Выбрать главу

Mit diesen Worten nahm er Brenda bei der einen Hand und schob frech mit der andern die Kappe des Mantels zurück, in den sie sich gehüllt hatte.

»Hilf, Vater! – hilf, Minna!« rief das Mädchen, im Augenblick völlig vergessend, daß beide unfähig waren, ihr Beistand zu leisten, Magnus hob noch einmal die Pike, aber Bunce faßte seine Hand: »Ruhig, Alter!« gebot er, »oder Ihr brockt Euch eine schlechte Suppe ein. – Und Du, Fletcher, laß das Mädchen los!«

»Und warum, beim Teufel, soll ich sie laufen lassen?« fragte Fletcher.

»Weil Du es mit mir zu tun hast, wenn Du Dich weigerst,« antwortete Bunce. »Und nun, ihr schönen Mädchen, sagt mir, ist etwa eine unter euch, die den heidnischen Namen Minna trägt, für den ich eine gewisse Achtung hege? Zieht eure Kappen von den Gesichtern, ihr Schönen; niemand soll euch hier Leid zufügen. – Mein Seel', zwei herrliche Dirnen! – Hört ihr, Mädchen, welche von euch möchte sich wohl in der Hängematte eines Piraten schaukeln?«

Die erschrockenen Schwestern klammerten sich fest aneinander und wurden blaß ob der frechen Worte des Wüstlings.

»Nun, nun, fürchtet euch nicht,« fuhr Bunce fort, »keine soll unter Altamont dienen, wenn nicht aus freier Wahl. Bei uns Glücksrittern gilt kein Zwang. Schaut mich nicht so scheu an, als spräche ich von Dingen, an die ihr früher nie gedacht hättet. Eine von Euch wenigstens kennt Kapitän Cleveland den Piraten!«

Brenda wurde noch bleicher, der armen Minna aber stieg das Blut in die Wangen, als sie den Namen ihres Geliebten so plötzlich nennen hörte.

»Ich sehe, wie die Sachen stehen,« sagte Bunce mit vertraulichem Kopfnicken; »und werde demgemäß steuern. Ihr braucht nichts zu fürchten, Alter!« fuhr er, zu Magnus gewandt, fort, »habe ich mir gleich von manchem hübschen Mädchen schon Tribut zahlen lassen, so sollen die Euren doch ans Land kommen, ohne Kränkung oder Lösegeld.«

»Wenn Ihr mir das versprecht,« sagte Magnus, »so heiße ich Euch zu dieser Brigg und ihrer Ladung ebenso willkommen, als es mir je ein Mann zu einer Bowle Punsch war.«

»Eine Bowle Punsch ist nicht zu verachten,« rief Bunce, »hätten wir hier nur jemand, ihn zu bereiten.«

»Ich will es in dieser Kunst,« rief Claud Halcro, »mit jedem aufnehmen, der Zitronen quetschte – Erik Scambester, den Punschbrauer von Burgh-Westra, allein ausgenommen.«

»Den könnt ihr herumreichen, Mädchen,« sagte der Udaller, »steigt hinab und schickt uns den Alten mit der Punschbowle.«

»Mit der Punschbowle?« wiederholte Fletcher; »mit dem Punscheimer, wollt Ihr sagen. Von Bowlen sprecht in der Kajüte eines armseligen Kauffahrers, nicht aber zu Piraten.«

»Die Mädchen sollen auf dem Verdeck bleiben und mir die Kanne füllen,« sagte Bunce; »solche Dienstleistung soll mir wenigstens für meine Großmut werden.«

»Und auch mir sollen sie den Krug füllen,« sagte Fletcher, »bis an den Rand, und einen Kuß will ich für jeden Tropfen, den sie verschütten.«

»Daraus wird nichts, soviel sage ich Dir,« entgegnete Bunce, »verdammt will ich sein, wenn irgend jemand Minna küssen soll als ein einziger, – aber von uns beiden ist's keiner, und ihre kleine Gefährtin da soll, der Gesellschaft wegen, auch frei mit durchkommen, bereitwillige Dirnen auf Orkney gibt's doch genug' drum meine ich, wird es besser sein, wenn sich die Mädchen in die Kajüte begeben und einriegeln, während wir den Punsch auf Deck trinken al fresco, wie der alte Herr den Vorschlag machte.«

»Hört, Jack,« fiel Fletcher ein, »seit zwei Jahren bin ich nun Euer Kamerad und habe immer zu Euch gehalten! aber Launen habt Ihr doch wie ein Affe. Womit, zum Henker, sollen wir uns die Zeit vertreiben, wenn Ihr die Dirnen wegschickt?«

»Ei, der Punschbrauer,« antwortete Bunce, »soll Toaste ausbringen und Lieder singen. – An die Segel und Taue jetzt, ihr andern! die Brigg umgelegt – und Du, Steuermann hältst sie unter dem Hinterteil der Schaluppe! Versuchst Du es, uns einen Streich zu spielen, Kerl, so spalte ich Dir den Kopf wie einen Kürbis.«

Das Schiff wurde demgemäß umgelegt und strich langsam hinter der Schaluppe her, die, wie man leicht begreifen wird, nicht zurück nach Kirkwall, sondern zu einem durch ein Vorgebirge einige Stunden östlich von Kirkwall gebildeten trefflichen Ankerplätze, Inganeß-Bai genannt, steuerte, wo die Schiffe sicher vor Anker liegen konnten, während die Räuber mit der Stadtobrigkeit neuerdings unterhandelten.

