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»Ei nun, Spaß doch wenigstens,« antwortete Goffe. – »Da schaut einmal die Burschen an und sagt, ob einer darunter ist, der nicht danach aussähe, als schlüge er lieber einen Menschen tot, als daß er ihn laufen ließe? Doch mehr davon, wenn Ihr in unserm spanischen Bocke steckt, dem Ihr nicht anders entgehen werdet als durch Loskauf mit einer Handvoll spanischer Taler.«

»Ach, gestrenger Herr Kapitän,« sagte Triptolemus bebend, »der mißgestaltete Zwerg hat mein ganzes Horn voll Silber mitgenommen.«

»Die neunschwänzige Katze wird's Euch schon finden lehren,« brummte Goffe.

»Kapitän,« erwiderte Triptolemus kräftig, »ich habe kein Geld – Erfindern und Reformern fehlt es gewöhnlich daran. – – Wir wandeln Weide in Acker um, Gerste in Weizen, Heideboden in Gartenland und Torfmoor in Grasland, selten aber ziehen wir Vorteil für unsere eigenen Tasche heraus.«

»Gut, gut,« erwiderte Goffe. »Wenn Ihr wirklich so ein armer Teufel seid, als Ihr vorgebt, so will ich Euer Freund sein,« und das Haupt neigend, so daß Triptolemus' Ohr erreichen konnte, der angstvoll seiner Worte harrte, flüsterte er ihm zu: »Besteigt nicht das Boot mit uns, wenn Euch Euer Leben lieb ist.«

»Wie aber soll ich fortkommen? Ihr haltet mich ja gepackt, so daß ich mich nicht losmachen konnte, selbst wenn die ganze Ernte von Schottland auf dem Spiele stände.«

»Nun, dann hört, Ihr Simpel,« fuhr Goffe fort, »sind wir am Ufer und springen dann die Burschen ins Boot, um ihre Ruder zu nehmen, dann schleicht Euch herum, – ich lasse Euren Arm los – und Ihr rennt hinweg, als hättet Ihr Feuer unter den Sohlen.«

Triptolemus tat, wie ihm geraten wurde; Goffe lockerte, wie versprochen, den Griff seiner Faust, und wie ein von einem Spieler mit Wucht geschleuderter Ball sauste der Lord-Kämmerlings-Substitut dem Städtchen zu, mit einer Geschwindigkeit, die ihn selbst und alle Zuschauer in Staunen setzte, die treue Versinnbildlichung des alten Sprichwortes: »Furcht macht Beine.«

Er wurde auch nicht verfolgt; und wenn auch ein Paar Musketen angelegt wurden, ihm einen bleiernen Boten nachzusenden, so stellte doch Goffe, hier zum erstenmal in seinem Leben Friedensstifter, die Gefahren, die solcher Friedensbruch hervorbringen könne, so eindringlich vor, daß sich die Bootsmannschaft dazu verstand, von aller Gewalttätigkeit abzustehen und so schnell als möglich dem Schiffe zuzurudern.

Die Bürger, die Triptolemus' Flucht als einen Triumph ihrer Sache ansahen, riefen dem Boote ein spöttisches Halloh nach, während der Magistrat über die augenscheinlichen Folgen dieses Bruchs der Uebereinkunft in große Besorgnis geriet; Cleveland aber, den der Magistrat in scharfer Haft hielt, um sich für jeden Schaden, den die Piraten anstiften möchten, schadlos zu halten, durchschaute leicht, daß Goffe keinen andern Grund, die Geißel laufen zu lassen, hatte, als ihm die volle Verantwortung für alle Folgen zuzuschieben; nicht im Irrtum darüber, daß er sich allein noch auf die Anhänglichkeit und Klugheit seines Freundes Jack Bunce oder Altamont verlassen durfte, sah er den kommenden Dingen nicht ohne Besorgnis entgegen.

Siebzehntes Kapitel

Magnus Troils stattliche Brigg hatte, außer ihrem Eigentümer, dessen liebenswürdiges Töchterpaar und den munteren Claud Halcro an Bord, der aus Freundschaft, und aus der, seinem poetischen Berufe eigentümlichen Liebe zur Schönheit, sie nach der Hauptstadt von Orkney begleitete, wohin sie Norna, um ihnen die volle Deutung ihrer Orakelsprüche zu geben, beschieden hatte. In knapper Entfernung von dem einsamen Endpunkt, die Fair-Insel genannt, die gleich fern von jeder Inselgruppe in dem Orkney von Shetland scheidenden Gewässer liegt, gelangten sie nach kurzem Aufenthalt durch widrige Winde bis zu dem Vorgebirge von Sanda, wo sie eine starke Strömung ziemlich weit von ihrem Kurs drängte, so daß sie sich genötigt sahen, sich an der Ostseite der Insel Stronsa zu halten und nachts im Papa-Sund beizulegen. Erst am andern Morgen setzten sie die Fahrt unter günstigern Aussichten fort und segelten um das Vorgebirge Lambhead auf Kirkwall zu.

