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»Na ja., aber einige einfache Wechsel im Kontrollpersonal würden es für jeden unmöglich machen, irgendwelche Geräte an Bord zu schmuggeln.«

»Sie könnten benutzen, was sich da draußen befindet.« Sax schüttelte den Kopf. »Die Spiegel sind verwundbar.«

»Okay. Jedenfalls mehr als einige andere Projekte.«

»Diese Spiegel liefern zusätzliche dreißig Kalorien pro Quadratzentimeter per Sol. Und die ganze Zeit werden es noch mehr.« Fast alle von der Erde kommenden Frachtschiffe waren jetzt Sonnensegler; und wenn sie im System des Mars ankamen, wurden sie an große Aggregate früher angekommener angeschlossen, die im areosynchronen Orbit geparkt sind und so programmiert, dass sie durch Schwenkungen ihr Licht auf die Terminatoren werfen und so der Morgen- und Abenddämmerung jedes Tages ein wenig zusätzliche Energie liefern. Dieses Arrangement war durch das Amt von Sax koordiniert worden, und er war darauf stolz.

John sagte: »Wir werden die Sicherheit für das Wartungspersonal verstärken.«

»So. Erhöhte Sicherheit bei den Spiegeln und den Moholes.«

»Ja. Aber das ist noch nicht alles.«

Sax schnaufte. »Was meinst du?«

»Nun, das Problem liegt darin, dass nicht bloß die Terraformprojekte als solche potentielle Ziele sind. Ich meine, die Kernreaktoren sind in ihrer Weise auch ein Teil des Projektes. Sie liefern eine Menge Energie für dich und pumpen mehr Wärme aus als die Öfen, die sie im Grunde sind. Wenn einer davon hochginge, würde er alle Arten von Fallout produzieren, mehr noch politisch als physikalisch.«

Die vertikalen Falten zwischen Saxens Augen reichten ihm fast bis zum Haaransatz. John streckte die Hände aus. »Nicht mein Fehler. So ist es nun eben einmal.«

»Computer«, befahl Sax, »mach eine Notiz: Reaktorsicherheit prüfen!«

»Notiz gemacht«, sagte einer der Schillers. Er klang genau wie Sax.

»Und das ist noch nicht das Schlimmste«, sagte John und blickte wütend zu Boden. »Die biotechnischen Labors.«

Saxens Mund wurde eine schmale Linie.

John fuhr fort: »Täglich werden neue Organismen ausgebrütet; und es könnte möglich sein, etwas zu schaffen, das alles andere auf dem Planeten tötet.«

Sax zwinkerte. »Hoffen wir, dass keiner dieser Leute so denkt wie du.«

»Ich versuche nur, wie sie zu denken.«

»Computer, eine Notiz: Biolab-Sicherheit!«

John sagte: »Natürlich haben Vlad und Ursula Selbstmordgene allem eingepflanzt, das sie gemacht haben. Aber die sollen einen übermäßigen Erfolg stoppen oder Mutationsunfälle. Falls jemand sie vorsätzlich umgehen und etwas zusammenkochen würde, das sich von übermäßigem Erfolg nährt, könnten wir in Schwierigkeiten geraten.«

»Das sehe ich.«

»Also: Die Labors, die Reaktoren, die Moholes und die Spiegel. Es könnte schlimmer sein.«

Sax verdrehte die Augen. »Ich bin froh, dass du so denkst. Ich werde mit Helmut darüber sprechen. Ich werde ihn sowieso bald treffen. Es sieht so aus, dass sie den Aufzug von Phyllis bei der nächsten UNOMA-Sit-zung genehmigen werden. Das wird die Kosten der Terraformung mächtig beschneiden.«

»Letztlich ja, aber die Ausgangsinvestition muss gewaltig sein.«

Sax zuckte die Achseln. »Man schiebe einen Amor-Satelliten in den Orbit, errichte eine Roboterfabrik und lasse sie ans Werk gehen. Das ist nicht so teuer, wie du zu denken scheinst.«

John hob die Schultern. »Sax, wer bezahlt das alles?« Sax neigte den Kopf und zwinkerte. »Die Sonne.« John stand auf. Er hatte plötzlich Hunger bekommen. »Dann zahlt die Sonne die Zeche. Bedenke das!«

