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"Nun gut; so hört was ich Euch sage: das Schiff befindet sich in den Händen Eurer Kriegsgefangenen, und alle Eure Mannen sind in den Raum eingenagelt - -" "Wa - - -"

"Ruhig! Ihr sollt es besser haben als die Andern; Ihr sollt frei bleiben. Ihr bedient die Maschine, bis wir unser Ziel erreichen und erhaltet fünffachen Sold. Geht Ihr nicht mit darauf ein, so werdet Ihr natürlich auch eingesperrt. Gebt Antwort; ich habe keine Zeit!" Sie sahen einander verlegen an; endlich meinte der Entschlossenste, indem er sich dennoch ein wenig hinter die Ohren kratzte:

"Das ist ja eine ganz verteufelte Geschichte! Sie tragen unsere Uniform und wollen uns zur Meuterei bewegen - - hm, wir sind bei der Maschine angestellt und werden sie bedienen so lange es von uns verlangt wird. Jetzt aber ist es das Beste, ich lege mich wieder auf das Ohr und bekümmere mich um nichts. Macht, was Ihr wollt! Jetzt ist es zu finster, um sehen zu können wie es steht; ich kann warten bis morgen früh!" "Ich auch!" "Ich auch!"

Sie wickelten sich in ihre Decken und legten sich wieder nieder. Katombo entfernte sich, sehr zufrieden mit dem praktischen Sinne dieser Männer. Als er in die Kapitänskajüte treten wollte, hörte er in derselben laut sprechen. Er legte das Ohr an die Thür und horchte.

"Ich muß hinaus. Zurück, sonst brauche ich Gewalt!" befahl eine männliche Stimme.

"Sie bleiben, oder ich steche Sie mit diesem Messer nieder!" klang die Antwort der muthigen

Ayescha.

Er trat ein und stand an der Seite seines braven Weibes dem Herzoge gegenüber. Dieser fuhr zurück, als ob er ein Gespenst erblickt habe.

"Katombo!"

"Ja, Excellenz! Ich komme, um Ihnen behilflich zu sein, Ihre "Anschauungen in Beziehung des Marinewesens zu erweitern." Sie sollen nämlich erfahren, wie man es anzufangen hat, um mit einem kleinen Nilboote ein so starkes Orlogschiff wie der "Drache" ist, wegzunehmen. Sie sind mein Gefangener!"

Das Alles kam dem Herzoge so überraschend, daß er den Mund aufsperrte und kein Wort zu sagen vermochte. Eben hörte Katombo Schritte hinter sich, er sah sich um und erkannte drei seiner Leute, welche kamen, um sich neue Befehle zu holen. "Nehmt diesen Menschen hinaus und bindet ihn!" "Binden - Mich - ? Mich, den Herzog von Raumburg!"

Er richtete sich stolz auf und funkelte Katombo mit Augen an, als wolle er ihn mit seinen Blicken erstechen.

"Der Herzog von Raumburg? Pah, jetzt bist Du nichts als ein armseliger elender Lump an Herz und Geist, den ich einfach niederschmettern würde, wenn meine Hand nicht zu rein für Dein schmutziges Fell wäre. Bindet ihn, und zwar fest!"

Raumburg wurde ergriffen und hinausgezogen. Er wand sich unter den kräftigen Fäusten der Araber vergebens; in weniger als zwei Minuten lag er bewegungslos am Boden. "Schafft ihn hinunter in den Stall, in welchem ich eingesperrt gewesen bin, und wartet unten; ich komme nach."

Jetzt war er mit Ayescha allein. Sie wollte ihn mit Zärtlichkeiten und Liebkosungen überhäufen, er aber wehrte ihr sanft ab, es B galt jetzt zu handeln. Ein Tritt zerschmetterte die Thür, welche zum Waffenraume führte; hier war alles reichlich zu finden, was er brauchte. "Komm herauf auf das Deck, Ayescha, und bleibe einstweilen beim Vater, bis Ruhe und Ordnung hergestellt sind, dann habe ich auch Zeit für Dich zu sorgen." Er führte sie zu Manu-Remusat, rief dann den Schiffsjungen und stieg mit ihm zunächst hinab zur Koje des Pascha. Er öffnete dieselbe und trat ein. "Sallam aale<kum!"

"Aale<kum? Wer bist Du, und was hat der Lärm zu bedeuten, den ich höre?" "Mein Name ist Katombo, und der Lärm hat zu bedeuten, daß Du frei bist."

"Frei! Ists wahr? Wer ists, der mir die Freiheit wiedergibt?"

"Ich!"

"Du? Ich kenne Dich nicht und habe Deinen Namen noch niemals gehört!"

"Manu-Remusat ist der Vater meines Weibes."

"Allah akbar, Gott ist groß! So habt Ihr Eure Fesseln zerbrochen?"

"So ist es. Die ganze Equipage des Drachen ist gefangen und mit ihr der Herzog von Raumburg, der sich an Bord befindet."

