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Wieder die Vorstellung des Geschenkes. John machte eine Pause, um nachzudenken. Endlich sagte er: »Gut. Ich denke, wir werden darüber noch lange reden müssen.«

Dämmerung hatte die Atmosphäre unter ihnen zu einem schwarz-purpurnen Band gemacht, das wie eine samtene Kante um die schwarze, von Sternen getüpfelte Schüssel lief, die über ihren Köpfen erschienen war. In den Zelten unten sangen sie, angeführt von den Sufis: »Harmakhis, Mangala, Nirgal, Auqakuh; Harmakhis, Mangala, Nirgal, Auqakuh«, immer wieder, und von Zeit zu Zeit fügten sie Ziernoten hinzu, die andere Namen für Mars waren. Sie ermutigten die dort schon anwesenden Bands, Instrumentalbegleitungen aller Art hinzuzufügen, bis jedes Zelt von diesem Gesang erfüllt war und alle zusammen sangen. Dann begannen die Sufis ihren Drehtanz, und kleine Gruppen von Tänzern wirbelten durch die Mengen.

»Wirst du wenigstens mit mir in Kontakt bleiben?« sagte John eindringlich zu Hiroko. »Wirst du mir das zusichern?«

»Ja.«

Sie begaben sich wieder in das obere Zelt, und die Gruppe ging gemeinsam nach unten zu der allgemeinen Party. John näherte sich langsam den Sufis und versuchte die Drehungen, die er von ihnen auf ihrer Mesa gelernt hatte. Das Volk jubelte und erwischte ihn, wenn er außer Kontrolle in die Zuschauer wirbelte. Nach einem Fall half ihm der schmalgesichtige Mann mit Haarborsten, der den mitternächtlichen Besuch seines Rovers angeführt hatte. »Cojote!« rief John.

»Das bin ich«, sagte der Mann, und seine Stimme ließ John einen Schauer von Elektrizität den Rücken hinunterrieseln. »Aber kein Grund zur Besorgnis.«

Er bot John eine Flasche an. Nach kurzem Zögern nahm John sie und trank. Das Glück ist mit dem Kühnen, dachte er. Anscheinend Tequila. »Du bist der Cojote!« brüllte er über die Musik der Magnesiumtrommelband.

Der Mann grinste breit und nickte einmal, nahm die Flasche zurück und trank.

»Ist Kasei bei euch?«

»Nein. Er mag diesen Meteoriten nicht.« Und dann entfernte sich der Mann mit einem freundlichen Klaps auf den Arm in die wirbelnde Menge. Er blickte noch über die Schulter zurück und rief: »Viel Vergnügen!«

John sah ihn unter den Gesichtern in der Menge verschwinden und fühlte die Tequila in seinem Magen brennen. Die Sufis, Hiroko, jetzt Cojote. Das war ein gesegnetes Zusammentreffen. Er erblickte Maya, lief zu ihr hinüber und legte einen Arm um ihre Schulter.

Dann gingen sie durch die Zelte und die Verbindungstunnels, und die Leute toasteten ihnen zu, wenn sie vorbeikamen. Die halbstarren Fußböden der Zelte hüpften leicht auf und ab.

Der Countdown erreichte zwei Minuten, und viele Leute stiegen zu den oberen Zelten empor und drückten sich dann gegen die klaren Wände der nach Süden gerichteten Bögen. Der Eis-Asteroid würde wahrscheinlich in einem einzigen Umlauf verglühen, weil seine Injektionsbahn so steil war. Ein Objekt, ein Viertel so groß wie Phobos, verbrannte zu Dampf und dann, wenn es heißer wurde, zu Molekülen von Sauerstoff und Wasserstoff. Und all das in Minuten. Niemand konnte sicher sein, wie es aussehen würde.

So standen sie nun da. Manche sangen noch die Melodie der Namen. Immer mehr stimmten in das Ende des Countdowns ein. Als sie bei den letzten zehn Sekunden waren, brüllten sie die rückläufige Zahlenfolge aus Leibeskräften. Dann kam »Null!« und während dreier atemloser Sekunden geschah nichts. Dann schoss eine weiße Kugel mit einer Schleppe aus weißem Feuer über dem Südwesthonzont empor, so groß wie der Komet im Teppich von Bayeux und heller als alle Monde, Spiegel und Sterne zusammengenommen. Brennendes Eis blutete über den Himmel, weiß auf schwarz, schnell und niedrig vorbeirasend, so niedrig, dass es nicht viel höher war, als sie sich auf Olympus befanden, so niedrig, dass sie sehen konnten, wie weiße Brocken durch den Schweif zurückbrachen und wie riesige Funken abfielen. Dann brach das Ding halbwegs über dem Himmel in Stücke, und die ganze Sammlung glühender Blitze taumelte nach Osten und zerstreute sich wie Schrot. Mit einemmal erzitterten alle Sterne. Das war der erste akustische Knall, der die Zelte traf und schüttelte. Ein zweiter Knall folgte, und die Phosphorstücke hüpften wild für einen Moment, als sie vom Himmel heruntertorkelten und über dem Südosthorizont verschwanden. Ihre Feuerdrachenschwänze folgten ihnen in den Mars hinein und verschwanden auch. Plötzlich war es wieder dunkel, und der gewöhnliche Nachthimmel stand über ihnen, als wäre nichts geschehen. Nur dass die Sterne flimmerten.

