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»Von wem?«

»Von den Yumas.«

»Und da reitest du zu ihnen? Was willst du bei ihnen?«

»Mit ihnen über die Herden, welche sie fortgetrieben haben, verhandeln.« »In welchem Auftrage?«

»Ich bin der Bote des Haziendero, welcher bereit ist, die Tiere zurückzukaufen, und soll mir von dem Häuptlinge den Preis bestimmen lassen.«

»Dein Weg ist umsonst, denn er verkauft die Tiere nicht.«

»Woher wißt ihr das?«

»Wir gehören zu seinen Kriegern.«

»So müßt ihr freilich wissen, was er thun will und was nicht; aber ich möchte dennoch mit ihm sprechen, da ich nach meinem Auftrage zu handeln habe.«

»Du scheinst nicht zu wissen, wie gefährlich das ist. Die Krieger der Yumas haben das Kriegsbeil gegen die Weißen ergriffen.«

»Ich weiß es, habe aber keine Sorge, da ich als Unterhändler unverletzlich bin. Wo haben die Krieger der Yuma, welche auf der Hazienda waren, ihr Lager aufgeschlagen?«

»Das brauchst du nicht zu wissen, denn es ist nicht nötig, daß du so weit reitest. Wenn du hier wartest oder langsam auf dieser Spur weiter reitest, wirst du in kurzer Zeit den Häuptling mit fünfzig seiner Krieger erscheinen sehen.«

»Ich danke euch. Lebt wohl!«

Ich that so, als ob ich weiter reiten wolle, obgleich ich wußte, daß sie noch mehrere Fragen an mich richten würden. Gerade auf diese Fragen kam es mir an, denn aus ihnen konnte ich vielleicht das schließen, was ich wissen wollte.

»Halt, warte noch!« erklang es in befehlendem Tone. »Hast du denn mit dem Haziendero gesprochen?« »Natürlich! Wie könnte ich sonst sein Bevollmächtigter sein!«

»Und er war mit dem Bleichgesichte, welches Melton heißt, auf dem Wege nach Ures?« »Einen Weißen Namens Melton habe ich nicht gesehen.« »Vielleicht einen, welcher Weller hieß, und den Sohn desselben?« »Auch nicht.«

»So hast du wohl auch nicht einen Trupp unserer Krieger gesehen, bei welchem diese Bleichgesichter zwei Tage lang gefangen gewesen sind?«

»Nein. Ich habe nur den Haziendero gesehen und mit ihm gesprochen.« »Wo?«

»In den Ruinen seines Hauses. Ich kam nach der Hazienda, um ihm Geld zu geben, welches ich ihm schuldete. Er will mit demselben das Vieh zurückkaufen und bat mich, den Yumas nachzureiten, um mit ihnen zu verhandeln.«

»Wer hat das Geld, du oder er?«

»Er natürlich.«

Sie hatten mich noch immer nicht erkannt und sahen einander betroffen an. Der bisherige Sprecher meinte nachdenklich, ohne dabei auf meine Gegenwart Rücksicht zu nehmen:

»Da muß etwas geschehen sein! Der Haziendero ist noch da, und die andern Bleichgesichter befinden sich nicht bei ihm! Auch unsere Krieger waren nicht zu sehen, obwohl sie nach hier unterwegs sein müssen! Er will das Vieh zurückkaufen; er hat Geld! Da kann alles anders werden! Und wo befinden sich die vielen fremden Bleichgesichter, welche mit ihren Frauen und Kindern von unsern Brüdern erwartet werden und in die Berge gebracht werden sollen?«

Die andern schüttelten stumm die Köpfe; er wendete sich wieder an mich:

»Bist du nicht vor kurzer Zeit zwei Reitern begegnet?«

»Ja. Es war ein Weißer mit einem jungen Indianer.«

»Wie war der Weiße gekleidet?«

»Wie ein Lump und Habenichts.«

»Was für Waffen hatte er?«

»Ich sah zwei Gewehre.«

»Das stimmt. Der Hund von Mimbrenjo hat sie ihm nachgebracht!«

Das sagte er wie zu sich selbst oder zu seinen beiden Kameraden; dann fragte er mich weiter: »Ritten sie sehr schnell?«

»Nein,« antwortete ich, indem ich den Zügel schärfer anzog, um mein Pferd um einige Schritte zurückzunehmen. »Sie waren abgestiegen.«

»Wo?«

»Dort hinter mir im Gebüsch.«

»Uff! So müssen wir schnell zurück, denn das lange Gewehr des Bleichgesichtes reicht bis hierher; es ist ein Bärentöter. Und die kurze Flinte desselben schießt ohne Aufhören immerfort. Komm mit uns! Wir reiten eine Strecke zurück, wo du den Häuptling sehen wirst und mit ihm sprechen kannst.«

»Das hat Zeit. Wartet noch ein wenig! Ich möchte etwas von euch haben.«

»Was?« »Eure Gewehre und eure Pferde.«

»Warum und wozu?« fragte er, indem er mich, erstaunt über diese Forderung, anblickte.

