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»Vielleicht«, sagte Frank mürrisch und ärgerlich. Er ging weg.

Später befand er sich in einem höher im Tal gelegenen Distrikt, der noch im Bau befindlich war. Die Gerüste waren extrem, wie Sax gesagt hatte, speziell für Marsschwere. Manche sahen aus, als ob sie schwer abzumontieren sein würden. Er wandte sich um und schaute über das Tal. Die Stadt war schön platziert. Das stand außer Diskussion. Die zwei Seiten des Tales brachten es mit sich, dass von jeder Stelle aus eine Menge zu sehen war. Überall in der Stadt würde man eine Aussicht haben.

Plötzlich piepte sein Armband, und er antwortete. Es war Ann. »Was willst du?« knurrte er. »Ich nehme an, du denkst, dass ich auch dich verhökert habe. Die Horden hereingelassen, die deinen Spielplatz überrennen.«

Sie machte eine Grimasse. »Nein. Du hast das Beste getan, das angesichts der Lage möglich war. Das wollte ich sagen.« Sie schaltete ab, und sein Handschirm wurde leer.

»Großartig!« sagte er laut. »Alle Leute auf zwei Welten sind jetzt auf mich wütend außer Ann Clayborne.« Er lachte bitter und ging weiter.

Wieder unten am Kanal und bei den Reihen von Bareißsäulen. Salzsäulen wie die Frau von Lot. Über die Rasenflächen waren Gruppen feiernder Menschen verteilt, und im Licht des späten Nachmittags warfen sie lange Schatten. Der Anblick wirkte etwas unheimlich, und Frank wandte sich ab, unentschieden wohin. Er liebte nicht den Nachhall der Ereignisse. Alles schien beendet, fertig, sinnlos zu sein. So ging es ihm immer.

Eine Gruppe Terraner stand unter einem der üppigeren neuen Geschäftshäuser im Niederdorf-Zelt. Andy Jahns befand sich unter ihnen.

Wenn Ann erfreut war, müsste Andy wütend sein. Frank ging zu ihm. Er wollte das erleben.

Andy sah ihn, und sein Gesicht entspannte sich für einen Moment. Er sagte: »Frank Chalmers, was bringt dich hier herunter?«

Sein Ton war liebenswürdig, aber seine Augen waren nicht heiter, sondern sogar kalt. Jawohl, er war ärgerlich. Frank fühlte sich sofort wohler und sagte: »Ich gehe bloß so umher, Andy, um das Blut wieder in Gang zu bringen. Was macht ihr so?«

Jahns sagte nach ganz kurzem Zögern: »Wir sehen uns nach Büroraum um.«

Er beobachtete, wie Frank verdaute, was das zu bedeuten hatte. Sein Lächeln wurde freundlicher. Er fuhr fort: »Das sind Freunde von mir aus Äthiopien, aus Addis Abeba. Wir gedenken, unser Stammbüro nächstes Jahr hierher zu verlegen. Und so …« Sein Lächeln wurde breiter, ohne Zweifel als Reaktion auf Franks Miene, die sich, wie dieser fühlte, auf seinem Gesicht verhärtete. »Und so haben wir eine Menge zu besprechen.«

Al-Qahira ist der arabische Name für Mars, ebenso auf malaiisch und indonesisch. Diese zwei Sprachen haben ihn von der erstgenannten übernommen. Man nehme einen Globus und sehe sich an, wie weit sich die Religion der Araber ausgebreitet hat. Die ganze Mitte der Welt, von Westafrika bis zum Westpazifik. Und das meiste davon in einem einzigen Jahrhundert. O ja, das war zu seiner Zeit ein Imperium; und es hatte wie alle Imperien nach seinem Tod ein langes Nachleben.

Die außerhalb von Arabien lebenden Araber nennt man Mahdschari, und diejenigen, die auf den Mars kamen, sind die Mahdscharis von Qahira (wörtlich: die Kairo-Vorstädter). Als eine große Anzahl von ihnen auf dem Mars angekommen war, begannen sie durch Vastitas Borealis (die nördliche Badija = Wüste) und die Große Böschung zu wandern. Das waren meistens arabische Beduinen, und sie reisten in Karawanen, in einer absichtlichen Neuschöpfung eines Lebens, das auf der Erde verschwunden war. Leute, die ihr ganzes Leben in Städten verbracht hatten, kamen zum Mars und zogen in Rovern und Zelten herum. Als Vorwand für ihr unablässiges Wandern diente auch die Suche nach Metallen, die Areologie und der Handel; aber offenbar war die Hauptsache das Reisen, das Leben selbst.

