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Brenda ertrug diese Galanterie mit Todesangst; aber Minna trat mit stolzem Blick zurück und reichte ihm die Hand. Bunce lachte, drückte mit theatralischem Anstände einen Kuß darauf . , . und nun gelangten die Schwestern hinter Halcro her endlich in das Boot, das unter Fletchers Kommando mit ihnen davon ruderte.

Bunce sah ihnen eine Weile schweigend nach, sich an dem Gedanken werdend, daß es doch recht gut sei, auch einmal eine gute Tat ausgeübt zu haben, wäre es auch nur der Seltenheit wegen. Dann, sich zu Magnus wendend, fuhr er fort: »Meiner Sixen, schmücke Dinger sind's, Eure Töchter; die älteste machte selbst auf den Londoner Brettern ihr Glück! Mit welcher Verve sie das Pistol erfaßte! – und dann wieder das andere kleine, scheue, zitternde Wesen! fürwahr, ein treffliches Schauspiel hätten die beiden, Claud Halcro und ich, aufführen können ... ein Tor, daß ich nicht früher daran dachte!«

Inzwischen verfolgte der Udaller, der Worte des Seeräubers nicht achtend, mit dem Fernrohr die Fahrt seiner Töchter zum Strande. Er sah sie landen und, von Halcro und einem andern Manne (vermutlich Fletcher) begleitet, die Höhe hinan die Straße nach Kirkwall einschlagen, ja er bemerkte sogar, daß Minna, die sich ohne Zweifel als Beschützerin ihrer Schwester betrachtete, von den andern sich ein Stück entfernt hielt, vermutlich um ihr wachsames Auge überall zu haben. Endlich, als der Udaller sie schon langsam aus dem Gesichte verlor, nahm er noch zu seiner Freude wahr, wie der Pirat sie nach kurzem Abschiede verließ und langsam zum Strande zurückkehrte. Der Vorsehung hierfür dankend, ergab sich der würdige Udaller demütig in sein Schicksal.

Achtzehntes Kapitel

Aber Fletcher hatte sich von Magnus Trolls Töchtern und ihrem Begleiter nicht sowohl freiwillig als vielmehr darum verabschiedet, weil von Kirkwall her ein Trupp Bewaffneter auf sie zuschritt. Das hatte Magnus Troil von seinem Standorte nicht sehen können, weil eine Anhöhe dazwischen lag: daraufhin aber hatte sich die von ihm bemerkte kurze Abschiedsszene abgespielt.

»Halt!« rief sie, »ich befehle es Euch! – Sagt Eurem Anführer von mir, daß, wie auch immer die Antwort von Kirkwall lauten möge, er sein Schiff nach Stromneß segeln solle; und dort vor Anker soll er ein Boot nach Kapitän Cleveland ans Land senden, sobald er von der Brücke von Breisgar eine Rauchsäule emporsteigen sieht.«

Fletcher hatte, wie sein Gefährte Bunce, wenigstens einen Kuß für seine Mühe begehren wollen, und vielleicht hätte weder die Annäherung der bewaffneten Kirkwaller noch Minnas Waffe seine Unverschämtheit im Zaum gehalten. Aber der Name seines Kapitäns, noch mehr aber Minnas gebieterisches Wesen hielten ihn in Schranken, und mit einer linkischen seemännischen Verbeugung kehrte er an Bord seines Bootes zurück.

Halcro aber eilte mit den Schwestern den bewaffneten Männern entgegen, die ihrerseits, vermutlich um sie zu beobachten, auch stehen geblieben waren. Brenda, von Fletchers Gegenwart bisher in Schrecken gehalten, rief jetzt: »Barmherziger Gott, Minna, in welchen Händen haben wir unsern teuren Vater zurückgelassen!«

»In den Händen tapferer Männer,« entgegnete Minna, »ich fürchte nichts für ihn.«

»Tapfer immerhin,« fiel Claud Halcro ein, »aber darum nicht weniger gefährlich. – Ich kenne diesen Altamont, wie er sich nennt, als einen so ausschweifenden Wüstling, wie je einer die Bretter betrat.«

Gleichviel!« entgegnete Minna, »je wilder die Wellen, desto mächtiger die Stimme, die ihnen gebietet. Der Name Cleveland allein reicht hin, den Kühnsten unter ihnen zu zähmen.«

»Es tut mir leid um Cleveland, daß er solche Gefährten hat,« meinte Brenda, – »aber er kümmert mich wenig, wenn ich für meinen Vater besorgt sein muß.«