»Darum!« antwortete ich, indem ich mit der Linken das Tuch aus dem Gesicht strich und mit der Rechten den Stutzen auf sie richtete. »Ihr habt selbst gesagt, wie oft ich mit diesem Gewehre zu schießen vermag. Wer von euch von der Stelle weicht, erhält augenblicklich eine Kugel. Und dort im Gebüsch steht der Mimbrenjo mit meinem Bärentöter, dessen Kugel bis hieher und auch noch weiter geht.«

Sie blieben halten, nicht etwa infolge meines Befehls, sondern vor Schreck, und starrten mir mit weit geöffneten Augen in das jetzt unverhüllte Gesicht.

»Uff!« stieß der Sprecher hervor. »Das ist Old Shatterhand!«

»Old Shatterhand, Old Shatterhand!« wiederholten die beiden andern.

»Ja, Old Shatterhand ist's,« nickte ich, das Gewehr mit der Mündung noch immer auf sie richtend, »Wendet nicht um, sonst schieße ich! Ihr wollt mich fangen und seid nun selbst gefangen. Ich will euch aber frei lassen und euch die Erlaubnis geben, zu eurem Häuptling zurückzugehen. Laßt eure Gewehre fallen!«

Sie hatten ihre Flinten, wie Indianer bei jeder fremden Begegnung zu thun pflegen, in den Händen, doch nicht schußbereit. Sie wagten nicht, sie gegen mich zu erheben, gehorchten aber doch nicht sogleich.

»Schnell, sonst schieße ich! Ich warte nicht!« donnerte ich sie an. »Eins - zwei ---«

Ich hatte noch nicht »drei« gesagt, so ließen sie die Gewehre aus ihren Händen und von den Pferden herab auf die Erde fallen.

»Steigt ab, und tretet auf die Seite!«

Sie gehorchten aus Angst vor der Mündung meines Stutzens.

»Jetzt lauft zurück! Wer von euch sich umsieht, solange ich ihn zu sehen vermag, bekommt die Kugel!«

Sie rannten augenblicklich in vollstem Laufe davon. Es war eigentlich zum Lachen, wie sie so davonschossen. Als sie mich noch fest hatten, spotteten und höhnten sie über mich; jetzt aber liefen sie wie die Hasen.

Ich brauchte gar nicht zu warten, bis sie verschwunden waren, denn ich war überzeugt, daß sie nicht wagen würden, sich umzudrehen. Ich stieg ab, um ihre Gewehre aufzunehmen und mich ihrer Pferde, welche beim Verschwinden ihrer Herren unruhig geworden waren, zu versichern. Da sah ich auch schon meinen Mimbrenjo im vollen Galoppe aus dem Busche geritten kommen, um mir zu helfen.

»Uff, uff!« rief er mir schon von weitem zu. »Old Shatterhand ist ein großer Zauberer; ihm gelingen alle, selbst die schwersten Medizinen!«

»Das war nicht schwer,« antwortete ich.

»Ohne Kampf drei Feinde zu entwaffnen und ihnen noch dazu die Pferde abzunehmen? Das soll nicht schwer sein! Wer hätte das vorhin gedacht! Als du sagtest, daß du mit ihnen reden wollest, war ich voller Sorge um dich!«

»Ich hatte einen Verbündeten.«

»Ja, du hattest einen, denn ich stand mit deinem Bärentöter, den ich aber nicht halten konnte, sondern auf die Gabel eines Busches legen mußte, bereit, sofort zu schießen, falls sie Miene machen sollten, sich gegen dich zu wehren.«

»Das war sehr brav, wenn auch unnötig. Ich meine einen andern Verbündeten, nämlich die Ueberraschung. Durch diese wurde die Angst verdoppelt, welche sie vor meinen Gewehren haben. Doch wir müssen fort, denn ihre Kameraden können jeden Augenblick erscheinen.«

Wir befestigten die drei Gewehre an den Sattelknöpfen der erbeuteten Pferde; der Mimbrenjo nahm ein Pferd, ich zwei am Zügel, dann ritten wir davon, erst langsam durch den Busch und, als wir ihn hinter uns, vor uns aber freies Land hatten, im Galopp. Diese Schnelligkeit hielten wir aber nur solange ein, bis wir weit genug entfernt waren, um nicht gefährdet zu werden. Als wir die Büsche nur noch als dünnen Streifen hinter uns liegen sahen, blieben wir halten, und zwar in wohl erwogener Absicht. Es kam uns ja darauf an, die Verfolger hinter uns her zu locken, und so mußten wir uns zuweilen von ihnen sehen lassen, um ihre Energie neu zu beleben.