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Während sie das taten, fuhren Mutungsrover auf der Böschung voraus in Expeditionen von einer Woche oder zehn Tagen. Dabei folgten sie den alten Strömen und Spalten. Als Frank angekommen war, hatte Zeyk ihn begrüßt und ihm freigestellt zu tun, was immer er möchte. Also übernahm Frank einen Mutungsrover und fuhr mit ihm auf Solo-Expeditionen. Er pflegte draußen eine Woche zu verbringen, trödelte herum mit automatischer Suche, las den Seismographen, Sonden und Wetterinstrumente ab, machte gelegentlich eine Bohrung und beobachtete die Himmelserscheinungen.

Überall in beiden Welten sahen Beduinensiedlungen von außen schäbig aus. Bei abgebauten Zeltkuppeln boten sie ein Bild ohne Fenster mit dicken Wänden, als ob sie ständig nach vorn geneigt wären, um sich vor der Hitze der Wüste zu schützen. Erst wenn man hineinging, sah man, was alles geschützt war — die Höfe, Gärten, Fontänen, Vögel, Treppen, Spiegel und Arabesken.

Die Große Böschung war ein seltsames Land, in nordsüdlicher Richtung durchzogen von Canyonsystemen, entstellt durch alte Krater, überflutet von Lava, zerteilt in Buckel, Karstplateaus, Mesas und Grate, und das alles auf einem steilen Abhang, so dass man von jedem Felsblock oder Hügel bis weit nach Norden hinunterschauen konnte. In seinen einsamen Reisetagen überließ Frank dem Mutungsprogramm die meisten Entscheidungen und ließ das Land an sich vorbeiziehen: still, riesig, zerrissen wie die tote Vergangenheit selbst. Die Tage vergingen, und die Schatten drehten sich. Am Morgen wirbelten die Winde den Hang empor und in den späten Nachmittagen abwärts. Wolken drängten sich am Himmel, von niedrigen Nebelklumpen, die über die Felsen hüpften, bis zu hohen Cirrusfetzen und gelegentlichen Gewitterköpfen, die die ganze Distanz überspannten, solide Wolkenmassen von siebentausend Metern Höhe.

Gelegentlich schaltete er das Fernsehen ein und verfolgte den arabischen Nachrichtenkanal. Manchmal in morgendlicher Stille schimpfte er darüber. Ein Teil von ihm war ärgerlich über die Stupidität der Medien und der von ihnen verkauften Ereignisse. Die Dummheit der menschlichen Rasse, die sich darin tummelte. Nur erschien die überwältigende Masse der Menschheit nie im Fernsehen, nicht einmal im Leben, nicht einmal in den Szenen, wo eine Kamera über den Pöbel schwenkte. Dort lebten die Terraner immer noch in enormen Regionen, wo Dorfleben sich dahinschleppte, wie es immer gewesen war. Vielleicht war das eine von alten Weibern und Schamanen vertretene Weisheit. Vielleicht. Aber es war schwer zu glauben, denn man sah, was geschah, wenn sie sich in Städten sammelten. Idioten auf Video, Geschichte im Entstehen. »Man kann sagen, dass die Verlängerung menschlichen Lebens definitionsgemäß eine große Wohltat ist.« So etwas reizte ihn zum Lachen. »Hast du noch nie von Sekundäreffekten gehört, du Mistvieh?«

Eines Abends sah er einen Bericht über die Düngung des Antarktischen Ozeans mit Eisenstaub, der als zusätzliche Nahrung für Phytoplankton dienen sollte, eine Population, die ohne klaren Grund alarmierend abnahm. Der Eisenstaub wurde aus Flugzeugen abgeworfen. Es sah aus, als ob sie eine Art von Feuer unter dem Meeresspiegel bekämpften. Das Projekt würde jährlich zehn Milliarden Dollar kosten und müsste auf immer fortgesetzt werden; aber man hatte berechnet, dass um den Preis eines Jahrhunderts Düngung die globale Konzentration von Kohlendioxid um fünfzehn Prozent plus oder minus zehn Prozent herabsetzen würde; und angesichts der ständigen Erwärmung und entsprechenden Bedrohung der Küstenstädte, geschweige denn des Todes der meisten Korallenriffe der Welt, hatte man befunden, dass das Projekt soviel wert wäre. »Ann wird sich darüber freuen«, knurrte Frank. »Jetzt wird die Erde terrageformt.«