Unterdes hatte Claud Halcro sein möglichstes getan, einen Eimer voll Punsch für die Piraten zu bereiten, den sie aus großen Kannen tranken, die sowohl das gemeine Volk, als auch Bunce und Fletcher, zurzeit die Seeoffiziere, ohne weitere Umstände in den Eimer tauchten, wenn sie wieder gefüllt werden sollten. Magnus war über die Mengen, die diese Desperados von dem Punsche zu sich nahmen, ohne daß es sie irgendwie zu stören schien, dermaßen erstaunt, daß er nicht umhin konnte, seiner Verwunderung darüber gegen Jack Bunce Ausdruck zu geben, der bei aller Verwegenheit und Wildheit doch am bescheidensten von allen zu sein schien.

»Bei den Gebeinen St. Magnus!« rief er, »ich glaubte, bisher auch meine Kanne leeren zu können, wie ein tüchtiger Kerl; gegen euch alle aber komme ich mir vor wie ein Waisenknabe.«

»Doch nun Euer Toast, Freund!« rief Bunce zu Halcro gewandt, »oder vielmehr Euer Lied ohne Toast, – ich habe so meinen eigenen; gut Glück allen Räuberklingen, und Trotz allen ehrlichen Leuten!« »Ich würde, wenn ich es verweigern könnte, solchen Toast um keinen Preis mittrinken,« sagte Magnus Troil.

»Wie? Ihr rechnet Euch wohl gar zu den ehrlichen Leuten,« rief Bunce – »nennt mir Euer Gewerbe, und ich will Euch sagen, was ich davon denke. In Eurem Punschbrauer habe ich auf den ersten Blick einen Schneider erkannt, der also keine Ansprüche darauf hat, als ehrlich zu gelten; Euch aber halte ich für einen holländischen Schiffer, der in Japan das Kreuz mit Füßen tritt und seine Religion für ein Tagelohn verleugnet.«

»Ihr irrt,« antwortete der Udaller, »ich bin ein alter Edelmann aus Shetland.«

»Ei,« rief Bunce, »so seid Ihr aus dem gelobten Lande, wo die Flasche Wacholder nur vier Heller kostet und wo es nimmer Nacht wird.«

»Zu Diensten, Kapitän,« entgegnete der Udaller, die Lust, den gegen sein Vaterland gerichteten Spott zu ahnden, mühsam bekämpfend.

»Zu meinen Diensten!« wiederholte Bunce, »ja, liefe von einem Wrack ein Tau ans Land, da würdet Ihr zu meinen Diensten sein und es kappen, um das Strandrecht geltend zu machen, wenn Ihr mir nicht vielleicht gar den Schädel mit einer Axt einschlüget ... und das nennt Ihr ehrlich? Aber macht nichts, hier gilt mein Toast! – und Ihr, Meister Zwirn, singt mir ein Lied, doch sorgt, daß es an Güte Eurem Punsch gleiche.«

»Mädchen, schön wie Sommerrose,

Lausche meinem Versgekose,«

stimmte Halcro an, zu seinem Genossen Arion flehend, daß er ihm helfe, das Gemüt des Piraten zu besänftigen.

»Ich will weder von Mädchen noch von Rosen hören,« unterbrach ihn Bunee, »denn das erinnert mich an die Ladung, die wir an Bord haben, und ich will, beim Gottseibeiuns! Kameraden und Kapitän treu bleiben, so lange ich es kann, – drum will ich auch heut nicht mehr Punsch trinken – die letzte Kanne stieg mir schon zu Kopf, und ich habe nicht Lust, heute nacht den Cassio zu spielen, – trinke ich aber nicht mehr, so soll auch sonst niemand mehr trinken.«

Mit diesen Worten stieß er den noch halbvollen Punscheimer um, sprang von seinem Sitze auf, schüttelte sich, rückte den Hut aufs Ohr und gab, gravitätisch auf und ab schreitend, durch Worte und Zeichen den Befehl, die Schiffe vor Anker zu legen. Der Udaller besprach sich unterdessen mit Claud Halcro über ihre Lage.

»Die Sache steht schlimm genug,« begann der alte Normann, »das sind heillose Gesellen, aber ich würde sie dennoch nicht fürchten, wäre es nicht der Mädchen wegen. Der junge Luftikus, der das Kommando führt, scheint mir aber kein eingefleischter Teufel zusein.«