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Magnus Troil war über die Rettung seiner Töchter und die Gefangennahme der Feinde so außer sich vor Freude, daß er ganz vergaß, nach den Umständen zu fragen, die seine Kinder in diese neuerliche Gefahr gesetzt hatten, sondern nur Mordaunt innig und wiederholt an sein Herz drückte und bei den Gebeinen des heiligen Magnus schwor, daß, wenn er auch tausend Töchter hätte, ein so mutiger Bursche und treuer Freund die Wahl unter ihnen allen haben solle, möchten die alte Glowrowrum und die ganze Insel schwätzen, was sie wollten.

Eine Szene ganz anderer Art fand unterdes in dem Gemach des unglücklichen Cleveland und seiner Kameraden statt. Cleveland saß am Fenster, den Blick auf die See gerichtet. Jack Bunce begann zu begreifen, daß die Rolle, die er gegen seinen Kapitän gespielt habe, so gut auch die Absicht war, weder gut ausgefallen sei, noch Beifall finden werde; Fletcher dagegen lag, dem Anschein nach in halbem Schlummer, auf einem Rollbett und verzichtete auf jegliche Teilnahme an der Unterredung, die jetzt stattfand.

Aber so sprecht doch mit mir, Cleveland,« begann der reuige Leutnant, »wäre es auch nur, um mich über meine Dummheit zu schelten.«

»Ich bitte Dich, schweig und laß mich in Ruh,« entgegnete Cleveland, »ist's nicht genug, daß Du mich durch Deine Verräterei zu Grunde richtest? willst Du mich auch noch mit Deinem Geschwätz stören? Nie hätte ich geglaubt, Jack, daß Du auch nur einen Finger gegen mich aufheben konntest; Dir traute ich allein von allen Männern und Teufeln in jener Hölle dort.«

»Ich einen Finger gegen Euch aufheben?« sagte Bunce. »Wenn ich es tat, geschah es aus Liebe zu Euch, und um Euch zu dem glücklichsten Kerl zu machen, der je das Verdeck beschritt. Euer Herzliebchen neben Euch und fünfzig rüstige Burschen unter Eurem Befehl! Da, Dick Fletcher könnte bezeugen, daß alles in guter Absicht geschah, wenn er nicht daläge wie ein holländisches Kuff, das auf den Strand gezogen worden, repariert zu werden. Auf, Dick, und führe das Wort für mich! Nun, willst Du nicht?«

»Je nun, Jack Bunce,« antwortete Fletcher mit matter Stimme und erhob sich mit großer Schwierigkeit; »ich möchte Wohl, wenn ich nur könnte – ich weiß, Du sprachst und handeltest immer für das Beste – jetzt aber ist es für mich recht schlimm ausgefallen – denn sieh her, ich verblute mich.«

»Du wirst doch kein solcher Esel sein,« rief Jack Bunce, ihm zu Hilfe eilend, und Cleveland folgte seinem Beispiel, aber menschliche Hilfe kam zu spät, – Fletcher sank auf sein Lager zurück, wandte sein Gesicht ab und verschied, ohne noch einen Seufzer hören zu lassen.

»Ich hielt ihn immer für einen verdammten Narren,« sagte Bunce, aus seinen Augen eine Träne wischend, »aber nicht für einen so ausgemachten Dummkopf, sich so leicht auf die Leimrute locken zu lassen... Nun, mein bester Kamerad ist hin!«

Cleveland sah nieder auf den Toten, dessen rauhe Gesichtszüge von der Todesangst keine Veränderung erlitten... »Ein Bullenbeißer,« sprach er, »von der besten Rasse; besser geraten, hätt's einen bessern Kerl gegeben.«

»Das könnt Ihr auch von andern Leuten sagen,« rief Bunce, »wenn Ihr ihnen sonst Gerechtigkeit widerfahren lassen wollt.«

»Das könnte ich allerdings, und zumal in Bezug auf Dich, entgegnete Cleveland. »Nun, so sprecht: Jack, ich verzeihe Dir,« fuhr Bunce fort, »ein kleines Wort nur ist's, und leicht gesprochen.«

»Ich vergebe Dir von ganzem Herzen,« sagte Cleveland, der wieder seine Stellung am Fenster eingenommen hatte; »um so mehr, da Deine Torheit nur wenig zu sagen hatte, – der Morgen ist gekommen, der uns allen Verderben bringen muß.«

»Wie? gedenkt Ihr etwa noch der Prophezeiung des alten Weibes, von der Ihr spracht?« fragte Bunce.