Nach all dieser Erwartung hatte die Passage nicht länger als drei oder vier Minuten gedauert. Die Festgäste waren bei dem Anblick zumeist still geworden, aber viele hatten unwillkürlich beim Anblick des Auseinanderbrechens geschrien wie bei einem Feuerwerk. Und dann wieder beim Eintreffen der beiden großen Knalle. Jetzt in der alten Dunkelheit war die Stille vollständig, und die Leute standen ruhig da. Was konnte man nach so etwas auch tun?

Aber da war Hiroko, die sich ihren Weg durch die Zelte bahnte bis zu dem, wo John und Maya und Nadia und Arkady beisammenstanden. Unterwegs rezitierte sie in einem Ton, der ruhig war, aber durch jedes Zelt hallte, das sie passierte: »Al-Qahira, Ares, Auqakuh, Bahram. Harmakhis, Hrad, Huo Hsing, Kasei. Ma’adim, Maja, Mamers, Mangala, Mawrth, Nirgal, Shalbatanu, Simud und Tiu.« Sie ging durch die Menge direkt zu John, und vor ihm ergriff sie seine Rechte, zog sie hoch und rief plötzlich: »John Boone! John Boone!«

Und dann jubelten alle und schrien: »Boone! Boone! Boone!« Und andere riefen: »Mars! Mars! Mars!«

Johns Gesicht erglühte wie vorhin der Meteorit, und er fühlte sich benommen, als ob ihm ein Stück davon auf den Kopf gefallen wäre. Seine alten Freunde lachten ihn an, und Arkady schrie: »Reden!« mit dem, was er für einen amerikanischen Akzent hielt: »Spiitsch, spiitsch!«

Andere nahmen das auf, und nach einiger Zeit ebbte der Lärm ab, und sie sahen ihn erwartungsvoll an. Beim Anblick seiner erstaunten Miene wurden sie von Lachen erfasst. Hiroko ließ seine Hand los, und er hob auch die andere Hand hilflos hoch und streckte beide offenen Handflächen über den Kopf.

Er rief: »Freunde, was kann ich sagen? Das ist das Ding an sich. Dafür gibt es keine Worte. Worte dafür müssen erst noch gefunden werden.«

Aber sein Blut war von Adrenalin aufgeputscht, von Tequila, Omegendorph und Glück; und ohne es zu wollen, strömten aus ihm die Worte wie schon so oft. Er sagte; »Schaut, hier sind wir auf dem Mars!« (Gelächter.) »Das ist unsere Gabe, und es ist eine große Gabe, der Grund, weshalb wir alle unser Leben dafür geben müssen, dass der Zyklus weitergeht. Es ist wie bei der Öko-Ökonomie, wo das, was man von dem System nimmt, ausgeglichen werden muss durch das, was man ihm gibt. Balanciert oder übertroffen, um jenen anti-entropischen Aufschwung zu geben, der alles kreative Leben kennzeichnet und besonders diesen Schritt auf eine neue Welt, diesen Ort, der weder Natur noch Kultur ist, die Umwandlung eines Planeten in eine Welt und dann in eine Heimat. Wir wissen jetzt alle, dass unterschiedliche Leute unterschiedliche Gründe dafür haben, dass sie hier sind; und ebenso wichtig ist, dass die Leute, die uns geschickt haben, unterschiedliche Gründe dafür hatten; und jetzt beginnen wir, die durch solche Differenzen verursachten Konflikte zu sehen. Am Horizont brauen sich Stürme zusammen, gefährliche Meteore fliegen heran, und manche von ihnen werden uns voll treffen, anstatt uns über die Köpfe zu streifen, wie diese weiße Glut es eben gerade getan hat.« (Beifall.) »Es kann schlimm kommen, bisweilen wird es fast sicher schlimm ausgehen. Darum müssen wir bedenken, dass so, wie diese Meteortreffer die Atmosphäre bereichern, sie verdichten und Sauerstoff als Elixier in die Giftbrühe außerhalb unserer Zelte tun, die herabkommenden menschlichen Konflikte ebenso wirken könnten, indem sie den Permafrost an unserer sozialen Basis schmelzen, alle diese erstarrten Institutionen wegtauen und uns der Notwendigkeit der Kreativität aussetzt, dem Imperativ, eine neue soziale Ordnung zu erfinden, die rein marsianisch ist, so marsianisch wie Hiroko Ai, unsere Persephone, die jetzt aus dem Regolith zurückgekehrt ist, um den Beginn dieses neuen Frühlings zu verkünden!« (Hochrufe.)