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»Oh, sie ist in Burroughs. Wusstest du das nicht?« sagte Janet.

»Nein.«

»Sie hat Samanthas alte Zimmer bekommen. Vielleicht geht sie dir aus dem Wege.«

»Was?«

»Sie ist auf dich ziemlich böse.«

»Auf mich böse?«

»Sicher.« Sie sah ihn in dem halbdunklen, von gedämpftem Stimmengewirr erfüllten Raum an. »Das hättest du wissen müssen.«

Während er noch überlegte, wie offen er mit ihr sein könnte, sagte er: »Nein! Warum sollte sie das sein?«

Sie lehnte sich in ihrem Sessel vor und sagte: »O Frank! Hör auf, dich so zu benehmen, als hättest du eine Elle verschluckt! Wir kennen dich, wir waren da, wir haben gesehen, wie alles geschah.« Und als er zurückwich, lehnte sie sich auch zurück und sagte ruhig: »Du musst wissen, dass Maya dich liebt. Sie mag es hart. Und das bist du.«

Er schüttelte den Kopf. »Das glaube ich nicht.«

Janet lachte. »Ich weiß, dass ich recht habe. Sie hat mir genug erzählt. Schon seit der Vertragskonferenz ist sie dir gram, und sie spricht immer davon, wenn sie wütend ist.«

»Aber warum ist sie wütend?«

»Weil du sie verschmäht hast. Verschmäht, nachdem du ihr Jahre um Jahre nachgestellt hast. Und sie hatte sich daran gewöhnt, und es gefiel ihr. Die Art, wie beharrlich du warst, war romantisch. Sie war sich dessen sicher, gewiss, aber sie liebte dich deswegen. Und sie liebte es, wie mächtig du warst. Und jetzt ist John tot, und sie könnte dir endlich ja sagen; und du hast sie fortgeschickt. Sie war wütend, und das hält bei ihr lange an.«

»Das …« Frank bemühte sich um Fassung. »Das passt einfach nicht zu dem, wie ich das Geschehene verstehe.«

Janet stand auf, um zu gehen, und im Vorbeigehen klopfte sie ihm leicht auf den Kopf. »Vielleicht solltest du dann mit Maya darüber reden.« Sie ging fort.

Er saß lange da, fühlte sich benommen und betrachtete die feine Körnung der Sessellehne. Schließlich hörte er auf und ging zu Bett.

Er schlief mäßig, und am Ende einer langen Nacht träumte er wieder von John. Sie waren in den langen, zugigen, nach oben gekrümmten Räumen der Raumstation, die mit Marsschwere rotierte, bei ihrem langen Aufenthalt da oben, sechs Wochen beisammen, jung und stark. John sagte: Ich fühle mich wie Superman, diese Schwere ist großartig! Laufe Runden durch den großen Ring der Stationskorridore. Auf dem Mars wird sich alles ändern, Frank. Alles!

Nein. Jeder Schritt war wie der letzte Schritt eines Dreisprungs. Päng, päng, päng.

Ja! Es kommt nur darauf an, schnell genug laufen zu lernen.

Ein perfektes Interferenzmuster von Wolkenflecken hing über der Westküste von Madagaskar. Die Sonne verlieh dem Ozean unten einen Bronzeschimmer.

Von hier oben sieht alles so schön aus.

Geh näher, und du beginnst, zu viel zu sehen, murmelte Frank.

Oder nicht genug.

Es war kalt, sie diskutierten über die Temperatur. John war aus Minnesota und hatte als Junge stets bei offenem Fenster geschlafen. Darum erschauerte Frank. Er hatte eine Daunendecke um die Schultern gelegt, seine Füße waren Eisklumpen. Sie spielten Schach, und Frank gewann. John lachte. Wie dumm, sagte er.

Was meinst du?

Spiele haben keine Bedeutung.

Bist du sicher? Manchmal kommt mir das Leben wie eine Art Spiel vor.

John schüttelte den Kopf. Im Spiel gibt es Regeln, aber im Leben ändern sich die Regeln ständig. Du könntest deinen Läufer hierher setzen, um den König des Spielpartners mattzusetzen; und plötzlich spielt er für ihn und bewegt sich wie ein Turm. Und du bist angeschmiert.

Frank nickte. Er hatte John diese Dinge beigebracht.

Ein Durcheinander von Mahlzeiten, Schachspielen, Gesprächen, der Anblick der rollenden Erde. Es war, als ob er einzig dieses Leben gelebt hätte. Die Stimmen von Houston klangen wie aus Computern, ihre Anliegen waren absurd. Der Planet selbst war so schön, so fein von seinem Land und seinen Wolken gemustert.