»Sie wird bald in Erfüllung gehen,« antwortete Cleveland. »Tritt hierher! Wofür hältst Du jenes große, breit aufgetakelte Schiff, das dort im Osten das Vorgebirge umschifft und in die Bai von Stromneß steuert?«

»Ich weiß nicht so recht, was ich davon zu halten habe,« sagte Bunce, »der alte Goffe drüben scheint zu glauben, es sei ein Westindienfahrer mit Rum und Zucker beladen; schaut hin, er kappt, Gott verdamm mich! das Ankertau und macht Jagd darauf.«

»Statt die Untiefen zu suchen, seine einzige Schutzwehr,« fiel Cleveland ein. – »Der Narr, der trunkene Dummkopf! ihm wird heiß genug eingeschenkt werden, denn da drüben ist die Halkyons-Fregatte. – Schau hin, sie zieht die Flagge auf und gibt ihm eine volle Ladung. Bald wird's mit dem Piratenschiff zu Ende sein! – Hoffentlich werden sie es bis auf die letzte Planke verteidigen; der Bootsmann ist ein tüchtiger Kerl, und das ist auch Goffe, wenn auch sonst ein eingefleischter Teufel. – Nun rennen sie auf und davon mit allen Segeln. Das ist vernünftig.«

»Sie ziehen die schwarze Flagge auf, mit dem Totenkopf und Stundenglas. Das zeugt von Mut.«

»Auch unser Stundenglas ist gestellt, Jack, auch unser Sand verrinnt! – Frisch zugefeuert jetzt, ihr rüstigen Burschen; lieber tiefe See und blaue Luft als Strick und Galgen!«

Eine kurze Totenstille trat ein; die Schaluppe, obgleich hart bedrängt, hielt noch immer stand, endlich kamen die beiden Schiffe dicht aneinander, und man sah deutlich, daß das königliche Schiff die Schaluppe entern, nicht aber in den Grund bohren wollte, vermutlich um das geraubte Gut, das sich im Piratenschiff befinden könne, vor Untergang zu retten.

»Jetzt dran, Goffe und Bootsmann!« rief Cleveland, so als ob seine Befehle auf seinem Schiffe hörbar seien ... »jeder Mann an seinen Posten – gebt volle Ladung, so wie ihr unter ihrem Bauche liegt; auf und davon dann, wie eine Wildgans! – Dummköpfe ihr, – die Segel flattern, sie sind aus dem Winde gekommen, und die Mannschaft der Fregatte entert!«

Und so war es; in überwältigender Ueberzahl sah Cleveland die Mannschaft der Fregatte an Bord der Schaluppe springen, sah ihre blanken Säbel in der Sonne blitzen ... da hüllte plötzlich eine dichte schwarze Rauchwolke, die vom Bord des genommenen Schiffes aufstieg, alles in Finsternis.

»Exeunt omnes,« sprach Bunce mit gefalteten Händen.

»Und dahin ist Schiff und Mannschaft!« setzte Cleveland hinzu.

Doch der Rauch verteilte sich, und es trat zu Tage, daß das Werk nur halb vollbracht war, daß Mangel an Pulver das verzweiflungsvolle Unternehmen der Piraten, Schaluppe und Fregatte in die Luft zu sprengen, vereitelt hatte.

Der Kampf war vorüber. Fregatt-Kapitan Weatherport sandte einen Offizier mit ein paar Mann nach Stennis hinüber, die Auslieferung der dort gefangenen Piraten, insonderheit Clevelands und Bunces, des Kapitäns und des Leutnants, fordernd.

Gegen solche Forderung gab es keinen Widerspruch, so sehr auch Magnus Troil vielleicht wünschen mochte, daß das Dach, unter dem er weilte, wenigstens Cleveland eine Freistatt gewährte. Aber der Offizier hatte gemessene Befehle, Kapitän Weatherports Absicht sei, auch die übrigen Gefangenen ans Land zu setzen und sämtlich nach Kirckwall zu transportieren, wo sie von der Zivilobrigkeit, bevor man sie nach London vor das Admiralitätsgericht brächte, verhört werden sollten. Magnus blieb nur übrig, um gute Behandlung für Cleveland zu bitten, was ihm der Offizier versprach. Gern hätte der redliche Udaller Cleveland ein paar trostreiche Worte gesagt, aber er konnte keine Worte finden ....

»Alter Freund,« sagte Cleveland, »Ihr mögt über manches Klage zu führen haben, – aber Ihr habt Mitleid mit mir, statt mir zu grollen; um der Euren und um Euretwillen werde ich keinem menschlichen Wesen mehr ein Leid antun, auch mir nicht! Nehmt meine letzte Hoffnung, meine letzte Versuchung!« – Bei diesen Worten zog er ein Taschenpistol aus seinem Busen und reichte es dem Udaller hin ... »Gedenkt meiner bis – aber nein – vergeßt mich alle! alle! – Ich bin Euer Gefangener, Herr!« sprach er dann, zu dem Offizier gewandt.