So drängten sie sich durcheinander, schauten auf die Leute in den Zelten weiter unten und dahinter auf den bunt orangefarbenen Teppich des Planeten. Und die Konversation ging in raschen chaotischen Wellen hierhin und dorthin und erzeugte Überlagerungseffekte, so dass manchmal alle zugleich still waren und beisammen standen, verwundert, betäubt oder wie Delphine grinsend. In den Zelten unten schauten die Leute gelegentlich durch die Plastikbögen zu ihnen herauf, um einen Blick auf ein so historisches Treffen zu erhaschen.
Schließlich setzten sie sich in unordentlich herumstehende Stühle und reichten Käse, Kekse und Flaschen mit Rotwein herum. John lehnte sich zurück und schaute sich um. Arkady hatte einen Arm über Mayas Schultern gelegt, den anderen über die Nadias, und alle drei lachten über etwas, das Maya gesagt hatte. Sax zwinkerte vergnügt wie eine Eule, und Hiroko strahlte. John hatte in den früheren Jahren nie diesen Gesichtsausdruck bei ihr gesehen. Es war ein Jammer, eine solche Stimmung zu stören, aber es würde nie wieder eine gute Gelegenheit geben, und die Stimmung würde zurückkehren. Also sagte er in einem stillem Moment laut und deutlich zu Sax: »Ich kann dir sagen, wer hinter der Sabotage steckt.«
Sax zwinkerte: »Kannst du das?«
»Ja.« Er sah Hiroko ins Auge. »Hiroko, es sind deine Leute.«
Das ernüchterte sie, obwohl sie immer noch lächelte. Aber es war das zurückhaltende private Lächeln von einst. »Nein, nein«, sagte sie sanft und schüttelte den Kopf. »Du weißt, dass ich das nicht tun würde.«
»Das habe ich auch nicht gemeint. Aber deine Leute tun es ohne dein Wissen. Praktisch deine Kinder. Arbeiten mit dem Cojoten zusammen.«
Ihre Augen verengten sich, und sie warf einen raschen Blick auf die Zelte unter ihnen.
Als sie John wieder anblickte, fuhr er fort: »Du hast sie erzeugt, nicht wahr? Einen Haufen deiner Eier befruchtet und sie in vitro wachsen lassen?«
Nach einer Pause nickte sie.
»Hiroko!« sagte Ann. »Du hast keine Ahnung, wie gut dieses ektogene Verfahren funktioniert!«
»Wir haben es ausprobiert«, sagte Hiroko. »Die Kleinen sind sehr gut geraten.«
Jetzt schwieg die ganze Gruppe und beobachtete Hiroko und John. Der sagte: »Mag sein, aber manche von ihnen teilen nicht deine Gedanken. Sie handeln eigenmächtig, wie Kinder nun einmal sind. Sie haben Eckzähne aus Stein, oder stimmt das nicht?«
Hiroko rümpfte die Nase. »Es sind Kronen. Eher eine Mischung als echter Stein. Eine alberne Mode.«
»Und eine Art Abzeichen. Und draußen auf der Oberfläche gibt es Leute, die das aufgegriffen haben, Leute, die mit deinen Kindern in Kontakt stehen und ihnen bei den Sabotagen helfen. Ich bin von einigen fast getötet worden in Senzeni Na. Mein Führer dort hatte einen steinernen Eckzahn, obwohl es lange dauerte, bis ich mich daran erinnerte, wo ich das gesehen hatte. Ich nehme an, es war ein Zufall, dass wir beide gleichzeitig da unten waren, als der Wagen herunterfiel. Ich hatte ihnen nicht angekündigt, dass ich zu Besuch kommen würde, und so nehme ich an, die ganze Sache war geplant, ehe ich hinkam, und sie wussten nicht, wie man sie aufhalten konnte. Okakura ist wahrscheinlich in das Loch hinabgestiegen in dem Glauben, dass er wie ein Käfer zerquetscht würde um der Sache willen.«
Eine neue Pause. Hiroko sagte: »Bist du sicher?« »Ich bin mir recht sicher. Es war lange verwirrend, weil es ihnen nicht ganz ähnlich sieht. Es läuft mehr als ein Ding. Aber als ich den ersten steinernen Zahn gesehen hatte, wurde es mir klar; und ich stellte fest, dass eine ganze Schiffsladung mit zahnärztlichem Gerät damals 2044 von der Erde leer angekommen war. Ein ganzer Frachter ausgeraubt. Das brachte mich auf den Gedanken, einer Sache auf der Spur zu sein. Und dann geschahen die Sabotagen an Orten und zu Zeiten, wo niemand, der im Netz war, es hätte tun können. Wie damals, als ich Mary bei dem Wasserlager von Margaritifer besuchte, und das Quellengebäude explodierte. Es war klar, dass es niemand gewesen sein konnte, der dort stationiert war. Das war einfach unmöglich. Aber es ist eine sehr isolierte Station, und zu jener Zeit war sonst niemand in der Nähe. Also musste es jemand außerhalb des Netzes gewesen sein. Und so habe ich an dich gedacht.«
