Выбрать главу

Dort waren nur noch zwei der alten Trailer da, und die waren offenbar aufgegeben oder nur für Lagerzwecke benutzt worden. Aus dem nächtlichen Staub zwischen ihnen tauchten Gestalten auf, und eine Sekunde lang war er erschrocken, aber sie gingen vorbei.

Er kehrte zu dem Quadrat zurück und machte wieder einen Rundgang. Dann ging er im Freien zum Alchemistenquartier. Er stand da, betrachtete den antiquierten Komplex aus Rohren und Anlagen und flachen weißen Gebäuden, die alle mit ihren schwarzen kalligraphischen Gleichungen beschriftet waren. Er dachte an ihre ersten Jahre. Und jetzt war es wie mit einem Wimpernschlag so weit gekommen. In der Düsternis des Großen Sturms. Zivilisation, Korruption, Krise. Er knirschte mit den Zähnen.

Eine Stunde war vergangen, es war neun Uhr abends. Er ging zur Schleuse zurück und hinein, entledigte sich im Umkleideraum von Helm, Schutzanzug und Stiefeln, zog sich aus, ging in die Dusche. Nach dem Duschen trocknete er sich ab, zog einen Pullover an und kämmte sich. Er holte tief Luft und ging um die Südseite des Quadrats und nach oben durch die Gewölbe zu dem mit seinem Zimmer. Als er die Tür öffnete, war er nicht überrascht, wie er vier UNOMA-Detektive auftauchen sah. Aber er versuchte, erstaunt zu tun, als sie ihn aufforderten, stehen zu bleiben. Er sagte: »Was ist los?«

Es war weder Houston noch Chang, sondern drei Männer und eine der Frauen, die bei der ersten Gruppe in Low Point gewesen waren. Die Männer drängten sich an seine Seiten, ohne zu antworten, zogen die Tür ganz auf, und zwei von ihnen gingen hinein. John beherrschte den Drang, sie anzustoßen oder anzubrüllen oder über ihre Mienen zu lachen, als sie sahen, dass sein Zimmer leer war. Er starrte sie nur neugierig an und versuchte, sich darauf zu beschränken, wie ärgerlich er sich gezeigt haben würde, wenn er nicht gewusst hätte, was los war. Dieser Ärger wäre natürlich erheblich gewesen; und als die Tür geöffnet wurde, musste er sich wirklich sehr zusammennehmen, um seine Wut auf dem Niveau eines Arglosen zu halten. Sie mussten angefahren werden, als ob sie übereifrige Polizisten wären, und sollten nicht als mörderische Funktionäre attackiert werden.

Bei ihrer Verwirrung über die unerwartete Situation gelang es ihm, sie mit ein paar bissigen Sätzen zu verscheuchen. Und als er die Tür hinter ihnen geschlossen hatte, trat er mitten ins Zimmer. »Pauline, nimm bitte auf, was sich im Sicherheitssystem abspielt, und zeichne es auf! Zeig mir, welche Kameras auch immer sie haben.«

Also verfolgte Pauline sie. Sie brauchten nur ein paar Minuten, um in den Sicherheitskontrollraum zu gelangen, wo sie auf Chang und andere trafen. Sie holten die Kamerakassetten. John saß vor Paulines Bildschirm und sah mit ihnen zu, wie sie die Spulen zurücklaufen ließen und merkten, dass sie nur eine Stunde lang waren und die Ereignisse des Nachmittags gelöscht waren. Das würde ihnen einiges zu denken geben. Er lächelte grimmig und sagte Pauline, sie solle sich aus dem System zurückziehen.

Eine Welle von Erschöpfung überkam ihn. Es war erst elf Uhr, aber alles Adrenalin und die morgendliche Dosis Omegendorph waren verflogen, und er war müde. Er setzte sich auf sein Bett, erinnerte sich dann aber daran, was zuletzt dort gewesen war, und stand auf. Schließlich schlief er auf dem Fußboden.

Während des Zeitrutsches wurde er von Spencer Jackson geweckt mit der Nachricht, dass man in einem Roboterbehälter eine Leiche gefunden hätte. Er ging hin, stand schlapp neben Spencer in der Klinik und starrte auf den Leichnam von Yashika Mui, während einige Detektive ihn müde beäugten. Die diagnostische Maschine war bei einer Autopsie so gut wie jede andere, vielleicht sogar besser. Musterproben zeigten ein Blutgerinnungsmittel an. John ordnete finster eine volle Kriminal-Autopsie an. Körper und Kleider von Mui mussten untersucht und alle mikroskopischen Partikel gegenüber seinem Genom und alle Fremdpartikel überprüft werden im Vergleich mit der Liste von Leuten, die derzeit in Underhill waren. John sah die UNOMA-Detektive scharf an, als er diese Anweisung gab; aber sie zuckten nicht mit der Wimper. Wahrscheinlich hatten sie Handschuhe und Schutzanzüge getragen, oder das ganze Ding mit Fernbedienung erledigt wie er selbst. Er musste sich abwenden, um seine Enttäuschung zu verbergen. Er konnte nicht ausplaudern, dass er Bescheid wusste.