Eben hatte sich ihnen die herrliche Bai zwischen Pomona und Shavinsha eröffnet, und die Schwestern bewunderten die massive Kirche St. Magnus, die sich hoch über die andern Gebäude der Stadt erhob, als Magnus und Claud Halcros Blicke plötzlich von einem Gegenstand angezogen wurden, der größeres Interesse für sie hatte: einer bewaffneten Schaluppe, die mit vollen Segeln den Ankerplatz verlassen hatte und mit vollem Winde herantrieb,

»Ein derbes Ding, bei den Gebeinen meiner Vorfahren!« rief der Udaller, »aber was für ein Landsmann es ist, darüber bin ich mir noch nicht klar, denn er zeigt keine Flagge. Spanische Bauart ist's, wie mich dünkt.«

»Ja, ja,« entgegnete Claud Halcro, »so scheint's; die Schaluppe segelt mit dem Winde, gegen den wir kämpfen müssen; der gewöhnliche Lauf der Dinge!«

Von der Schaluppe fielen, statt daß sie die Flagge gezogen oder angerufen hätten, zwei Schüsse, von denen der eine am Vorderteil des shetländischen Schiffes vorbeistrich, während der andere das große Segel traf. Magnus griff nach dem Sprachrohr und rief die Schaluppe an, wer sie sei, und was solcher Angriff zu bedeuten habe ... Als Antwort kam der ernste Befehl herüber: »Nieder mit dem Bramsegel – und mit Eurem großen Segel zum Mast. – Wer wir sind, sollt Ihr bald erfahren.«

Gehorsam zu weigern, den eine volle Ladung im Nu erzwungen hätte, lag außer dem Bereich der Möglichkeit, und unter banger Furcht der Schwestern und des Sängers, unter Zorn und Staunen hingegen des Udallers, legte die Brigg bei, dem Gebote des Kapers gehorchend. Die Schaluppe setzte ein Boot aus, das mit sechs bewaffneten Männern, Bunce an der Spitze, auf die Prise losruderte. Als sie näher kamen, flüsterte Claud Halcro dem Udaller zu: »Wenn es wahr ist, was man von Bukkaniern gehört, so sehen jene Burschen mit den seidenen Westen und Schärpen ihnen ganz ähnlich.«

»Meine Töchter! Ach, meine Töchter!« jammerte Magnus Troil mit aller Angst, die ein Vater zu empfinden vermag. – »Hinab mit euch, ihr Mädchen und verbergt euch, während ich...«

Er schleuderte sein Sprachrohr fort und griff nach einer Pike, seine Töchter aber, mehr um ihn als um sich besorgt, hingen sich an ihn und flehten, bloß keinen Widerstand zu leisten. Claud Halcro vereinte seine Bitten mit den ihrigen und fügte hinzu: »daß es besser sei, die Bursche mit guten Worten zu besänftigen. Es könnten ja,« meinte er, »Dünkirchner oder sonst eine freche Kriegsbande sein, die sich einen lustigen Tag mache.«

»Nein, nein!« entgegnete Magnus, »die Schaluppe ist's, von der der Hausierer gesprochen ...«

Es blieb ihm nicht Zeit, zu sagen, was er sonst vorhabe, denn schon sprang Bunce, von seinen Leuten gefolgt, an Bord, schlug mit dem Säbel auf die Kajütenleiter und erklärte das Schiff für seine Prise.

»Und mit welchem Rechte haltet Ihr uns auf offener See an?« fragte Magnus.

»Mit dem Recht unserer Pistolen,« entgegnete Bunce, auf seinen Gürtel zeigend – »sucht Euch eine davon aus, alter Herr, und sie wird Euch sogleich unser Recht demonstrieren.«

»Das heißt, Ihr überfallt uns räuberisch,« erwiderte Magnus; »nun, mag es sein; wir haben keine Mittel, es zu verhindern; betragt Euch wenigstens manierlich gegen die Frauen und nehmt von dem Schiffe, was Euch beliebt. – Viel an Wert ist nicht vorhanden, aber wenn Ihr uns gut behandelt, so kann und will ich ihn mehren.«

»Höflich mit den Frauen?« fiel Fletcher ein, der sich unter der Schar befand; »versteht sich! und freundlich dazu – da schau mal her, Jack Bunce, was für ein kleines nettes Ding das ist! Beim Satan! sie soll einen Kreuzzug mit uns machen, mag aus dem Alten werden, was wolle.«