindevorsteher, holen lassen, um mit ihm zu beraten. – Ein würdiger Mann, der Ronaldson, der in gar gutem Rufe steht.«