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»Das läßt sich hören, Derrick,« fiel Hawkins ein.

»Jack Bunce hat immer recht,« bemerkte Fletcher, »der Kapitän aber wird bei der Gelegenheit ein paar von uns niederknallen, so viel ist sicher.«

»Halt's Maul, Dick,« gebot Bunce, »kann's uns nicht gleich sein, niedergeschossen oder aufgehängt zu werden? – Aber wir wollen unversehens über ihn herfallen, so daß er nicht Zeit haben soll, zu Pistolen oder Säbel zu greifen; und aus Liebe zu ihm will ich der erste sein, der zupackt ... Mit dem Schiffchen, auf das der Kapitän Jagd macht, segelt eine kleine niedliche Pinasse – und ist die Gelegenheit günstig, schnapp ich die für meine eigene Rechnung weg. Ans Land will ich also, um alles einzurichten; stempelt Ihr unterdes einige von unsern Gesellen, die noch nüchtern genug sind, zur Teilnahme.«

Bald darauf landete das Boot, kaum ein paar hundert Yards vom alten Herrenhause von Stennis entfernt. Bunce sah sofort, daß man Verteidigungsmaßregeln getroffen hatte. Die niedern Fenster waren verrammelt, doch waren Schießlöcher offen gelassen; eine Schiffskanone deckte den Eingang, der überdies von zwei Schildwachen bewacht wurde. Bunce begehrte Einlaß, der ihm aber rundweg verweigert wurde, mit dem Bedeuten, sich fortzuscheren, bevor ihm Schlimmes begegne. Da er aber auf dem Verlangen bestand, es handelte sich um eine dringende Angelegenheit, erschien endlich Claud Halcro, der, verdrießlicher als es sonst seine Art war, seinen alten Bekannten ob seiner Halsstarrigkeit zu Rede stellte.

»Nehmt eines Narren Rat an,« sagte Halcro, »geht auf der Stelle oder sagt mir kurz und bündig, was Ihr wollt, denn hier kann Euch kein anderer Willkommen entgegenschallen, als der aus einer Kugelbüchse. Wir sind hier zahlreich genug. Auch Mordaunt Mertoun kam zu uns von Hoy herüber, derselbe, den Euer Kapitän fast um die Ecke gebracht hätte.«

»Ruhig, Alter,« fiel Bunce ein, »er hat ihm bloß etwas naseweises Blut abgezapft.«

»Wir brauchen hier keinen solchen Aderlaß,« erwiderte Claud Halcro; »überhaupt wird der Genesende uns bald näher verwandt sein, als man hätte glauben sollen, und so werdet Ihr leicht begreifen, wie wenig willkommen hier Euer Kapitän oder einer von seinen Leuten sein kann.«

»Gut, gut,« antwortete Bunce, »wenn ich aber nun Geld für den an Bord gesandten Proviant brächte?«

»Behaltet es, bis man es von Euch begehrt,« versetzte Halcro; »zwei schlechte Zahler gibt's, der eine, der zu früh, der andere, der gar nicht zahlt.«

»Nun, so laßt mich wenigstens dem Geber danken,« fuhr Bunce fort.

»Behaltet Euren Dank ebenfalls, bis er verlangt wird,« antwortete der Poet.

»Ist das die Art, wie Ihr Euren alten Bekannten willkommen heißt?« fragte Bunce.

»Was könnte ich denn für Euch tun,« entgegnete Halcro, – »wäre es nach dem Willen des jungen Mordaunt gegangen, hätte er Euch mit seiner Büchse begrüßt. Um Gottes willen also macht, daß Ihr fortkommt; sonst heißt's in der Rolle: die Wache tritt auf und nimmt Altamont gefangen.«

»Ich will Euch hier keine solche Mühe machen, sondern sogleich abtreten. – Aber wartet, fast hätte ich vergessen, daß ich da ein Briefchen für eins von Euren Dirnen habe, für Minna – ja, ganz recht, Minna heißt sie. – Ein Lebewohl ist's von Kapitän Cleveland; Ihr dürft Euch nicht weigern, es zu übergeben.«

»Ach, armer Bursche!« sagte Halcro, »ja, ja, ich versteh ... Nun, Minna soll das Schreiben erhalten, aus alter Bekanntschaft, Herr Altamont ... Ein Abschiedsbrief kann ja keinen Schaden stiften.«

»Lebt wohl denn, Alter, auf ewig und immer!« rief Bunce, und des Poeten Hand erfassend, drückte er sie so kräftig, daß Halcro noch lange nachher die Faust schüttelte wie ein Hund die Pfote, wenn zufällig eine glühende Kohle darauf fiel.

Während Bunce zu seinem Schiff zurückkehrte, hielt die Familie von Burgh-Westra drinnen im Stenniser Herrenhause Rat...