»Spare Dein Mitleid für die, die seiner bedürfen,« erwiderte Minna, »und fürchte nicht für unsern Vater! – Gott weiß es, jedes Silberhaar auf seinem Haupte ist mir teurer als eine Goldmine; aber ich bin überzeugt, daß er auf jenem Schiffe in Sicherheit ist, und bald wieder wohlbehalten am Lande sein wird.«

»Wollte Gott, wir wären erst so weit,« entgegnete Claud Halcro, »aber ich fürchte, die Kirkwaller werden Cleveland für dasjenige halten, was er ist, und es nicht wagen, ihn gegen den Udaller auszuwechseln. Die Shetländer haben auch gegen Hehler strenge Gesetze.«

»Aber wer sind denn die dort auf der Landstraße?« fragte Brenda, »und warum mögen sie Halt gemacht haben?«

»Eine Miliz-Patrouille ist's,« antwortete Halcro; »halten wohl, weil sie uns aus der Ferne für Männer aus der Schaluppe ansehen – aber jetzt – da sie Eure Weiberkittel erkannt haben, schreiten sie wieder vorwärts.«

Die Patrouille kam heran. Wie Claud Halcro vermutet, sollte sie die Landung der Piraten verhindern. Nach kurzer herzlicher Begrüßung gab sie Halero und Magnus Troils Töchtern Geleit nach Kirkwall. Dort erfuhren sie, daß eine Fregatte, Halkyon mit Namen, vor der Duncansbai gesichtet worden sei. Das Schwesternpaar begab sich auf der Stelle zur Stadtobrigkeit, die Befreiung ihres Vaters zu fordern.

»Herr Magnus Troil von Burgh-Westra,« antwortete das Stadtoberhaupt, »besitzt gewiß unser aller Wertschätzung in hohem Maße – und doch,« setzte er hinzu, »würde ich den Gesetzen verfallen, wenn ich dem Kapitän solches verdächtigen Schiffes deshalb die Freiheit gäbe, weil ein einzelnes Individuum durch Gefangenhaltung gefährdet wird. Wir wissen jetzt, daß dieser Mann Herz und Seele dieser Piraten ist, wie kann ich ihn also frei an Bord senden, damit er das Land plündere, oder wohl gar des Königs Schiffe bekriege? Frechheit genug besitzt er zu allem.«

»Mut genug, Herr Richter, wollen Sie sagen,« erwiderte Minna, außerstande, ihren Unmut über solche Rede zu verschließen.

»Nennt es, wie Ihr wollt, Jungfer Troil,« antwortete der Unterrichter, »nach meiner Meinung ist solcher Mut um nichts besser als Freiheit.«

»Aber unser Vater?« rief Brenda, »unser Vater – der Freund, ja, ich kann sagen, der Vater seines Landes – wollt Ihr tatsächlich ihm die Hilfe versagen, indem Ihr einen unglücklichen Mann in Gefangenschaft haltet, statt ihn seinem Geschick zu überlassen, das ihn doch einmal ereilt?«

Der Richter beschränkte sich auf den gleichen Bescheid wie vorher, »daß er keinem Individuum zuliebe, so ehrenwert es auch sei, seine Pflicht gegen den Staat verletzen könne.«

»Du vergißt, Brenda,« sagte hierauf Minna sarkastisch, »daß Du Dich über die Sicherheit eines armen shetländischen Udallers mit keiner geringern als der ersten Magistratsperson der Hauptstadt von Orkney unterhältst. – Kannst Du verlangen, daß ein so wichtiger Mann sich herablassen solle, an solche Kleinigkeit zu denken? Der Herr wird reiflich in Erwägung ziehen, ob er die ihm vorgelegten Bedingungen anzunehmen habe oder nicht, und dazu gehört soviel Zeit, bis die Kirche von St. Magnus zusammengeschossen sein wird.«

»Ihr mögt uns immerhin zürnen, schönes Mädchen!« entgegnete der gutmütige Mann, »aber die Kirche von St. Magnus hat schon manchen Tag gestanden und wird, so denk ich, Euch und mich, und gewiß auch jene Schar von Galgenvögeln überleben, die sich in so maßloser Weise erfrechen, unsere Inselflur zu bedrohen. Da Euer Vater so halb und halb zu Orkney gehört und hier Besitzungen und Verwandte hat, würde ich, mein Wort darauf, für ihn alles tun, was irgendwie in meinen Kräften stünde; aber meinem guten Willen sind Grenzen gesteckt, über die ich nicht hinaus darf. Wollt Ihr Eure Wohnung in meinem Hause aufschlagen, so werde ich mit meiner Frau Euch zeigen, daß Ihr in Kirkwall so willkommen seid, wie nur irgendwer in Lerwick oder Scalloway.«