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Gefühle, welche er für mich hegte, die Oberhand, und er gestand:

»Ich verzeihe dir,« beruhigte ich ihn. »Du hast einen zornmütigen Kopf, aber ein gutes Herz. Wenn du dein Unrecht eingestehst, kann ich es dir nicht länger anrechnen.«

»Ja, ich gestehe es ein und werde das allen laut sagen, welche die Beleidigung mit angehört haben. Ich werde nie wieder an dir zweifeln!«

»Das hoffe ich nicht nur um unserer Freundschaft willen, sondern ganz besonders auch deinetwegen. Es ist nun vorüber; sprechen wir nicht mehr davon!«

»Ja, schweigen wir darüber; es wird nicht wieder geschehen. Du bist gerechtfertigt, obgleich ich vieles von dem, was zwischen dir und dem Yuma gesprochen wurde, nicht verstanden habe.«

»Davon bin ich überzeugt. Verstanden hätte ich nur von jemand werden können, welcher meine eigenen Gedanken gehabt hätte, und die besaß doch nur ich allein.«

»Du hast die Erzählung von dem Häuptling des Schiffes nicht geglaubt?«

»Nein.«

»So sind die weißen Einwanderer nicht verkauft worden?«

»Nein, wenigstens nicht in dem Sinne, in welchem der Yuma es meinte. Nicht verkauft, schändlich betrogen sind sie worden von Melton und den beiden Wellers.«

aber betrogen,

Da Winnetou nur ahnte, aber nichts Positives wußte, teilte ich ihm mein Gespräch aufmerksam zu, fiel darauf in ein kurzes, nachdenkliches Schweigen und fragte dann:

mit. Er hörte

»Wer hat die Fremden kommen lassen, der Haziendero oder Melton?«

»Der erstere.«

»Er ist es also auch, der für sie bezahlt hat?« »Ja.«

»Denkst du, daß er es ehrlich mit ihnen gemeint hat?«

»Ich bin überzeugt davon. Er ist selbst betrogen worden.«

»Melton hat ihm die Hazienda abgekauft?«

»Das möchte ich jetzt annehmen. Er hat sie aber vorher überfallen, ausrauben und niederbrennen lassen, um billig in ihren Besitz zu kommen.«

»Hat er die Auswanderer auch mitgekauft?«

»Ich denke es, denn es gab in ihrem Kontrakte einen Satz, welcher besagte, daß sie auch dem Nachfolger des Haziendero verbindlich seien. Und das ist es, was mich für sie mit großer Besorgnis erfüllt. Wenn Melton ihr

Herr geworden ist, so ist es um ihr Wohlsein möglichst schlimm bestellt.«

»Eines vermag ich nicht zu durchschauen. Er hat die Hazienda verwüsten lassen, um sie wertlos zu machen, und sie dann doch gekauft. Sie muß also trotz der Verwüstung einen Wert besitzen, nämlich für ihn, aber nicht für den Haziendero.«

»Das ist unbedingt richtig; aber auch ich sehe in diesem Punkte nicht klar. Nachdem alles verbrannt und vernichtet ist, kann er auf Jahre hinaus weder Ackerbau noch Viehzucht treiben; es muß also eine andere Art der Benutzung sein, welche er im Sinne hat, eine Benutzung, zu welcher er die Auswanderer zwingen will. Ich bin überzeugt, daß sein Plan schon fertig war, als er den Haziendero überredete, fremde Arbeiter kommen zu lassen. Es handelt sich auf jeden Fall um eine Büberei, gegen welche ich die Fremden, welche Kinder meines Vaterlandes sind, in Schutz nehmen möchte.«

»Old Shatterhand ist mein Bruder, folglich sind auch sie meine Brüder. Winnetou wird ihnen seinen Kopf und seinen Arm anbieten.«

»Ich danke dir! Deine Hilfe ist mehr wert, als die vieler Krieger. Es liegt Gefahr im Verzuge. Wir dürfen nicht weilen, dürfen aber ja nicht mit den Herden reisen, welche wir dem Haziendero zurückbringen wollen. Mit ihnen würden wir über vier Tage brauchen, um die Hazienda zu erreichen.«

»Nein; wir reiten allein. Was wird der "starke Büffel" thun? Wird er uns begleiten?«

