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Er blieb mittels Pauline den Bewegungen etlicher Leute auf der Spur, darunter auch die Untersuchungstruppe der UNOMA. Diese Überwachung war nicht allzu streng, da es nicht immer leicht war, den Detektiven zu folgen, besonders Houston, Chang und ihrer Crew, die sich, wie er vermutete, absichtlich aus dem Netz entfernten. Inzwischen gaben die Ankunftslisten der Raumhäfen jeden Monat mehr Beweise dafür, dass Frank recht gehabt hatte, als er sie nur als Spitze des Eisbergs bezeichnet hatte. Eine Menge Leute, besonders solche, die in Burroughs landeten, arbeiteten für UNOMA ohne spezielle Angabe ihres Jobs; und dann verbreiteten sie sich über die Minen und Moholes und andere Siedlungen und begannen, für die örtlichen Sicherheitschefs zu arbeiten. Und die Akten ihrer Tätigkeit auf der Erde waren wirklich sehr interessant.

Oft verließ John am Ende einer Sitzung mit Pauline den Quadranten und ging zu einem Spaziergang nach draußen. Er fühlte sich verwirrt und dachte scharf nach. Die Sicht war viel besser als zuvor. Auf der Oberfläche wurde es etwas klarer, obwohl das rosa Eis immer noch das Gehen erschwerte. Der Große Sturm schien nachzulassen. Die Windgeschwindigkeiten an der Oberfläche lagen nur noch zwei- oder dreimal über dem Durchschnitt von dreißig Stundenkilometern vor dem Sturm, und der Staub in der Luft war manchmal kaum mehr als ein dichter Nebel, der die Sonnenuntergänge zu flammenden pastellfarbenen Wirbeln von Rosa, Gelb, Orange, Rot und Purpur machte, mit gelegentlichen Streifen von Grün oder Türkis, die auftauchten und verschwanden zusammen mit Eisbögen und Nebensonnen und ab und zu leuchtenden Pfeilern aus rein gelbem Licht. Vergängliche und eindrucksvolle Naturerscheinungen. Und wenn John alle die unscharfen Farben und Bewegungen beobachtete, wurde er von seinen Gedanken abgelenkt und stieg auf die große weiße Pyramide, um einen Rundblick zu bekommen. Dann ging er wieder hinein, um den Kampf wieder aufzunehmen.

Eines Abends stieg er nach einer solchen extravaganten Sonnenvorstellung von der Spitze der großen Pyramide herunter und ging langsam nach Underhill zurück. Da erspähte er zwei Gestalten, die aus der Seitentür einer Garage herauskamen und durch eine klare Kriechröhre in einen Rover stiegen. In ihren Bewegungen lag etwas Eiliges und Verstohlenes. Er blieb stehen, um näher hinzuschauen. Sie trugen keine Helme, und er erkannte Houston und Chang an ihren Hinterköpfen und ihrer Körpergröße. Sie kletterten mit trippelnder terrestrischer Unbeholfenheit in den Rover und fuhren auf ihn zu.

John polarisierte seine Gesichtsscheibe und ging weiter. Er bemühte sich, wie jemand auszusehen, der von der Arbeit kommt. Dabei schwenkte er etwas zur Seite, um die Distanz zwischen sich und ihnen zu vergrößern. Der Rover tauchte in eine dichte Staubwolke und verschwand abrupt.

Bis er zu den Schleusentüren gelangte, war er rief in Gedanken und fast in Angst. Er stand bewegungslos an der Tür und dachte darüber nach. Als er sich dann bewegte, war es nicht zur Tür, sondern zu der Interkomkonsole in der Wand dicht bei der Tür. Da waren unter den Lautsprechern diverse Steckdosen, und er zog vorsichtig den Schutzstecker in einer davon heraus und entfernte den Staub an den Rändern — diese Steckdosen wurden nicht mehr gebraucht — und stöpselte dann sein Armbandgerät ein. Er tastete den Code für Pauline ein und wartete, bis die Verschlüsselung und Entschlüsselung durchkamen. »Ja, John?« sagte Paulines Stimme in seinem Helm.

