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Das Reisen während des Sturms war offiziell auf die Züge beschränkt und auf bestimmte, stark benutzte Straßen mit doppelten Transpondern. Als aber deutlich wurde, dass er in diesem Sommer nicht aufhören würde, ignorierte John die Beschränkungen und nahm seine Wanderungen wieder auf. Er vergewisserte sich, dass sein Rover gut bevorratet war, ließ einen Reserverover hinterher fahren und hatte einen extra starken Funksender einbauen lassen. Dies und Pauline im Fahrersitz würden genügen, ihn um den größten Teil der nördlichen Hemisphäre herumzubringen, wie er dachte. Roverpannen waren selten wegen der wirklich umfassenden inneren Überwachungssysteme, die in ihre Computer integriert waren. Dass zwei Pannen gleichzeitig aufgetreten wären, hatte man noch nie gehört. Es hatte nur einen dokumentierten schweren Unfall gegeben. Also sagte John der Acherongruppe Lebewohl und machte sich wieder auf den Weg.

Im Sturm zu fahren war wie Fahren bei Nacht, aber interessanter. Der Staub raste in Böen vorbei und ließ kleine Lücken für Sicht, die kurze sepiafarbene Anblicke der vorbeirollenden Landschaft freigaben. Alles schien sich nach Süden zu bewegen. Dann brausten wieder massive Staubstürme gegen die Fenster. Bei den schlimmsten Windstößen schaukelte der Rover heftig auf seinen Stoßdämpfern, und der Staub drang wirklich überall ein.

Am vierten Tag seiner Fahrt wandte er sich direkt nach Süden und begann den Nordwesthang der Tharsis-Erhöhung in Angriff zu nehmen. Das war wieder die Große Böschung; aber hier bildete sie keine Klippe, sondern einen Hang, der in der mehr als einen Tag währenden Dunkelheit des Sturms nicht zu bemerken war, bis er sich hoch auf der Seite von Tharsis befand, fünf vertikale Kilometer höher, als er in Acheron gewesen war.

Bei einer anderen Mine, die sich in der Nähe von Krater Pt im oberen Ende der Tantalus Fossae befand, machte er halt. Offenbar hatte die Tharsis-Erhebung die große Lavaflut ausgelöst, die Alba Patera bedeckte. Spätere Aufwölbung hatte dann den Lavaschild zerbrochen und die Tantalus-Canyons gebildet. Einige davon waren über einer an Platinoid reichen Feuerintrusion aufgebrochen, die die Bergwerksleute als Merensky-Reeflets bezeichnet hatten. Die Bergleute waren diesmal echte Azanier, die sich Afrikaaner nannten und unter sich Afrikaans sprachen. Weiße Männer, die John mit kräftigen Portionen von god, volk und trek begrüßten. Sie hatten die Canyons, in denen sie arbeiteten, Neuw-Orange- und Neuw-Pretoria-Freistaat genannt. Und sie arbeiteten wie ihre Kollegen in Bradbury Point für Armscor. »Jawohl«, sagte der Chef der Arbeiten zufrieden, mit einem neuseeländischen Akzent. Er hatte ein dickes Doppelkinn, eine Skispringernase und ein breites schiefes Lächeln. Seine Art war sehr intensiv. »Wir haben Eisen, Kupfer, Silber, Mangan, Aluminium, Gold, Platin, Titan und Chrom gefunden. Stell dir das vor! Ferner Sulfide, Oxide, Silikate — sozusagen einheimische Erze. Die Große Böschung bietet das alles.« Die Mine wurde seit ungefähr einem M-Jahr betrieben Sie bestand aus Tagebaubetrieben auf den Böden der Canyons mit einem Habitat, das halb in der Mesa eingelassen war zwischen den beiden größten Canyons und wie eine durchsichtige Eierschale aussah voller grüner Bäume und orangefarbener Ziegeldächer.

John verbrachte mit ihnen mehrere Tage. Er war umgänglich und stellte Fragen. Mehr als einmal fragte er sie in Erinnerung an die Öko-Ökonomie der Acherongruppe, wie sie ihr wertvolles, aber schweres Produkt zur Erde schaffen wollten. Würden die Energiekosten für den Transport nicht den möglichen Nutzen bei weitem übersteigen?