Mordaunt Mertoun war von Magnus Troil mit großer Freundlichkeit aufgenommen worden, als er zu seinem Beistande mit einer kleinen Schar von Nornas Anhängern, erschien. Der Udaller ward jetzt leicht zu überzeugen, daß Mordaunt vom Hausierer und von Cleveland nur boshaft verleumdet worden, und nahm ihn wieder völlig in Gnaden auf, und war nicht wenig erstaunt über die Ansprüche, die Norna auf ihn erhob, und daß sie gewillt sei, auf ihn das beträchtliche, von ihrem Vater ererbte Vermögen zu übertragen.

Einundzwanzigstes Kapitel

Mordaunt hatte die Schildwachen, die seit Mitternacht auf dem Posten standen, noch vor der Morgendämmerung ablösen lassen, und sich in ein kleines Vorzimmer zurückgezogen, wo er sich, mit den Waffen neben sich, einem kurzen Schlummer überlassen wollte. Da fühlte er sich plötzlich am Mantel gezogen, in den er sich gehüllt hatte,

»Wie? schon Sonnenaufgang?« rief er, sich rasch erhebend, und sah die ersten Strahlen flach am Horizonte.

»Mordaunt,« sprach eine Stimme, deren Ton sein Herz durchdrang.

Er schlug die Augen auf ... und siehe, Brenda Troil stand vor ihm; aber er erschrak heftig über den Ausdruck von Kummer und Angst, den ihre blassen Wangen, ihre bebenden Lippen und tränenschweren Augen zeigten, und die Worte erstarben ihm auf der Zunge...

»Mordaunt,« sprach sie, »Du mußt mir und Minna einen Dienst erweisen, – mußt uns erlauben, das Haus zu verlassen, ohne daß es jemand gewahr werde; denn wir müssen uns zu den aufrechten Steinen von Stennis begeben.«

»Welche Grille, Brenda?« rief Mordaunt, über ihr Verlangen höchlich erstaunt, – »Zeit und Stunde sind zu gefährlich und Eures Vaters Gebot zu strenge, als daß ich Euch ohne seine Einwilligung hinauslassen könnte. Bedenke, liebe Brenda! ich bin Soldat, bin auf dem Posten, und meiner Ordre muß ich gehorchen.«

»Mordaunt,« entgegnete Brenda, »es ist jetzt nicht Zeit zu scherzen, Minnas Verstand, ja ihr Leben hängt davon ab, daß Du uns diese Erlaubnis erteilst.«

»Und in welcher Absicht will sie dorthin?« fragte Mordaunt.

»Sie will sich dort mit Cleveland treffen,« antwortete Brenda kurz und bündig.

»Mit Cleveland?« rief Mordaunt, nach seiner Büchse greifend, »wagt sich der Elende ans Land, so soll er mit einem Kugelregen begrüßt werden.«

»Sein Tod brächte Minna zum Wahnsinn,« entgegnete Brenda, »und auf den, der Minna kränkt, wird Brenda nie mehr mit freundlichen Blicken schauen.«

»Aber es ist ja Tollheit!« rief Mordaunt, – »bedenkt doch Eure Ehre, Eure Pflicht!«

»Nichts kann ich bedenken, als die Gefahr, in der Minna schwebt,« antwortete Brenda, in eine Flut von Tränen ausbrechend; »ihr früherer Zustand ist nichts im Vergleich zu dem, was sie diese Nacht gelitten. In ihrer Hand hält sie seinen Brief, mit flammenden Worten geschrieben, worin er sie um eine letzte Zusammenkunft beschwört, wenn sie anders wünsche, einen sterblichen Körper und eine unsterbliche Seele zu retten, – er bürge für ihre Sicherheit, würde aber unter keiner Bedingung die Küste verlassen, bis er sie noch einmal gesehen. – Du mußt uns hinaus lassen.«

»Unmöglich,« erwiderte Mordaunt in maßloser Verlegenheit, »an Schwüren fehlt's dem Raufbold wohl nie, aber welche Bürgschaft hat er sonst zu bieten? – Ich kann Euch nicht hinauslassen.«

»Ich vermute fast,« entgegnete Brenda vorwurfsvoll, »daß was Norna über Dich und Minna äußerte, auf Wahrheit beruht, und daß Du auf den Elenden zu eifersüchtig bist, um ihm vor seiner Abreise noch eine Zusammenkunft mit Minna zu gestatten.«

»Du bist ungerecht,« sprach Mordaunt, den ihr Argwohn kränkte, ihm aber auch wieder schmeichelte, »Du weißt, daß Minna mir nur als Deine Schwester teuer ist. Sprich, aber aufrichtig, Brenda, wenn ich Euch hinauslasse – traust Du der Versicherung des Piraten?«