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»Er wird einen strategischen Engpass bilden, so wie der, von dem Phyllis sprach, als wir darüber diskutierten, wer die Phobos-Station bauen würde. Sie wird jetzt ihren eigenen Engpass bekommen. Das ist eine Menge Macht.«

»So redet Arkady; aber ich verstehe nicht, warum man ihn nicht wie eine gemeinsame Hilfsquelle behandeln kann, wie eine Naturerscheinung.«

»Du bist eine Optimistin.«

Sie zuckte die Achseln. »Arkady sagt das auch. Ich versuche nur, sensibel zu sein.«

»Ich auch.«

»Ich weiß. Manchmal denke ich, wir zwei wären die letzten.«

»Und Arkady?«

Sie lachte.

»Aber ihr zwei seid doch ein Paar!«

»Ja, ja. Wie du und Maya.«

»Touche.«

Nadia lächelte kurz. »Ich bemühe mich, Arkady dazu zu bringen, dass er über Dinge nachdenkt. Das ist das beste, was ich tun kann. Wir treffen uns in einem Monat in Acheron, um die Behandlung zu bekommen.

Maya hält es für gut, wenn man das gemeinsam macht.«

»Ich kann es nur empfehlen«, sagte John grinsend.

»Und die Behandlung?«

»Übertrifft die Alternative, nicht wahr?«

Sie kicherte. Dann grummelte der Boden unter ihren Füßen. Sie reckten sich und drehten den Kopf, um nach Schatten in dem Dunkel Ausschau zu halten. Rechts von ihnen erschien ein großes schwarzes Gebilde wie ein wandernder Berg. Sie rannten zur Seite, stolperten und sprangen über Klumpen und Schutt. John fragte sich, ob dies eine neue Attacke wäre. Nadia stieß rasche Befehle auf der allgemeinen Frequenz aus und fluchte auf die RC-Piloten, die sie im Infrarot nicht verfolgt hätten. »Achtet auf eure Schirme, ihr krummen Hunde!«

Der Boden hörte auf zu vibrieren. Der schwarze Leviathan bewegte sich nicht mehr. Sie gingen unsicher darauf zu. Ein Abraumtransporter wie aus dem legendären Riesenland Brobdingnag, auf Schienen. Hier erbaut von Utopia Planitia Machines. Ein von Robotern erbauter Roboter, so groß wie ein Bürohaus.

John starrte an ihm in die Höhe und fühlte, wie ihm der Schweiß die Stirn herunterrann. Sie waren in Sicherheit. Sein Puls beruhigte sich. »Monster wie dieses gibt es überall auf dem Planeten«, sagte er erstaunt zu Nadia. »Sie schneiden, kratzen, graben, beladen und bauen. Hübsch bald werden sich einige von ihnen an einen jener zwei Kilometer großen Asteroiden heften und ein Kraftwerk bauen, das den Asteroiden selbst als Treibstoff benutzen wird, um ihn in einen Marsorbit zu schieben. Dann werden andere Maschinen darauf landen und anfangen, das Gestein in ein Kabel von siebenunddreißigtausend Kilometern Länge zu verwandeln. Stell dir die Größe davon vor, Nadia! Die Größe!«

»Na ja, ganz schön groß.«

»Es ist wirklich unvorstellbar. Etwas, das gänzlich außerhalb menschlicher Fähigkeiten liegt, wie wir sie zu verstehen gelernt haben. Teleoperation in kolossalem Maßstab. Eine Art spiritueller Waldo. Alles, das man sich ausdenken kann, lässt sich machen!« Sie gingen langsam um das gigantische schwarze Objekt vor ihnen herum. Nichts weiter als ein Abraumlaster, nichts im Vergleich mit dem, was der Raumlift sein würde. Aber selbst schon dieser Lastwagen, dachte er, war ein erstaunliches Ding. »Muskeln und Gehirn sind durch eine robotische Armatur verlängert worden, die so groß und stark ist, dass man es kaum fassen kann. Vielleicht unmöglich. Wahrscheinlich ist es ein Teil deines Talents — und auch dessen von Sax —, die Muskeln in bisher unerhörter Weise einzusetzen. Ich meine Löcher, die direkt durch die Lithosphäre gebohrt werden, der Terminator beleuchtet durch gespiegeltes Sonnenlicht, alle die Städte, die Mesas füllen und in den Flanken von Klippen stecken — und jetzt ein Kabel bis weit über Phobos und Deimos hinaus, so lang, dass es aus dem Orbit heraus bis nach unten reicht. So etwas kann man sich nicht vorstellen!«

»Es ist nicht unmöglich«, bemerkte Nadia.