»Ich würde mit euch reiten,« antwortete der Gefragte; »aber meine Brüder werden einsehen, daß es besser ist, wenn ich bei den gefangenen Yumas bleibe. Meine Krieger bedürfen doppelt nötig eines Anführers, da ich sie teilen muß. Die Gefangenen müssen fortgeschafft werden, und es gilt, die Herden nach der Hazienda zu bringen. Fünfzig meiner Leute werden genügen, letzteres zu thun, ich gebe ihnen einen erfahrenen Krieger als Anführer mit. Wenn sie auf der Hazienda angekommen sind und ihr habt ihrer nötig, so haben sie euch sowie mir zu gehorchen. Mit den andern schaffe ich die Yumas fort. Je weiter ich sie von der Hazienda entferne, desto weniger braucht ihr besorgt zu sein, daß sie mir vielleicht entfliehen und zurückkehren, um das Vieh wieder zu holen und euch Schaden zu bereiten.«

Das war höchst verständig gesprochen. Er hatte recht. Und außerdem war mir an der Begleitung des jähzornigen Alten nicht sehr viel gelegen. Ich hegte die Ueberzeugung, daß ich mit Winnetou weit leichter und eher ans Ziel kommen würde, als mit diesem so leicht erregbaren Manne. Darum stimmte ich ihm sofort bei, und auch der Apatsche meinte:

»Mein roter Bruder hat sehr gute Worte gesprochen. Vielleicht bedürfen wir der fünfzig Krieger, wenn sie die Herden abgeliefert haben. Vielleicht auch müssen wir, wenn wir ihnen voraus sind, ihnen eine Nachricht geben. Dazu müssen wir noch einen Krieger haben, welcher uns beide begleitet und als Bote dienen kann.«

Und ich fügte bei:

»Da werde ich doch lieber den "starken Büffel" bitten, uns seine beiden Söhne mitzugeben. Sie sind klug und tapfer und haben mir bewiesen, daß sie zu Botendiensten sehr geeignet sind. Ist dies meinem Freunde Winnetou recht?«

»Was Old Shatterhand sagt, soll geschehen,« antwortete der Gefragte.

Auch der Mimbrenjo erklärte sich einverstanden. Er war sogar stolz darauf, daß seinen Söhnen, trotz ihrer Jugend, eine solche Auszeichnung zu teil wurde, und versprach, für sie die zwei schnellsten und ausdauerndsten seiner Pferde auszusuchen. Das war uns natürlich lieb, da die Jünglinge sonst wohl kaum fähig gewesen wären, mit uns, das heißt, ihre Pferde mit den unserigen, Schritt zu halten.

Nachdem noch einige Einzelheiten besprochen worden waren, legten wir uns schlafen, um frühzeitig munter zu sein. Kaum graute der Morgen, so versahen wir uns mit Proviant, da wir nicht wußten, ob wir in der ausgeraubten Hazienda etwas finden würden, und stiegen zu Pferde. Die Mimbrenjos grüßten uns zum Abschiede mit aufrichtiger Herzlichkeit. Ihrem Häuptlinge mußten wir versprechen, ihn nach ausgeführtem Plane aufzusuchen, im Falle aber, daß wir vorher seiner Hilfe bedürfen sollten, uns an niemand wie an ihn zu wenden. Die gefangenen Yumas aber sahen uns mit finsteren Blicken ziehen. Ihr Anführer, der »große Mund« rief uns nach:

»Da reiten die Verräter und dreifachen Lügner. Wäre ich nicht gefangen, ich würde sie wie schmutziges Wasser ausschütten!«

Ja, er war gefangen, und es stand nicht zu erwarten, daß er wieder freikommen werde; dennoch sollten wir diesen gefährlichen Menschen sehr bald wiedersehen! - -

Fünftes Kapitel.

Der Player.

Auf unserm Ritte zeigte sich, was gute Pferde zu leisten vermögen. Mir war bange für die Auswanderer; wir trieben also unsere Tiere tüchtig an; glaubten wir doch, daß sie sich dann später nach unserer Ankunft auf der Hazienda tüchtig ausruhen könnten; die Folge war, daß wir schon am Nachmittage des nächsten Tages die Grenze der Hazienda erreichten, die beiden Jünglinge freilich auf schweißtriefenden Rossen, während die unserigen so trocken und munter waren, als ob wir jetzt erst am Beginne des weiten Rittes ständen.