Bei jedem Stimmausbruch löste sich ein Knoten in seiner Brust. Er wurde sich bewusst, dass ihn niemand beobachtete und niemand zuhörte. Die winzige imaginäre Zuhörerschaft in seinem Kopf existierte nicht. Niemand verfolgt die Filme unseres Lebens. Kein Freund oder Feind würde je erfahren, was er hier machte. Er konnte tun, was immer ihm gefiel. Die Normalität sei verflucht. Offenbar war es dies, wonach er sich gesehnt und was er instinktiv gesucht hatte. Er konnte losgehen und den ganzen Nachmittag Steine von der Seite eines Karstes hinuntertreten; oder schreien; oder Aphorismen in den Sand schreiben; oder Schmähungen gegen die Monde ausstoßen, die über den Südhimmel torkelten. Er konnte sich über Mahlzeiten beschweren oder das Fernsehen beschimpfen; er konnte Gespräche mit seinen Eltern oder verlorenen Freunden führen, mit dem Präsidenten oder John oder Maya. Er konnte lange weitschweifige Einträge in sein Notizbuch machen: Teile einer soziobiologischen Weltgeschichte, ein Journal, eine philosophische Abhandlung, einen pornographischen Roman (er konnte masturbieren), eine Analyse der arabischen Kultur und ihrer Geschichte. Er tat all dies, und wenn er und sein Prospektor zu den Karawanen zurückrollten, fühlte er sich wohler, leerer, ruhiger. Eigentlich eher hohl. Wie die Japaner hilfreich gesagt hatten: »Leben ist, wenn du schon tot bist.«

Aber die Japaner waren fremdartig. Und das Leben mit den Arabern schärfte seinen Sinn dafür, wie fremdartig auch diese waren. Gewiss waren sie ein Teil der Menschheit des einundzwanzigsten Jahrhunderts, eingesponnen wie jeder andere auch in eine Schutzhülle aus Technik in jedem Moment ihres Lebens und eifrig damit beschäftigt, die Filme ihres Lebens zu drehen und anzuschauen. Aber dennoch beteten sie drei- bis sechsmal am Tag, verbeugten sich bis zum Boden, wenn es der Morgen- oder Abendstern war. Und der Grund dafür, weshalb ihre Techno-Karawanen ihnen eine so große und auffällige Freude machten, lag darin, dass diese Karawanen eine äußere Manifestation dieser Hinwendung der modernen Welt zu ihren alten Zielen waren. Zeyk pflegte zu sagen: »Die Aufgabe des Menschen ist die Verwirklichung von Gottes Willen in der Geschichte. Wir können die Welt auf Weisen verändern, die helfen, den göttlichen Plan zu aktualisieren. Das ist immer unsere Art gewesen. Der Islam sagt, dass die Wüste nicht Wüste bleibt und der Berg nicht Berg. Die Welt muss nach dem göttlichen Plan umgeformt werden, und das ist es, was im Islam Geschichte bedeutet. Al-Qahira stellt uns die gleiche Herausforderung wie die alte Welt, nur in reinerer Form.« So sprach er zu Frank, wenn sie in seinem Rover in der Runde saßen, in seiner kleinen Residenz. Diese Familienrover waren zu privaten Reservaten geworden, zu Räumen, in die Frank selten eingeladen wurde, und dann nur von Zeyk. Bei jedem Besuch war er von neuem überrascht. Von außen war der Rover unauffällig: groß, mit verdunkelten Fenstern, einer von mehreren, die zusammen geparkt waren mit Gehröhren dazwischen. Aber dann duckte man sich durch eine Tür nach innen und trat in einen Raum, der erfüllt war von Sonnenlicht, das durch Oberlichtfenster strömte, Sofas und prächtige Teppiche beleuchtete, geflieste Fußböden, Pflanzen mit grünen Blättern, Schalen mit Obst, ein Fenster mit der Ansicht des Mars, gefärbt und gerahmt wie ein Foto, niedrige Liegen, silberne Kaffeekannen, Computerkonsolen mit Intarsien aus Teakholz und Mahagoni, fließendes Wasser in Becken und Springbrunnen. Eine kühle feuchte Welt, grün und weiß, intim und klein. Wenn Frank sich umschaute, hatte er den Eindruck, dass es solche Räume schon seit Jahrhunderten gegeben hatte und dass die Kammer sofort als das, was sie war, erkannt werden würde von Menschen, die im zehnten Jahrhundert in leeren Regionen gelebt hatten oder im nördlichen Asien im zwölften.

Zeyks Einladungen kamen oft am Nachmittag, wenn sich in seinem Rover eine Gruppe von Männern zu Kaffee und Gespräch zusammenfand. Frank saß an seinem Platz nahe Zeyk, schlürfte seinen trüben Kaffee und hörte dem Arabischen zu mit aller Aufmerksamkeit, die er aufbringen konnte. Es war eine schöne Sprache, musikalisch und sehr metaphorisch, so dass alle ihre moderne Terminologie von Bildern aus der Wüste widerhallte wegen der Bedeutung der Stammwurzeln aller neuen Wörter, die wie die meisten ihrer abstrakten Ausdrücke konkreten physischen Ursprung hatten. Arabisch war wie Griechisch von Alters her eine wissenschaftliche Sprache gewesen; und es ergaben sich viele überraschende Verwandtschaften mit dem Englischen, auch in der organischen und kompakten Natur des Wortschatzes.