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Oder vielleicht hielten sie es einfach für gefährlich, wenn sich da ein Mensch aufhielt. Das schreckte ihn auf. Ohne Zweifel hatten sie alle von dem von der Straße gesprengten Abraumlaster gehört. Vielleicht war es bloß das. Aber könnte es noch mehr sein? Waren diese Leute auf etwas gefasst, das er nicht wusste? Als er darüber eine Weile nachdachte, fand John, dass er seine Augen an die Glasscheibe presste. Er hatte sich den fallenden Lastwagen als einen Unfall vorgestellt oder höchstens etwas, das nur einmal passieren konnte. Aber seine Bewegungen waren leicht zu verfolgen. Jedermann wusste, wo er war. Und jedes Mal, wenn man ins Freie ging, war nur ein Schutzanzug dazwischen, wie man zu sagen pflegte. Und in einer Grube gab es massenhaft Behemoths …

Aber sie kamen ohne einen Unfall zurück. Und an diesem Abend hatten sie das übliche Bankett zu seinen Ehren, eine Party, bei der viel getrunken wurde, mit erheblichem Konsum von Omegendorph und mit lauten rauen Reden. Eine Schar junger, zäher Ingenieure, die sich freuten, dass John Boone wirklich ein prächtiger Kumpel auf einer Party war. Eine recht verbreitete Reaktion unter Neuankömmlingen, besonders jüngeren Männern. John plauderte munter mit ihnen und ließ es sich Wohlergehen. Seine Erkundigungen streute er — ziemlich unmerklich, wie er meinte — in den Gesprächsstrom ein. Sie hatten nicht von dem Cojoten gehört, was interessant war, da sie von dem Großen Mann und der verborgenen Kolonie wussten. Offenbar gehörte der Cojote nicht zu solcher Art von Themen. Er war ein König für Insider, den nur einige der Ersten Hundert kannten, soweit John beurteilen konnte.

Die Bergleute hatten aber kürzlich einen ungewöhnlichen Besuch gehabt. Eine arabische Karawane war vorbeigekommen, die sich auf dem Rand von Vastitas Borealis bewegte. Und sie sagten, die Araber hätten behauptet, von einigen der verlorenen Kolonisten besucht worden zu sein, wie sie die nannten.

»Interessant«, sagte John. Er hielt es für unwahrscheinlich, dass Hiroko oder jemand ihrer Gruppe sich selbst offenbaren würde, aber wer konnte das sagen?

Er könnte sich ebenso daran machen, es herauszufinden. Er hatte ohnehin in Bradbury Point einiges zu tun. Sehr wenig Detektivarbeit konnte, wie er sich sagte, geleistet werden, ehe ein Verbrechen vorkam. Also verbrachte er noch einige weitere Tage damit, dass er die Bergbauarbeiten beobachtete. Aber das erhöhte nur seinen Schock über das Ausmaß des Vorhabens, wie viel robotische Bodenräumer wegschaffen konnten. »Was werdet ihr mit all dem Metall machen?« fragte er, nachdem er einen Blick in einen anderen großen Tagebau geworfen hatte, der fünfundzwanzig Kilometer von dem Habitat entfernt lag. »Es zur Erde schaffen, würde mehr kosten, als es wert ist, nicht wahr?«

Der Leiter der Arbeiten, ein schwarzhaariger Mann mit einem Adlergesicht, grinste. »Wir werden es behalten, bis es mehr wert ist. Oder bis sie diesen Weltraumlift bauen.«

»Glaubt ihr daran?«

»O ja. Das Material ist hier — Graphitfäden, verstärkt mit Diamantspiralen. Auf der Erde so etwas zu bauen, ist schwierig. Hier wäre es erheblich leichter.«

John schüttelte den Kopf. An diesem Nachmittag fuhren sie eine Stunde lang ins Habitat zurück, vorbei an neuen Gruben und Schlackenhalden in Richtung auf die entfernte Rauchfahne der Raffinerien auf der anderen Seite der bewohnten Mesa. Er war es gewohnt, Land zu sehen, das von Bautätigkeit zerwühlt war — aber dies hier … Es war erstaunlich, was ein paar hundert Leute ausrichten konnten. Natürlich war es die gleiche Technik, die es Sax ermöglichte, eine vertikale Stadt von der vollen Höhe des Echus-Aus-gucks zu bauen, und die es ermöglichte, alle die neuen Städte so rasch zu errichten. Aber dennoch — eine solche Verwüstung anzurichten, nur um Metalle herauszureißen, bestimmt für den unersättlichen Bedarf der Erde …

Am nächsten Tag erteilte er dem Leiter der Arbeiten teuflisch strenge Sicherheitsanweisungen, die zwei Monate lang eingehalten werden sollten. Dann fuhr er los auf den vom Wind verwehten Spuren der arabischen Karawane und folgte ihnen nach Norden und Osten.

