Выбрать главу

John lächelte den Mann an und musste fast lachen. Es war wieder einmal nützlich, der Erste Mann auf dem Mars zu sein. Sie konnten ihm weiter nichts antun, ohne viel mehr Unruhe zu stiften, als es wert war. Er stand auf und betrachtete die kleine Schar mit so viel lässiger Arroganz, wie er aufbringen konnte. Und das war ziemlich viel. »Lassen Sie es mich wissen, wenn ich sonst noch etwas für Sie tun kann.«

Er verließ den Raum. »Pauline, schalte dich in das Kommunikationszentrum ein und kopiere von dem, was gesendet wird, alles, was du kriegen kannst!« Dann rief er Helmut an. Er war sich darüber im klaren, dass auch seine eigenen Rufe erfasst werden konnten, und hielt seine Fragen kurz, als ob er bloß Empfehlungsschreiben nachprüfen würde. Jawohl, die UNOMA hatte ein Team ausgeschickt. Es war Teil einer Eingreiftruppe, die in den letzten sechs Monaten zusammengestellt worden war, um Schwierigkeiten zu beheben.

Also auf dem Mars sowohl Polizei wie auch Detektive. Nun, das war zu erwarten gewesen. Aber es war trotzdem lästig. Er konnte nicht viel tun, wenn die herumhingen und ihn beobachteten, misstrauisch, weil er ihnen keinen Zugang zu Pauline gewährt hatte. Und in Hellas gab es ohnehin nicht viel zu tun. Es hatte hier keine Fälle von Sabotage gegeben und erschien unwahrscheinlich, dass jetzt welche vorkommen würden. Maya war teilnahmslos. Sie wollte nicht mit seinen Problemen behelligt werden und hatte genug eigene Probleme mit den technischen Aspekten des Wasserlagerprojekts. Sie sagte ärgerlich: »Diese Dinge passieren dir, ein Lastwagen in Thaumasia, eine Quelle in Bakhuysen; und jetzt willst du sie nicht an deine Aufzeichnungen heranlassen. Warum tust du das nicht einfach?«

»Weil ich sie nicht leiden kann«, sagte John und sah sie an. Es war mit Maya wieder normal. Nun, nicht ganz. Sie erledigten ihre Routine in gehobener Stimmung, als ob sie eine gute Rolle im Theater spielen würden. Sie wussten, dass sie Zeit hatten für alles. Sie wussten jetzt, was real war und was ihrer Beziehung zugrunde lag. In diesem Sinne war es also viel besser. Oberflächlich erschien es allerdings wie dasselbe alte Melodram. Maya weigerte sich zu verstehen, und John gab schließlich auf. Er dachte einige Tage darüber nach. Er ging zu den Labors der Station und ließ die Hautproben, die er unter seinen Fingernägeln genommen hatte, kultivieren, klonen und lesen. In den Akten des Planeten gab es keine einzige Person mit diesem Genom. Also schickte er die Information nach Acheron mit der Bitte um Analyse und jede mögliche Information. Ursula schickte ihre Resultate codiert zurück mit einem einzigen Wort am Schluss: Gratuliere.

Er las die Nachricht noch einmal und fluchte laut. Er ging spazieren, abwechselnd lachend und schimpfend. »Verdammt sollst du sein, Hiroko! Geh zum Teufel! Komm aus deinem Loch heraus und hilf uns! Ah, ha ha ha! Du Biest! Mir ist von diesem Persephone-Mist ganz übel.«

Selbst die Gehröhren bedrückten ihn in diesem Moment. Er ging zurück zur Garage, zog sich an und ging zu einem Spaziergang im Freien aus der Schleuse, dem ersten seit vielen Tagen. Er befand sich draußen am Ende des nördlichen Zweiges der Stadt auf glattem Wüstenboden. Er wanderte umher und blieb in der fluktuierenden Säule staubfreier Luft stehen, die jede Stadt erzeugte, und dachte über die Lage nach, während er die Stadt überblickte. Hellas wurde viel weniger eindrucksvoll als Burroughs oder Acheron oder Echus oder sogar Senzeni Na. Am tiefsten Punkt des Beckens gelegen, besaß es keine Höhen, auf denen man bauen konnte, und keine Aussicht. Obwohl der peitschende Staub die Beurteilung gerade erschwerte. Die Stadt war in Form einer Sichel erbaut worden, die schließlich die Küstenlinie des neuen Sees bilden sollte. Das könnte hübsch aussehen, wenn es so weit war — eine Strandpromenade. Aber vorerst war es so uninteressant wie Underhill. Mit allen neuesten Errungenschaften an Kraftwerk und Dienstleistungsapparat, Einsaugventilen, Kabeln, Tunneln wie gigantische abgestreifte Schlangenhäute. Es war das Aussehen einer alten Forschungsstation ohne jede Ästhetik. Nun, das war fein. Sie konnten nicht jede Station auf einen Berggipfel setzen.

