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»Aber ihr erwartet Bezahlung für seine Konstruktion. Und dann erwartet ihr, dass Konzessionen eingeräumt werden. Ihr wollt Profit aus dem Unternehmen schlagen. Ist das nicht Unternehmenskapitalismus?«

»Nun ja, natürlich«, sagte Phyllis und sah gekränkt aus, weil er von solchen Dingen so unverblümt gesprochen hatte. »Jeder auf dem Mars wird davon profitieren, das liegt im Wesen der Sache.«

»Und ihr werdet von jedem Prozentsatz noch Prozente abschöpfen.« Raubtiere am oberen Ende der Kette. Oder vielmehr Parasiten, die an ihrer vollen Länge auf und ab kletterten. »Was denkst du, wie reich die Erbauer der Golden Gate Bridge geworden sind? Sind große transnationale Dynastien aus dem Profit der Golden Gate Bridge gebildet worden? Nein. Sie war doch ein öffentliches Vorhaben. Die Erbauer waren öffentliche Beamte, die für ihre Arbeit ein Standardgehalt bezogen. Würdest du wetten, dass der Marsvertrag hier für infrastrukturellen Bau nicht eine ähnliche Übereinkunft ausbedingen würde? Ich bin mir dessen recht sicher.«

»Aber der Vertrag steht erst in neun Jahren zur Revision an«, sagte sie mit funkelnden Augen.

John lachte. »So ist es! Aber du würdest nicht glauben, welche Stimmung ich rund um diesen Planeten für einen revidierten Vertrag sehe, der noch engere Grenzen für Investitionen und Profit seitens der Erde setzt. Du hast einfach nicht aufgepasst. Du musst bedenken, dass dies hier ein vom ersten Federstrich an aufgebautes ökonomisches System ist — auf Grund von Prinzipien, die wissenschaftlich sinnvoll sind. Es gibt hier nur eine beschränkte tragende Kapazität, und um eine lebenstüchtige Gesellschaft zu schaffen, müssen wir das beachten. Ihr könnt nicht einfach Rohstoffe von hier zur Erde schaffen. Die Kolonialära ist vorbei. Das müsst ihr bedenken.« Er lachte wieder über die glitzernden Augen, die auf ihn gerichtet waren. Es war, als hätte man Gewehrvisiere in ihre Hornhäute eingepflanzt.

Und erst später, als er wieder in seinem Zimmer war und sich an diese Blicke erinnerte, kam er auf den Gedanken, dass es wahrscheinlich keine sehr gute Idee gewesen war, ihre Nasen so hart auf die Lage zu stoßen. Der Amex-Mann hatte sogar sein Handgelenk an den Mund gehoben, um eine Notiz zu machen, in einer Geste, die offenkundig gesehen werden sollte. Dieser John Boom ist eine Katastrophe hatte er geflüstert und dabei die ganze Zeit John angeblickt. Er hatte gewollt, dass er gesehen würde. Nun, ein neuer Verdächtiger. In dieser Nacht schlief John erst spät ein.

Er verließ Pavonis am nächsten Tag und wandte sich nach Osten, Tharsis hinunter in der Absicht, volle siebentausend Kilometer bis Hellas zu fahren, um Maya zu besuchen. Durch den großen Sturm verlief die Reise recht einsam. Die südlichen Gebirge zeigten sich nur kurzzeitig trübe durch aufgeblähte Sandvorhänge mit dem ständig wechselnden Pfeifen des Windes als Begleitung. Maya freute sich, dass er zu Besuch kam. Er war noch nie in Hellas gewesen, und eine Menge Leute warteten dort darauf, ihn kennen zu lernen. Sie hatten nördlich von Low Point ein erhebliches Wasserlager entdeckt und planten jetzt, Wasser von da an die Oberfläche zu pumpen und in Low Point einen See zu schaffen, der ständig durch Sublimation Wasser an die Atmosphäre abgeben würde, das man durch Nachschub aus der Tiefe ergänzen könnte. Auf diese Weise erhalten, würde der See sowohl die Atmosphäre bereichern, als auch als Reservoir und Wärmesenke für Ackerbau dienen in einem Ring überkuppelter Farmen rund um das Ufer des Sees. Maya war von diesen Plänen sehr begeistert.

John verbrachte die lange Reise zu ihr in einem fast hypnotisierten Zustand, wenn er einen Krater nach dem anderen aus den Staubwolken aufragen sah. An einem Abend hielt er bei einer chinesischen Siedlung, wo man kaum ein Wort Englisch konnte und in Kästen wie dem Anhängerpark lebte. Er und die Siedler mussten ein Computerübersetzungsprogramm benutzen, das beide Seiten den größten Teil des Abends zum Lachen brachte. Zwei Tage später hielt er sich für einen Tag bei einer riesigen japanischen Luftverarbeitungsanlage in einem hohen Pass zwischen Kratern auf. Hier sprachen alle hervorragend Englisch. Sie waren aber frustriert, weil ihre Arbeiten durch den Sturm zum Stillstand gekommen waren. Die Techniker lächelten schmerzlich und führten ihn durch einen alptraumartigen Komplex von Filtersystemen, den sie aufgestellt hatten, um die Pumpen in Gang zu halten — aber alles umsonst.

