Выбрать главу

»Es ist so; Don Timoteo hat die Wahrheit gesagt; Sie können es glauben, wertester Sennor. Old Shatterhand war auch bei mir, und Winnetou, der Häuptling der Apatschen, befand sich bei ihm.«

Mir war es höchst unlieb, daß die Leute von uns sprachen, sie hätten unter andern Umständen, oder wenn wir uns hier nicht schon befunden hätten, sich und uns den größten Schaden machen können. Dennoch war es interessant, zu sehen, welche Wirkung unsere Namen hervorriefen.

»Uff, uff!« fuhr der Rote auf, indem er in die Höhe sprang. »Winnetou war bei euch? Und Old Shatterhand befand sich bei ihm?«

»Ja. Old Shatterhand war sogar zweimal bei mir, wertester Sennor. Die beiden berühmtesten Männer sind über die Hazienda del Arroyo geritten, um uns nachzukommen.«

Da streckte der Rote seine Hand gegen seine beiden Kameraden aus und rief:

»Haben meine roten Brüder gehört, was gesagt wurde? Old Shatterhand befindet sich bei Winnetou, und das Bleichgesicht, welches Player genannt wird, meldete uns, daß Winnetou bei der Hazienda gewesen sei. Es stimmt also; es ist, wie die Weißen hier sagen. Winnetou ist mit Old Shatterhand unterwegs hierher. Wir müssen diesen Ort mit den Gefangenen hier verlassen und uns verstecken, alle Spuren vertilgen, und einer von euch muß dem "schnellen Fische" entgegenreiten, um ihn zu warnen. Die beiden Krieger sind gefährlicher, als hundert andere. Der Player erzählte uns, daß der "große Mund" Old Shatterhand gefangen und fortgeführt habe; wenn er wieder bei der Hazienda war, so hat er sich selbst befreit und wird Rache gegen uns schnauben wie ein wilder Büffel, welcher selbst den Bären des Gebirges besiegt. Wir befinden uns also in größter Gefahr und - -«

Er kam nicht weiter; es gab für ihn eine Unterbrechung, auf welche er am allerwenigsten vorbereitet war. Winnetou war bei den letzten Worten wie ein Blitz empor-, aus dem Busch und auf ihn zugeschnellt, legte ihm die Hand auf die Schulter und sagte in seiner ruhigen und doch so imponierenden, ja, wenn er wollte, niederschmetternden Weise:

»Also hat der Yuma vorhin gelogen, als er sagte, daß ein Yuma keine Angst kenne! Er wollte Old Shatterhand wie einen Hund mit einem Hiebe auf die Schnauze erschlagen, und nun er hört, daß der weiße Krieger sich in der Nähe befindet, will er sich verstecken, weil er weiß, daß Old Shatterhand und Winnetou mehr sind als hundert andere Krieger. Ich sage euch, kein Yuma wird Old Shatterhand schlagen, denn noch ehe er den Arm dazu erhöbe, würde er zerschmettert sein!«

Das war wieder einmal ein Augenblick, an welchem der Apatsche sich in seiner so einfachen und doch so überwältigenden Größe zeigte. Er hatte keine Waffe in der Hand. Seine Silberbüchse hing ihm auf dem Rücken, und sein Messer steckte unberührt im Gürtel; aber er stand so stolz vor dem Yuma, leuchtete ihm mit solchen Augen ins Gesicht und drückte ihm die Hand mit solcher

Gewalt auf die Schulter, daß dem Manne die Sprache versagte. Die beiden andern Yumas waren auch aufgesprungen; sie standen ebenso starr vor Ueberraschung da. Ihre Messer hatten sie bei sich; ihre Lanzen, Bogen und Pfeile lagen seitwärts auf der Erde; diese brauchten wir nicht zu fürchten. Da ermannte sich der Sprecher, trat einen Schritt zurück und fragte:

»Ein fremder, roter Krieger! Wer - - wer - - wer - -«

Er wollte fragen, wer der fremde Indianer sei, brachte aber die Frage, weil er seinen Schreck noch immer nicht überwunden hatte, nicht ganz heraus, erhielt jedoch die Antwort von dem Haziendero, welcher jubelnd ausrief:

»Winnetou, ja Winnetou ist's! Dem Himmel sei Dank; wir sind gerettet!«

»Win - - Winne - - Winnetou?« fragte der Yuma mit stockendem Atem. »Der Apatsche ist da?! Uff! Nehmt die Waffen und wehrt euch, ihr Krieger, denn - -«