Ich möchte nie wieder hinuntergehen. Ich denke, dies ist fast besser, als der Mars sein wird. Meinst du nicht auch?

Nein.

Zusammengekauert und zitternd hörte er John von seiner Kindheit erzählen. Mädchen, Sport, Träume vom Weltraum. Frank antwortete mit Geschichten von Washington, Lektionen von Machiavelli, bis er merkte, dass John so schon schrecklich genug war. Freundschaft war letztlich nur Diplomatie mit anderen Mitteln. Aber später, nach einer unklaren Pause … reden, einhalten, zittern, reden über seinen Vater, betrunken aus den Bars in Jacksonville heimkommen, Priscilla und ihr weißblondes Haar, ihr Gesicht wie aus dem Modemagazin, wie ihm das nichts mehr bedeutete, eine Ehe als Resume, um für die Gehirnklempner einen normalen Eindruck zu machen. Und nicht sein Fehler. Schließlich aufgegeben. Betrogen.

Das klingt schlimm. Kein Wunder, wenn du die Menschen für so schlecht hältst.

Frank winkte ihrer großen blauen Lampe zu. Das sind sie aber. Winkt zufällig gerade beim Horn von Afrika. Denk darüber nach, was da unten passiert.

Das ist Geschichte, Frank. Wir können es besser machen. Können wir? Können wir?

Nur abwarten und sehen.

Er wachte auf mit verklemmtem Magen und verschwitzter Haut. Er stand auf und duschte. Er konnte sich nur noch an ein einziges Fragment des Traums erinnern. John sagte: »Abwarten und sehen.« Aber sein Magen war wie Holz.

Nach dem Frühstück warf er die Gabel auf den Tisch und dachte nach. Den ganzen Tag über war er zerstreut, lief herum wie noch im Traum, fragte sich von Zeit zu Zeit, wie man den Unterschied erkannte. War sein Leben nicht in jeder Hinsicht traumhaft? Alles überbelichtet, bizarr, symbolisch für etwas anderes?

Am Abend ging er, um nach Maya zu schauen. Er fühlte sich hilflos, von einem Zwang getrieben. Die Entscheidung hatte er in der Nacht zuvor getroffen, als Janet sagte: »Weißt du, sie liebt dich.« Und er ging um eine Ecke zu den Speisesälen; und da war sie, den Kopf mitten in ihrem schallenden Gelächter zurückgeworfen, ganz die muntere Maya, ihr Haar so weiß, wie es früher schwarz gewesen war, die Augen fest auf ihren Begleiter gerichtet, einen Mann mit dunklem Haar, hübsch, vielleicht in den Fünfzigern, der ihr zulächelte. Maya legte die Hand auf seinen Oberarm, eine charakteristische Geste, eine ihrer gewöhnlichen Vertraulichkeiten, die nichts zu sagen hatte und tatsächlich anzeigte, dass er nicht ihr Liebhaber war, sondern eher jemand, den sie gerade becircen wollte. Sie hätten sich erst vor wenigen Minuten getroffen haben können, obwohl seine Miene dagegen sprach.

Sie wandte sich um, erblickte Frank und zwinkerte vor Überraschung. Sie sah wieder den Mann an und redete weiter, auf russisch, ihre Hand immer noch auf seinem Arm.

Frank zögerte. Er hätte sich fast umgedreht und wäre hinausgegangen. Im stillen verfluchte er sich selbst. War er denn nicht mehr als ein Schuljunge? Er ging an ihnen vorbei und grüßte flüchtig. Er hörte nicht, ob sie antworteten. Während des ganzen Dinners blieb sie fest an der Seite des Mannes kleben, ohne in seine Richtung zu blicken oder herüberzukommen. Der Mann, der recht gut aussah, war über ihre Aufmerksamkeit überrascht — überrascht aber erfreut. Sicher würden sie zusammen gehen; sicher würden sie die Nacht zusammen verbringen. Dieses im voraus zu wissen, machte Leute immer liebenswürdig. Sie würde Menschen in dieser Weise benutzen ohne Bedenken, das Weibsbild. Liebe … Je mehr er darüber nachdachte, desto ärgerlicher wurde er. Sie hatte nie jemanden geliebt außer sich selbst. Und dennoch … Der Ausdruck auf ihrem Gesicht, als sie ihn erblickte. War sie nicht für einen Sekundenbruchteil erfreut gewesen und hatte dann gewünscht, dass er auf sie böse wäre? Und war das nicht ein Zeichen für verletzte Gefühle oder das Verlangen zurückzuschlagen, das ein gewisses (unglaublich kindisches) Verlangen nach ihm bedeutete?