Aber der Große Mann reckte seinen Hintern, und da war das Elysium-Massiv, gleich rechts davon, heiß und dampfend. »Tu dein Äußerstes!« schlug der Große Mann vor. »Schleudere mich fort!« Und so packte ihn John Bunyan am Zeh, schwang seine ganze Körpermasse herum und ließ ihn so hart auf den Nordpol prallen, dass bis heute die ganze nördliche Hemisphäre eine Depression hat. Aber ohne auch nur aufzustehen, packte der Große Mann Paul am Fußgelenk, hob ihn mitsamt seinem blauen Ochsen in derselben Faust hoch und schleuderte sie beide direkt durch den Planeten hindurch und auf der anderen Seite fast wieder hinaus. Und das ist die Tharsis-Beule. Paul Bunyan ragt fast heraus — Ascraeus ist sein Zinken, Pavonis sein Steifer, und Arsia sind seine großen Zehen. Und Babe ist nebenan. Er hat Olympus Mons hochgedrückt. Der Stoß hat Babe und Paul Bunyan beide getötet. Und danach musste Paul sich geschlagen geben.
Aber seine eigenen Bakterien haben ihn natürlich gefressen und sind alle hinab auf das Urgestein und unier den Megaregolith überall hin gekrochen. Sie haben die Wärme des Mantels aufgesogen, die Sulfide verspeist und den Permafrost geschmolzen. Und jedes Mal, wenn sie da hinunterkamen, sagte jedes dieser kleinen Bakterien: »He! Ich bin Bunyan!«
Es ist eine Sache des Willens, sagte Frank Chalmers zu seinem Gesicht im Spiegel. Diese Phrase war der einzige Rest eines Traums, unter dem er aufgewacht war. Er rasierte sich mit raschen, entschlossenen Strichen. Er fühlte sich angespannt, voller Energie, die losgelassen werden wollte, bereit, an die Arbeit zu gehen. Noch ein Rest: Jeder, der will, gewinnt am meisten!
Er duschte, zog sich an, und trabte in den Speisesaal. Es war früh am Morgen. Die Sonne überflutete Isidis mit horizontalen Strahlen aus rotbronzenem Licht, und hoch am Osthimmel sahen Cirruswolken aus wie Kupferspäne.
Rashid Niazi, der syrische Repräsentant der Konferenz, kam vorbei und grüßte Chalmers mit einem kühlen Kopfnicken. Frank erwiderte es und ging weiter. Wegen Selim el-Hayil war der Ahad-Flügel der Muslimischen Bruderschaft für die Ermordung von Boone verantwortlich gemacht worden; und Chalmers hatte sie immer schnell und öffentlich vor all solchen Anschuldigungen verteidigt. Selim wäre ein Einzeltäter gewesen, wie er immer versicherte, ein wahnsinniger Mörder und Selbstmörder. Das unterstrich die Schuld der Ahads, forderte aber zugleich ihre Dankbarkeit heraus. Natürlich war Niazi, ein Anführer der Ahads, etwas frustriert.
Man kam in den Speisesaal, und Frank begrüßte sie herzlich. Er verbarg automatisch das Unbehagen, das er immer in ihrer Gegenwart empfand.
»Darf ich mich zu dir setzen?« fragte sie und sah ihn an.
»Natürlich.«
Maya pflegte vorauszuschauen, Frank konzentrierte sich auf den Augenblick. Sie plauderten. Das Thema des Vertrags kam auf, und Frank sagte: »Ich wünsche sehr, John wäre jetzt hier. Wir könnten ihn so nötig brauchen.« Und dann: »Er fehlt mir.«
Das lenkte Maya sofort ab. Sie legte ihre Hand über seine. Frank fühlte es kaum. Sie lächelte und hatte ihren fesselnden Blick voll auf ihn gerichtet. Er musste, ohne es zu wollen, wegschauen.
Die Fernsehwand zeigte den neuesten von der Erde hochgeschickten Block. Frank drückte auf die Tischkonsole und drehte den Ton auf. Die Erde war in einem üblen Zustand. Das Video zeigte einen massiven Protestmarsch in Manhattan. Die ganze Insel war gedrängt voll von einer Menge, die die Demonstranten auf zehn Millionen und die Polizei auf fünfhunderttausend bezifferte. Die Bilder vom Helikopter waren recht eindrucksvoll, aber es gab in diesen Tagen eine Menge Plätze, die, obwohl weniger spektakulär, viel gefährlicher waren. Bei den fortgeschrittenen Nationen marschierten die Leute gegen drakonische Gesetze für Geburtenkontrolle und Gesetze, die die Chinesen wie Anarchisten aussehen ließen; und die Jugend war in Wut und Missmut ausgebrochen, da sie fühlte, dass ihnen ihr Leben aus den Händen gerissen wurde durch eine große Anzahl alter widernatürlicher Untoter, durch die Geschichte selbst, die wieder lebendig geworden war. Das war gewiss schlimm. Aber in den Entwicklungsländern revoltierten die Menschen über die ›Ungleichheit beim Zugang‹ zu den Behandlungen, und das war noch viel schlimmer. Regierungen wurden gestürzt, Menschen starben zu Tausenden. In Wirklichkeit sollten diese Bilder von Manhattan wohl Zuversicht wecken: Alles ist noch in Ordnung! sagten sie. Leute, die sich zivil aufführten, sei es auch in zivilem Ungehorsam. Aber Mexiko City und Sao Paulo und New Delhi und Manila standen in Flammen.