"Wer? Der Herzog von Raumburg!" rief der Großvezier mit jubelndem Tone. "Dieser Fang wiegt ja zehn gewonnene Schlachten auf, wie der Feind auf meine Gefangennahme seine Hoffnung setzte. Beim Propheten, ich gäbe viel, sehr viel darum, wenn er nicht Dein, sondern mein Gefangener wäre!"

"Darüber laß uns später sprechen; vielleicht trete ich ihn Dir ab. Sind unter Deinen Leuten welche, die ein Kriegsschiff zu bedienen verstehen?" "Sie alle sind gute Seeleute."

"So gehe auf das Deck; Du findest Manu-Remusat am Steuer."

Der Pascha eilte, dieser Aufforderung nachzukommen, dann stieg Katombo hinab zu seinem früheren Kerker, in welchem er den Herzog bereits eingeriegelt fand. Von hier aus führte ein enger Gang zum andern Bord hinüber, wo die Türken gefangen saßen. Er ließ sich von Balduin führen, die drei Araber folgten. Der Schiffsjunge öffnete eine Thür, hinter welcher ein erstickender Dunst hervordrang. Beim Scheine der Laterne erkannte man die Gestalten der Gefangenen, welche auf fauligem Stroh lagen und sich jetzt erhoben. "Wollt Ihr frei sein?" frug Katombo. Ein einstimmiges "Ja" erscholl.

"So gelobt mir beim Propheten, daß Ihr mir gehorsam sein wollt, wenn Euer Herr, der Pascha es befiehlt!" "Wir geloben es!" "Kommt."

Der lange Zug setzte sich in Bewegung und langte oben auf dem Verdecke an. Die Befreiten wurden nach dem Vorderkastell gewiesen, Katombo wandte sich nach dem Steuer, wo ihm Malek-Pascha die Hand entgegenstreckte.

"Du hast dies Schiff erobert mit Allem, was darauf ist; es gehört Dir. Willst Du mich nach Stambul bringen?"

"Frage Remusat! Was er will, thue auch ich."

"Er hat mir Alles erzählt. Die Gnade des Khedive ist wie der Halm, der sich vor jedem Winde beugt, aber die Gnade Allahs ist ewig und unveränderlich. Mein Bruder Remusat geht mit nach Istambul, dem "Wangenglanz des Weltmanngesichtes", er hat es mir bereits versprochen. Der Großherr wird ihm geben Vergessenheit für die erlittenen Schmerzen." "Ist es wahr?" frug Katombo den Vater. Dieser nickte.

"So gehe ich mit, nur möchte ich dann, daß Du mir eine Bitte erfüllst, o Vezier!" "Sprich sie aus; sie ist erfüllt!"

"Nimm dies Schiff mit Allem, was zu ihm gehört, als mein Geschenk entgegen!" "Allah illa Allah! Sprichst Du im Ernste?" "Wie sollte ich mit Dir scherzen!" "Auch der Herzog gehört mir?"

"Dir und dem Großherrn. Er hat mir meine Jugend vergiftet, die Mutter getödtet und mich hinausgetrieben in die Fremde. Allah gab ihn heut in meine Hand, ich aber schenke ihn Dir, denn das Angesicht des Sultans wird über Dir leuchten in Freude und Segen, wenn Du ihm diesen Gefangenen bringst."

"Sein Angesicht soll auch über Dir erglänzen. Sei mein Sohn, A wie Du der Sohn meines

Freundes und Bruders bist! Du warst Re<s?"

"Ja."

"Verstehst Du dieses Schiff zu führen?"

Das Auge Katombos leuchtete auf. Er mußte frisch zugreifen, denn hier öffnete sich ihm vielleicht eine glanzvolle Zukunft, wie sie ihm nicht wieder geboten wurde. "Ich versteh es; frage Remusat!"

"Ich glaube es Dir und werde mich Dir anvertrauen. Du sollst Kapitän des Drachen sein, bis der Großherr etwas Besseres über Dich bestimmt."

"So bitte ich Dich, Deinen Leuten unverzüglich zu sagen, daß sie mir zu gehorchen haben! Es ist hohe Zeit, daß wir die nothwendige Ordnung an Bord erhalten."

"Komm!"

Er schritt ihm voran nach dem Vorderkastell, wo sich die Türken sofort vor ihm zur Erde warfen.

"Liegt im Staube und hört, was ich Euch sage! Dieser Mann ist mein Sohn und Freund; ich übergebe ihm die Leitung des Schiffes, und Ihr habt ihm bei Eurem Leben ebenso zu gehorchen wie mir selbst. Ihr kennt die Bastonnade und die Schlinge! Jetzt sprich Du mit ihnen weiter!"

Er kehrte zum Steuer zurück. Katombo aber rief auch seine Araber herbei und hatte bald seine Dispositionen so getroffen, daß jede Stelle wenigstens nothdürftig besetzt war und er hoffen konnte, Stambul glücklich zu erreichen.