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»Nun ja, es ist keine normale Erosion. In derart großen Fluten schwanken die Drücke so stark, dass es zur Freisetzung gelöster Gase kommt; und wenn diese Blasen zusammenbrechen, erzeugen sie unglaubliche Drücke. Sie hämmern wie etwas, das alles zerbrechen kann.«

»Es wäre also schlimmer als ein Meteoritenaufschlag?«

»Sicher. Falls man nicht einen wirklich großen Asteroiden fallen ließe. Wenn man beispielsweise einen in Hellas einstürzen ließe, hätte man ein Meer. Und man könnte es schneller wieder anfüllen, als das Oberflächen-Eis sublimieren würde.«

»Eine solche Flut steuern?« rief John.

»Nun, das wäre unmöglich. Aber wenn man einen Asteroiden an der richtigen Stelle fände, müsste man ihn nicht lenken. Du solltest nachprüfen, wohin Sax kürzlich seine Wünschelrutengänger geschickt hat. Sieh nach, wie es dir vorkommt!«

»Aber das würde doch bestimmt von der UNOMA verboten werden.«

»Seit wann hat das für Sax etwas ausgemacht?«

John lachte. »Oh, jetzt spielt es schon eine Rolle. Sie haben ihm zu viel gegeben, als dass er sie ignorieren könnte. Sie haben ihn mit Geld und Macht gebunden.«

»Vielleicht.«

In dieser Nacht ereignete sich morgens um halb vier eine kleine Explosion in einer Quelle. Alarmglocken rissen sie aus dem Schlaf. Halb nackt taumelten sie durch die Tunnels zu einem Sprudelausbruch, der in den fliegenden Staub der Nacht emporschoss, eine Säule aus weißem Wasser, die vom schwankenden Licht hastig installierter Scheinwerfer in Stücke gerissen wurde. Aus den Staubwolken fiel das Wasser herunter in Form von Eisbrocken und Hagelkörnern bis zur Größe von Bowlingkugeln. Im Windschatten gelegene Quellen wurden von diesen Geschossen getroffen, und die Eisstücke lagen schon knietief.

Nach der Diskussion in der vorangegangenen Nacht wurde John durch den Anblick ziemlich alarmiert, und er rannte umher, bis er Mary fand. Durch den Lärm der Eruption und des stets tobenden Sturms brüllte Mary John ins Ohr: »Räume das Feld! Ich werde hinter der Quelle eine Sprengladung anbringen und versuchen, dem Ding einen Denkzettel zu geben.« Sie lief in ihrem weißen Nachthemd fort, und John trieb die Zuschauer zusammen und brachte sie durch die Tunnels zum Habitat der Station zurück. Mary traf japsend in der Schleuse zu ihnen. Sie fummelte an ihrem Handgerät, und es gab einen dumpfen Knall aus Richtung der Quelle. »Kommt, wir wollen es uns anschauen!« sagte sie. Sie gingen durch die Schleuse und liefen wieder durch die Tunnels zurück zu dem Fenster oberhalb der Quelle. Dort lag in einem Haufen weißer Eiskugeln das Wrack des Bohrers still auf der Seite. Mary rief: »Jawohl! Zugedeckt.«

Sie applaudierten schwach. Einige gingen hinunter in den Bereich der Quelle, um zu sehen, ob sie etwas tun könnten, die Situation zu sichern. »Gute Arbeit!« sagte John zu Mary.

Mary sagte, immer noch außer Atem: »Ich habe seit jenem ersten Vorfall viel über das Zudecken von Sprudelquellen gelesen. Und wir hatten alles einsatzfähig vorbereitet. Aber wir hatten nie die Chance, es zu versuchen. Natürlich. Darum kann man nie wissen.«

»Haben eure Schleusen Recorder?« fragte John.

»Allerdings!«

»Prima!«

John ging los, um die Aufzeichnungen durchzusehen. Er stöpselte Pauline in das System der Station ein und stellte Fragen. Die Antworten las er auf seinem Handgerät ab. Niemand hatte seit dem Zeitrutsch dieser Nacht die Schleusen benutzt. Er rief den Wettersatelliten oben ab und schaltete sich in die Radar- und Infrarotsysteme ein, für die Sax ihm die Codes gegeben hatte, und überprüfte das Gebiet um Bakhuysen. Kein Anzeichen von irgendeiner Maschine in der Nähe, außer einigen alten Windmühlenheizern. Und die Transponder zeigten, dass seit seiner Ankunft am Vortag niemand in dieser Gegend gewesen war.