»Natürlich«, sagten sie, genau wie die Leute von Bradbury Point. »Es wird den Raumlift erfordern, um es lohnend zu machen.«

»Mit dem Raumlift sind wir auf dem terranischen Markt«, erklärte ihr Chef. »Ohne ihn werden wir nie vom Mars loskommen.«

»Das ist nicht notwendigerweise schlecht«, sagte John, aber sie verstanden ihn nicht, und als er es zu erklären versuchte, machten sie ein unbeeindrucktes Gesicht und nickten höflich, eifrig bestrebt, nicht über Politik nachzudenken. Darin waren die Afrikaaner gut. Als John erkannte, was los war, fand er, er könnte das Thema Politik zur Sprache bringen, um etwas Zeit für sich selbst zu gewinnen. Das war, wie er Maya eines Nachts erzählte, so, als ob man einen Kanister mit Tränengas in den Raum würfe. Das gab ihm auch die Möglichkeit, den größten Teil eines Nachmittags allein im Operationszentrum der Bergwerke umherzugehen. Dabei schaltete er Pauline auf die Datenaufzeichnungen und hielt alles fest, das sie schaffen konnte. Pauline stellte keine ungewöhnlichen Züge in dem Betrieb fest. Aber sie meldete einen Kommunikationsaustausch mit dem Heimatbüro von Armscor. Die lokale Gruppe wollte eine Sicherheitseinheit von hundert Personen, und Singapore hatte zugestimmt.

John stieß einen Pfiff aus. »Was ist mit UNOMA?« Sicherheitsfragen galten völlig als ihr Ressort, und sie erteilten Genehmigungen für private Sicherheitsmaßnahmen recht routinemäßig. Aber hundert Personen? John gab Pauline Anweisung nachzusehen, was die UNOMA hierzu verlautbart hätte; und ging weg, um mit den Afrikaanern zu speisen.

Wiederum wurde der Raurnlift als Notwendigkeit erklärt. »Sie werden uns einfach übergehen, wenn wir den nicht haben, direkt zu den Asteroiden hinausgehen und dann keine Mühe mit einer Gravitationssenke haben, nicht wahr?«

Trotz den fünfhundert Mikrogramm Omegendorph in seinem Körper war John in keiner fröhlichen Stimmung. Er fragte beiläufig: »Sagt mir, arbeiten hier auch Frauen?«

Sie starrten ihn an wie Fische. Sie waren wirklich noch schlimmer als Muslims.

Er brach am nächsten Tage auf und fuhr nach Pavonis, wobei er sich besonders um die Angelegenheit des Raumlifts kümmern wollte.

Er fuhr den langen Hang von Tharsis empor. Den steilen blutfarbenen Kegel von Ascraeus Mons bekam er nie zu sehen. Er war mit allem anderen im Staub verloren. Reisen bedeutete jetzt, in einigen kleinen Räumen zu leben, die mächtig rumpelten. Er umging Ascraeus auf seiner Westflanke und fuhr dann auf die Kuppe von Tharsis, zwischen Ascraeus und Pavonis. Hier wurde die Doppeltransponderstraße zu einem richtigen Betonband unter den Rädern. Beton unter einem Anflug von Staub. Schließlich stieg die Fahrbahn steil empor und führte ihn direkt auf den nördlichen Hang von Pavonis Mons. Das ging so lange weiter, bis es ihm wie ein langsamer Blindstart in den Weltraum vorkam.

Der Krater von Pavonis war, wie die Afrikaaner ihm bestätigt hatten, erstaunlich genau auf dem Äquator platziert. Das runde O seiner Caldera saß wie ein Ball genau auf der Linie des Äquators. Dadurch wurde der Südrand von Pavonis zu einem perfekten Ankerpunkt für einen Raumlift, da er zugleich genau auf dem Äquator lag und siebenundzwanzig Kilometer über dem Bezugsniveau. Phyllis hatte schon für die Konstruktion eines einfachen Habitats auf dem Südrand vorgesorgt. Sie hatte sich selbst auf die Arbeit am Aufzug gestürzt und war eine seiner Hauptorganisatoren.

Ihr Habitat war in die Wand des Calderarandes eingelassen im Stile von Echus-Aussichtspunkt, so dass Fenster in verschiedenen Stockwerken über die Caldera blickten, sofern der Staub nachließ. Vergrößerte und an die Wände geheftete Fotos zeigten, dass die Caldera sich schließlich als eine einfache kreisrunde Senke erwies mit fünftausend Meter tiefen Wänden, die nahe dem Boden leicht terrassiert waren. Die Caldera war in früheren Tagen oft eingesunken, aber immer an derselben Stelle. Sie war der einzige unter den großen Vulkanen, der so regelmäßig war. Die anderen drei hatten Calderas wie Gruppen sich überlappender Kreise, wobei jeder Kreis in anderer Tiefe lag.

Das neue Habitat, derzeit noch namenlos, war von der UNOMA erbaut worden, aber Ausstattung und Personal waren von der transnationalen Gesellschaft Praxis geliefert, die zu den allergrößten gehörte. Gegenwärtig waren die fertig gestellten Räume mit Beamten dieser Gesellschaft besetzt oder denen anderer Transnationaler, die Subkontrakte für das Liftprojekt hatten. Dazu gehörten Vertreter von Amex, Oroco, Subarashi und Mitsubishi. Und alle ihre Bemühungen wurden koordiniert von Phyllis, die jetzt offenbar Helmut Bronskis Assistentin und Leiterin der Operation war.