Frank Chalmers kam zur Karawane des alten Zeyk Tuqan einen Monat, nachdem der Vertrag unterzeichnet worden war, im nördlichen Herbst des M-Jahres 15 (Juli 2057). Er zog lange Zeit mit dieser Karawane über die zerrissenen Hänge der Großen Böschung. Er verbesserte seine arabischen Sprachkenntnisse, half bei ihren Minenarbeiten und machte meteorologische Beobachtungen. Die Karawane bestand aus wirklichen Beduinen aus Awlad ’Ali, der Westküste Ägyptens. Die hatten nördlich des Gebietes gelebt, welches die ägyptische Regierung das Neue Talprojekt genannt hatte, als bei der Suche nach Öl ein Wasserlager entdeckt wurde, dessen Umfang der vorn Nil in tausend Jahren geführten Wassermenge entsprach. Schon vor der Entdeckung der gerontologischen Behandlung war in Ägypten die Bevölkerungslage angespannt gewesen. Bei sechsundneunzig Prozent Wüstenland und neunundneunzig Prozent der Bevölkerung im Niltal war es unvermeidlich, dass die ins Neue Talprojekt umgesiedelten Horden die Beduinen und ihre völlig andere Kultur überwältigen würden. Die Beduinen wollten sich nicht einmal als Ägypter bezeichnen und verachteten die Nil-Ägypter als rückgratlos und unmoralisch. Aber das hinderte die Ägypter nicht daran, von Norden her aus dem Neuen Talprojekt nach Awlad ’Ali einzuströmen. Beduinen in den anderen arabischen Ländern hatten für diese überwältigten Außenposten ihrer Kultur Partei ergriffen. Und als das Arabische Commonwealth ein Marsprogramm startete und Platz auf der ständigen zwischen Erde und Mars pendelnden Flotte kaufte, bat es Ägypten, seinen westlichen Beduinen den Vorzug zu geben. Die ägyptische Regierung war nur allzu froh gewesen zuzustimmen und so die Region von ihrer lästigen Minorität zu säubern. So waren sie nun hier, Beduinen auf dem Mars, und zogen durch die den Planeten umspannende nördliche Wüste.

Die Wetterbeobachtungen stachelten Franks Interesse an Klimatologie an, wie es noch kein Wissenschaftler mit seinen Worten hatte tun können. Das Wetter auf der Böschung war oft rau, mit katabatischen Winden, die nach unten bliesen und mit den Monsunen der Syrte zusammenstießen und so große, schnelle rote Tornados oder Kieshagelschläge erzeugten. Gewöhnlich betrug der Luftdruck im Sommer um 130 Millibar, bei einer Mischung aus rund achtzig Prozent Kohlendioxid und zehn Prozent Sauerstoff, wobei der Rest meistens Stickstoff aus den neuen Pflanzen war, die Stickstoff produzierten. Es war noch nicht klar, ob diese das CO2 mit Sauerstoff und den anderen Gasen übertreffen würden; aber Sax schien bisher mit ihrem Fortschritt zufrieden zu sein. An einem windigen Tage auf der Böschung war es gewiss deutlich, dass die Luft dichter wurde. Sie fühlte sich gewichtiger an, streute schweren Sand und verdunkelte die Nachmittage zur Farbe eines Skarabäus. Und bei stärksten Stürmen konnten die Böen einen leicht umwerfen. Frank stoppte eine katabatische Bö mit vierhundert Kilometern in der Stunde. Es war ein Glück, dass alle sich in den Rovern befanden, als ein solch harter Windstoß eintrat.

Die Karawane war ein mobiles Bergwerksunternehmen. Metalle und erzhaltige Minerale wurden auf dem Mars überall und in allen Konzentrationen entdeckt; aber als Besonderheit fanden die arabischen Prospektoren heraus, dass eine Menge Sulfide auf der Großen Böschung und den Ebenen unmittelbar darunter sehr dünn verteilt waren. Die meisten dieser Lagerstätten wiesen Konzentrationen und Gesamtmengen auf, die die Anwendung konventioneller Montanverfahren nicht rechtfertigen würden. Darum beschäftigten sich die Araber in Pionierfunktion mit neuen Extraktions- und Verarbeitungsmethoden. Sie hatten eine Kolonne mobilen Geräts gebaut, wobei sie Baufahrzeuge und Mutungsrover ihren Zwecken entsprechend umkonstruiert hatten. Dabei kamen große, segmentierte Maschinen zustande, die ganz ähnlich wie Insekten aussahen. Sie wirkten wie Geschöpfe aus dem Alptraum eines Lastwagenmechanikers. Diese Kreaturen wanderten in lockeren Karawanen über die Große Böschung und suchten nach diffus an der Oberfläche verteilten Schichten von Kupferlagern, vorzugsweise solchen mit hohem Gehalt an Tetrahedrit oder Chalkozit, so dass sie als Nebenprodukt zum Kupfer auch noch Silber gewinnen konnten. Hatten sie eine derartige Stelle gefunden, hielten sie an, um — wie sie sagten — ans Ernten zu gehen.