John saß niedergeschlagen vor Pauline. Er fühlte sich schlapp und ratlos. Er konnte sich keine anderen Überprüfungen ausdenken, die er anstellen könnte; und nach denen, die er hatte, schien niemand in der Nacht draußen gewesen zu sein, um den Schaden anzurichten. Die Explosion hätte schon vor Tagen vorbereitet sein können, obwohl es schwierig wäre, das Gerät zu verstecken, da täglich an den Quellen gearbeitet wurde. Er stand langsam auf, suchte Mary und sprach mit ihrer Hilfe zu den Leuten, die am Tag zuvor als letzte an dieser Quelle zu tun gehabt hatten. Kein Hinweis auf ein Herumpfuschen bis hin um acht Uhr abends. Und danach waren alle Stationsmitglieder auf der John-Boone-Party gewesen und die Schleusen nicht mehr benutzt worden. Also hatte es wirklich keine Chance gegeben.

Er ging wieder zu Bett und dachte darüber nach. »Oh, übrigens, Pauline, prüf bitte die Akten von Sax und gib mir eine Liste aller Wünschelrutenexpeditionen im letzten Jahr!«

John traf auf seiner blinden Fahrt nach Hellas Nadia, die den Bau einer neuartigen Kuppel über dem Rabe-Krater beaufsichtigte. Es war die größte je errichtete Kuppel — unter Ausnutzung der dichteren Atmosphäre und der leichteren Baustoffe, die eine Situation schufen, wo Schwere durch Druck ausgeglichen werden konnte, so dass die unter Überdruck stehende Kuppel praktisch gewichtslos wurde. Der Rahmen sollte aus verstärkten Areogel-Trägern bestehen, dem jüngsten Erzeugnis der Alchemisten. Areogel war so leicht und stark, dass Nadia in leichte Verzückung geriet, als sie seine Einsatzmöglichkeiten schilderte. Nach ihrer Ansicht waren Kraterkuppeln eine Sache der Vergangenheit. Es wäre ebenso einfach, Areogelpfeiler um die Peripherie einer Stadt zu errichten, die Felsengelasse zu vermeiden und die ganze Bevölkerung in einem großen hellen Zelt unterzubringen.

Sie erzählte John alles darüber, während sie um das Innere von Rabe herumgingen, das bislang nichts als ein großer Bauplatz war. Der ganze Kraterrand sollte wabenartig mit Räumen unter Tageslicht ausgehöhlt werden, und das überkuppelte Innere würde eine Farm enthalten, die dreißigtausend Menschen ernähren sollte. Roboter für Bodenbewegungen in der Größe von Häusern brummten aus der Dunkelheit des Staubes heraus und waren schon aus fünfzig Metern Entfernung nicht mehr zu sehen. Diese Behemothe arbeiten selbständig oder durch Fernlenkung. Das Bedienungspersonal hatte wahrscheinlich zu wenig Sicht auf die Umgebung, als dass Fußgängerverkehr in der Nähe ganz sicher wäre. John folgte Nadia nervös, als sie umherschlenderte. Er erinnerte sich, wie unruhig die Bergleute von Bradbury Point gewesen waren — und dort hatten sie immerhin sehen können, was geschah. Er musste über Nadias Arglosigkeit lachen. Wenn der Boden unter den Füßen zitterte, blieben sie einfach stehen und schauten sich um, bereit, allen herankommenden haushohen Vehikeln aus dem Weg zu springen. Es war wirklich anstrengend. Nadia schimpfte über den Staub, der viele Maschinen unbrauchbar machte. Der große Sturm war jetzt vier Monate alt, der längste seit Jahren, und ein Ende zeichnete sich noch nicht ab. Die Temperaturen waren scharf gesunken, die Menschen aßen Konserven und Trockennahrung und gelegentlich etwas Salat oder Gemüse, die bei künstlicher Beleuchtung gewachsen waren. Und Staub war überall drin. Selbst während sie darüber sprachen, fühlte John, wie er seine Lippen verklebte, und die Augen waren trocken in ihren Höhlen. Kopfschmerzen waren sehr häufig geworden, ebenso Nebenhöhlenentzündungen, wunde Kehlen, Bronchitis, Asthma und Lungenbeschwerden allgemein. Dazu allerhand Frostschäden. Und Computer wurden gefährlich unzuverlässig, viele Geräte versagten. Es gab Neurosen und Verzögerungen bei intelligenter Elektronik. Die Mittage im Innern von Rabe waren wie das Leben in einem Backstein sagte Nadia, und die Sonnenuntergänge sahen aus wie glimmende Kohleflöze. Sie hasste das.

John wechselte das Thema. »Was hältst du von diesem Raumaufzug?«

»Eine große Sache.«

»Aber der Effekt, Nadia. Was kommt dabei heraus?«

»Wer weiß? Bei einem solchen Ding kann das ja niemand sagen.«