Er griff nach seinem Messer; die andern beiden waren nicht so schnell; die Angst lähmte nun, da sie seinen Namen hörten, erst recht ihre Glieder. Winnetou schleuderte mit seinem Fuße ihre Lanzen und Pfeile ins Wasser und herrschte ihm zu:

»Schweig, Yuma, und rühre dich nicht! Da steht Old Shatterhand! Oder willst du versuchen, ihm einen Hieb auf die Schnauze zu geben?«

Dieser Ausdruck war mir nur lächerlich erschienen; Winnetou aber hatte sich über denselben geärgert, sodaß er ihn nun schon zum zweitenmale wiederholte. Indem er die letzteren Worte sprach und auf mich zeigte, trat ich zwischen den Büschen hervor und hielt in jeder Hand einen Revolver, beide auf die Yumas gerichtet.

»Das - das ist - - Old Shatterhand?« fragte der Yuma, die Augen nicht starr, sondern stier auf mich gerichtet.

Er war es, dem ich Widerstand mehr und eher zutraute, als seinen Gefährten; er mußte also auch eher als

sie unschädlich gemacht werden; darum stand ich mit einem schnellen Schritte vor ihm und antwortete:

»Ja, das ist - - das ist Old Shatterhand, wie du sogleich fühlen sollst!«

Den Griff des rechten Revolvers fest mit der Hand umschließend, schlug ich ihm denselben auf den Kopf, daß er niederstürzte und sich nicht rührte; dann donnerte ich seine Genossen an:

»Werft die Messer weg, sonst habt ihr augenblicklich eine Kugel!«

Sie gehorchten sofort; es war die erste Bewegung, welche sie machten.

»Legt euch nieder, und rührt euch nicht!«

Auch das thaten sie schnell und ohne Widerrede. Nun wurden die fünf Gefangenen losgemacht und aufgefordert, mittels der Riemen, mit denen sie gefesselt gewesen waren, die drei Roten zu binden. Es läßt sich denken, wie rasch sie diesem Gebote nachkamen. Der hasenherzige Juriskonsulto warf sich natürlich auf den betäubten Indianer, da er diesen nicht zu fürchten brauchte, und rief, indem er ihm die Riemen mit dem Eifer eines Henkers um die Hände und die Füße schlang:

»Ja, gefesselt soll er werden, gebunden und erschlagen wie ein toller Hund, der Schuft, der Schurke! Ich werde ihn in Ketten und Banden nach Ures bringen, damit man dort sieht, daß ich als Sieger mit den wildesten Bestien des Gebirges in ritterlichem Kampfe gestanden habe. Ich kehre als Sieger heim; wer kann mir widerstehen!«

Auch diese Prahlerei war eigentlich lächerlich, doch ärgerte sie mich, da der Mann von seinem Ruhme sprach, ohne ein Wort für seine Retter zu haben. Darum fuhr ich ihn nicht eben höflich an:

»Schweig, Prahlhans! Wer hat den Yuma niedergeworfen, Sie oder ich? Bedanken Sie sich gefälligst bei mir!«

Da richtete er sich auf und antwortete in halb beleidigtem und halb vorwurfsvollem Tone:

»Sennor, ich bin - - nun, Sie wissen doch, was ich bin, und haben nur gethan, was Ihre Schuldigkeit war; das will ich freundlich anerkennen, aber mich dafür bedanken, das habe ich nicht nötig. Nicht wahr, Don Timoteo?«

»Sehr richtig, sehr richtig!« nickte der edle Haziendero. »Wir sind selber Manns genug und brauchen keinen, der nichts anderes weiß, als sich nur immer in unsere Angelegenheiten zu mischen!«

Das war wirklich stark! Es zuckte mir in den Fäusten. Was hatte ich nicht für diesen »Don« gethan! Ich mußte wirklich meine ganze Selbstbeherrschung zusammennehmen, um mich ohne die gehörige Antwort abwenden zu können; aber es gab einen Anwalt für mich, welcher die Nichtswürdigkeit ebenso fühlte, wie ich, und in diesem Falle aber weniger Geduld besaß, als ich. Kaum waren die Worte gesprochen und kaum hatte ich mich umgewendet, so hörte ich hinter mir zwei Schläge. Mich rasch wieder umdrehend, sah ich den Haziendero und den »Juriskonsulto« am Boden liegen. Winnetou hatte sie mit dem Kolben seines Gewehres niedergeschlagen und holte schon wieder aus, dasselbe auch mit den Polizisten zu thun, welche vor Schreck über seine blitzschnelle That nicht an Flucht oder Gegenwehr dachten.