Ihm begegneten zwei Personen, deren Gesichtsscheiben polarisiert waren. Er fand das seltsam, da es in dem Sturm so trübe war. Dann sprangen sie ihn an und stießen ihn um. Er schob den Sand mit einem wilden John-Carter-Sprung weg und streckte die Fäuste aus, aber zu seiner Überraschung rannten sie weg in die Wolken aus vorbeirasendem Staub. Er torkelte und starrte ihnen nach. Sie verschwanden hinter den Staubschleiern. Sein Puls raste. Dann fühlte er seine Schultern brennen. Er griff nach oben und hinten. Sie hatten seinen Schutzanzug aufgerissen. Er presste die Hand auf den Riss und fing an rasch zu laufen. Er konnte seine Schultern überhaupt nicht mehr fühlen. Es war unbequem zu laufen mit dem Arm oben auf dem Rücken. Sein Luftvorrat schien zu stimmen. Nein, ein Riss im Rohr am Halse. Er nahm seine Hand so lange von der Schulter, dass er maximalen Fluss auf seinem Handgerät eintippen konnte. Die Kälte strömte ihm den Rücken hinunter wie gespenstisches Eiswasser. Hundert Grad unter Null. Er hielt den Atem an und konnte Staub auf den Lippen fühlen, der ihm den Mund verklebte. Unmöglich zu sagen, wie viel Kohlendioxid in seine Sauerstoffzufuhr geriet; aber viel war nicht nötig, um einen zu töten.

Die Garage tauchte aus der Finsternis auf. Er war gerade darauf zugerannt und fühlte sich sehr mit sich zufrieden, bis er an die Schleusentür kam, den Knopf für Öffnen drückte und nichts geschah. Es war leicht, die Außentür einer Schleuse zu sperren, indem man bloß die innere offen ließ. Seine Lunge brannte, er musste Luft holen. Er rannte um die Garage herum zu der Gehröhre, die sie mit dem eigentlichen Habitat verband, erreichte diese und starrte durch die Plastikschichten hinein. Niemand in Sicht. Er nahm die Hand von dem Riss auf seiner Schulter weg, öffnete, so schnell er konnte, den Kasten auf seinem linken Unterarm und holte den kleinen Bohrer heraus. Er stellte ihn an und stieß ihn in die Plastik, die nachgab, ohne zu brechen, und sich um die Spitze des Bohrers wickelte, bis dieser fast seinen Ellbogen zerbrach. Er stocherte wild damit herum und schaffte es schließlich, dass die Plastik riss. Dann schlitzte er sie nach unten hin auf und erweiterte das Loch, bis er seinen Helm hindurchquetschen konnte. Als er bis zur Hüfte drin war, hielt er still und benutzte seinen Körper als groben Pflock für das Loch. Er klammerte den Helm los, riss ihn sich vom Kopf und japste nach Luft wie nach einem langen Tauchgang — aus ein, aus ein. Er musste das CO2 aus dem Blut entfernen. Schultern und Hals waren taub. Unten an der Garage läutete eine Alarmglocke.

Nach zwanzig Sekunden intensiven Nachdenkens zwängte er die Beine durch das Loch und rannte durch die schnell Druck verlierende Röhre zum Habitat, weg von der Garage. Glücklicherweise öffnete sich die Tür dort auf Befehl. Einmal im Innern, sprang er in einen Aufzug und fuhr bis zum dritten unterirdischen Stockwerk, wo er in einer Gästesuite wohnte. Er ließ die Lifttür offen und schaute hinaus. Niemand zu sehen. Er eilte in sein Zimmer. Drinnen zog er den Schutzanzug aus und stopfte ihn und den Helm in seinen Schrank. Im Bad zuckte er zusammen beim Anblick von Schulter und oberem Rücken, die weiß geworden waren. Ein wirklich schlimmer Fall von Erfrierung. Er nahm schmerzsstillende Mittel ein und eine dreifache Dosis Omegendorph, zog ein Hemd mit Kragen an, Hosen und Schuhe. Er kämmte das Haar und brachte sich in Ordnung. Das Gesicht im Spiegel zeigte glasige Augen und wirkte fast betäubt. Er zwang sich zu stärksten Grimassen, schlug sich ins Gesicht, bemühte sich um eine normale Miene und begann tief zu atmen. Die Drogen fingen an zu wirken, und sein Spiegelbild sah etwas besser aus.

Er ging hinaus in die Halle und zu der großen Promenade an der Grabenwand, die weitere drei Stockwerke in die Tiefe führte. Während er am Geländer entlangschritt, schaute er auf die Leute unten und empfand eine eigenartige Mischung von gehobener Stimmung und Wut. Dann kamen Sam Houston und eine seiner Kolleginnen auf ihn zu.