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Ein kleines Guckloch wurde geöffnet, und das Gesicht eines Mohren erschien in demselben. "Le<lka saa<de(Gesegnete Nacht)!" grüßte der Janitschar. "Du bist der Wächter dieses Hauses?"

"Ja. Was wünschest Du, o Herr?"

"Ist Dein Gebieter, der Kadi-Baschi noch wach?"

"Er sitzt im Erker und arbeitet."

"Ein Herr namens Nurwan-Pascha wohnt bei ihm?"

"Ja."

"Auch er ist noch wach?" "Ich weiß es nicht." "So wecke ihn und öffne!"

"Zu dieser späten Stunde? Das darf ich nicht. Mein Gebieter würde mir zürnen." "Ich will nicht eintreten, sondern Dir nur diese Sänfte übergeben." "Wer sitzt darin?"

"Eine Person, welche der Pascha erwartet." "Wer sendet sie?" "Der Vizekönig."

"So werde ich öffnen. Du aber trittst nicht ein, sondern nur die Träger, die sich dann sofort entfernen!"

"Ich werde meinen Fuß nicht über Deine Schwelle setzen, und Du darfst die Sänfte nicht eher öffnen, als bis Nurwan-Pascha B selbst zugegen ist. Sage ihm nur, daß der Vizekönig ihm das schickt, was er von ihm gefordert hat."

Das Thor öffnete sich; die vier Männer trugen die Sänfte in den Hof und entfernten sich schweigend, wobei ihnen der Janitschar wieder voranschritt.

Der Neger wagte nicht sich der Sänfte zu nahen. Er trat vielmehr in den Palast und begab sich nach dem Erker, in welchem sich der Kadi-Baschi befand. Dieser saß wirklich zwischen allerlei Büchern und schrieb emsig. Er hörte den Eintretenden und wandte sich ihm unwillig zu:

"Was willst Du? Weißt Du nicht, daß ich jetzt nicht mehr gestört werden darf!"

Der Neger lag auf dem Boden; er wagte den Kopf nur ein klein wenig von der Erde zu erheben.

"Ich weiß es, Herr, und dennoch mußte ich Dich stören, denn der Vizekönig hat eine Sänfte geschickt." "Eine Sänfte? Eine leere? Für wen?" "Für Nurwan-Pascha. Sie ist nicht leer." "Wer ist darin?"

"Ich weiß es nicht. Ein Janitscharenoffizier brachte sie und gebot mir, nicht nachzusehen, wer sich in ihr befindet. Ich soll sagen, daß der Vizekönig das schickt, was Nurwan-Pascha von ihm gefordert hat."

Der Kadi stand überrascht auf.

"So gehe hinab und warte Deines Amtes weiter!"

Der Neger kroch rückwärts zur Thür hinaus, und der Kadi begab sich unverweilt nach den Räumen, in denen sich Katombo befand. Dieser saß noch neben seinem Weibe und sprach mit ihr über die Ereignisse der letzten Tage. Er hörte die Schritte, welche im Vorzimmer anhielten und trat hinaus.

"Du bist es?" frug er erstaunt, als er den Kadi erkannte.

"Ich bin es. Ich sehe, daß die Ruhe Deine Seele noch nicht umfangen hält. Komm mit mir in den Hof!"

"Was soll ich dort?"

"Eine Sänfte sehen, welche Dir der Vizekönig sendet."

"Wer sitzt darin?"

"Das müssen wir erst sehen."

Eine schwere Ahnung fiel auf Katombos Seele. Die beiden Männer begaben sich nach dem Hofe und öffneten den Tragsessel. A Der Strahl des Mondes fiel in das Innere desselben, und sie sahen ein blasses, geisterbleiches Frauenangesicht, dessen weit geöffnete glanzlose Augen ihnen gespenstisch entgegenstarrten. "Sobe<de!" rief Katombo, völlig starr vor Schreck.

"Sobe<de, die Tochter Remusats und das Weib von Omar-Bathu?" frug der Kadi. "Ja. Der Vizekönig hat sie ermorden lassen!" Der Kadi faßte sich zuerst.

"Das darfst Du noch nicht behaupten. Sie kann gestorben sein; sie kann sich selbst den Tod gegeben haben; sie kann auch noch leben. Wir müssen sie untersuchen. Lasse sie hinauf zu Deinem Weibe schaffen!"

"Nein, denn Ayescha würde vor Entsetzen sterben. Gib mir ein stilles Zimmer, in welches ich sie tragen kann!" "So komm!"

Katombo nahm die Leiche, welche ihre vollständigen Kleidungsstücke trug, auf den Arm. Der

Kadi gebot dem Neger, zu schweigen und die Sänfte einstweilen zu entfernen. Dann gingen die Beiden nach einem abgelegenen Raume, den der Kadi mit eigener Hand erhellte und in welchem sie ungestört waren. Katombo legte die Todte auf einen Teppich.