Jeden Abend sendete die Mangalavid-Amateurstation sechs Stunden lang ein kunterbunt gemischtes Programm, das John sich bei jeder passenden Gelegenheit anschaute. Also ging er, nachdem er in der Küche einen großen grünen Salat zubereitet hatte, ins Fensterzimmer und schaute während des Essens hin, wobei er sich von Zeit zu Zeit auch den roten Sonnenuntergang über Ascraeus ansah. Die ersten zehn Minuten dieser Abendsendung waren von einer Sanitätsingenieurin aufgenommen, die auf einer Abfallverwertungsanlage in Chasma Borealis arbeitete. Ihre darübergelegte Stimme war begeistert, aber langweilig. »Es ist nett, dass wir alles, was wir wollen, verschmutzen können mit bestimmten Stoffen: Sauerstoff, Ozon, Stickstoff, Argon, Dampf und einigen biologischen Materialien. Dadurch haben wir eine Freiheit, die wir daheim nicht besessen haben. Wir verarbeiten einfach alles, was man uns gibt, bis wir es freilassen können.« Daheim, sagte sich John. Eine neu Hinzugekommene. Danach kam der Versuch einer Karaterunde, gleichzeitig erheiternd und hübsch. Es folgten zwanzig Minuten, in denen einige Russen in Druckanzügen Hamlet auf dem Boden des Mohole von Tyrrhena Patera aufführten. Diese Produktion fand John verrückt, bis Hamlet Claudius erblickte, wie er im Gebet kniete, und die Kamera nach oben schwenkte, um das Mohole als Wände einer Kathedrale zu zeigen, die sich über Claudius zu einem unendlich entfernten Sonnenstrahl erhoben — wie die Verzeihung, die er nie erlangen würde.

John schaltete den Fernseher aus und nahm den Aufzug zur Schlafetage hinunter. Er ging zu Bett und entspannte sich. Karate als Ballett. Die Neulinge waren noch alle Ingenieure, Bauarbeiter, Wissenschaftler jeder Richtung. Aber sie wirkten nicht so einmütig wie die Ersten Hundert, und das war wohl gut so. Sie hatten noch eine wissenschaftliche geistige Haltung und Weltanschauung; sie waren praktisch, empirisch und rational. Man konnte hoffen, dass der Ausleseprozess auf der Erde immer noch gegen Fanatismus arbeitete und Leute heraufschickte mit einer Sensibilisierung nach Art der wandernden Schweizer; praktisch, aber für neue Möglichkeiten offen und imstande, neue Loyalitäten und Glaubensrichtungen zu bilden. Man brauchte nur die Ersten Hundert anzuschauen, um zu erkennen, dass Wissenschaftler genau so fanatisch werden konnten wie jeder andere, vielleicht sogar noch mehr. Vielleicht war ihre Ausbildung zu eng konzentriert gewesen. Hirokos Team war verschwunden … Irgendwo da draußen im wilden Fels, glückliche Halunken … Er fiel in Schlaf.

John arbeitete noch ein paar Tage im Echus-Aussichtspunkt und bekam dann einen Anruf von Helmut Bronski in Burroughs, der sich mit ihm über die neuen Eingänge von der Erde beraten wollte. John beschloss, den Zug nach Burroughs zu nehmen und Helmut persönlich zu treffen.

Am Abend vor seiner Abreise suchte er Sax in seinen Labors auf. Als er eintrat, sagte Sax auf seine monotone Art: »Wir haben einen Asteroiden der Amorklasse gefunden, der zu neunzig Prozent aus Eis besteht, in einer Bahn, die ihn nach drei Jahren in Marsnähe bringen wird. Wirklich genau das, was ich gesucht habe.« Sein Plan war, ein von Robotern gesteuertes Schub-Aggregat auf dem Eis-Asteroiden anzubringen und den in eine durch Luft gebremste Bahn um den Mars zu schieben, so dass er in der Atmosphäre verglühen würde. Damit wäre den UNOMA-Protokollen Genüge getan, die eine Massenzerstörung untersagten, welche ein direkter Aufprall bewirken müsste. Es würde aber immer noch große zusätzliche Mengen an Wasser liefern und in der Atmosphäre getrennten Wasserstoff und Sauerstoff, so dass diese mit genau jenen Gasen angereichert würde, die am dringendsten benötigt wurden. »Es würde den atmosphärischen Druck um nicht weniger als fünfzig Millibar anheben.«

»Du machst Witze!« Der mittlere Druck in Normalhöhe hatte zwischen sieben und zehn Millibar betragen (gegenüber 1,013 Bar auf der Erde), und alle bisherigen Bemühungen hatten den Durchschnittswert nur auf rund fünfzig gesteigert. »Ein Eisball wird den atmosphärischen Druck verdoppeln?«

»Das besagen die Simulationen. Natürlich ist bei einem so geringen Ausgangswert eine Verdopplung nicht so eindrucksvoll, wie es klingt.«

»Dennoch ist das großartig, Sax. Und es wird schwer zu sabotieren sein.«

Aber Sax mochte nicht daran erinnert werden. Er runzelte die Stirn und machte sich davon.