Es stellte sich heraus, dass Frank Chalmers mit dieser arabischen Karawane reiste. Aber der hatte noch von keinem Besuch durch Hirokos Leute etwas gehört oder gesehen; und keiner von den Arabern wollte zugeben, dass er es gewesen war, der diese Story in Bradbury Point erzählt hätte. Also eine falsche Spur. Oder aber eine, die zu verwischen Frank den Arabern behilflich war. Und wie würde John das in diesem Falle herausfinden? Obwohl die Araber erst unlängst auf dem Mars angekommen waren, waren sie ohne Zweifel schon Franks Verbündete. Er lebte mit ihnen, er sprach ihre Sprache und war jetzt natürlich der ständige Vermittler zwischen ihnen und John. Keine Chance für eine unabhängige Nachforschung außer dem, was Pauline in den Archiven ausrichten konnte. Aber dazu brauchte sie nicht mit der Karawane zu reisen. Nichtsdestoweniger reiste John eine Weile mit ihr, während sie durch das große Dünenmeer zog, und beschäftigte sich mit Areologie und etwas Mutung. Frank war selbst erst seit kurzer Zeit da, um mit einem ägyptischen Freund zu sprechen. Er war zu beschäftigt, um sich irgendwo länger aufzuhalten. Sein Amt als US-Minister machte ihn ebenso zu einem Globetrotter wie John; und ihre Wege kreuzten sich recht oft. Frank hatte es geschafft, seine Position als Chef des amerikanischen Ministeriums inzwischen durch drei Amtsperioden zu behaupten, obwohl es ein Kabinettsposten war. Eine beachtliche Leistung, selbst ohne Berücksichtigung seiner Entfernung von Washington. Und so beaufsichtigte er jetzt die eingehenden Investitionen der in Amerika angesiedelten Transnationalen — eine Verantwortung, die ihm wahnsinnige Überstunden und eine Macht einbrachte, dass er John so etwas wie die geschäftliche Version von Sax erschien, immer unterwegs, immer mit den Händen gestikulierend, als ob er die Musik zu seinen Reden dirigierte, die sich im Laufe der Jahre zu einer rasenden kommerziellen Rhapsodie entwickelt hatte. Sein ständiger Refrain lautete: »Ich muss einen Besitz auf der großen Böschung abstecken, ehe die Transnats und die Deutschen alles wegschnappen. Eine Menge Arbeit!« Das sagte er oft und zeigte zur Illustration auf den kleinen Globus, den er mit sich führte. »Schaut auf eure Moholes, in die ich in der letzten Woche gerade eingestiegen bin. Eins nahe dem Nordpol, drei in den sechziger Breiten im Norden und Süden, vier längs des Äquators und vier in Nähe des Südpols, alle hübsch westlich von vulkanischen Erhebungen platziert, um ihre Aufwinde einzufangen. Das ist schön.« Er ließ den Globus rotieren, und die blauen Punkte, welche die Gruben bezeichneten, verschwammen kurz zu blauen Linien. »Es ist gut zu sehen, dass ihr endlich etwas Nützliches macht.«

»Endlich.«

»Seht, hier ist die neue Wohnanlagenfabrik in Hellas. Die stellen größere Einheiten her und in so einem Tempo, dass sie dreitausend Emigranten in Ls = 90 aufnehmen können. Und angesichts der neuen Flotte von Shuttles für Hin- und Rückreise ist das knapp genug.« Er sah Johns Miene und sagte rasch: »Letztlich alles Wärme, John, darum hilft es der Terraformung mit mehr als bloß Geld und Arbeitskraft. Darüber sollte man nachdenken.«

»Überlegst du dir überhaupt, was aus all dem werden wird?« fragte John.

»Was meinst du damit?«