Er zuckte entschuldigend die Achseln. »Wenn du es nachprüfst, wirst du feststellen, dass ungefähr die Hälfte der Sabotagen einfach nicht von jemandem im Netz ausgeführt sein konnte. Und bei der anderen Hälfte wurde gewöhnlich jemand mit einem Steinzahn in der Gegend bemerkt. Das ist inzwischen eine recht weit verbreitete Mode, aber ich dachte immer noch, dass du es warst. Und ich hatte meine KI eine Analyse machen lassen, die zeigte, dass etwa zwei Drittel der Fälle in der unteren südlichen Hemisphäre passiert sind, dies oder innerhalb eines Kreises von dreitausend Kilometern mit dem chaotischen Terrain am Ostende von Marineris als Zentrum. Das ist ein Kreis, der eine Menge Siedlungen enthält; aber selbst in diesem Fall schien mir, dass das Chaos ein logischer Platz wäre, wo sich die Saboteure verstecken könnten. Und wir haben alle seit Jahren herausgefunden, dass es dort war, wohin ihr gegangen seid, als ihr Underhill verließet.«
Hirokos Gesicht ließ nichts erkennen. Endlich sagte sie: »Ich werde dem nachgehen.«
»Gut.«
Sax sagte: »John, du sagtest, dass mehr als ein Ding im Gange wäre?«
John nickte. »Siehst du, es ist nicht bloß Sabotage gewesen. Jemand hat versucht, mich zu töten.«
Sax zwinkerte, und die anderen machten ein schockiertes Gesicht. John sagte: »Zuerst dachte ich, es wären die Saboteure, die versuchten, meine Nachforschungen zu verhindern. Das ergab Sinn, und der erste Vorfall war wirklich ein Sabotageakt, so dass man leicht verwirrt werden konnte. Aber jetzt bin ich recht sicher, dass es damals ein Irrtum gewesen war. Die Saboteure waren nicht daran interessiert, mich zu töten. Das hätten sie tun können, machten es aber nicht.
Eines Nachts hat mich eine Gruppe von ihnen aufgehalten, einschließlich deines Sohnes Kasei, Hiroko, und des Cojoten, von dem ich annehme, dass er derselbe blinde Passagier ist, den du auf der Ares versteckt hattest …«
Das verursachte einen Aufruhr. Offenbar hatte eine Anzahl von ihnen Verdacht hinsichtlich eines blinden Passagiers gehabt. Und Maya sprang auf, deutete mit einer dramatischen Geste auf Hiroko und schrie laut. John brüllte sie alle nieder und drängte weiter. »Ihr Besuch war der beste Beweis meiner Theorie über die Sabotagen, weil es mir gelang, einige Hautzellen von einem von ihnen zu bekommen. Und ich konnte seine DNA lesen und mit anderen Proben vergleichen lassen, die an einigen Sabotagestellen gefunden wurden. Und diese Person war dort gewesen. Also waren sie die Saboteure, versuchten aber offenbar nicht, mich zu töten. Aber in einer Nacht in Hellas Low Point wurde ich umgeworfen und mein Schutzanzug aufgeschnitten.«
Er nickte zu den Ausrufen seiner Freunde. »Das war die erste geplante Attacke auf mich; und sie kam ziemlich bald, nachdem ich zu Pavonis gegangen war und mit Phyllis und einer Gruppe transnationaler Typen über Internationalisierung des Aufzugs und so weiter gesprochen hatte.«
Arkady lachte ihn an, aber John ignorierte ihn und fuhr fort: »Danach wurde ich mehrfach durch UNOMA-Detektive belästigt, denen Helmut gestattet hatte herzukommen. Das geschah auf Druck seitens einiger Transnationaler. Und ich fand tatsächlich heraus, dass die meisten dieser Leute für Armscor oder Subarashii auf der Erde gearbeitet hatten und nicht für das FBI, wie sie mir erzählten. Das sind die Transnationalen, die am meisten mit dem Aufzugsprojekt und der Ausbeutung der Großen Böschung zu tun haben. Und jetzt haben sie ihre eigenen Sicherheitsleute überall eingesetzt und dieses mobile Team von so genannten Detektiven. Und dann, kurz vor dem Ende des Großen Sturms, haben einige dieser Detektive versucht, mich des Mordes anklagen zu lassen, der in Underhill passiert ist. Jawohl, das haben sie versucht! Das hat nicht geklappt, und ich kann absolut beweisen, dass sie es waren, und ich habe zwei von ihnen an dem Plan arbeiten sehen. Und ich denke, dass sie auch diesen Mann getötet haben, nur um mich in Schwierigkeiten zu bringen. Um mich aus dem Wege zu schaffen.«