"Sie lebt nicht mehr, ihre Glieder sind vollständig kalt und steif."

Der Kadi ergriff eines der herabhängenden Händchen.

"Todt. Aber diese Steife ist unnatürlich. Sie ist nicht zufällig gestorben!"

Katombo brachte das Licht näher und betrachtete das Gesicht aufmerksam. Ein plötzlicher

Gedanke schien ihn zu durchzucken.

"Sieh diese Nase und - hier diesen Ring an ihrem Finger!"

Die Nasenöffnungen waren ungewöhnlich weit geöffnet und sehr dunkel gefärbt. "Was meinst Du?" frug der Kadi.

"Das ist der Ring des Mameluken. Er trug ihn stets und gab ihn niemals von sich. Er erzählte mir einst, daß der Ring ein feines Pulver enthalte, welches ihm ein weiser Magier angefertigt habe. Wer daran riecht, der muß sterben, bald oder später, je nachdem er viel oder wenig von dem tödtlichen Dufte eingeathmet hat. Ein Gegenmittel und also auch eine Rettung gibt es nicht."

"Wo soll das Pulver sein?"

Katombo zog den Ring von dem Finger der Todten.

"Sieh, er enthält nicht einen Stein, sondern das goldene Siegel des Mameluken, und unter demselben befindet sich eine hohle Kapsel, welche das Pulver verbirgt." "Öffne sie!"

"Das ist gefährlich. Verschließe Mund und Nase!"

Sie banden sich Beide ein Tuch vor, und nun versuchte Katombo, die Kapsel zu öffnen. Es gelang. Sie enthielt ein feines bläuliches Pulver, und auf demselben lag, so klein auch die winzige Höhlung war, ein Stückchen Papier, auf welches deutlich das Wort "Haar" gekritzelt war.

"Was soll das heißen?" frug der Kadi.

"Sie hat den Ring von Omars Hand genommen, als er todt neben ihr lag, das ist sicher. Sie wußte, daß ich das Geheimniß von diesem Gifte kenne und daß ich sofort die Art ihres Todes errathe, wenn ich den Ring an ihrem Finger sehe. Sie hat geahnt, daß ich ihn öffnen werde und den Zettel finden muß. Vielleicht hat sie vor ihrem Tode im Haar etwas verborgen, was uns Aufklärung geben kann. Laß uns suchen!"

Sie lösten die Knoten des reichen Haares und fanden Katombos Vermuthung bestätigt: ein zusammengefaltetes Stück Papyros war zwischen den Locken verborgen. Katombo öffnete es und las: "An Katombo.

Ich soll heut Abend das Weib des Mörders sein, und dann will er mich an Dich ausliefern. Aber mein Kind will er behalten, um es für seinen Harem zu erziehen. Ich kann ohne mein Kind und meine Ehre nicht leben und werde sterben. Er wird Dir meine Leiche senden, und Du wirst diese Worte finden. Küsse Ayescha; lebt wohl, und rächt meinen Tod und den meines Omar. Sobe<de."

Die Faust Katombos ballte sich, und seine Mienen zuckten in wildem Grimme. "Ich werde zu ihm gehen und ihn tödten!"

"Aus Deinem Munde spricht der Zorn. Du vergissest, daß Du dieses Haus nicht verlassen darfst und daß ein Khedive nicht so leicht zu tödten ist wie ein Fellah oder ein Araber aus der Wüste!"

"Warum nicht? Hat er mehrere Leben? Besitzt er ein Herz, in welches keine Kugel zu dringen vermag?"

B "Er ist so sterblich wie jeder Andere; aber die Rache wird auch Dir das Leben kosten.

Denke an Dein Weib und an Dein Kind!"

Die drohend erhobenen Arme Katombos sanken nieder.

"Du hast Recht; aber dennoch wird er sterben, nicht an der Kugel, nicht an dem Schwerte oder meinem Dolche. Er soll desselben Todes sterben, den er der Tochter Remusats bereitet hat!" Er steckte den gefährlichen Ring an seinen Finger. Der Kadi legte ihm die Hand warnend auf den Arm.

"Der Prophet sagt: "Ehe Du ein Wort sagst, denke drei Stunden nach; ehe Du aber eine That beginnst, denke dreimal drei Jahre nach! Du wirst nichts thun, ehe Deine Seele ihre Ruhe und Dein Auge seine Schärfe wieder gewonnen hat! Das Leben eines Herrschers ist heilig und unantastbar."

"Nicht heiliger und unantastbarer als jedes andere Leben. Aber sorge Dich nicht um mich. Nurwan-Pascha wird nichts thun, was er sich nicht zuvor reiflich überlegt hat. Aber wie kann ich das Kind erhalten?" "Sie wird es mit getödtet haben."