Maya blickte auf den Schirm und las laut eines der Spruchbänder von Manhattan: SCHICKT DIE ALTEN ZUM MARS!
»Das ist der Kern eines Gesetzes, das jemand dem Kongress vorgelegt hat. Wenn man hundert Jahre erreicht, ist man weg, auf Pensionssatelliten, den Mond oder nach hier.«
»Speziell hier.«
»Vielleicht«, sagte er.
»Ich nehme an, das erklärt ihre Sturheit hinsichtlich Emigrationsquoten.«
Frank nickte. »Die werden wir nie bekommen. Sie stehen da unten unter zu großem Druck, und man sieht uns als eines der wenigen Sicherheitsventile. Hast du das Programm gesehen, das von Eurovid über all das freie Land auf dem Mars ausgestrahlt wurde?«
Maya schüttelte den Kopf. »Es war wie ein richtiges Immobilieninserat. Nein. Wenn die UN-Delegierten uns bei Emigration mitsprechen ließen, würden sie gekreuzigt werden.«
»Was sollen wir also machen?«
Er zuckte die Achseln. »In jedem Punkt auf dem alten Vertrag bestehen. So handeln, als sei jede Änderung das Ende der Welt.«
»Darum warst du also so verrückt wegen der Präambel.«
»Sicher. Das Zeug mag nicht ganz so wichtig sein, aber es geht uns wie den Briten bei Waterloo. Wenn wir in irgendeinem Punkt nachgeben, bricht die ganze Front zusammen.«
Sie lachte. Sie war mit ihm zufrieden. Sie bewunderte seine Strategie. Und das war eine gute Strategie, obwohl es nicht die war, die er verfolgte. Denn sie waren nicht wie die Briten bei Waterloo. Sie waren, wenn überhaupt, wie die Franzosen, die einen letzten Notangriff machten, den sie gewinnen müssten, um zu überleben. Und so war er sehr eifrig gewesen, in manchen Punkten bei dem Vertrag nachzugeben in der Hoffnung, vorwärtszukommen und das zu behalten, was er auf anderen Gebieten verlangte. Dazu gehörte sicherlich eine weitere Führungsrolle für das Amerikanische Marsministerium und seinen Minister. Schließlich brauchte er eine Ausgangsbasis, um zu arbeiten.
Also zuckte er die Achseln und ging über ihre Freude hinweg. Auf der Fernsehwand schwärmten die Volksmengen die großen Avenuen auf und ab. Er knirschte einige Male mit den Zähnen. »Wir sollten lieber wieder hingehen.«
Oben wälzten sich die Konferenzteilnehmer durch eine Folge langer großer Räume, die durch hohe Trennwände unterteilt waren. Sonnenlicht strömte aus den Versammmlungsälen im Osten in den großen Zentralraum und warf einen rötlichen Schimmer über den weißen Veloursteppich, die kantigen Sessel und den dunkel rosa Stein der langen Tischfläche. Gruppen von Leuten führten an den Wänden beiläufige Gespräche. Maya machte sich auf, um sich mit Samantha und Spencer zu besprechen. Sie drei waren jetzt die Anführer(innen) der Koalition ›Mars-zuerst‹ und waren in dieser Eigenschaft als nicht stimmberechtigte Repräsentanten der Mars-Bevölkerung zur Konferenz geladen worden: der Partei des Volkes, der Tribüne und der einzigen, die wirklich in ihre Positionen gewählt worden waren, obwohl nur unter stillschweigender Duldung von Helmut. Helmut gehörte fraglos selbstverständlich dazu. Er hatte Ann gestattet, ohne Stimmrecht als Repräsentantin der Roten teilzunehmen, obwohl sie sogar zur Koalition gehörten. Sax war da als Beobachter des Terraformungsteams, und jede Menge Bergbau- und Entwicklungsfunktionäre waren auch als Beobachter da. Es gab wirklich sehr viele Beobachter; aber die stimmberechtigten Teilnehmer durften als einzige an dem zentralen Tisch sitzen, wo Helmut jetzt eine kleine Glocke läutete. Dreiundfünfzig nationale Vertreter und achtzehn UN-Beamte nahmen ihre Plätze ein, und weitere hundert begaben sich in die östlichen Räume und verfolgten die Diskussion durch die offenen Portale oder auf kleinen Fernsehern. Jenseits der Fenster wimmelte es in Burroughs von Gestalten und Fahrzeugen, die sich in den Mesas mit transparenten Wänden bewegten und in den Zelten auf und zwischen den Mesas und in dem Netz klarer Verbindungsrohre, die auf dem Boden lagen oder sich durch die Luft schwangen, und in dem großen Zelt des Tales mit seinen breiten begrasten Boulevards und Kanälen. Eine kleine Metropolis.