Aber dann wussten sie natürlich, dass er die Leiche dorthin geschafft hatte. Also mussten sie argwöhnen, dass er es war, der sie entfernt und die Kamerabänder gelöscht hatte. Aber sie konnten nicht sicher sein, und es gab keinen Grund, etwas aufzugeben.

Eine Stunde später ging er wieder in sein Zimmer und legte sich wieder auf den Boden. Obwohl er noch erschöpft war, konnte er nicht mehr schlafen. Er starrte an die Decke und dachte nach. Über alles, was er erfahren hatte.

Kurz vor der Morgendämmerung hatte er den Eindruck, klargekommen zu sein. Er gab es auf zu schlafen und stand auf, um wieder spazieren zu gehen. Er musste im Freien sein, weg von der Welt der Menschen und all ihrer widerlichen Korruption, hinaus in den großen Windesrausch, der durch den fliegenden Staub des Sturms so dramatisch zum Ausdruck kam.

Aber als er aus der Tür der Schleuse trat, waren über seinem Kopf Sterne. Ihre ganze Fülle, alle Tausende brannten wie einst, ohne das leichteste Flimmern oder Zittern. Die schwachen waren so dicht, dass sogar der schwarze Himmel einen weißen Schimmer hatte, als ob der ganze Himmel die Milchstraße wäre.

Als er sich von seiner Verwunderung und dem fast vergessenen Wunder der Sterne erholt hatte, stellte er in seinem Interkom die Nachrichten ein.

Sie lösten ein Pandämonium aus. Leute hörten sie, weckten ihre Freunde und rasten in den Umkleideraum, um einen Schutzanzug zu erwischen, ehe der Vorrat erschöpft war. Und die Schleusentüren spieen unentwegt Volksmengen aus.

Der Himmel im Osten wurde dunkelrot und dann rasch heller. Der ganze Himmel nahm eine dunkelrosa Tönung an und fing dann an zu glühen. Die Sterne verschwanden zu Hunderten, bis nur noch Venus und Erde im Osten schwebten vor einer ständig zunehmenden Helligkeit. Der Himmel im Osten leuchtete noch stärker, als man am Tage glaubte erwarten zu können. Sogar hinter den Gesichtsscheiben tränten die Augen, und manche Leute schrien über die allgemeine Frequenz laut bei dem Anblick. Gestalten torkelten herum, das Interkom plapperte, und der Himmel wurde unmöglicherweise immer noch heller, bis er bersten zu wollen schien. Er pulsierte in leuchtend rosigem Licht. Die Punkte, welche Venus und Erde darstellten, gingen darin unter. Und dann brach die Sonne über den Horizont und schoss über die Ebene wie eine thermonukleare Bombe. Die Menschen brüllten, sprangen auf und ab und rannten zwischen die schwarzen Schatten der Felsen und Gebäude. Alle nach Osten gerichteten Wände wurden große Flächen von fahlgelber Farbe, deren glasierte Mosaiken kaum direkt anzusehen waren. Die Luft war klar wie Glas und schien eine feste Substanz zu sein, die die in ihr befindlichen Dinge messerscharf deutlich erscheinen ließ.

John ging von den Volksmengen fort ostwärts in Richtung Tschernobyl. Er stellte sein Interkom ab. Der Himmel war dunkler rot, als er sich erinnerte, mit einem Hauch von Purpur im Zenith. Alle Leute in Underhill wurden verrückt. Viele dort hatten noch nie den Sonnenschein auf dem Mars gesehen, und ohne Zweifel hatten sie den Eindruck, ihr ganzes Leben im Großen Sturm verbracht zu haben. Jetzt war er vorbei, und sie spazierten draußen im Sonnenschein, trunken davon. Sie rutschten auf rosa Eis nach links und rechts, veranstalteten Schlachten mit gelben Schneebällen und erstiegen die überfrorenen Pyramiden. Als John das sah, machte er kehrt und ging die Stufen der letzten Pyramide selbst hinauf, um einen Blick auf die Hügel und Täler um Underhill zu werfen. Die waren etwas von Reif und Treibsand bedeckt, aber sonst unverändert. Er schaltete die allgemeine Frequenz ein, schaltete sie aber wieder aus. Die Menschen darin schrien immer noch nach Schutzanzügen, und niemand draußen beachtete sie. Seit Sonnenaufgang war eine Stunde vergangen, schrie jemand, obwohl das John schwer glaublich erschien. Er schüttelte den Kopf. Die krächzenden Stimmen und die Erinnerung an die Leiche auf seinem Bett machten es ihm schwer, viel Freude am Ende des Sturms zu haben.