Drei Tage östlich von den Japanern traf er auf eine Sufi-Karawane auf einer runden Mesa mit steilen Wänden. Diese spezielle Mesa war früher der Boden eines Kraters gewesen, war aber so verhärtet, dass sie der Erosion widerstanden hatte, welche das umgebende weiche Material in den nachfolgenden Äonen weggeschnitten hatte. Und jetzt stand sie allein über der Ebene wie ein dickes rundes Piedestal, dessen zerfurchte Seiten ein Kilometer hoch waren. John fuhr auf einer Rampe in Serpentinen zu der Karawanserei auf dem Gipfel.

Da oben fand er, dass die Mesa sich inmitten des Staubsturms in einer permanenten stehenden Welle befand, so dass hier mehr Sonnenlicht durch die dunklen Wolken sickerte, als anderswo, wo er gewesen war, selbst auf dem Rande von Pavonis. Die Sicht war fast ebenso behindert wie überall sonst, aber alles hatte hellere Farben, die Dämmerungen purpurn und schokoladefarben, die Tage ein lebhaftes wolkiges Strömen von Umbra und Gelb, Orange und Rost, gelegentlich von. einem bronzefarbenen Sonnenstrahl durchbrochen.

Es war ein prächtiger Platz; und die Sufis erwiesen sich als gastfreundlicher als alle anderen Arabergruppen, die er bisher getroffen hatte. Sie waren, wie sie ihm erzählten, in einer der jüngsten arabischen Gruppen gekommen, als eine Konzession gegenüber religiösen Gruppierungen daheim. Und da es viele Sufis unter islamischen Gelehrten gab, hatte es wenig Einwände dagegen gegeben, sie als eine selbständige zusammenhängende Gruppe auszusenden. Einer von ihnen, ein kleiner schwarzer Mann namens Dhu el-Nun, sagte ihm: »Es ist wundervoll in dieser Zeit der siebzigtausend Schleier, dass du, der große talib, seiner tariqat hierher gefolgt ist, um uns zu besuchen.«

John fragte: »Talib? Tariqat?«

»Ein talib ist ein Sucher. Und die tariqat des Suchers ist sein Weg, sein spezieller Weg, auf der Straße zur Realität.«

»Ich sehe«, sagte John, immer noch überrascht über die Freundlichkeit ihres Grußes.

Dhu führte ihn von der Garage zu einem niedrigen schwarzen Gebäude, das im Zentrum eines Ringes von Rovern stand und nach konzentrierter Energie aussah. Ein breites rundes Ding wie ein Modell der Mesa selbst mit Fenstern aus rohen klaren Kristallen. Dhu bezeichnete das schwarze Gestein des Gebäudes als Stischovit, ein Mineral hoher Dichte, das durch Meteoritenaufprall gebildet worden war, als Drücke von mehr als einer Million Kilogramm für einen Moment geherrscht hatten. Die Fenster waren aus Lechatelierit, einer Art komprimierten Glases, das auch durch den Aufprall entstanden war.

Im Innern des Gebäudes begrüßte ihn eine Gesellschaft von etwa zwanzig Personen, Männer und Frauen gleichermaßen. Die Frauen waren barhäuptig und verhielten sich genau wie Männer, was John wiederum überraschte und ihm bewusst machte, dass die Dinge bei den Sufis anders waren als bei Arabern allgemein. Er setzte sich hin und trank mit ihnen Kaffee. Dann fing er wieder an, Fragen zu stellen. Sie waren Qadariten-Sufis, wie sie ihm sagten, Pantheisten, die durch altgriechische Philosophie und modernen Existentialismus beeinflusst waren. Sie versuchten, moderne Wissenschaft und die ru’yal al-qalb, die Sicht des Herzens, mit der letzten Realität zu vereinen, die Gott war. »Es gibt vier mystische Reisen«, sagte ihm Dhu. »Die erste beginnt mit Gnosis und endet mit fana, oder dem Entschwinden aller Phänomene. Die zweite beginnt, wenn demfana baqa folgt, die Beständigkeit. An dieser Stelle reist du ins Reale, durch das Reale und zu dem Realen, und bist selbst eine Realität, ein haqq. Und danach bewegst du dich weiter zum Zentrum des spirituellen Universums und wirst eins mit allen andern, die es ebenso gemacht haben.«