»Pauline, stelle bitte deine Kamera ein und schwenke durch mein Zimmer!«

Pauline befand sich auf dem Seitentisch am Bett und war in die Wand gestöpselt. Ihre Kamera war ein kleines, selten benutztes Gerät mit Faseroptik, das Bild auf dem Armband war klein, und im Zimmer war es dunkel mit nur einem Nachtlicht. Sein gebogenes Visier war noch eine Behinderung, so dass er die Bilder nicht ganz deutlich erkennen konnte. Graue, sich bewegende Gestalten. Da war das Bett und etwas darauf und dann die Wand. »Zehn Grad zurück!« sagte John und blinzelte, um das Bild von zwei Zentimetern im Quadrat zu verstehen. Sein Bett. Auf seinem Bett lag ein Mann. War es wirklich so? Eine Schuhsohle, Rumpf, Haar. Schwer zu sagen. Es bewegte sich nicht. »Pauline, hörst du irgend etwas in dem Zimmer?«

»Die Lüftung, den Strom.«

»Sende mir, was du mit deinem Mikrofon empfängst mit voller Lautstärke!« Er drückte den Kopf nach links mit dem Ohr gegen den Helmlautsprecher. Ein Zischen, statisches Rauschen. Bei diesem Prozess gab es zu viel Übertragungsfehler, besonders wenn man die korrodierten Steckdosen benutzte. Aber bestimmt hörte er kein Atmen. »Pauline, kannst du in das Monitorsystem von Underhill hineingehen, die Kamera für die Tür unseres Gewölbes bekommen und ihr Bild auf mein Handgelenk legen, bitte?«

Er hatte erst vor ein paar Jahren selbst die Installation des Sicherheitssystems von Underhill geleitet. Pauline hatte noch alle Pläne und Codes, und sie brauchte nicht lange, um auf seinem Handgelenk das Bild der Außenseite seines Zimmers von oben gesehen erscheinen zu lassen. Das Licht in der Suite war an, und in den Kameraschwenks konnte er sehen, dass seine Tür geschlossen war. Das war alles.

Er ließ die Hand zur Seite fallen und dachte nach. Es vergingen fünf Minuten, bis er sie wieder hob und anfing, über Pauline dem Sicherheitssystem von Underhill Anweisungen zu geben. Der Besitz des Codes erlaubte ihm, das ganze Kamerasystem anzuweisen, seine Überwachungsbänder zu löschen und dann auf eine einstündige Schleife anstelle der üblichen acht Stunden zu schalten. Danach wies er zwei Reinigungsroboter an, zu seinem Zimmer zu kommen und die Tür zu öffnen. Während sie das taten, stand er zitternd da und wartete, dass sie langsam durch die Gewölbe rollen würden. Als sie seine Tür öffneten, erblickte er sie durch das kleine Auge von Pauline. Licht ergoss sich in den Raum, flammte auf und wurde dann angepasst, so dass er viel deutlicher sehen konnte. Ja, es lag ein Mann auf seinem Bett. Johns Atem wurde flach. Er bediente die Roboter mit den winzigen Knöpfen auf seinem Handapparat. Das war eine heikle Prozedur, aber wenn der Mann beim Hochgehobenwerden aufwachte, um so besser.

Er tat es nicht. Der Mann rollte auf beide Seiten der ihn umfangenden Arme der Roboter herunter, die ihn mit ihrer algorithmischen Zartheit emporhoben. Ein herunterhängender Körper. Der Mann war tot.

John holte tief Luft, hielt den Atem an und fuhr mit der Fernmanipulation fort. Er ließ den ersten Roboter die Leiche in den großen Müllbehälter des zweiten legen. Die Roboter dann wieder in ihr Magazingewölbe zu schicken, war einfach.

Während sie dahinrollten, kamen mehrere Leute an ihnen vorbei, aber das ließ sich nicht ändern. Der Leichnam war nur von oben sichtbar, und er hoffte, dass sich niemand später an die Roboter erinnern würde.

Als er sie in ihrem Magazinraum antraf, zögerte er. Sollte er die Leiche zu den Einäscherungsöfen im Alchemistenviertel bringen? Aber nein. Jetzt, da sie sich nicht mehr in seinem Zimmer befand, brauchte er sich ihrer nicht zu entledigen. Das würde erst später nötig werden. Zunächst fragte er sich, wer es war. Er steuerte den ersten Roboter so, dass er sein ausfahrbares Auge auf das rechte Handgelenk der Leiche richtete und es mit seinem magnetischen Bildgerät ablesen sollte. Es dauerte lange, bis das Auge die richtige Stelle fand. Das winzige Schild, das ein jeder auf einem Handknochen implantiert trug, enthielt Information in der Standard-Punktsprache; und Pauline brauchte nur eine Minute, um eine Identifikation zu bekommen. Hashika Mui, UNOMA-Revisor, angekommen 2050.

Eine wirkliche Person. Ein Mann, der tausend Jahre hätte leben können.

John begann zu zittern. Er lehnte sich gegen die glasierte blaue Backsteinwand von Underhill. Es würde eine Stunde dauern, bis er hineingehen könnte, oder etwas weniger. Ungeduldig stieß er sich ab und ging um das Quadrat herum. Das erforderte gewöhnlich fünfzehn Minuten, aber jetzt Schafte er es in zehn. Nach der zweiten Runde ging er zum Anhängerpark hinüber.