»Nein. Und jetzt sehen wir natürlich Zeugnisse unserer Macht ringsumher. Wir werden davon fast überrannt, wenn es funktioniert. Und Sehen heißt Glauben. Selbst ohne Phantasie kannst du sehen, welche Macht wir haben. Vielleicht ist dies der Grund, weshalb die Dinge jetzt so seltsam laufen. Jedermann spricht über Souveränität, Kämpfe und Gebietsansprüche. Die Leute quatschen wie jene alten Götter auf dem Olymp, weil wir fast so mächtig sind wie sie.«

»Oder noch mehr«, sagte Nadia.

Er fuhr weiter zu den Hellespontus Montes, der gebogenen Bergkette, die das Hellas-Becken umgibt. Irgendwie geriet eines Nachts, als er schlief, sein Rover von der Transponderstraße ab. Er erwachte und sah bei Lücken im Staub, dass er sich in einem engen Tal befand mit Wänden aus kleinen Klippen, eingeschnitten, wie sie typisch für Überflutungen waren. Es erschien wahrscheinlich, dass er, wenn er auf dem Talboden bliebe, die Straße wieder kreuzen würde. Also fuhr er querfeldein los. Dann war der Talboden durch flache Quergräben unterbrochen wie leere Kanäle; und Pauline musste wiederholt anhalten, wenden und eine andere Abzweigung in ihrem Straßen findenden Algorithmus suchen, abgeschlagen durch eine Schlucht nach der anderen, wie sie aus der Finsternis auftauchten. Als John ungeduldig wurde und versuchte zu übernehmen, wurde es nur noch schlimmer. Im Lande der Blinden ist der Autopilot König.

Aber langsam näherte er sich der Talmündung, wo die Karte anzeigte, dass die Transponderstraße in ein weiteres Tal unten abstieg. Also machte er in dieser Nacht unbekümmert halt, saß vor dem Fernseher und nahm eine Mahlzeit ein. Mangalavid zeigte die Erstaufführung einer Aeolia, die von einer Gruppe in Noctis Labyrinthus erbaut war. Die Aeolia erwies sich als ein kleines Gebäude mit Öffnungen, durch die es pfiff oder tönte oder quietschte, je nach dem Winkel und der Stärke des Windes, der darauf traf. Für die Premiere war der tägliche ins Tal führende Wind von Noctis verstärkt durch einige wilde Fallböen des Sturms; und die Musik fluktuierte wie eine Komposition — klagend, ärgerlich, dissonant oder plötzlich harmonisch. Sie schien das Werk eines Geistes zu sein, vielleicht eines fremden Geistes, war aber sicherlich mehr als ein Zufallsprodukt. Die fast aleatorische Aeolia, wie ein Kommentator sagte.

Danach kamen Nachrichten von der Erde. Die Existenz gerontologischer Behandlungen war durch einen Beamten in Genf durchgesickert und in einem Tage um die Welt gerast. Jetzt lief eine heftige Debatte in der Generalversammlung darüber. Viele Delegierte verlangten, dass die Behandlungen zu einem menschlichen Grundrecht erklärt werden sollten, durch die UN für alle garantiert, finanziert durch die entwickelten Nationen, die sofort einen Pool bilden müssten, um zu gewährleisten, dass die Bezahlung der Behandlungen gleichermaßen allen zugänglich wäre. Inzwischen trafen andere Meldungen ein. Einige religiöse Führer, unter ihnen der Papst, traten gegen eine derartige Behandlung auf. Es gab weithin Krawalle und einige Schadensfälle in gewissen medizinischen Zentren. Regierungen waren in Unruhe. Alle Gesichter auf dem Bildschirm zeigten Erregung oder Wut und verlangten Änderungen. Und alles an Ungleichheit, Hass und Elend, das die Gesichter zeigten, ließ John zurückzucken. Er konnte das nicht ansehen. Er fiel in einen kümmerlichen Schlaf.

Er träumte von Frank, als ihn ein Geräusch weckte. Ein Klopfen an seiner Windschutzscheibe. Es war mitten in der Nacht. Benommen drückte er auf die Schleuse. Er setzte sich auf und wunderte sich über eine solche Reflexhandlung. Wann hatte er die wohl gelernt? Er rieb sich das Kinn und schaltete auf die allgemeine Frequenz. »Hallo? Jemand da draußen?«

»Die Marsmenschen.«

Es war eine männliche Stimme. Ihr Englisch hatte einen Akzent, aber John konnte ihn nicht identifizieren.

»Wir wollen reden«, sagte die Stimme.

John stand auf und blickte durch die Scheibe. Bei Nacht und in diesem Sturm war wenig zu sehen. Aber er glaubte Gestalten in der Dunkelheit ausmachen zu können, die um sein Fahrzeug standen.